Spiel mir ein flotte Majonaise

Das menschliche Gehirn ist ein Sortierorgan. Das bemerkt Ihr schon beim Lesen der Überschrift oder am lesebremsenden letzten Wort des ersten Satzes gerade ;-) . Denn es versucht ständig, zu ordnen, einen Sinn hinter Allem zu erkennen, es ins Bekannte einzusortieren. Die tägliche Menge an Informationen und  Sinneseindrücken, die auf es einstürmt, wird aufgrund von Erfahrenem bewertet, entweder als nichtig erkannt & gelöscht oder durch Wiederholung eingeprägt – sogar im Schlaf.

Das kann man auch an meinen beiden aktuellen Malvorlagen hier unten beobachten: eine verwirrende Überlagerung zusammenhängender, organisch-fleckiger Farbübergangsflächen. Wenn man aber beide so direkt übereinander wahrnimmt und etwas genauer hinschaut, entdeckt man, daß sowohl das obere als auch das untere Bild Variationen derselben Grundsubstanz sind: beide Bilder leben von Farbübergängen. die sich über die gesamte Breite ziehen. Die identische, netzartige, feine weiße Linie ist  zwischen oben und unten um 180 Grad gedreht, die Flächen darunter vertikal gespiegelt, im oberen Fall die “Schnittreste” in  ihrer ursprünglichen Lage als weiße Leerstellen erhalten:6kapelle-part_twofaerbetes6 6kapelle-pinxography_two2sgTrotzdem wirken beide Bilder sehr unterschiedlich. Das liegt zum ersten Einen an der Farbe. Sie “erzeugt” einen anderen emotionalen Eindruck, obwohöl sich beide Bilder an der Grenze warm – kalt bewegen. Das obere Bild wirkt mir zudem komplizierter und symmetrischer zugleich – ein merkwürdig anregendes Phänomen. Und man zu erkennen glaubt unterschiedliche “Figuren”.

Und ich nun laboriere mit diesen Bildern als Gemälde, 40 x 120 Zenitmetern. Und diese Formen? – sind mir so rausgerutscht – dem Plexiglasstab als Pinselersatz sei Dank für unendlichen “Einfallsreichtum”. plexiglas-pinxographyMit ihm “malt” man nämlich so: plexiglasmalereid-tailAus diesen intuitiv hingedrehten, abgewälzten Farbflecken kann man mit Computerhilfe Umrisse “generieren” – das hab ich wie fast zufällig durch Herumspielen entdeckt, um diese dann als Malgrundlage und Formlieferant weiter zu nutzen. Hier ein Ausschnitt aus der Malvorlage bzw. der gerasterten Version des Bildes zum Formen-Übertrag:6kapelle_pinxographyDas Coole dabei: die geschwungenen Linien wirken unvorhersehbar und organisch zugleich und haben deshalb das Zeug, daß jedermann Umrisse von Bekanntem zu erkennen glauben darf. Also mir zum Beispiel fällt sofort der Entenkopf und der etwas perspektivisch verzeichnete Gitarrenkorpus auf im Bild oben. Dann seh´ ich noch einen Pferdekopf, einen nach links gedrehtes Clownsgesicht, rutschende Strümpfe..

Pareidolie als gestalterischer Joker, als wilde Karte.

Hier zwei faszinierende, “pareidolische” Vimeos des koreanischen Künstler/ProgrammiererDuos zum Thema:

____________________________________________

Musik beim Schreiben heute:

Andreas Vollenweider: “Behind The Gardens – Behind The Wall – Under The Trees”, VeraBra, 1981