Kategorie-Archiv: KulturMachiavelly

Geteilter Flug ist… doppelter Flug?

“Und nicht vergessen den Flug mit den Freunden zu teilen!” steht am Ende nach der Landung. Na, neben dem Dirigentenpult, quer im Bild. Und die Bilder waren cool. Neugebautes, noch nicht mal Eröffnetes gabs zu sehen -  im Durchflug. Und indoor Drohnen, die den Aufzug auf Ebene 15 verlassen oder kurz  den Restroom aufsuchen. Oder sich kopf über tollkühn über die Balustrade im fünften Stock katapultieren. Wow. Also werden wir wohl zu frisch erfundnen..

Flugteilern?

Ja, klar: Flug Adagio oder (Leertaste bitte) Flug Presto. Beethoven oder  Big Beat. So hab ich das (auch) (gern) verstanden auf countdown.elbphilharmonie.de/de/slowmotion/

À propos “Flugteiler”: das ist mal so ein richtig gut gelungenes = entblößendes Beispiel für moderne Wort- und Sinnverbräme. “Lasset uns teilen” oder, original biblisch “und brach die Brote und gab sie den Jüngern, dass sie sie ihnen austeilten, und die zwei Fische teilte er unter sie alle.” Oder n Beispiel für Bibleserverferne: der GutmenschKlassiker “Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude ist doppelte Freude.”

Diese edlen Worte sind heutzutage in wieder in fleissigen, nutzbringenden Gebrauch. Als Anstoß. Doch Anstoß wozu? Na Teilen natürlich. Mal nicht immer so egoistisch alles für sich behalten wollen! OK, jeder dahergeklickte Sich-Angesprochen-Fühlende wird damit zum Menschenfreund getauft, per geschickter “Slogalform” seine Zeig- und Postsucht ermutigt, ja, sie wird dadurch geradezu  “veredelt”.

Aber was z.T. sollen all diese “geteilten” Bilder? “Geteilte” Musik? “Geteilten” Clips, wie der oben? Was sagen wohl deren Urheber dazu? Ja & Amen?

Oder, noch abstrakter (anzuhören): geteilte “Likes“?

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Musik beim Schreiben permanenten Nachbessern und Insta-CD-Nachempfinden:

various Artists: “MTV´s AMP“, Astralwerks, 1997

Ludwig van Beethoven: “Egmont Overtüre”, Tonhalle Orchestra Zürich/ David Zinman, SONY CLASSICAL, comp. 2007

 

Berufsbezeichnung: Tangled Undergrowth Painter

Na, DA ist mir wieder mal was zugefallen:

Ich malte und fand es Gestrüpp!

Als übersehene Restmenge jenseits des kartesischen, gedoppelt buchgeführten, beappteten Lebens der Moderne, antipodisch auf der Rückseite der allgegenwärtig angestrebten Optimierungskadenzvorgaben und Selbstverstatistifizierung gelegen,  tut sich mir angesichts meiner stets  verändernden PinXoGraphien seit September der Begriff Gestrüpp auf, der auf mich malerisch/ wundersamerweise wie ein großer, attraktiver Wegweiser wirkt.

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Wie das kommt? Muß als Reaktion auf die allgemeinen Nachrichten zum (nicht nur technischen) Stand der Dinge liegen, die man so beim interessierten Surfen findet: “News” wie z.B. Clips satellitenbeäugter Aufklappdrohnen für die Aaschdash (= 12Hundert Euro), die mit dieser “Leine” auf Knopfdruck “nach hause finden“, den 25 Gigabyte Daten, die künftig pro Stunde Autofahrt anfallen werden, die feinjustierbare Fernauswertbarkeit, wenn meine Maus über ein Element am Bildschirm fährt , oder wenn üplötzlich “das Internet geschützt werden” soll (WTF??)

Sehr anregend, sich da vorzustellen, wie das bei den Großen ankäme, wenn plötzlich alle nur noch Gestrüpp hochladen, posten, verschicken und sich GPS-mäßig in einem solchen bewegen würden. Da wäre gaanz flugs wohl eine Gestrüpperkennungssoftware fällig harhar.

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Man malt ja immer Sehnsucht. Ich hier wohl die nach Ungesehen, Unvermessenen.

Ich male Gestrüpp, weil alles andere nur die halbe Wahrheit ist. So viele Selbstoptimierungsmöglichkeiten, immer mehr Apps und Anwender, und na – was ist denn de facto mit denen, so live und in echt, per Fußarbeit selbstbeobachtet im täglichen Leben? Nie dagewesenes Chaos herrscht – denn die persönlichen Vorlieben, Eigenheiten, Charakterzüge und Passionen, befreit von Eis und Schnee Konvention mischen-alles-auf.de

Und da hat Malerei (mal) nichts mit Realitätsflucht zu tun: es geht ums Interesse am Zustand der Kulisse.

»As she continues her practice, her work has continued to pure abstraction.«
steht bei wikipedia.org/wiki/Barbara_Kasten, ist bei mir irgendwie andersrum: ich entdecke in meinen fahrlässigsten Schmierern™ immer wieder etwas, das ich schon so oder sehr ähnlich gesehen habe, an unauffälligen Orten und unter merkwürdigen Beleuchtungen – und wenn es die Schatten zerknüllt- und zerkritzelter, verschwitzter Zettel in Einkaufskörbenstapel oder die feinen Fahr- Öl- und Schleifspuren auf einem Autohof sind. Denn eigentlich ist die umliegende Wirklichkeit™ Chef in Abstraktion.

Erstaunlich nur, daß ich zum “Erreichen des Gestrüpps” 360+ Blätter und über ein Jahr gebraucht habe.. denn es gibt da schon seit Jahren (fotografische) Vorboten:

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Wie man oben sieht: Gestrüpp ist nicht gleich Gestrüpp, wie ich neulich (2015) mal à propos KrimiCoverProjekt verlauten ließ. Und ohne diese kleinen gemalten Irritationen im Wilden wäre es ja nur: wild. Öde Action-Klischeemalerei, vom letzten Jahrhundert rübergepumpt. Aber ich will da mehr: die Hürde, die eingebauten Häkchen, kurz: die Brechung. Nur sie hilft, anzuhalten.

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..und da geht es ja auch viel weiter: ich will nicht nur ungezügelt wirkend wuchernde Flora, Anflüge von treibenden Seegras Segrad oder sturm/zerzauste, unbewachtete Böschungen -

Ich will das Prinzip “Gestrüpp”!

Das aber erst seit kurzem – seit ich das auch malen kann. Und erst anschließend bemerkt hab. Denn ein schneller Rückblick über die letzten sagen wir 30 Blätter ergibt: da ist etwas Neues in meiner pinxographischen Tätigkeit: alle hier versammelten Gestrüppe sind handverlesen und ich staune. Darüber, daß es da ein sehr feinjustiertes Gespür dafür gibt, ob ein Gestrüpp gelungen ist oder dann eben nicht zur Kategorie gehört. Diese beiden unten zum Beispiel markieren mir den Übergangsbereich:ntr-scanp-160601-352d-r3v2r ntr-scanp-160421-330b-recve

Ebenso diese, die ich aber nicht dazurechne – da ist zuviel Weltraum mit bei:

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Aber die Richtung ist spürbar, zeichnet sich (logo) vor allem im Rückblick ab.

