“Ich wollte was, wo die Fotografie versagt”

Gemälde sind flach. Genau wie Fotografien. Doch nicht ganz und nicht nur: sie besitzen im klassischen Fall Leinwandstruktur und Farbauftrag. Und die sind beide nur scheinbar ohne dritte Dimension. Was aus einer Entfernung beim Betrachten aus dem optimalen Abstand, so hab ich gelernt – 1,5 mal der Bilddiagonalen – verschwinden mag, sieht, von nahem jedoch mächtig anders aus. Hier als Beispiel eins der frisch entstandenen Gemälde aus der Nahsicht:pinxography-samt-tortenzuckDas ist von richtig nah gesehen: ich hab es gescannt, ordentlich vergrößert und nun seht Ihr was, das live grad mal 20 x 16 mm groß ist. Eine halbe Briefmarke also. Und wie Ihr ebenso seht, gibt es nur diese beiden “Arten” von Flächengestaltung: das Dunkle ( eigentlich pur schwarz) im “gestoppelten Bürstenschnitt” plus durchscheinende Leinwand struktur, darüber winizge bis kleine weiße Sprenkel.

Die sind in ihrer Ausbreitung von einer Schablone begrenzt worden. Das war die Folie, die ich im Artikel gemeint hab. Und diese “Spritzschutzgrenze” macht den gepinselten oder sonstwie gezeichneten Umriß. Will sagen: es gibt keinerlei Pinselstrich auf dem Bild.

By the way: deshalb finde ich den englischen Ausdruck “Painting” besser als “Malerei”, denn da gehts nur drum, daß Farbe etwas mit dem Bild zu tun hat.

Von Weitem wirkt das Ganze dann so -bitte draufklicken:12330022pinxography_nbVoilá: Struktur, Umrisse und Sprenkels. Hier am Bildschirm der Eindruck eines Fotos. Der trügt allerdings gewaltig: ich ich das JPG oben nachgebaut – aus den Strukturen und den Umrissen des Originals, bis ich den optisch-ästhetischen Eindruck erreichte, den das Gemälde bei Ansicht in realo erzeugt.

Denn dieser “Gegenstand” Bild ist weit mehr – von irgendeiner Aura red ich jetzt mal nicht ;-) – und wirkt durch diese  absichtliche Reduktion des malerischen Anteils daher auch/mehr als Gegenstand.

Und ist durch die partielle Helligkeitsadaption des menschlichen Auges als Foto sehr schwer in dieser Wirkung nachzustellen, da entweder das Schwarz oder das MiniGesprenkelte dabei verlören. Denn nicht nur allerhellste oder dunkelste Gemälde, die man mit viel Aufwand versucht fotografisch zu reproduzieren suchte, auch Strukturen, die in ihrer jähen Maßstabsweite innerhalb des Bildrahmens vorhanden wären, würden das Thema  zur fotografischen Herausforderung, wenn nicht gar unmöglich machen. Denn was taugt Fotografie von Gegenständen, wenn deren wesentliche Eigenschaften nicht aufgenommen werden könnten?!

OK, das Licht ist grad “gut”, man kann die Strukturen sehr gut erkennen, allerdings verdrängen sie fast die Umrisse – da probier ich noch eine fotografische Ansicht, von schräg (Bild folgt).

Ebenso ist nun ein anderes neues Bild, ebenfalls nach derselben (!) Malvorlage entstanden, das im trockenen Endzustand und von vorne besehen einfach nur mitteldunkelgraupinxography-gated_communiti, kurz nach Beenden des “Färbens” und von schräg gegen das Licht jedoch so ausgesehen hat:pinxography-24220027Perfektes Rohmaterial also für ein neues Startbild auf pinXoGraphy.com:

Armer Fotograf, der solche Bilder für online-Ausstellungsankündigungen oder zum Flyerdruck bestimmt vorgesetzt bekommt! Dann lieber sowas – ein Übergangsstadium desselben Bildes kurz vor “Erreichung” des Malvorlagenstatus´:12330022fpcdreh

Oder ein Abdruck davon am “kartonierten” Boden des Ateliers, der blaue Bereich PinXoGraphisch aus ästhetischer Genußsucht invertiert ;-) :24220012pinxography003

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Musik beim Schreiben heute:

Ital Tek: “Nebula Dance”, Planet Mu Records 2012

Minus 8 :”Elysian Fields”, COMPOST, 2000