Triptychon der Moderne oder: (m)eine Schaufensterdeko im Web

Klar: damit meine ich die exponiertesten Stellen der Webseiten: los Startseiten, die Haupt-Menues und Blogheaderköpfe. Nicht nur elaborierte Augenweide sollten sie sein- öfter mal Tapeten runter und neue rauf erscheint mir mittlerweile wie ein Muß. Liegt wohl an der allgemein widerstandslos adaptierten Posting-Kultur, die mittlerweile jedem modernen, virtuell repräsentierten Privatmann das gefühlte Sendevolumen und den Neuigkeiten-Out-o-put einer Rundfunkanstalt abverlangt.

Die alten Tapeten gibts, durch ihre Digitalität dupliziert, natürlich weiterhin: weggeräumt und verstaut in Lagerhallen (Festplattenpartitionen), und in weitaus größerem Umfang als in den Fenstern (online) selbst. Denn diese Pakete mit erarbeiteten Gestaltungspaketen sind den Fenstern zahlenmäßig ja weit überlegen. Und das desto mehr, je öfter man sich das Umdekorieren angewöhnt hat. Das Unsichtbare am Lagern finde ich schade, denn was mal fürs Blickfangen gut war, sieht en bloc auch gut aus, wenn man das etwas zurechtzupft. Und: Webcontent man kann ja auch öffentlich zugänglich lagern. Heute starte ich daher einen lang gehegten Wunsch und versammle mal meine längst wieder weggepackte Deko seit Start der Konzeption BlogplusHomepage auf einer Übersichtsseite. Denn ich fände es schade, das alles im Lager zu belassen. Öffentlich war es ja eh schon mal. Weiterhin willkommene Gelegenheit zum geliebten Making-Of Kommentareschreiben, der daraus auch gleich ein weiteres Exzerpt meiner mit Text versehenen Werkstatt-Tätigkeiten macht. Also beginne ich damit, erstmal alle Startbilder der letzten Jahre zu suchen. Maschinell natürlich. Denn: das Finden(können) ist ja so eine Sache. Und zwar eine richtig GROSSE: Die moderne Zeit ist die der Überinformation. Die meisten Leute, die ich kenne, integrieren dieses “Über” als partielles Chaos irgendwo in ihrem Leben. Das sieht man zum guten Beispiel am Umgang mit den persönlichen Daten. Denn die sind es ja, was auf jeden nicht nur zukommt tagsüber, die jeder hortet und verortet in ungeheurem Maße. Hortet per Maschine natürlich. Denn das alles im Kopf kann man nicht mehr haben. Das sieht man ja schon am Kampf mit den Passwörtern. Diese vermehren sich ja auch, schleichend, aber wie die Pest, und sind dabei aber nur ein winziger Teil der zum Leben notwendigen Information. Mein Schluß: so muß jeder in dieser Zeit sein eigener Archivar sein/werden. Die folgende Generationen werden dieses Problem noch als Hauptaufgabenstellung des Lebens verspüren, meiner Meinung nach. Solange die Standardgehirne selbst noch nicht verkabelt und aus ihrem Inhalt ein anzapfbarer Datenraum geworden ist, liegt es bei jedem einzelnen, die Relevanz seiner lebensnotwendigen Daten selbst zu bestimmen. Natürlich gibts dazu nicht nur Timer, die klassisch an die Geburtstage erinnern, als Dinosaurier der Datenauslagerung sozusagen. Die Apps überschwemmen gerade diese Nische und ich bin gespannt, wohin das alles noch führt. In meinen Top Five zur Zeit die Nachricht der Existenz eines Einkaufszettel-Apps, der gleich, nachdem man auf sein eingespeichertes Lieblingsessen den Button “Einkaufen” gedrückt hat, den Weg raus zur Haustür in der sinnvollsten Supermark- und Taschenfüllreihenfolge -nach ökonomischen und physikalischen Gesichtspunkten- weist. Zitat: “SAVE your favorite recipes and we’ll put the ingredients in a shopping list on your phone.” Immer noch genügt im Computerzeitalter nur EIN einzelner, ich würde gar sagen DER wichtigste Gesichtspunkt: das göttliche Benennen (von Dateien). Damit meine ich dasselbe, was auch in der Informatik und Datenverarbeitung zum ewigen, güldenen Regelwerk gehört: das treffende Benennen von Files. Die Sprache bietet diese Möglichkeit. Und gewährleistet, daß man die wie-auch-immer-Dinger nach dieser Vorarbeit stets wiederfindet. Ging mir mit meinen in diesem Artikel angesprochenen Startseiten so. Die haben alle das “Start-” im Namen… Und so gibts ab sofort die ersten elf Dreierbilder zum Allzeit-Nachgucken. google macht das mit seinen doodles ja auch so. Sehr schön, das mit dem Saul Bass- Intro heute! Und wer gerade von der “Texte”-Seite hierhergefunden hat und das “Artikel”-Bild in groß vermißt: voilá!

__________________________________________________________________________ Musik beim Schreiben heute:

Massive Attack: “100th Window”, 2003,Virgin

diverse: “die berühmten Ouvertüren“ 1960-1989, VEB Deutsche Schallplatten Berlin