Na dann mal flugs zurück zum Frischentdeckten! Da liegen noch fünf Angefangene und warten..

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Musik beim Schreiben heute:

Combustible Edison: “The Impossible World”, Bungalow, 1998

Plastilina Mosh: “Aquamosh”, Capitol, 1998

Crash Test Dummies: “Give Yourself A Hand”, BMG, 1999

Antonín Dvořák: “Sinfonie Nr. 9 e-moll “Aus der Neuen Welt“, Staatskapelle Dresden/ James Levine

Guiliano Carmignola: “Vivaldi – Late Violin Concertos”, Sony, 2001

Möge der Texter in Dir mit Dir sein – Prolog zum Interview

Interviews sind die perfekte Erfindung, um Neugierde an einer Person und die uralte menschliche weiterbildende Vorliebe für Geschichten, aber auch für Traatsch und Klaatsch zu befriedigen.

Aber Obacht: Interviews sind auch eine Kunstform.

Kunst, wie von-Können-kommen. Denn wie oft spürt man beim Lesen nur die wohlige Nähe der Beteiligten zum Ruhm zur Möglichkeit, Beachtung zu finden durch, während sowohl Fragen als auch Antworten wie trocken Häcksel schmecken. Oder schlimmer & superschnöd´: nach kaum verhüllten Werbemaßnahmen.    Igittigitt.ntr-scanp-160605-355d-recol

Keine Parodie dieses Sujets sind meine mittlerweile mehrfach erprobten Selbstinterviews. Im großen Stil (bildschirmseitenanzahlmäßig puuh), versuche ich gerade, eine dritte Annäherung an (m)ein Ideal. Interessant, unterhaltend und mit mehr Ensichten bestückt, die Außenstehende fragend gar nicht entdecken würden soll es geraten. Sag ich mal einfach so.  Ok,  im Alleingang, das ist eigentlich unkorrekt. Aber gegen den dafür well-proofed Inhalt sollte nix einzuwenden sein – der ist ja echt ;-) Und im Trend ist dieses Allesselbermachen auch, sagen die Großen, die warten, bis jemand auffällig viele follower hat, um dann zur Ernte zu schreiten…

Warum also hier Selbstinterviews?

Beweggrund #1:   mein Unmut als User

Bilder, Gemälde oder Fotos mir interessant scheinender Kreativer sind im Web 2.0 quasi auf Zuruf verfügbar. Je bekannter, auf desto zahlreicheren Webseiten, Blogs und Magazines finden sie sich, oft in entweder erstaunlicher Deckungsgleiche oder ebenso überraschender Vielfalt ohne Schnittmenge. Könnte gut am Mitwirken etwaiger Publizisten/PR-Abteilungen liegen. Oder am Phänomen “Klickvieh”.

Wenn man jedoch ein Künstler”Statement”, also einen “hauseigenen”,  “werkseitigen” Kommmentar lesen, sehen oder hören will, ist oft gewaltig Réschersché angesagt. Das hängt meiner Meinung nach damit zusammen, daß sehr wenige Künstler, Fotografen oder gar Maler einen Drang zur “sprachgestützten” Selbstdarstellung haben, ja gerade stellvertretend für Rethorik genau “das andere” produzieren, nämlich: ihre Bilder. Abteilung: “Wenn ich es benennen könnte, müßte ich es nicht tanzen.”ntr-scanp-160529-349e-r2vrePositiv dazu kommt, daß bei einem Interview, speziell für eine Galerie-Vernissage oder durch einen Journalisten dieser handfeste, “expertisielle” Fragestellungsblick von außen verhindert, daß sich der Künstler in einen Autismus verheddert, die Fragen von außen ihm also den Tellerrand überqueren helfen.

Was mich immer aufs neue fasziniert, ist, daß die Interviewten die im Interview gewonnen Erkenntnisse nicht auf ihrer Webseite weiterveröffentlichen. Und so – hey! -  selbstbestimmt das Bild, das sie angenommenerweise mit ihrer Präsenz erzielen wollen um diese wertvollen Informationen erweitern. (man glaubt das ja manchmal nicht angesichts kryptischer Klickbedingungen Richtung “Portfolio”). “Faulheit, Unterschätzung oder gar Ignoranz?” denke ich immer, wenn ich “von anderswo her” freudige Erkenntnis und Aha-Erlebnisse habe. Könnte aber auch daran liegen, daß die Interview-Macher&Bezahler das eigene Gequatsche nur gegen Aufpreis rausrücken. WTF??

Die Medaillenrückseite: wenn zwei Menschen sich dem offiziellen Interview widmen, sind mir da oft leider/zuviele Dritte gedanklich auch noch beteiligt:

  • die Auftraggeber, die ein erfolgreiches, postivies, Lead-generierendes Ergebnis erwarten,
  • der Schreiber&Frager, der mangels anderer erkennbarer Skills zumindest mit korrektem Deutsch glänzen will,
  • der Künstler, der sich irgendwann hat überreden/überzeugen lassen, daß Interviews immer gut für die Publicity sein sollen sind.
  • Wenn noch andere Faktoren Spannendes verhindern – gar der Anstand? – führt mir das Ergebnis dieser explosiven Mischung Intim/Medien doch allzu oft in Langeweile oder ins rein sensationsfixierte Off.

Wie lese ich doch selbsterkenntnisschwer im Interview mit dem Chef-der-100-Fragen: “dass jede Frage, die eigentlich mehr sagt als „alles okay bei dir?“, im Grunde eine Unverschämtheit ist.

Das Interview als wirkungsvolle, aber fragwürdige Erfindung der Medienwelt also.

Dieses ganze Personal spare ich mehrfach vorteilhaft ein, denn nun kann ich frei von der Leber weg ein interview-feindliches Genre untermischen: Direktheit aus Interesse am Kern,  abseits von sich personell überkreuzenden strategischen Rücksichtnahmen, und gelange direkt zum

Beweggrund #2: Faszination

Die Überraschung, die Erstaunlichkeit der Fragen, ebenso die der darauf gegebenen Antworten. Eng ist die Welt und das Gehirn ist weit. SO. lernt. man. die. Welt. kennen. Ausrufezeichen.

Erste frühe Begegnung mit dieser türöffnenden Sprachpotenz: meine erste WG, wo´s in Diskussionen um die notorische Unaufgeräumtheit und die damit verbundene Unlust und den dahinterstehenden Anstand und die als “allgemein” betitelte Anforderungen ging: “Null Bock IST ein Argument.” Das kannte ich von zuhause nicht ;-)

Beweggrund #3: Wortspielfreude

Falschschreibungen, Wortcréationen, Wörterschlangenbildendürfen und multiple Mehrsprachigkeit, in einem Satz direkt hintereinander! …“ zwar elliptisch bis hin zur Ungrammatizität, aber gleichwohl jedem verständlich”- Hey – genau das isses, was mir beim Schreiben Spaß macht!! Bislang unmöglich, das in einem amtlichen Interview zu finden. (..) Und nun ratet mal, wo ich diese Stelle gefunden hab…

Zudem ist solche sprachliche Schrulligkeit super als Test geeignet, a certain kinda kindred spirit andocken zu lassen. Also nix von wegen “der Köder muß dem Fisch schmecken, nicht dem Angler”. Dagegen halte ich die Erkenntnis: “If you are bored writing it, your readers will be bored reading it”.start-ntr-356g-re4v2 die SerenDips des Tages:

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Musik beim Schreiben und Prolongieren heute:

Joanna Newsom: “Ys”, Drag City Inc, 2006  + Video: “Sapokanikan”

London Elektricity: “Pull The Plug”, Hospital, 1999

Beim Nachschneiden:

Rough Trade: “The Best Of – Birds Of A Feather”, 1981 High Romance Music

Die Kunst baut überall eine Heimat. Die steigt anschließend im Preis. Dann darf die Kunst woanders weiterbauen.

