Acryl auf Gegenlicht

Die Entdeckung heute geschah in drei Etappen, wenn man so etwas so sagen darf: angespornt vom Gedanken, Gemälde und Gepixele im Wechsel zur Inspiration zu nutzen griff ich irgendwann zum bereitstehenden Scanner, um Details der Gemälde in Hochauflösung/Vergrößerung ins Spiel zu bringen.

Und entdeckte in den “Wartepausen” am Gerät, wenn sich die Lichtschiene langsam durch die 600 dpis arbeitet, das zweite Gesicht der Gemälde. Das nämlich, das sich bei durchscheinenden Licht auf der Rückseite der Leinwand offenbart.20550001

Um dieses festzuhalten, schnappte ich schnell die Kamera, um diese Erstaunlichkeit fahrig und handverwackelt festzuhalten. Und hab sie nun ohne Hast mit der Morgensonne am Fenster mal an zwei Bildern fotografisch festgehalten..

Die Überraschung: dasselbe Bild, von hinten und Sonne durchschienen offenbart ein weiteres Wesen, das weiter außerhalb meiner Absicht nicht hätte sein können, denn der dicke impasto-Farbauftrag erzeugt eine von vorne nicht sichtbare Kleinteilung, die in ihrer Schwärze (durch lichtunlässige Dicke) und Farbkontrastigkeit (viel Licht durch gesättigte dünne Stellen) überrascht.

Was von vorne so aussieht,31260015 31260024nimmt sich, am Fenster stehend, sonnendurchschienen und für Euch gedreht zum Direktvergleich, so aus. Viel gröber, kühner, expressionistischer.

Cool, denke ich da, so müßte man (vorne) malen!

…und fixiere das Neuland, um es maltechnisch zu fassen: Schwarze Umrisse, kleine Felder, starke Farben.

Da das Licht günstig und flüchtig ist, gleich weiter mit den paar schon vorhandenen Bildern. Darünter ein fertiggestelltes farbiges. Das sieht im allerschrägstehenden Morgenlicht erstmals wirklich aus wie ein Gegenstand, und ich habe ja genau vorsätzlich zu diesem Zwecke dick aufgetragen, sowohl in den Farben als auch davor diese Umrißlininen:

31260019“Rückseitig” dieses Bildes die nächste Überraschung: eine düstere Landschaft mit roten Bergen, meer- und wolkenumbraust, mit rätselhaften “Fluglinien”:31260004

Schwarze, wächserne Himmels”ziegel”, die naive Anmutung der lehm/blutroten Berge und diese mysteriöse grünliche “Fluglinie” wecken in mir sofort Assoziationen an Filme: Peter Jacksons King Kong, als das Schiff der Abenteurer in diesen dunklen Strudel vor Skull Island gerät und sich gruselig haltlos im Nichts des dunkel schwappenden Meeres  und in unmittelbarer Nähe der messerscharfen Klippen hebt und senkt. Oder b) die japanische Inneneinrichtung des im Limbus gefangenen Saito im Christopher Nolens grandiosen Inception..

Dritte – eigentlich mittlere – Etappe der eingangs erwähnten Entdeckung:  die immer neuen Überraschungen, die das “digitale Besteck” möglich macht, mir erlaubt, in den Fotos oder Scans erspürte Ideen mühelos zu verstärken, raffinieren oder zu isolieren. Oder durch einen Klick in eine neues Universum vorzustoßen, um diese Ideen dann für weitere Arbeiten an der Leinwand aufzubereiten..

PS: Wer Schwierigkeiten mit der Deckung hat, klicke auf das obere Bild, dann kommt eine Version mit Markierung der Rückseite.

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Musik beim Schreiben heute:

Yello: “Zebra”,  Phonogram, 1994

Grace Jones: “Nightclubbing”, Island Records, 1981