Kategorie-Archiv: The Making Of The Making-Of

Diese Schrift macht mich lächerlich

Hätte ich nicht gedacht: mein neulich selbst (hin)entworfener Font, mit meiner Optomaus direkt am Bildschirm gemalt… paßt nicht zu meinen Gemälden.

Und wenn ich -seit Internet-  schon der “Selbstbestimmer” meiner Außenwirkung bin, dann bitte mit einer ohne Widerspruch. Der, so stelle ich mit Verwundern fest, stellt sich ein bei der Verwendung eines unpassenden Schriftsatzes. “Unpassend?” werdet Ihr Euch fragen. “Gibts unpassende Schriften für ne ..Gemäldeseite?” – “Eindeutig!” werde ich da rufen, “guckt doch mal da drauf!” Zusammen mit den doch recht “unbeschwerten” Farben in all ihrem “fröhlichen Durcheinander”..

suggeriert dieser Anblick die abendlich-kreativen Reste einer Kindertagesstätte.

Obschon ich diese verspielte und daher für Unbekanntes, Erstaunliches weit offene Haltung einer solchen äußerst bejahe ( und mit der PinXoGraphie tatsächlich versuche selbst zu verwirklichen), gibt es da doch eine unkindliche Ernsthaftigkeit dahinter: es geht um erwachsene Themen in bunt.

Und Ernsthaftigkeit verlangt vom Design: Kante zeigen, verlangt: Eckigkeit. Definition (eng.)

Umso kategorischer, je mehr und je sattere Farben im Spiel sind. Denn die sind ja per Klischee “auf der anderen Seite” allen Ernstes.  Vergleicht doch bitte selbst die ersten beiden Versionen von gestern abend hier (oder analog Anwaltsseiten vs. Fashionblogs) mit den folgenden drunter:Das war die erste Version. Dann zur Abschwächung eine Schrumpfung/Wegrückung nach oben links..Das ist zwar ebenso verspielt wie die Bilder, strömt mir aber mangelnde Stringenz aus. Und Stringenz claime ich sehr wohl. Es muß ja nicht diese überstrapazierte griechisch-römische Boldness sein wie unten, in Kapitälchen und Halbrelief, plus Farbverschiebung ins klassisch Vintagefarbene, um (flag-en) das Bild abzurunden:start-nnn-170702-498f-kapii

Ganz erstaunlich nicht wahr, wie da “das GoldBunte” hintendran plötzlich ehrwürdiger wirkt, ja, wie fast schon historisch gereift. Patiniert in kostbarsten Sinne. Da liegt mir die Assoziation einer telegenen Tempelanlage auf dunklen Holz, hohen marmornen Säulen, langen, in der Brise leicht wehenden hochaufschiessenden Vorhängen und dem alles ins Gold schiebende flackernde Feuerlicht in den Schalen tatsächlich nahe.

Mach ich vielleicht mal, wenn sich ein erster Tempelbesitzer meldet, dem eine Wand “zu marmorn” ist ;-)

Vorerst aber bleibe ich beim persönlich Überkommenen, Bestehenden, Bewährten – moderner, serifenloser, kantiger Font zu ebensolchen Bildern -  ist ja auch gut für die corporate identity ;-)

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Musik beim Schreiben heute:

John Scofield Band: “Überjam”, Verve, 2002

Stereolab: “Margerine Eclipse”, ELEKTRA, 2004

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Nachtrag: sieh an. Dieselben Buchstaben ohne Textfunktion ergeben ein völlig anderes Bild – da plötzlich darf das Dekorative!ysp-scanp-170106-425c-alpha

Nachtrag 2: jetzt mit neuem “70ies Airline -Banderolen-Logo” die nächste Frage: Das soll passen? Auch nicht? Nun, ich arebiete dran – ergibt mit den Bildern drunter auf jeden Fall nen neuen Geschmack/Flavour  ;-) ntr-scanp-160413-328-r3v2r2

 

Ich male den Schaum meiner Erinnerung

Heute, im hellen Februar 2017,  nähere ich mich stetig, langsam, doch unaufhaltsam dem 444sten bemalten pinxographischen Blatt, habe daraus schon über 23 Tausend Bilder wie diese “gewonnen”, drängt es mich auf ebenso akkumulierende Weise, diese Besessenheit mit einem scheinbar abseitigen Phänomen  in ein artist statement zu fassen.

Sprache als Vermittler, Sprache als Faszinationsüberträger, Sprache als Erkenntniswerkzeug. Auch für den Autor selbst.

