OXentourage im Mai

Da bin ich echt wie so n Ladenbesitzer. Der kann sein Schaufenster nicht drei Wochen einfach mal so lassen, wie er es nach der letzten Umdekorierung irgendwann cool fand. Nach spätestens einem Monat ist ihm auch das langweilig geworden, und eine nervöse Suche im “Deko-Lager” beginnt. Ich genauso. Nur eben: in meinem Archiv.

Rasch reiße ich die “Tür” zu derjenigen Festplattenpartition auf, die es beherbergt, und beginne ungeduldig,  die Ordner zu durchblättern. Ebenso fahrig, wie man die verstaubten Kisten im Keller durchwühlt, in Regale hoch- und runterwuchtet, wenn man etwas Bestimmtes sucht, aber keine Lust auf Keller hat.

Mm, mal sehen… soo viele urbane Bilder von unbeachteten Nebenschauplätzen: Gerüste, Brachflächen, Masten, grauer Himmel, Geleise, Rauchfahnen, Kreuzungen mit Baustellenabsperrungen. Aber damit hab ich beim letzten/nächsten Reingretchen-16er-Schwung ausgiebigst  herummanövriert, heute will ich mal was anderes! Ah- Bilder von einer Reise aufs Land letzten Sommer. Mal sehen: Brachflächen, Masten, Zäune… Aber auch: viel Grünes. Bäume, Wiesen, Blumen, Zweige am Wegesrand.  Und eine konspirative Aufstellung jenseits des Weidenzauns. Die reizt mich irgendwie. Was könnte man daraus machen? So mit LayOut in mind, Schrift-auf-Bild, FarbEimer, den Sägen, Zangen und Hämmern meiner Werkzeugkiste…

Die Form der Vierer, nein – Fünfergruppe (Sechser!) ohne erkennbares Vorderteil ist ganz schön skurril und ich beginne, sie en bloc vom Bild drum herum abzuisolieren. Voilà Bluescreenweide:

Freistellen ist ja niemandes Ding (das läßt Profi über Nacht in Indien machen – kein Scherz!). Da der Aufwand aber abzusehen ist – eine Silhouette wie diese, mit vier “Enklaven” schafft man grob in.. höchstens zehn Minuten – mach ich man los. Die Viecher rausgeschnitten, die übrige Fläche mal in Blau und in Schwarz dazu kombiniert – wow! Aus so nem Bild, dessen einziger Clou (erstmal) diese charakteristische kopflose Aufstellung ist – gekauft!

Durch die “Trennung nach Fauna und Flora” gewinnt dieses banal-mittelmäßige Bild – es werden praktischerweise gar zwei brauchbare Bilder draus: ein Blickfänger für vorne auf die Webseite drauf, und eins, das sichtbar damit in Verbindung steht, mit genügend Raum fürs Menue. Notierenswert: das eingefügte Schwarz betont nicht nur den Kollektiv-Umriß, es wirft die Aufmerksamkeit ebenso auf die “Gegend”, die durch ihre fast achsen-symmetrische Viererakzentuierung der umliegenden “Requisiten” (Baumstamm, Blattwerk, Grasbüschel  und “schwarzes Eck” unten rechts) mir jäh harmonisch&sympathisch wird. Ein Bild mit verschwundenem (Haupt)Motiv, trotzdem oder gerade deswegen? ein Hingucker, nicht wahr?! Das betrachtende, landgewöhnte Hirn ergänzt den Sinn, das Bild wirkt durch die große Blankfläche gar.. stylisch & komponiert! Und bekommt mit diesem augenfälligen Eingriff einen Hauch Darkness, gar: Geheimnis.

Aber auch die reine Ochserei in Blau hat was. Hab ich durch Herumprobieren gefunden. Ziemlich komplementär zum Fell und himmelsfarben, eine Zwei-Fliegen-mit-einer-Klappe-Lösung ;-) Und Platz fürs Menue = die Auslagerung der Schrift gibts als willkommene Zugabe, denn ich habe das Bild ausnahmsweise diesmal NICHT beschnitten: die Ränder sind die, die ich auch schon bei der Aufnahme vor einem Jahr im Sucher gewählt hatte:

Hätte man auch noch so haben können:

Das “paßt” durch das konsequente Platzieren der Elemente, der Flächen und des Unruhigen besser zum schwarz-grünen Startbild- mit dem zertretnen “Fünf-Meter-Raum“. Leider aber kann man den Soodlepoodle und die Photography+ nicht mehr entziffern, zumindest in einer statischen Version des Menues. Und einen Poodle oben, eine Photography unten hinters Menue geschoben ist mir zu langweilig. Aber naja: kriegt nen Platz hier in der Werkstatt am Spind ;-) So als Anregung für Künftiges. Ganz im Sinne des Zitats eines mir namentlich entfallenen Autorenfilmers über seine Anregungstechnik: “Immer, wenn ich nicht weiter weiß, schau ich mir Filme von Godard an. Dann weiß ich wieder, was man alles machen kann.” Schön, wenn man so elegant auf seine Vorbilder hinweist. Und wir erfahren Interessantes zum Thema Jump-Cut, oder Continuity-Regeln.

PS.: beim Lesen des oben verlinkten Wiki-Artikels zum Freistellen finde ich noch eine weitere Möglichkeit: Freistellen durch Unschärfe. Würde hier so aussehen:

Ganz schön strange, obwohl das grad mal ein einziger Pixel Unschärfe ist, da im Hintergrund, wirkt das Braunviehensemble wie appliziert. Und verwirrt darüberhinaus durch (logischerweise) passende Beleuchtungssituation. Total künstlich. Krass – mit so nem billigen Trick.

PS.: ich bastele mit wordle eine Textübersicht für diesen frischen Artikel:

wordle-vs-soodlepoodle3982b Vielleicht auch mal nett, alle Links des Artikels hier zu versammeln. Heute sinds wenig, Bilder haben ja den Vorrang:

  1. Festplattenpartition  (Wikipedia Computerwissen)
  2. Reingretchen-16er-Schwung
  3. Freistellen  (Wikipedia Freistellen)
  4. Enklaven  (Wikipedia Französisch- & Geschichtsunterricht)
  5. Fünf-Meter-Raum  (Wikipedia Torraum)
  6. Godard  (Wikipedia Jean-Luc Godard)
  7. wordle (wordle.net) Java-Werkzeug zum Schriften-LayOut

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Musik beim Schreiben heute:

various artists: “Viennatone”, !K7, 1998