“Ein Kulturspaziergang”, “Ein Erlebnis”. So oder ähnlich bewerben hierzulande die Kulturverwerter™ und Standortprofilschärfer gerne Aktionen der standardmäßig als “die Kreativen” oder “Kreative Szene” betitelten Protagonisten der Stadt: lange Nachmittage, vorzugsweise gegen Wochenende hin, an denen “ihr” Stadtteil in aller wohnlichen/ inspirativen Atmosphäre erstrahlt. Introtenor: “Dutzende von Künstlern und Musikschaffenden öffnen ihre Ateliers, Studios und Hinterhöfe, damit…”

..die brennend interessierten Immobilienmakler/Investorenagenten kostenlos und unauffällig das schön Hergerichtete in Augenschein nehmen können, ein paar unbezahlbare Innenhofbilder mit grandiosen, blumenbekränzten Balkonatmos, zünftig-rustikal dekorierten Bierbankgarnituren und/oder selbstgemachten Exponaten mit gutgelaunten Menschen darum aufnehmen können. Und den Fang anschließend neu bewerten/raten: mit diesen wohlfeilen Fotos/Infos wird dann ein neues Ziel ins Visier genommen.

Denn Gemütlichkeit, Einzigartigkeit und Attraktivität in der Ausformung des persönlichen Lebensraumes als Antwort auf ein verständliches Begehren, irgendwo zu wohnen, wo man auch im besten Sinne leben will, schaffen hier Menschen, die dafür einen Sinn haben. Einen Sinn, aus einem gesichtslosen, technischen Irgendwo einen Ort zu machen, eine Lokation zu zaubern, einen Treffpunkt, an dem erstrebte Existenz  – meistens nach Feierabend – stattfindet. Das geht am idealsten im Privaten, Unkommerziellen. Denn an unsere Arbeit stellen wir ja anders geartete Anforderungen, sie findet nach wie vor ja auch anderswo statt: in den Bürocontainern oder -hochhäusern, Fabriken, Shopping Malls oder, modern: im Großmarkt oder Fulfillment-Center auf der grünen Wiese, umtost von Informations-, Anforderungs- und E-Mail-Flut.

Und den vorgefertigten (Geschmacks)Standard der Industrielandbewohnermarken möchten wir in dieser Sendestärke bitte nicht auch noch zum Feierabend haben. Da bitte mehr Eigenes, Unverwechselbares.

Diese Art der “Lebensraumerschließung” ist ja nicht per se abzulehnen, ich frage mich allerdings angesichts der nicht abflauenden Gentrifizierungsdebattenkämpfe, die ohnmächtig in den betroffenen Stadtteilen toben, ob die “Kreativen”sich DIESES DIREKTEN Zusammenhangs bewußt sind.

Schauen wir in den unbeteiligten, lediglich “berichtenden” Mannheimer Morgen vom 20.07.2012 :

Vier Treppen hochging es zur vietnamesischen Fotokünstlerin Lys: Ihr kleines Wohnatelier hielt tapfer dem Besucheransturm Stand. Alexa G., die einen der kreativen “Lili Hüte” spazieren trug, schwärmte: “So viele Künstler wie hier gibt es in keinem anderen Stadtteil von Mannheim, dazu die schönen alten Häuser, das ist eine Atmosphäre, einfach wunderschön”.

Alte Häuser und neu erzeugte Atmosphäre: kann und darf da Kunst und Kreativitätsdrang weiterhin nur verschönern bezaubern und Besucher in schwammigen Sinn “inspirieren”, wenn sich die Künstler/Schöpfer dieser ihrer für angelockte Dritte nützlichen Idiotie gewahr werden? Sich plötzlich des Zynismus´ bewußt werden, den der Begriff  “Kulturverwertung” auch besetzen kann? Jäh verstehen, wie Aufwertung ihres Lebensraumes von Immobilien, damit zusammenhängende märchenhafte Gewinnmargen und ihre eigene unschuldige Lust an der Kreation, am Schönmachen und Neues kreieren zusammenhängen? Muß die Kunst nicht genau da drauf reagieren? Und politisch werden?

Damit im Zusammenhang: Sein Lieblingscafé im Internet loben – DARF MAN DAS?  – oder die etwas andere Sicht auf diese Dinge bietet der immobilien-kompass.capital.de

Bis ich das alte Tagesabreißkalenderblatt wiedergefunden hab, von dem der Anfang der heutigen Überschrift stammt, hab ich als Ersatz das da in memoriam gebastelt:die_kunst_baut_ueberall_1

Spannend, sich mal vorzustellen, wie der gute Alte das wohl gemeint haben mag, denn damals gabs noch nicht, was in “meine” Bedeutung hier&heute mit einfließt: Industrialisierung, elektronische Medien, Investorengruppen, Marketingexperten, Individualismus, Gentrifizierung, Turbokapitalismus und last b.n. least: die Fotografie..

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Musik beim Schreiben heute:

Kimbra: “Vows”, Warner, 2012

Hamel: “Nobody´s Tune”, Dox Records, 2009

Randy Newman: “Little Criminals”, Warner, 1977

Terence Trent d´Arby: “Introducing The Hardline According To..”,  CBS, 1987

“Fotografen protestieren gegen die neue Google Bildersuche”

..das lese ich gerade etwas verspätet in der März-Ausgabe der Photonews. Der Grund des Protests: weil von der Google.com- Seite” ..die Bilder groß und losgelöst von der Original-Webseite angezeigt werden” und so den Betrachtern eine Angenehmität bietet, die dazu führen kann, daß “die Bildquelle, die ursprüngliche Webseite, nicht mehr wahrgenommen wird.” Die Autoren in der Beachtung also verblassen und das reine Bildergucken in den Vordergrund manövriert wird:

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Also wieder ein Beispiel dafür, wie Dritte mit eigenen Bildwerken verfahren (können), sobald diese mal online sind. Neue Prekäre Lage für diejenigen Seitenbetreiber, die von ihren Werbebannerungserlösen abhängig sind. Auffällig, daß das in der deutschen Version nicht so ist – Google riecht da den Braten wohl schon und vermeidet Zoff mit den “pingeligen” Deutschen und ihren “Spitzfindigkeiten“. Die französische Version ergibt ein nochmal anderes Mischbild.. Na, das will ich doch mal sehen & teste sogleich. Mit den Bildern auf dieser Seite: klicken Sie also bitte hier!

Einen Schritt diese “Isolationstechnik” weitergedacht stell ich mir dann per “Suchmaschinen-App” eine im Netz zusammengestellte Porträt-Galerie vor, in gleicher repräsentativer Anmutung, genau wie dies besagte Neuversion so tut. Tumblr, Flickr und pinterest personalisiert quasi.

