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Ich male Augenbewegungen

Wie kommt man auf so eine Überschrift Idee? Nun, man sitzt mit feingespitzten Bleistift und versucht, Spuren der delikatesten Art auf diejenigen Stellen des schon angefangenen Bildes zu ädden, daß sich Unterschiede zwischen bewußt gemalt und unbewußt gemalt vermengen.. Kurz: entschlossen fahrig Striche machen, denen man keinen (zeichnerischen) Willen ansieht, die aber trotzdem irgendwie auf dem Bild angelangt sind.Und sich plötzlich an diesen typischen Strichverlauf auf wissenschaftlichen Diagrammen erinnert: den Anblick einer Grafik, die aufgezeichnete Augenbewegungen darstellt. ntr-scanp-160125-266-rec4ecUnd genau wie diese wirr scheinenden Augenbewegungsspuren – so mag ich malen ;-)

Das Ziel: was der Betrachter auf diesen Bildern erblickt, soll eher als Spuren gedeutet werden, die man aus seinem täglichen Leben in freier Wildbahn ( also abseits medialer Vermittlung) so kennt,

die als Bild quasi ein Echo dieser Kenntnis erzeugen.

Und die man eigentlich gar nicht bewußt wahrgenommen hat. OK, – irgendwie künstlich erzeugt – wir betrachten ja ein gemachtes Bild – aber dennoch merkwürdig “anorganisch”, wie absichtslos, antigestalterisch. Bis zu diesem Moment nun: am Bildschirm oder in der Galerie, an dem man sie doch wiederzuerkennen glaubt. Und sich darüber wundert.P1290124Das wären so optische Phänomene wie Gebrauchsspuren an Gegenständen, Verwitterungsmuster auf Steinen, Rinden, Blättern, Straßenbelag mit schmelzenden Schnee, als Patina auf einst glatten Oberflächen, durch Gebrauch “erschienene” natürliche Pfade, als hierzulande selten gewordene Landschaftselemente, die fern von jeglicher menschlichen Einwirkung, nur den natürlichen Gegebenheiten der Tektonik, Witterung, Verfall und/oder Bewuchs zu folgen scheinen.

ntr-scanp-160125-266-rec180 ntr-scanp-160122-264c-r7veAber auch solche faszinierenden Dinge wie Lichtspuren auf Langzeitbelichtungsfotos, denen durch leicht zittrige Verwackelung ein Eigenleben innezuwohnen scheint – wie hier bei einem meiner KrimiCovers.

ntr-scanp-160125-266f-rec3v ntr-scanp-160125-266d-re4ve

Die nächste Frage ist warum.

Ich versuche mich in Antworten:

  • das Bestehende langweilt. Nicht beim Anschauen – da lernt man ja immer, und wenn es Aussortieren ist –  aber bei der Vorstellung, selbst Gebirge, Blumen, Turnschuhe oder Gesichter zu malen, scheuklappe ich zu. Oder heißt es : zurück? ;-)
  • weil mich dieses eigentlich Unmögliche reizt: Spuren auf dem Papier zu hinterlassen,  die sich durch ihre Erscheinung =  Ähnlichkeit mit dem Unwillkürlichen der Welt als willensfrei geben. Oder besser: tarnen. Und diese Camouflage, dieses Unklare zwingt fast zum Hinsehen. Zum Bewußten.
  • weil ich beim Malen bemerkt habe, wie wenig gesteuert man auf diese Welt guckt und sie trotzdem in seinem Bildgedächtnis vorrätig hat. Das Staunen, dorthinein gelangt zu sein wie Treibgut, das man nicht bestellt hat, das sich aber nichtsdestotrotz am hauseigenen “Strand” angesammelt hat.
  • um durch diese Art, Spuren zu verwischen, zu etwas Ungesehenem zu gelangen. Dabei hilft natürlich der Computer, aber nicht auf die bekannte Weise. Oder wie sage ich immer wahrheitsgetreu:

«Das hab ich genau so gemalt. Nur nicht in diesen Farben.»

ntr-scanp-160124-265c-re7vr ntr-scanp-160125-266b-r3verntr-scanp-160124-265c-rec7v_____________________________________________________________________

Oldies hören Musik beim Schreiben heute:

Stammheim Presents: Heimfidelitiy 6: “ExPIERREiments”, HörSpielMusik, 2003

Various artists: “Moving Shadow 98.2″, dito

Various artists: “Zentertainment 2002″, Ninja Tunes, 2002

Faith No More: “Album Of The Year”, Slash, 1997

(Eigene) Werkschau, nicht selbst erstellt – V 3.0

Aus Unmut über die Unmöglichkeit, auf unbekannten Webseiten schnell einen Überblick über die vorhandenen Bilder zu gewinnen, startete ich 2012 mit meiner online-Galerie einen Selbstversuch.

