Drei Farben braucht der Mann im Frühling

Endlich ist er da und anstatt klassisch Blumen ins Haus zu befördern, umzutapezieren/ -streichen, nehm ich doch grad die vorrätigen Leinwände und die winters angeschafften Halbliter-Farbflaschen. Und bringe Farben in die Wohnung, diesmal anders denn einfach wörtlich. Schöner-Wohnen-mit-Farbfeldern.

Und groß, GROSS darf, GROSS muß es sein!! Dann brauchts auch keinen Tapetenwechsel, denn die sähe man ja sowieso nimmer, wenn diese FarbWucht drauf hängt.

Der Plan, nachdem diese Blaugrundierung unten links kurz nach “Fertigbürsten” zum fertigen Bild ernannt wurde: mehr davon! Was schön Warmes dazu, bitte! Also nächste Leinwand37220006cut mit orange37240013:

 

und dann, der Frühlingstrilogiegedanke – ein Grün der frischgeschlüpftesten Art:37460002Wie kams: Von kunstaffinen Galeristen  ;-) auf die Farbfeldmalerei via Mark Rothko aufmerksam gemacht, stellte ich mir vor, sowas nonchalant doch auch mal zu malen. Nur so, zum Test des berühmten look-and-feel-Effekts.

Frühlings .Farbfeld .Malerei .

Super spannend ein Zitat von Rothko auf der englischen Wiki-Seite übers color field, das die ganze akademische Bildbetrachtung, das ewige Kategorisieren und Analysieren ausschließt und das Malen und Bild-Ansehen auf eine emotional-psychologische, ja religiöse Ebene hebt:

I am not an abstractionist … I am not interested in the relationship of color or form or anything else. … I’m interested only in expressing basic human emotions — tragedy, ecstasy, doom and so on — and the fact that a lot of people break down and cry when confronted with my pictures show that I communicate those basic human emotions. … The people who weep before my pictures are having the same religious experience I had when I painted them. And if you, as you say, are moved only by their color relationships, then you miss the point!

So weit bin ich noch nicht, aber dieser Selbstversuch hat mich neugierig auf mehr color field gemacht. So eine gemalte Fläche wirkt sehr wohl und ich kann mir ab sofort aussuchen, welches der drei Bilder ich zum geselligen Frühstück neben mir haben mag. Zur Zeit das Blaue..

Aber vorerst fasziniert bin ich von den Erscheinungsformen, die genau diese drei einfachen Bilder via Fotografie im noch nassglänzenden (Zwischen)Stadium – wie man sieht, mische ich auf der Leinwand mit der Handwaschbürste – oder trocken gegen das Licht aufgenommen haben:

am 13. April: das Blaue

37220034  37220030  37220027

37220026  37220023  37220016

37240032  37220015 

am 14. April: das Orangene

37460035   37240019  37240012 37240022   37240030   37240030cut

 

am 15. April 2015: das Grüne

37460032 37460028 37460022b  37460008  37460010 37460020

Wie Ihr ganz oben an den Fotos der noch eingefolten Rahmen mit den malerischen Baumsilhouettenspiegelung sehen könnt, findet dieses Fest im Freien statt und jetzt, beim Bildbearbeiten, bin ich von den Schatten der gerade noch blätterlosen Äste auf der Farbe total fasziniert, denn sie adden eine zusätzliche Komponente: den Live- und Authentizitäts-Touch ;-)

Nun hab ich durchs Bürsten die drei Farbmischungen in verdünnter Reinform (das Blau nehm ich warum nicht direkt aus der Flasche), die natürlich zum nächsten Bild verwendet werden:37460006

PS.: diese erfreuliche, fröhlich-sonnige Aktion fand, wie man lesen kann, an drei aufeinanderfolgenden späten Vormittagen statt. In dieser total klaren Aprilluft, unter glasklaren Sonnenstrahlen und übernatürlich “reinen” Lichtverhältnissen. Jetzt, in der Woche danach sind die Bäume mit Blättern bestückt, die Insekten wagen sich heraus, der Frühling hat begonnen, die Luft füllt sich ebenso mit Leben und Dunst. Und ich fand diese Aktion so cool, daß ich beschlossen habe, jedes Jahr zu dieser Zeit eine “Frühlingstrilogie” anzufertigen ;-)

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Musik beim Schreiben heute:

Maurice Ravel: “Jeu d´eau”, Angela Hewitt, piano, Hyperion, 2002

David Byrne: “Rei Momo”, 1989

Sonny Rollins: “Saxophone Colossus”, Prestige, 1956

Matthew Herbert: “Scale”, Studio !K7, 2006