Damit wäre nun die Trennung (fast) vollständig vollzogen zwischen dem, der zeigt und dem, der macht.

Ich schreibe “fast”, denn da hilft verläßlich das häßlich-doch-bewährte,  gut platzierte Wasserzeichen. Auf oder halt am Rand des Bildes. Als kleinster gemeinsamer Nenner beim Bilderhochladen und Internetnutzen: die Betrachter sollen wenigstens “zurückfinden” wie Hänsel und Gretel ;-)

Weitere Maßnahmen: eine “vorsätzliche Beeinflussung der textlichen Gestaltung” der betreffenden Seite, denn wie man sieht, werden ja auch kleine Snippets Text und der Titel der Seite gezeigt- immerhin! Das gilt es zu nutzen. Ja, ja, ich weiß: macht Arbeit mit Bildbearbeitungstool = ästhetische Schmerzen durch Bild-mit-URL-drüber und Texterkopfbrummen. Und schade um den Aufwand mit dem eigentlichen Heim der Bilder…

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Also, ich hab ja sowieso keine ordentliche Galerie auf dieser Seite und lasse stattdessen die dickste Suchmaschine der Welt die Arbeit machen. Und jetzt, mit dieser Entdeckung guck/klick ich gleich mal n bißchen rum und finde folgende Mischungen ganz cool:

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Da krieg ich nen recht krud gemixten, doch mir sehr anregenden Einblick, was sich alles hier so angesammelt hat: alte Startbilder wie das blaue da links unten mit Fraktur, Reingretchen-Rätselgitter, Werkstattskizzen, Schnappschüsse von Fototouren, Musiker on stage, Krimibuchdeckel, CD-Cover, Making-Of-Bilder, Postkarten.. ,-)

Einen Verbesserungsvorschlag hätte ich trotz aller Goutierung jedoch. Zu dem kleinen Beisatz rechts unten im Galeristengrau. Er sollte geschrieben werden:

Die Bilder sind eventuell urheberrechtlich geschützt. Fragt sich nur, wovor..

Bilder im Internet, ein modernes, spannendes Thema also. Sobald man hochgeladen hat und somit für (fast) jeden erreichbar = downloadbar ist, kommen Phänomene & Fragen auf. Zum Beispiel diese seehr bedenkenswerte fand ich im faz.net: ..kann man seine (Anm. d. Red.: des Urhebers) Suchmaschinenoptimierung schon als Zustimmung sehen?

PS.: Weitere Tipps, Links und Infos dazu auf dem Blog von Heike Rost.

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Musik beim Schreiben heute:

The Cardigans: “Life”, Stockholm Records, 1995

Paolo Conte: “Paris Milango”, Ariola, 1981

Manuel Galbán & Ry Cooder:”Mambo Sinuendo”, Nonesuch, 2003

various artists: “Lost In Space – Drum & Bass Phase 00 : 02″, Lacerba, 1996

Die Zeiten von “Laß es wie ein Unfall aussehen” sind vorbei. Heute heißt es: “Laß es nicht zu werblich aussehen”

Nein, nein, ich bewerbe mich mit dieser Weihnachtswarteschlange von Titel NICHT für irgendeinen crazy creative writing award. Fand ihn nur in seiner Ideenkombination gut. Und außerdem: er verbraucht ja kein Papier, nur Scrollenergie ;-)

Anlaß dazu ist ein ähnlich lautender Satz in der RNZ zum “ersten Mannheim Magazin” in der Süddeutschen Zeitung vom vorvorigen Wochenende. Das kann man im Verpassensfall stapelweise auch im Welcome-Center abholen. Oder einfach(?) auf  scrib.com (San Francisco, USA) gehen. Um da als Einheimischer über das Nächstliegende zu erfahren. Geht aber auch auf der Seite der sacht inserierenden (!) m:con ohne re-importierte Werbebanner ringsum.

Und da ist sie auch schon wieder, la Krux: was heutzutage als Text/Bild überall frei rumliegt, MUSS Werbung sein. Wie diese Mitnahme-Postkarten in Kneipen. Oder die Institution der Flyer-Ablage, allerorts in der Stadt, in allen frequentierten Läden, auf jeder werblichen Fensterbank. Und online-in-Gänze – noch eindeutiger!

Nicht, daß ich gegen angemessene Verbreitung, heute “Reichweite” genannt, wäre. Es geht nur um die bedenkenswerte Tatsache, daß etwas, daß nach Ad riecht von uns (damit arg verwöhnten Industrielandbewohnern) sofort in den zerebralen SPAM-Ordner verschoben , d.h. ausgeblendet zu werden droht. Denn, wenn wir auch nichts wissen – das wissen wir: da soll uns schon wieder another Handel schmackhaft gemacht werden.

Also ist im hier wohl vorliegenden Fall der nicht ganz so versteckte Plan, eine Stadt als “Produkt” anzupreisen, als desiderablen Lebensraum zu präsentieren, schon mit einiger Vorsicht anzugehen. Auch (und vielleicht vor allem) auf der Seite der damit flächendeckend Beworbenen.

Ist ja auch probat, denn: wie viele sind heutzutage ob Freizügigkeit und stetig zu optimierender Lebensgestaltung-in-progress ja immer auf der Suche nach etwas Besserem (als das Vorhandene, bislang Erreichte). Nach etwas zum Ins-persönliche-Leben-integrieren, das sich auch Jahre nach “Akqisitionszeitpunkt” BITTE NICHT als kaltes Produkt, den Erwerb als Bauernfang und einen selbst als Opfer-einer-Masche entpuppen möchte.

Solcherart Entdeckung nämlich beeinträchtigen das Selbstbild als selbstgesteuertes Individuum. Mächtig beträchtlich. Die Werbeindustrie sieht das nicht nur auch genau so, miterfindet zur advanced Verdunkelung dieses Umstands quasi & da technisch möglich geworden das social networking, kämpft nichtsdestotrotzdem dennoch weiterhin endlos mit genau diesem Umstand. Wie David gegen Goliath. Sysiphos mit seinem Stein. Bloß: das Problem ist nicht abgeschafft, nur verfeinert. Bis in die hintersten psychologischen Winkel unserer Hirne.

Aber es geht auch umgekehrt: etwas, das aus reiner Schöpferfreude entstanden sein sollte ist, als kaltblütig geplantes Produzieren im Hinblick auf die Absetzbarkeit darzustellen. Zum Beispiel Musik. Auf die folgenden, diesen Artikel triggernden, entblößenden beiden Sätze in Musikerinterviews respektive in CD-Besprechungen stieß ich in der aktuellen Intro und faßte sofort den Plan, sie hier als Stein-des-Bloggeranstoßes unterzubringen:

“Wie wichtig empfindest Du selbst Social Media? Du wirkst sehr nahbar auf Deinen  Accounts- das machst Du doch selbst, oder managt das jemand für Dich?”

“Keine Frage, die Band hat ihre Hausaufgaben gemacht, die letzten zehn Jahre Musikgeschichte als Kursthema gewählt, und als Facharbeit präsentieren die vier Hamburger ihr neues Album..”