Und begann, fremde Mächte 😉 die Arbeit tun zu lassen. Die zeigen, was da alles so kreucht und fleucht auf soodlepoodle.net, allerdings undesignt und nach mir unbekannten Regeln sortiert. Von dort gehts bei Interesse wieder zurück zum Bild am angestammten Platz.  Als “Preis” bezahle ich gerne den irritierenden Sprung aus meinem Menue zu – oops – Google und deren soodlepoodligen Suchmaschinenergebnisse. Jaja, ich weiß:

gewöhnungsbedürftig! Aber spannend!

Nach drei Jahren Erfahrung begann ich März 2015 testweise & aus Unzufriedenheit mit den doch statischen = immer selben Ergebnissen, diese Bilderanzeige/-Suche mithilfe von Schlagworten erst zu “verfeinern”, also “sortieren” zu lassen, dann in Abständen zu variieren. Bilder und Text waren mit über 200 illustrierten Blogeinträgen (Stand April 2017: 320 Stücker) in Fülle vorhanden und so konnte man zur Tat = Programmierung schreiten:

Da die meisten Bilder hier am Blog sowohl ungetaggt, dafür aber/als auch von Text “umflossen” sind, kann man der Suchmaschine einzelne Begriffe dieses Textes (!) als Kriterium, das zur Wahl benachbarter Bilder verwendet wird, hinwerfen. Und je nach Wortwahl eine jeweils andere Mischung der Bilder angezeigt bekommen.

Läuft bei mittlerweile weit über 1.000 Bilder hoffentlich nicht nur für mich als Generator von unvorhersagbaren Bildkombinationen ganz im Sinne des Herrn Hechenblaikner oder Lilah Ramzis “Part Nouveau”(leider nun bilderlos bzw. verstreut im Netz) als Galerie-Automat und (Selbst-)Inspiration, die ich im Schnitt alle vierzehn Tage erneuere. Diese Schlagworte seither (immer zeilenweise gleichzeitig online):

Nachträge 2016/17/18 zur Vervollständigung:

Spannend dabei ist, daß diese Aufrufe sich immer auf den neusten Indizierungsstand bei Google beziehen, derselbe Befehl nach einem halben Jahr also völlig anders aussehende Ergebnisse = Zusammenstellungen liefern mag durch die mittlerweile “entdeckten” neuen Bilder.

Da könnt Ihr Euren Cocktail auch mal selber mixen!

Rezept: ins Googlebildersuchfenster “site:soodlepoodle.net” eingeben – und dann irgend ne Präposition, 1 Farbwort, ein Hilfsverb oder Personalpronomen eintippen– vielleicht grad mal eins von dieser Page/Seite! Dann bekommt Ihr Euern persönlichen Soodlepoodle- Bilder- Mix! und dann natürlich flugs dasselbe mit der.. eigenen Seite, insofern es da was außerhalb fb, twitter und co gibt- am idealsten ein Blog mit Wörtern zu den Bildern!

Was mir dabei extrem Laune macht, ist die Durchmischung von Fotografie, Werkstatt-Photoshop-”Skizze” und frisch Gemalten. Aus dieser Faszination des Kontrasts entstand auch das aktuelle Startbild, das aus einer farblich etwas überlagerten Foto-  und einer Faltenwurf-gleichen, ausschließlich durch Mausklicks (!) erzeugten Hälfte besteht.

Mein kleines Steckenpferd nebenbei: die Bildersuche @home nach “ebk-scanp” – so hab ich alle pinxographischen Blätter genannt, die zwischen Juni 15 und Januar 16 entstanden und online gegangen sind. Nächste Malerstaffelei unter “ntr-scanp”, dritte, aktuelle unter “ysp-scanp”. Na – do you feel the difference??

..man will ja unbedingt was erkennen wollen!