Hier am Blog gibts dazu ja schon ausführlich Material auf deutsch – in mehr als einer Hinsicht* ist diese Internetseite (!) mein Statement – doch mein Ehrgeiz, meine Faszination auch in “der Internetsprache” englisch begreiflich zu machen, schwemmt mir neue Herausforderungen an. Dazu ringe ich seit letzten Herbst immer heftiger, diese nun zwei Jahre dauernde Beschäftigung mit Malerei bis zum ultimativen Text-Destillat immer noch kürzer, prägnanter, spannender zu “besprechen”. Und als Bonus (eine Sprache – eine Seele, zwei Sprachen – zwei Seelen) die per englischer Brille mögliche zweite Blickrichtung zu gewinnen.

Und dieses Ringen-um startet schon bei der Überschrift: die schnelle Übersetzung wäre “I paint the foam of my memory” und hört sich für mich schrecklich an. Weil mir dieser englische foam nicht die gleiche poetische Kraft hat wie der deutsche Schaum, mir nicht geeignet scheint, das Lesers Hirn in gleichem Maße auf diesen weiten Horizont einzustimmen, den mir das Wissen um Boris Vians “Schaum der Tage” hat/macht. Da – à propos – hat man auch Taufschwierigkeiten und zieht mal den foam, mal den froth heran. Ist ja auch kein Wunder bei dem surrealen Schreibstil/Inhalt. Diesen hartklingenden froth will ich aber auch nicht. Und auch memory ist mir zu technisch/physiologisch/klinisch. Da bitte hätte ich gerne das weitere, mehr geisteswissenschaftlich ausstrahlende mind für.

Also weder foam noch froth, und memory auch nicht. Aber ein frisch gefundener, mir bis dahin unbekannter englischer Begriff für “Gischt” erscheint mir viel geeigneter -  linguee findet gar ein Kochrezept mit Thymian – Bingo! Das”macht” den Zuschlag zum viel weichern, verträumter klingenden spume.

Das ergäbe nun “I paint the spume of my mind“. Damit kann ich leben. Wahrscheinlich bis mein kategorischer native speaking consulting editor beim Gegenlesen/Korrigieren eine  unbekannte Assoziation herauskramt..

Genau das ist ja die Krux mit der Übertragung in eine andere Sprache. Übersetzen von schwer greifbaren bildnerischen Erscheinungsbeschreibungen ist Übertragung in ein anderes Lebensgefühl, andere Bilderwelten, andere Symbole, andere Vorlieben für Klänge…

Andererseits ist dieser Bilderflutbau einem gewissermassen technischen Interesse geschuldet: es geht nicht um Bilder, es geht um Reize. Stimuli für das diese Bilder beschauende Hirn.

Ein Testfeld für die Suggestionskraft von Farb- und Formnachbarschaften, Herausforderung für das Bildgedächtnis, das ist mir die PinXoGraphie.

ysp-scanp--170217-438e-r2vIm Jahr 2015 mit dem Malen anzufangen wäre nur halb so spannend, wenn man die Heutigkeit in all ihrem Informationsflutismus, der allgegewärtigen Zugriffsmöglichkeit auf jedwede Art von Information – also auch Bilder als solche – ignorierte.  Denn auf diese Bilder schauen moderne Menschen, die alle diesen selben täglich-kulturell-visuellen Hintergrund haben. Haben könnten.

Denn vielleicht sind es gerade ungegenständliche Bildnisse, die so überaus zeitgenössisch-moderne Erscheinungen wie short attention span, Nomophobie, Burnout, aber auch die (Bild)spuren und Sehgewohnheiten der Marketing- und Brandingwelt auf eine Weise widerhallen lassen können, die diese eigentlich überkommene Kunstgattung mit neuem erstaunlichen Potential bestücken.. Abstrakte Gemälde, die als Laborexperimente genau dies ausloten wollen:

  • was erblicke ich in ihnen als von der Marken- und Warenwelt dauerbelagerter Mensch?
  • taugen die Bilder als Echokammer meines eigenen Lebens-als-Betrachter?
  • was macht die Ästhetik dabei, die immer, ja immer fraglich ist, sobald man die Augen aufschlägt?

Durch diese Ausgangssituation bedingt wird klar, daß ich mit diesen erst handgemalten, dann digital umgefärbten Bildern – das ist mein simples Rezept -  keine klassische Tradition dieser Kunstgattung fortentwickeln will.  Meine Entdeckung der pareidolischen Wirkung dieser “Halbabstrakten” führt mich nun seit 439 bemalten Blättern fast zwei Jahre ausschließlich auf einer faszinierenden Bahn entlang dieses psychologischen Aspekts, den  – oh Überraschung – anscheinend beliebig Visuelles auslösen kann.