Hier nämlich wird genau diese kalte Berechnung mal den Künstlern unterstellt.  So zum Runterputzen und/oder Provozieren benutzt. Auch mal nett, die Welt der Kunst (Musik, Literatur) erfrischend vorsätzlich destruktiv unter diesem Blickwinkel zu sehen, der uns anderswo nimmermüde nahegerückt wird: dem der permanenten “Placierung” von Verkaufsangeboten, dem ausgebufften Planen-und-Erfüllenwollen der geahnten oder gemachten Konsumentenwünsche, der Nutzbarmachung von Trends, der Aufforstung von frisch/mühsam detektierten Nischen.

..aber, so ist mein Gedanke mittlerweile, vielleicht hat das mit den musizierenden Betroffenen ja wenig zu tun, ist eher DAS Symptom einer Berufskrankheit (oder Versuch einer Eigentherapie?) der Journaille in diesen Tagen..

..also mal wieder willkommener Finger in die ewig schwärende moderne Wunde – danke, Intro #221! Für mich trotz(/wegen?) ausschließlicher Werbefinanzierung das deutschsprachige Musik- und Kulturmagazin, das beide Antipoden (Kunst vs./als/trotz Kommerz) komplett stylisch und gegenwärtig zu einen vermag – Gegenwart 2.0. Für mich als (sprach-)interessierter Blogger eine wunderbare Anregungswundervuvuzela. Und die massig Banner verschiebe ich in meinen zerebralen.. siehe oben..

Das frisch Entdeckte hilft uns Lesern also, darüber zu sinnen, wie wir denn nun zu dieser Sache stehen. Also frage ich Euch:

Läuft das jetzt unter Kulturkritik oder unter Produktbesprechung?

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Musik beim Schreiben heute:

Faith No More: “Album Of The Year”, Slash Records, 1997

Fleetwood Mac: “Rumours”, Warner, 1977

Groove Armada: “Late Night Tales”, Coolpool Ltd., 2008

Prefab Sprout: “A Life Of Surprises”,  Columbia, 1992

Lirum Larum Alıyorum

Der menschliche Geist ist unfassbar in seinem Erfindungsreichtum, seiner Erfindungslust, die vorhandene, an sich wortferne Wirklichkeit mit neuen Begriffen zu bestickern und somit auf rhetorische Weise zu deuten. Und damit in etwas Neues zu überführen, denn: wer die Begriffe besetzt, der besetzt die Realität, denn anders als in Begriffen läßt sich über diese nicht nachdenken, diskustieren oder entwickeln.

Also ist die zwingende Schlußfolgerung daraus, daß, wer die Gedanken und Ansichten zu bestimmten Phänomenen bestimmen will,  dazu Begriffe erfindet, die sich bei guter Führung in den Köpfen der Menschen um diese legen und durch diese dann brillenmäßig betrachtet werden, sollte sich der Begriff allgemein durchsetzen.

Interessanterweise ist Zynismus in diesem Bereich der ideale Ersatz für eine Weckerklingel. Er findet eine möglichst knackig-abwertende Bezeichnung für eine bislang unbeachtete Erscheinung und macht so auf diese empörenderweise aufmerksam. So entwickelt er, zum Beispiel als Mitarbeiter zum Unwort des Jahres viel beachtet, beträchtliche Kraft, eine Großzahl an Menschen auf bestimmte Mißstände in der Auffassung der Welt aufmerksam zu machen. Und bedient sich des Gefährts der moralischen Entrüstung. Quasi als dynamisch sich fortschreibendes Wörterbuch in progress, Wutbürger zu erzeugen.

Man kann das aber auch von Emotionen entfärbt sehen, mehr nüchtern, wissenschaftlich gar, instrumental. Denn durch diese Tür gelangte ich zum Thema des Tages. Und das mal wieder über eine neue, faszinierende Inkarnation der Fotografie in der Gegenwart:
Dem Begriff Klickvieh nämlich begegnete ich zum ersten Mal auf der famos gebauten (leider vom Netz genommenen) Seite des Duden Verlags genannt SzeneSprachenWiki, und er führte mich direkt hinein in die Mitte des zeitgenössischen Geschehens.  Ich zitiere das Wiki dazu:

Die IVW (IVW = Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern) bestimmt die Höhe des Werbepreises für Webseiten. Verlage, die viele Klicks für die IVW-Pixelmessung auf ihre Seite bekommen wollen, legen Bildergalerien an. Die Besucher, die sich diese anschauen werden abwertend als Klickvieh bezeichnet.

Im Internet surfende Menschen als Vieh, das Mausklicks bringt, zu taufen ist ein, äh, interessanter Einfall aus dem Bereich der Biologie. Mir jedenfalls erwacht beim Lesen das Interesse. Ich denke an Cowboys, die endlose Herden von cattle über staubig-düster-wüstenartigen Ebenen treiben, die bis zum Horizont reichen. Schlage dann aber erst mal.. IVW nach. Und stoße dabei  auf das Werkzeug des Zählpixels. Der funktioniert so ähnlich wie die Implantierung von Google Analytics. Anschließend stoße ich auf den gewagten Begriff des Opt-out Permission Marketings.

Dabei fällt mir ein, wie oft ich mich als Besucher von Online-Galerien schon geärgert habe, wenn nicht nur der Seitenaufbau, der oft wegen der rings um die Bilder positionierten Werbebanner nicht nur langsamer ist, nervt, sondern auch, wenn anstatt eines erwarteten nächsten Bildes ein Werbebanner in die Galerie oops- SO ein mißlicher Zufall aber auch!- reingerutscht ist.

Wenn ich mich nun in die Rolle des zu diesem geschäftlich-digitalen Konstrukt beisteuernden Fotografen hineindenke, erscheinen auf einer solchen Bildergalerienseite plötzlich gar fünf verschiedene Personengruppen, die sich aus wirtschaftlichen oder anderen Interessen auf dieser einen Seite, wenn auch an verschiedenen Stellen wiederfinden:

  1. Seitenbetreiber
  2. werbende Firmen
  3. die IVW
  4. Fotografen
  5. Besucher

Man mag sich nun mal ausmalen, wer dieser Crew welche Ambitionen hat, auf welche Flecken des corpus delicti schaut und woran dran (sich) verdient (macht). Ich zum Beispiel frage mich, wie denn nun die Berufsbezeichnung eines Menschen lauten könnte, der durch seine Tätigkeit (als Fotograf) “Vieh”.. erzeugt? anlockt? fischt? ködert? Meine Einfälle dazu sind bislang weder Fisch noch Fleisch.. Aber nichtsdestotrotz:

Wieder Einiges gelernt – Danke, Klickvieh-Erfinder!