Blatt #255. Pastellkreidenmalerei im fortgeschrittenen Stadium. Beim Umfärben des ursprünglichen Blaus in dieses Rotbraun, plötzlich, erscheint er, der schneckenköpfige Drachen mit den Hundeohren:ebk-scanp-160105-255d-r4drOder das stürmische Karussell auf dem Blatt #253. Hochaufschießend, fast wie ein Lebewesen. Aber erst: nach einer 90° Bilddrehung:ebk-scanp-160101-253g-recolNach einer ebenfallsigen Bilddrehung der Nummer 255: voilá, das brennende Pferd. Mit dem Strichelgestirn als Reiter und Funkenstreuer zur Erde. Aber ebenfalls erst nach dem Scannen und Umfärben entdeckbar, denn zuerst war alles.. stahlblau. Und die damals grüne Wiese, die jetzt flammt und wogt am unteren Bildrand noch unerkannt als solche, nun ein Flammenmeer.. oder scharlachrote Schleier, die im Südwind wehen?ebk-scanp-160105-255-r5Oder ist alles ganz anders? Bin das nur ich, der das sieht? Diese Bilder auf eben diese Weise deutet?Bleibt, auf das nächste Feedback zu warten. Und weiterzumachen.(..)

Denn noch immer, nach über einem halben Jahr pastellne Malerei, entstehen diese Bilder ohne Absicht, gegenständlich zu sein. Oder, besser gesagt:

der große Plan ist: ihre Vermeidung.

Des weiteren soll beim Malen bitte fehlen: die vertikale Ausrichtung und damit die Anmaßung einer Schwerkraft. Oder die Absicht, Räum- und Körperlichkeit durch Hell- und Dunkelauftrag zu evozieren, Das schafft “posthum” ausschließlich das Digitale (die Postproduktion quasi) nach handwerklicher Fertigstellung: diesen bildnerischen Ton noch weiter zu drehen und damit unbekannte Sensationen herauszukitzeln. Der dann gewählte Bildausschnitt (das heißt Scan-Ausschnitt – mein Apparat “schafft” immer nur ein schmales Viertel des Gesamtblattes) und die Drehung ebendieses lassen überraschende Bild-Deutungen zu, die nachfolgende Umfärberei hat daran weiteren entscheidenden Anteil.

Obige drei auf diese Weise entstandenen “Porträts” sind mir jedoch in ihrer jähen Offensichtlichkeit selten. Meistens bleibt nur, an einzelnen Kurven, irgendwo im Bild oder an einer durch gedankenlos hingeworfene Tönung erzeugten Andeutung von Dreidimensionalität herumzu..rätseln, und vage Erinnerungen an Gesehenes zu bemühen, wie hier unten:ebk-scanp-160105-255e-r3Dabei hilft die durch Rechner flexibel gewordene Möglichkeit zur Koloration, fertig gemalte Formen umzufärben und dadurch in einen realen Kontext einzuordnen, die Assoziationstauglichkeit mit “noch lebenden” Gegenständen näherzurücken. In Orange gefärbt zum Beispiel Flammen in Formen zu entdecken, die in Grün eher organische Blätter waren. Oder in braun plötzlich hölzerne oder irdene Phänome zu erahnen. Und dadurch wie hier das lilafarbene Vertikale als zum Beispiel aufsteigende Rauchsäule mit.. äh, Fräsungen oder gar eine organisch-körperliche Form á la Henry Moore zu entziffern. Sehen zu wollen.

Was mich dabei besonders fasziniert, sind die winzigen Schattierungen und zufällig (gemalten) Überschneidungen von Strichen oder Flächen, die hinterher erst, beim Anschauen plötzlich einen Sinn ergeben, in ihrer jäh erscheinenden Plausibilität die Fantasie des Betrachters triggern.

Dabei ist beim Malvorgang selbst keinerlei Beschränkung notwendig: gar nach fragilsten Auftrag haudünner Schichten ist es probat, Kinderzeichnungsgleich mit stumpfen Stift über das Ganze hinweg zu stürmen. Oder in die gröbsten Stellen winzige Kreise oder Rauten zu zisellieren wie hier unten rechts im “Heu”:ebk-scanp-160105-255b-r5Antagonistische Gebilde reizen natürlich ebenfalls in ihrer Kontrastigkeit. Man kann daran gut seinen persönlichen Unterscheidungswillen erkennen ;-) ebk-scanp-160101-253f-normOder wars eher die Lust, irgendwas auseinanderhalten oder einfach nur benennen zu können? Drehwurm von Noppen von Blättern von Gräsern von Perlmutt zu trennen? Oder gehts eher darum, hell von dunkel, düster von positiv, deprimierend von ermutigend, auf- von abwärts trennen zu können? Je größer das Rätsel, desto genauer jedenfalls guckt man hin –  die Bilder sind somit  weitere Beispiele/Hinweise für/auf die Tatsache, daß ..man  ja unbedingt was erkennen wollen will!

Vielleicht gar.., das kam mir grad beim Wäscheaufhängen…sich selbst? ;-)