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..und jetzt steht gar die Möglichkeit vor der Tür, das alles auf japanisch darzustellen… Puuh!

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* dazu demnächst mehr…

 

Möge der Texter in Dir mit Dir sein – Prolog zum Interview

Interviews sind die perfekte Erfindung, um Neugierde an einer Person und die uralte menschliche weiterbildende Vorliebe für Geschichten, aber auch für Traatsch und Klaatsch zu befriedigen.

Aber Obacht: Interviews sind auch eine Kunstform.

Kunst, wie von-Können-kommen. Denn wie oft spürt man beim Lesen nur die wohlige Nähe der Beteiligten zum Ruhm zur Möglichkeit, Beachtung zu finden durch, während sowohl Fragen als auch Antworten wie trocken Häcksel schmecken. Oder schlimmer & superschnöd´: nach kaum verhüllten Werbemaßnahmen.    Igittigitt.ntr-scanp-160605-355d-recol

Keine Parodie dieses Sujets sind meine mittlerweile mehrfach erprobten Selbstinterviews. Im großen Stil (bildschirmseitenanzahlmäßig puuh), versuche ich gerade, eine dritte Annäherung an (m)ein Ideal. Interessant, unterhaltend und mit mehr Ensichten bestückt, die Außenstehende fragend gar nicht entdecken würden soll es geraten. Sag ich mal einfach so.  Ok,  im Alleingang, das ist eigentlich unkorrekt. Aber gegen den dafür well-proofed Inhalt sollte nix einzuwenden sein – der ist ja echt ;-) Und im Trend ist dieses Allesselbermachen auch, sagen die Großen, die warten, bis jemand auffällig viele follower hat, um dann zur Ernte zu schreiten…

Warum also hier Selbstinterviews?

Beweggrund #1:   mein Unmut als User

Bilder, Gemälde oder Fotos mir interessant scheinender Kreativer sind im Web 2.0 quasi auf Zuruf verfügbar. Je bekannter, auf desto zahlreicheren Webseiten, Blogs und Magazines finden sie sich, oft in entweder erstaunlicher Deckungsgleiche oder ebenso überraschender Vielfalt ohne Schnittmenge. Könnte gut am Mitwirken etwaiger Publizisten/PR-Abteilungen liegen. Oder am Phänomen “Klickvieh”.

Wenn man jedoch ein Künstler”Statement”, also einen “hauseigenen”,  “werkseitigen” Kommmentar lesen, sehen oder hören will, ist oft gewaltig Réschersché angesagt. Das hängt meiner Meinung nach damit zusammen, daß sehr wenige Künstler, Fotografen oder gar Maler einen Drang zur “sprachgestützten” Selbstdarstellung haben, ja gerade stellvertretend für Rethorik genau “das andere” produzieren, nämlich: ihre Bilder. Abteilung: “Wenn ich es benennen könnte, müßte ich es nicht tanzen.”ntr-scanp-160529-349e-r2vrePositiv dazu kommt, daß bei einem Interview, speziell für eine Galerie-Vernissage oder durch einen Journalisten dieser handfeste, “expertisielle” Fragestellungsblick von außen verhindert, daß sich der Künstler in einen Autismus verheddert, die Fragen von außen ihm also den Tellerrand überqueren helfen.

Was mich immer aufs neue fasziniert, ist, daß die Interviewten die im Interview gewonnen Erkenntnisse nicht auf ihrer Webseite weiterveröffentlichen. Und so – hey! -  selbstbestimmt das Bild, das sie angenommenerweise mit ihrer Präsenz erzielen wollen um diese wertvollen Informationen erweitern. (man glaubt das ja manchmal nicht angesichts kryptischer Klickbedingungen Richtung “Portfolio”). “Faulheit, Unterschätzung oder gar Ignoranz?” denke ich immer, wenn ich “von anderswo her” freudige Erkenntnis und Aha-Erlebnisse habe. Könnte aber auch daran liegen, daß die Interview-Macher&Bezahler das eigene Gequatsche nur gegen Aufpreis rausrücken. WTF??

Die Medaillenrückseite: wenn zwei Menschen sich dem offiziellen Interview widmen, sind mir da oft leider/zuviele Dritte gedanklich auch noch beteiligt:

  • die Auftraggeber, die ein erfolgreiches, postivies, Lead-generierendes Ergebnis erwarten,
  • der Schreiber&Frager, der mangels anderer erkennbarer Skills zumindest mit korrektem Deutsch glänzen will,
  • der Künstler, der sich irgendwann hat überreden/überzeugen lassen, daß Interviews immer gut für die Publicity sein sollen sind.
  • Wenn noch andere Faktoren Spannendes verhindern – gar der Anstand? – führt mir das Ergebnis dieser explosiven Mischung Intim/Medien doch allzu oft in Langeweile oder ins rein sensationsfixierte Off.