À propos: daß da in der Überschrift ein I-Punkt fehlt, ist schon ok, denn al%C4%B1yorum sieht bei weitem unbesser aus. Erstaunlich, daß es dieses Wort anscheinend nur in englisch-sprachigen Welten, nirgends in deutschsprachigen Wörterbüchern gibt..

weiterführende Artikel:

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Musik beim Schreiben heute:

Anne Clark: “Changing Places”, Beehive, 1983

Nadia Birkenstock & Steve Hubbard: “The Glow Within”, Laika 2013

Rickie Lee Jones: “Traffic From Paradise”, Geffen, 1993

The Soundtrack by Paul Kalkbrenner: “Berlin Calling”,  B Pitch Control, 2008

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Hier noch ein paar herbstliche Mannheim-Bilder, die, ohne große Suche, sich zu Paaren zusammenschlagen ließen: eigentlich Unbilder, die rein mit der Atmosphäre der Ausschnitte, weniger mit klassischer Bildgestaltung punkten. So zumindest will ich das sehen ;-)

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What If I Told You

So doll das Internet auch ist – im Verbreiten der persönlichen “Note”, Selbstdarstellung, Meinung, Produktpalette etc., und zwar, ohne daß man wie zuvor an Redaktionen vorbei muß oder es an Geldmangel scheitern würde, (weltweit) gesehen werden zu können -

Immer wieder erlebe ich nach dem Fund eines neuen spannenden Fotografen/Projekts dieselbe Enttäuschung: die interessanten, ja signifikanten Informationen über ihn/sie sind nicht auf ihrer persönlichen Seite, sondern auf Galerien-, Mag- oder Onlinepräsenzen von klassischen Zeitungen. Und dazu auch noch weitaus a) mehr, b) detailreicher, c) neutraler und d) informativer. Ok, kann man da sagen, das sind ja auch Profis.

Oder im Gegenteil, wenn man die Fotografen persönlich kennt und dann vergleichend die Artikel über sie liest (für deren Erscheinen sie oft kosten- und honorarfrei Bildmaterial “tauschen”): fast durchweg beherrscht das Klischee vom “begeisterten Fotografen aus Leidenschaft” die Berichterstattung. Und etwaig aufflammendes Interesse an der Person wird durch diese traditonellen Texte in herkömmlicher Form eher gelöscht. So geht dieser Schuß, der eigentlich beiden Seiten nützen soll, eher nach hinten los: die Fotografen geben natürlich kein super Bild für den gebotenen/ suggerierten Werbeeffekt her – super Bilder sind zum Geld verdienen da – der Text folgt rätselhafterweise allzu oft der klassischen Regel:

“If you are bored writing it, your visitors will be bored reading it.”

und riecht arg nach müder Routinearbeit. Das Ganze ist dann nicht bloß unter Energieverschwendung, die man halt zur Verbreitung hinnimmt, einzuordnen- den damit einhergehenden Effekte der Leselangeweile , der durch ebenso laues Bildmaterial noch verstärkt wirkt, würde ich eindeutig unter negativ ansiedeln.

Da frage ich mich regelmäßig: Wie kann man sich nur so reglos sein Image von Fremden bestimmen lassen, deren Beweggründe, dies zu tun, mittelfristig gesehen oft ans Fragwürdige grenzen??

Wieso nimmt man sein Image nicht selbst in die Hand, jetzt, wo dies endlich per www so easy möglich ist??

Denn es ist und bleibt eine oft übersehene, allergrundlegenste Wahrheit, die ich hier , interessanterweise perfekt formuliert von einer Farb- und Stilberaterin zitieren will:

“Nirgendwo besteht eine bessere Möglichkeit, Ihr komplettes Angebot, Ihre Dienstleistungen und Ihre Person bzw. Ihr Team besser und überzeugender darzustellen, als in einer guten Homepage. Sie ist für Interessenten 365 Tage im Jahr rund um die Uhr einsehbar. Das ist Werbeluxus pur.”

Genau diese verwirklichte Erkenntnis vermisse ich ausgerechnet bei den meisten Fotografen, deren Werke ja perfekt internetideal  sind -  ohne Umweg übers Marketing, den ein anderes Produkt sonst in der Überführung in mediale Präsenz und Darstellung nehmen muß.

Und was ist da so unangenehm/schlimm/teuer dran, einen guten Freund (für die Sicht von außen) und einen Profitexter (für die Formulierung dieser Sicht) ran zu lassen, um ein vollständiges, kontrolliertes (!) und faszinierendes Bild seiner selbst zu erzeugen?? Wo liegt das Problem, sich mal als so cool, interessant und sexy darzustellen, wie man sich an einem guten Tag, Sonnenschein und super Laune selbst sehen will?

Was also, wenn ich diesen Kreativen sagte: “DU selbst könntest den besten, echtesten, coolsten, too Film über Dich drehen! Die besten Texte über Deine Beweggründe und Deine Faszination selber veröffentlichen! Warum daheim nächtens in der kleinen Welt des privaten Zahnputzbechers amöbisch vor sich hin träumen? Warum die Zeit vertun mit Postings, um Dich in die zweifelhafte Anziehungskraft der “angebeteten” Sender, In-Crowds und Kundenkreise zu bringen? Warum dieser stoische Fatalismus angesichts dieser halbgar-bis-miesen, kontraproduktiven “Berichte”, die die Mags und Zeitungen im Tausch gegen Deine Bilder =Deine Arbeit anfertigen?” Und dieses Lotteriespiel, ob ein frisch angekündigter Fremd-Artikel denn so wirkt, wie man sich das wünscht- ohne freilich mitredigieren zu können, brauchts das wirklich?

Plus: Du hast doch ne Kamera! Die kann auch Filme drehen! Warum nicht seinen Lieblingsregisseuren nachgehen und sich selber inszenieren! Einfach mal ausprobieren! Die Freunde fragen, wie sie Dich am coolsten aufnehmen/sehen würden?!

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Musik beim Schreiben heute:

Moonlight Fiesta, Echoes Of Swingyoutube-embedding-memorial-

das “Lektorat” als angemessene Antwort

Liebe Nachwuchsfotografen! Solange Ihr noch kein Studio Euer eigen nennen könnt, noch nicht allgemein bekannt und hoch bezahlt seid, werdet Ihr folgende Fotoanfragen von entfernteren, gerne selbsternannten Freunden kennen und jedes Mal aufs Neu um angemessene Beantwortung ringen:
Hättest Du Lust, uns mit Deinem geballten Fachwissen am 26.10. auf dem Konzert zu fotografieren?
Verwendung: Facebook – natürlich mit Herkunftsnachweis.
Geld: haben wir keins, aber Du kriegst ein Essen (im Salon)
Würde mich sehr freuen! Und Du darfst auch im Salon ein Werbefeuerwerk abfackeln, wie Du willst dann.

Anstatt nun stumm-anklagend mit Bildern zu antworten, unter Bedenken zuzusagen oder mit den großen grundlegenden Antworten zu langweilen, daß Fotografieren = Arbeit , Aufwand und Lebenszeit, das Einbringen von Erfahrung, ein gutes Foto Gold wert ist etc. etc. habe ich ein “Lektorat” entworfen, das in realsatirischer Form zeigt, wo es denn hinnegehen soll:

man reagiert nicht als dankbarer/fassungsloser/beleidigter Fotograf, sondern als Verdeutlicher, ja, Coach:

Sehr geehrtere Herren!

