erfinderische Maschinen schenken uns.. die Erkenntnis der Unschärfe

«Unscharfe Gebiete eines Fotos sind sozusagen „Erfindungen“ des Objektivs; unser Auge sieht die Unschärfen nicht oder anders.»

So steht es geschrieben. Auf der wie ich bemerke stets in der Formulierungsmache steckenden Bokeh-Wiki-Seite – da ändert sich ab und an etwas, da gerade das Thema Bokeh doch arg nach allgemein gut zu heißenden Formulierungen schreit. Und ziemlich umkämpft scheint..

Tja, und schon wieder eine Entdeckung, die mich erstaunt. Unschärfe gibt es also so gar nicht – aha.  Und wahrscheinlich ist menschliche Unschärfe dann nur… das Fehlen von Konzentration. Mh, bei genauerer Überlegung: könnte stimmen. Und nur Maschinen können Unschärfe darstellen, so, wie wir das vom täglichen Fotoangucken kennen – coole Schlußfolgerung! Maschinell festgehaltener Konzentrationsmangel zum Angucken – ne erstaunliche Art, verfokussierte Fotos oder solche Stellen in Fotos zu beschreiben. Danke, Wikipedia!

Daß Maschinen Dinge sichtbar machen, die es so gar nicht gibt, die man mit bloßem Auge nicht sehen kann, auch wenn man direkt vor den dargestellten Gegenständen steht und sie in den allergenauesten Augenschein nimmt, kann man&ich nur bestätigen, scanne (Maschine #1) ich doch gerade die ersten Werke meiner Malerei. Vergrößere Ausschnitte (Maschine #2), automatisiere den Kontrast (Maschine #3) und baue hier mal ein (Maschine #4), damit Ihr das auch mal betrachten könnt (Maschine #5):

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Sieht nach Luftaufnahmen verschneiter Regionen aus, nach natürlich sedimentierten Werkstattböden oder mikroskopischen Ablagerungen, wäre da nicht die Leinwandstruktur, die ab und an durchscheint. Erstaunlich für mich: die festzustellende Farbigkeit, die eigentlich nicht vorhanden sein dürfte, male ich doch ausschließlich mit reinem Schwarz und ebensolchem Weiß. Das muß die Vorgrundierung der Leinwände sein, die sich dann doch als nicht so richtig weiß entpuppt harhar. Ist mit bloßem Auge aber vernachlässigbar, nur hier mit extremer künstlicher Kontrastierung deutlichst. Gut oder schlecht? Mh, für diese Scans und die Schauwerte gut, fürs gemalte Ergebnis: zu berücksichtigen.

Alle diese beiden Bilder sind nur mit Leinwand, Acryl-Farbe, Handwaschbürste und Stofffetzen gemacht. Frisches Wasser und es versprengende Finger des der-Künstler-ist-anwesend-und-macht-merkwürdig-Banales mit einzubeziehen. Nix Pinsel.

Wichtig: die Leinwände lagen à la Pollock/Ernst am Boden, damit die Schwerkraft als Rotznasenmacher ausgeschaltet blieb. Die Stofffetzen waren in Streifen geschnitten und benutzt worden wie die sich sambahaft bewegenden Abledervorhänge in Autowaschstrassen ;-)

Ihr bemerkt: die angewandte Technik macht fast komplett das Ergebnis.

So, Nachschlag. Rorschach- und Pareidolie-Kandidaten vor ;-)
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Musik beim Schreiben heute:

various artists: “Brazilian Love Affair 2″, Far Out Recordings, 2000

d´Arcangelo: “Broken Toys´Corner”, Rephlex, 2002

Ital Tek: “Nebula Dance”, Planet Mu Records, 20012