100 Picutres

Eigentlich wollte ich Pictures schreiben, habe dann aber das Andere, das Fremde, stehenlassen. Und bin mit frisch ergoogelten 472 Tausend Vertippern darüberhinaus noch in gut massenhafter, modern-durchschnittlicher sprich fahriger Gesellschaft ;-)

So nämlich hieße ,-) das kleine, in artgerechte Leinwand gebundene Buch, das vergangene Woche auf antiquarischem Wege hereingeweht wurde: «Gerhard Richter: 100 Pictures». Man will schließlich größtmögliche Anregung zum kleinstmöglichen Preis, jawoll oder etwa nicht!? Und warum nicht (besser geht nicht) hundertfach vom diversifiziertesten und bestbezahlten lebenden Künstler? Denn von Fotorealismus bis gerakelten Quadratmeter ist alles inklusive. Ich zitiere mal den Anfang der Einleitung, denn schon sie offenbart Erstaunliches:

Gerhard Richter is now internationally recognized for his outstanding body of work. But this has only recently been the case. Indeed, Richter´s approach long appeared disoriented, incoherent, even absurd: the artist developed an extraordinary diversity of forms, moving from “photo-realist” pictures to others that seemed to run the gamut of abstraction, from concrete art to action painting. (Guy Tosatto)

Herr Tosatto, das soll erwähnt sein, kümmert sich ums famose Grenoble´Kunstmuseum (schaut Euch doch nur mal die online-Fotos an) und liefert uns als erläuternde Einführung ein schwer so zu glaubendes Besuchergespräch zwischen den Generationen. Die macht tatsächlich aufs Betrachten der nachfolgenden Picutres gespannt, erschließen sie sich mir dadurch leichter, wenn auch immer noch widerstrebend – kann man ja auch mal zugeben. Aber sehr und leicht imponiert mir besagte Vielfalt und ich neugiere wieder frisch ans nächste eigene Werk, um meine persönliche “Spannweite” zu erkunden. Dabei gelange ich vom Versuch, den “Zahnstocher malerisch zu vergrößern”* zu diesem frischgefärbten, gerade pinXoGraphisch “ermittelten” Bild:winterpinxography-himmUnd – woran erinnern Euch diese Flecken? …Mich an die phantastischen, fliegenden Gestalten am Himmel eines großen Domes. Also an Deckengemälde von Giotto, Masaccio und MantegnaPiero della Francesca, Michelangelo, an Leonardo, an diese für jegliche andere Bilder ungewohnte Perspektive: Porträts von unten, wobei für diese Assoziation der schnell (und gedankenlos!) digital  ausprobierte Gradient der rötlichen Flächen des Bildes mitverantwortlich ist. Ebenfalls beteiligt: die animierten(!) romantisch-historischen Ölgemälde des italienischen Künstlers Rino Stefano Tagliafierro..

*Nun zur ungeplantem Vorgehensweise: Der gescheiterte Versuch, mit einem Zahnstocher breitenbeschränkte Linien zu ziehen, führte erst zu diesem Bild (der Hintergrund ist von einem früheren Gemälde einPinXokopiert):
Um für ein geplantes großes Gemälde eine entsprechend vergrößerte Liniendicke zu erhalten, experimentierte ich mit einem Plexiglasstäbchen, das den vierfachen Durchmesser des gemeinen Wald-und-Wiesen-Zahnstochers besitzt. Da sich aber das Viskoseverhalten der Acrylfarbe leider nicht maßstabsgerecht mitdehnt  ;-) und der Plexistab in all seiner Glätte zuwenig Farbmasse anhaften läßt, war das Ergebnis desaströs, erzeugte es ein ungeplantes Muster, weit entfernt davon, linientreu oder plangerecht zu sein.

Und genau dieses Muster, das ich nach anfänglicher Enttäuschung gestern trotzdem weiter über die 70cm Länge einer neuen Leinwand “entwickelte”, geriet nun zum analogen Vorbild für das heutige Bild. Tatsächlich die neueste Malvorlage für ein großes Gemälde:

winterpinxography-himm2winterpinxography_original

Der Ausschnitt des hochauflösend Gescannten mißt im Original genau  6,6 x 10 cm, also wird hier mal wieder vom Mikro- zum Makrokosmos rüberexpandiert – stelle man sich das bunte JPG doch mal auf zweieinhalb mal vier Meter vor. Von den Veränderung in Richtung historische Vorbilder, die da noch kommen werden (ich kenn´ doch  meine frisch gestärkte Experimentieranfälligkeit), von zu erwartender Vorfreude mal ganz zu schweigen..

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Musik beim Nachschneiden am Tag danach:

D’Arcangelo: “Broken Toys’ Corner”, rephlex, 2002