Vielen Dank für Ihr Interesse an unserem Lektorat! Zu Ihrem eingesandten Textentwurf für eine  preiswerte Fotografenaquise ist klar zu konstatieren: bevor man diesen vermailt, kann man noch Einiges verbessern :

  • Professionelle Kulturverwerter machen mit den Kreativen/Fotografen, die sie im Blick haben, immer auf DU-und-Du, in einem fast verschwörerischen Tonfall. Etwa so: “Wir haben da ein super Ding. Wird voll der Knaller.” “Der Chor/die Band wird begeistert sein. Die wollten dich ja schon immer mal persönlich kennenlernen. Weißt Du eigentlich, daß da einige Deiner größten Fans mitsingen/dabei sind??” etc.
  • Sehr dankbar sind Fotografen, mit denen man einen kurzen persönlichen Kontakt vereinbart- wenn man diesen nicht sowieso schon pflegt- das suggeriert Ernsthaftigkeit und Seriosität. Je bekannter man selber schon ist als “Kulturmensch”, “Veranstalter”, Lokalpromi oder “Förderer”, desto besser die Wirkung eines solchen, meist ersten Treffens- wie kurz auch immer es sein mag! Unbedingt zu empfehlen!
  • “Verwendung: facebook” ist ok. Klingt so nach privat und unspektakulär. So lokal. Nur für uns. Und: macht/kennt ja jeder: n paar Handyknipsefotos hochladen.
  • “Autorennennung” klingt viel besser als “Herkunftsnachweis”. Direkter. Persönlicher. Journalistisch beschlagen. Nach Respekt, Urheber, Schöpfung. Dem Meister.
  • “Wir haben kein Geld”. Kann man zur Verbesserung mit leider unterstreichen.
    Wichtig: Es wird NIE etwas dafür geboten. Bezahlung ja sowieso keine, noch weniger aber “ein Essen” “eine Fahrt mit der Gondeletta” “ne Kinokarte”- damit wird nur auf ungute Weise ein Gegenwert suggeriert.

Viel besser: es wird nur zwischen den Zeilen versprochen: Coolness, Glanz, Glamour, eine Mitgliedskarte für die In-Crowd, für das gesamte Festival, alle Tourdaten.

Zur weiteren Vorgehensweise:

Wenn die Bilder dann im Sack und online sind, kann man in einer schulterklopfenden Folgemail , die in einem professionell sachlich gehaltenen Tonfall leichte Euphorie andeutet – von den begeisterten Reaktionen des Publikums, des Chors – die gemeinsamen Erfolge auflisten. Die meisten “teilnehmenden” Fotografen dieser Sorte, die ich da kennengelernt habe, begnügen sich dann schnell mit dem “Werbeeffekt” und lassen gut sein.
Großes Plus: Und man kann bis zur nächsten großen “Aktion” in freundschaftlicher Verbindung bleiben.
Ein richtig guter Trick ist: man stellt dem Fotografen eine Kamera (“Knipse”) zur Verfügung an diesem Abend. “Brauchst Dich nicht um die Technik zu kümmern- das besorgen ALLES wir”. Die nimmt man dann hinterher wieder mit. Und hat ALLE Bilder. Auch die, die ein Profi löschen würde. Und: der Fotograf kann nicht mal ohne richtig großen Aufwand und Zeugen beweisen, daß er diese Bilder auf Ihrer Kamera gemacht hat- er hat die Aufnahmen ja auch nicht mal gesehen!!
    • Wir freuen uns schon und werden dann ein Werbefeuerwerk abfackeln. Du kannst im großen Stil Deine mitgebrachten Bilder verkaufen. Der Wirt ist auch schon sehr interessiert. Bring mal lieber die doppelte geplante Menge mit!

 

Soweit meine Lektorenvorschläge.
Dann nennt man noch ne Latte Fotografen, die “da empfänglich wären”: zeigt also auf einschlägig bekannte Kollegen. Damit diese, sollten sie mit diesem “optimierten” Ultrazynismus tatsächlich beworfen werden, mal ordentlich die Weckerklingel schrillen hören. Oder eben stoisch ihr Ding weitermachen.
PS.: hab ich von nem Rechtsanwalt abgeschaut: man richtet eine e mail-Adresse namens “beratung@…” ein und gibt diese als Kontaktadresse an: “Anfragen unter”. Dann kann man testballonmäßig noch eine Beratungsgebühr fürs Lektorat berechnen, denn unter dieser Adresse handelt es sich ja nicht um eine Fotoanfrage sondern um eine Hilferuf zur ergebnisorienterteren Verhandlungskompetenz. ;-) demnächst mehr Sparringtipps von Eurem frischerfundnen
Chulch R. MacYavell 

Keep Out Of That Perfection

Wenn man sich wie ich ständig & sehr viele Bilder ansieht und sich dazu diesen unvorstellbaren Ozean an Fotos vorstellt, der immer ereignis-zeitnaher durchs Internet auf den Bildschirmen weltweit anbrandet, beginnt man irgendwann, mit wissenden Blick diese Erscheinungen zu betrachten.

Noch deutlicher wirds mit der kritischen Analyse dann, wenn man sich darüberhinaus noch mehrere Jahre Erfahrung mit digitaler Bildbearbeitung angeschafft hat.

Denn diese “fotografischen Ereignisse” sind zu einem großen Teil nicht mehr vom originalen Aussehen oder der Beleuchtungssituation abhängig/bedingt: allgemein macht sich nun auch unter den Nichtprofis der Bildergucker die Gewißheit breit, daß eben diese Bildprodukte vielmehr per Standardprozedur verändert, “verbessert”, also perfektioniert wurden. Die Werbeindustrie ist der Tempel dieser Perfektion. Das ist nix Neues- ich schreibe das nur zur Einleitung.

Diese Perfektion*, zu der früher, das heißt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, nur die Besten in der Lage waren, wird nun massenhaft erreicht und erreicht nun als Standard oder “Grundversorgung” die Allgemeinheit.

Und das nicht nur daeshalb, weil sämtliche Ikonen der Fotografie gründlich eben nicht nur ins Bildgedächtnis der Profis eingedrungen sind- Bilder von Welt sind den reinen Bildkonsumenten ebenso flugs zur www.Hand, umfluten quasi alle Interessierten auf nahezu jeder qualitätsbewußten Plattform- in Print wie digital online, im Büro, zuhause oder mobil, von der weltbesten Museumsseite bis runter zum Amateur-Blog und Post-It-And-Heart-it-Plattform. Und setzen so Bildbetrachtungs-Standards. Aus genau diesem Grunde der Allgegenwärtigkeit ist es schwierig, über diese “optische” Übermacht hinaus etwas Weiteres zu erstellen.