Wie lese ich doch selbsterkenntnisschwer im Interview mit dem Chef-der-100-Fragen: “dass jede Frage, die eigentlich mehr sagt als „alles okay bei dir?“, im Grunde eine Unverschämtheit ist.

Das Interview als wirkungsvolle, aber fragwürdige Erfindung der Medienwelt also.

Dieses ganze Personal spare ich mehrfach vorteilhaft ein, denn nun kann ich frei von der Leber weg ein interview-feindliches Genre untermischen: Direktheit aus Interesse am Kern,  abseits von sich personell überkreuzenden strategischen Rücksichtnahmen, und gelange direkt zum

Beweggrund #2: Faszination

Die Überraschung, die Erstaunlichkeit der Fragen, ebenso die der darauf gegebenen Antworten. Eng ist die Welt und das Gehirn ist weit. SO. lernt. man. die. Welt. kennen. Ausrufezeichen.

Erste frühe Begegnung mit dieser türöffnenden Sprachpotenz: meine erste WG, wo´s in Diskussionen um die notorische Unaufgeräumtheit und die damit verbundene Unlust und den dahinterstehenden Anstand und die als “allgemein” betitelte Anforderungen ging: “Null Bock IST ein Argument.” Das kannte ich von zuhause nicht ;-)

Beweggrund #3: Wortspielfreude

Falschschreibungen, Wortcréationen, Wörterschlangenbildendürfen und multiple Mehrsprachigkeit, in einem Satz direkt hintereinander! …“ zwar elliptisch bis hin zur Ungrammatizität, aber gleichwohl jedem verständlich”- Hey – genau das isses, was mir beim Schreiben Spaß macht!! Bislang unmöglich, das in einem amtlichen Interview zu finden. (..) Und nun ratet mal, wo ich diese Stelle gefunden hab…

Zudem ist solche sprachliche Schrulligkeit super als Test geeignet, a certain kinda kindred spirit andocken zu lassen. Also nix von wegen “der Köder muß dem Fisch schmecken, nicht dem Angler”. Dagegen halte ich die Erkenntnis: “If you are bored writing it, your readers will be bored reading it”.start-ntr-356g-re4v2 die SerenDips des Tages:

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Musik beim Schreiben und Prolongieren heute:

Joanna Newsom: “Ys”, Drag City Inc, 2006  + Video: “Sapokanikan”

London Elektricity: “Pull The Plug”, Hospital, 1999

Beim Nachschneiden:

Rough Trade: “The Best Of – Birds Of A Feather”, 1981 High Romance Music

Introducing Emotion Into Technology

Und schon wieder ein guter Grund (mehr), sein Englisch in Gang zu kriegen bei diesem Clip über Google Art Copy Code, Beiges, Kariertes, Trenchcoatiges seit 1856. Faszinierendes angesichts dieser glückseligen Arglosigkeit gepaart mit Technikfaszination, einer perfekt alluring Visualisierung/Vertonung und den dahintersteckenden, frischgekämmten ;-) Marketingcracks..

Google’s Art, Copy & Code: Behind the Burberry Kisses Campaign & Impact
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..in skandalös lichten, leeren Arbeits?räumen und plakativen aufgeräumt-bis-euphorischen Stimmungen.. – ergo das perfekte Studienobjekt in Sachen Public Relation. Und Anlaß, die neue Kategorie The Making Of The Making-Of einzuführen ;-)

Der striking Satz für mich:

If milleniums* could just see how B. can introduce emotion into technology they would fall in love with the brand.

Weitere Stimmen zur Analyse(fähigkeit) des Gefühls-Projekts:

  • «Can we capture that kiss?»
  • «We saw such strong engagement rates.»
  • «People spend over three minutes engaged with this creative experience»
  • «A realtime map of people sharing love»
  • «..to watch all these people sending and receiving kisses»
  • * somebody helped me at 0:22! Thanks , Alison!

Dazu der Satz auf http://en.wikipedia.org/wiki/Thomas_Burberry:
«Burberry recognised the need for promotion and publicity and ensured that Lord Kitchener and Lord Baden-Powell both wore his weatherproofs. By these means he expanded his business into one of the United Kingdom’s largest branded clothing businesses.»

Wie kams?
Ich wurde drauf aufmerksam durch den schön stutzigmachenden Begriff: Lip Detection.