Früher warteten Generationen nicht nur von Naturfotografen auf das richtige Licht, die optimale Wolkenformation, die perfekte Konstellation der Bildelemente, um das perfekte Bild zu schießen. Waren auf eine sexy Retro-Art von der Realität und ihrem Aussehen abhängig, spielten mit deren Erscheinungen und interpretierten sie mithilfe des Werkzeugs Kamera in unvergleichlichem Maße. Heute erfährt die Bildproduktion – auf manchen Gebieten gar unabhängig von realen Gegenständen geworden- eine Inflation ungeahnter Intensität. Perfektion, in der teuflischen Gestalt des Branchenlevels, gelingt Profis heute routiniert mit Bildbearbeitungsprogrammen, die im Jahr 2013 meisterhaft ausgereift ist. Fast, so scheint es, um aus beinahe jedwedem halbwegs anständigen Ausgangsmaterial das perfekte Bild zu generieren/ illusionieren. Doch das ist nur die kreative Seite- viel wirksamer arbeitet da der “Vertrieb” dieser Art Ästhetik:

Online Plattformen, die profi-redaktionell betreut sind, schieben diese Entwicklung kräftig an. Weiter und weiter. Nivellieren so den Geschmack und raten gleichzeitig als Türsteher das Niveau, das immer von Verwertbarkeitskriterien gelenkt ist. Gipfel ist dabei das “Gewinnen” eines Platzes in der Printversion: noch breitere Wirkung für immer noch null Honorar…

Also ich kann mir heute schon vorstellen, wie/daß die Welt bald ohne Profifotografen, ohne studierte Berufs-Journalisten funktionieren wird: irgend ein Handyreporter ist überall, und: die ästhetischen Ansprüche kommen ihm heftig winkend entgegen. Amateure gewinnen immer mehr und schneller an verwertbarer Qualität-  ein Benefit des Internets mit seiner Verfügbarkeit von Know-How und der ausgiebigen Möglichkeit, sich in großen Online-Foren geschmacksmäßig gleichzuschalten.

Dadurch gewinnen die entstehenden Produkte vermehrt Einlaß in die Stockfotografie, die als Antwort auf den massenhaften Zulauf durch schiere interne (!) Konkurrenz die Preise niederhält. Zitat Wolfgang Ullrich: “Die Konfektionierung des Bildermarktes prägt aber mittlerweile ebenso die – übrig gebliebenen – kleineren Agenturen, die es sich nicht leisten können, die neuen Standards zu ignorieren.”

Daraufhin verlagert sich die darbende mittelständische (Werbe)wirtschaftin in ihrer Selbstdarstellung, soweit es möglich ist, auf diese motivisch fast durchgehend unverortbare Datenbankfotografie- der lokale Bezug der Bilder wird so zugunsten der finanziellen Aufwendungsbegrenzung vernachlässigt. Dadurch wird der klassische Markt der Profis noch kleiner. (..)

Aber ich will mich nicht krampfhaft am Schimpfen festhalten: bei Weitem nicht immer durchfährt mich ein kleiner Stich des Zweifels, ein Hauch des Gefakten, wenn ich auf ein Perfektion atmendes Foto stoße. Oder mein Wissen schmälert die Sensation des Anschauens- ich kann in einer grandiosen, komplett virtuellen Produktion sehr gut und gerne meine Freude finden (Danke für den Tipp, Uli!).

Ungleich schlimmer dabei die schiere Masse: durch die seuchenartige ÜberallVerfügbar- und Allgegenwärtigkeit und die oft gleichartige Erscheinungsform macht sich in mir recht schnell ein fades Gefühl der Langeweile und des (ästhetischen) Überdrusses breit. Und ich wende mich ab & lasse mich wieder von Bildern mit größerer Bandbreite anregen.

Denn nicht nur die Wirklichkeit ist nicht perfekt. Ein zum Zwecke der Perfektion gemachtes Bild dient, wenn man sich seine Umgebung mal genauer ansieht, in gefühlt enttäuschend übermächtigen 95% der Fälle der reinen Promotion, Aufmerksamkeitsheischung, Imagebildung und Vertrauensbestätigung. Also der Vorbereitung der Kaufbereitschaft- ein wie ich finde recht einseitiger Begriff von “Perfektion des Bildes”.

Noch schlimmer in der schieren Masse auf Online Magazines oder Blogs: Bilder fungieren heute als ihr eigenes product placement. Machen nicht so sehr für den Urheber, als vielmehr für das Gucken auf genau dieser Seite Werbung. Und ermöglichen das Sammeln von Daten und Platzierenkönnen von Werbeflächen.

Das ist noch hinterhältiger, machen sie doch in ihrer endlosen VerStrömerei für diejenige Plattform, auf der sie so massenhaft erscheinen, vertrauenselige Werbung,  “erwirtschaften” Statusgewinn und symbolisches Kapital, während das einzelne Foto, obschon tausendmal folgenlos für den Urheber angeklickt, komplett verschwimmt. Sehr geschickt eingefädelt dabei, daß ihre Betreiber nicht müde werden, sowohl den kostenlos beitragenden Amateuren wie den ebenso “zur Verfügung stellenden” desparaten Profis gleichzeitig das Gespenst des Wahrgenommenwerdens als Auftragnehmer vorzugaukeln. Und diese dabei sind, mal begeistert, mal mit einem ob des faulen Kompromisses verkniffenen Gesicht.

Da bin ich echt auf das große Aufwachen gespannt und darauf, was sich dann tut. Momentan ist das mit einem Lebensalter und entsprechender illusionsbefreiter Erfahrung verknüpft, und: begeisterte Ahnungslose wachsen nach. Doch die ersten routinierten Digital Natives tauchen auch schon auf, die die Lage intuitiv in all ihrer Perfidie erfassen.

Ich bin hingegen auf das Rätselhafte aus, das man mit der Kamera ohne großes Don Quichotten am PC einfach entdecken kann, wenn man offenen Auges durch die Gegend -oder die eigene Küche- treibt. Fotografieren als praktisches Training zur fortwährenden Verwunderungsfähigkeit.

Da ist vom Fetisch Perfektion nur insofern eine Ahnung in der Luft, als ich versuche, dieses Skurrile möglichst ästhetisch wirkungsvoll einzufangen, mit all meiner jahrzehntelangen fotografischen Erfahrung. Denn Bilder als solche sollen das Hirn reizen, über sich hinaus auf Ideen vom (persönlichen) Leben weisen, neue möglich machen und in einem übertragenen Sinne die stromliniengewohnten Augen neu öffnen. Vor allem: die eigenen!

Das Bild hier oben links zum Beispiel erstaunt(e) mich ob des Kontrastes zwischen der gemeinsamen Farblosigkeit und gleichzeitigen Andersform von Natur und betonierter Geometrie ;-) Ich finde, es birgt auch einen gewissen Humor, noch dazu im Gartenfreundeland, ob absichtlich oder unwillkürlich- egal!

Mir soll gelten, was Andrea de Carlo doch so prägnant als eines seiner “zehn Gebote des Schreibens” setzt – das darf gern auch fürs Fotografendasein gelten: “Das Leben muß sexy bleiben.”

* mit Perfektion meine ich nicht nur, daß die Bilder durchwegs scharf, farbensatt oder vom Kontrastumfang stets ausgewogen sind, sondern hauptsächlich in Bildgestaltung den Vorbildern wie Avedon, Newton, Bresson, Horst, Beaton etc. folgen. Die ist nun aber auch schon über fünzig Jahre alt und daher vollständig in die (Pop)Kultur eingegangen. Und wird seit einigen Jahren vom ausgewaschenen, vignettiersüchtigen Retro-Look Instagrams et al. ersetzt- eine “neue”, nichtsdestotrotz ebenfalls standardisierte Ästhetik.
Vielleicht sollte ich daher von konfektionierter Perfektion sprechen.

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Musik beim Schreiben:

Various Artists: “Gute Laune Klassik Vol. 4″, SONY, 2002

Various Artists: “WAP100- We Are Reasonable People”, Warp Records, 1998

Groove Armada: “Late Night Tales”, Azuli, 2008

Stanley Turrentine: ”Salt Song” Epic, 1971