Aus dem Nähkästchen… geclippt

Hey, ein Buddelschiff! Frisch aus meiner “Requisite” aufgetaucht, “macht” es mir das neue Deckblatt des Soodlepoodle. Erstaunlicher Effekt dazu: mit ein wenig transparenter Hilfe kann man es artgerecht gar fast an den Horizont nach oben ins(!) Bild/Meer hieven – eine sehr spezielle Anmutung, die mich, bestimmt durch den Anblick von Segel und Masten, an Gemälde erinnert. Nein: an Seascape-Bilder von Gustave Le Ray (1820- 1884):

Und wie immer als gestalterische Fortführung des Motives zur Menübebilderung eine zweite Version: herunter vom monumentalen Sockel damit, näher ran & direkt an Land und Strand und “Muschelbank” – Moment mal, das sind doch…:

Knöpfe! Riesige Knöpfe wie gigantisch rostende Bauteile einer Werft! Da klingeln mir jetzt AbwrackBilder von Edward Burtynsky (*1955): welch Assoziationsgemengelage! Glaubt man nicht, bis man eine unscheinbare kupferfarbene Blechdose aus einem Kellerkarton öffnet – wie Ihr wißt, ich bin auf FlohmarktFundusEntdeckungsreise als FilmKamerafutter. Im heutigen Fall stammen die Darsteller aus persönlich-familiärer Quelle und wurden nicht irgendwann an einem Samstagmorgen auf einem Tapeziertisch im geschäftigen OutDoorTrubel entdeckt. Et voilà zum eigentlichen Thema: Omas Nähfundus.

Hab ich irgendwie geerbt, diese Faszination mit Mercerie sprich Kurzwaren – Abteilung: Knöpfe. Nenn’ ich doch selber ne mittelgroße Sammlung (die kommt hier vielleicht später mal) aus meiner Zeit des (ersten) aktiven Nähens (zweite Hälfte der Achtziger Jahre) mein Eigen. (Und eine umfangreiche Klammer-auf-Klammer-zu-Sammlung ;-) )

Seht Euch diese Prachtstücke aus den 50er/60er/70ern an:moviepoodle_1040446 moviepoodle_1040426 moviepoodle_1040423 moviepoodle_1040415

Da macht das Kameraschwenken, Zoomen und Neigen richtig Spaß: ganz nah dran an diesen historischen Formen voller Reminiszenzen, diesem eingegossenen Glitzer, dieser Drahtglasoptik, diesem echten und falschen Perlmuttschimmer! Knöpfe wie edle, ähem,  Salamischeiben mit Lackschäden…Bei den silbernen Lilien aus JugendstilPlastik “gelang” gar so was wie ein Dolly Zoom – nur schon wieder ohne Dolly. Und kommt noch die Sonne um die Häuserecke und macht mir den Top-Beleuchter… fan tas tique!

Und überhaupt: wann hatte ich zuletzt so nen deutlichen DamenMantelknopf in den Fingern? “Super keine Ahnung” spricht der ReißverschlußJackenGewohnte. Da bricht doch glatt eine Sehnsucht nach etwas mehr modischen Styling in den Strassen der Stadt aus..

Wie Ihr ebenfalls sehen könnt, sind da einige helle Gebrauchsgegenstände der im Film unüblichen Art zu fantastischen Requisiten “aufgestiegen”; nicht nur ein schnöd aufgehäuftsprichvorsortierter Wäscheberg für den nächsten Waschgang (der eigentlich im cinematografischen Weg war), sondern vor allem ein aufgerollter Streifen Negativhüllen mit diesen schmuck-nüchtern-aparten schwarzen Markierungsbalken tut hier in allerfeinster Rosenblattmanier das seinige, um aus diesen KnopfClips a G’dicht zu machen – n’est-ce pas?! Und als Präsentationspodest-über-Wäsche taugt das Ding ebenfalls perfekt.

Etwas anders die beiden Kandidaten unten: drei grüne Science Fiction UFOs, die auf einem kanariegelben schwebenden Plateau aus ebenfalls drei.. ähem Kartoffelsalatdosenplastikdeckelunterseiten “gelandet” sind. Schwer zu leugnen denn kaum zu übersehen: die beiden Recycling-Pfeile am Fuße des rechten “Fliegers”. Jetzt schnell auf meinem LieblingsRetroStyleBlog iso50 nachgucken, in welchem Weltraum-Abenteuer die Dinger wohl vorkommen ;-) Hey gefunden: es sind “Children of Tomorrow” des Malers Bruce Pennington! Auf dessen Seite steht: 1972 gemalt.. hey, da könnten diese Knöpfe gar Modell gestanden haben ;-)

Tja, unerwartet, wa?  Convenience Umverpackung goes props. Und das ist erst der Anfang…

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Und dann dieser riesige Mattgelbe! Pütschama ahoi! Oder wars doch etwas für draußen und in schick? Muß ich doch grad mal n paar Clips checken!

Was ich an diesen durchweg um die sechs Sekunden langen Schnipsel faszinierend finde, ist das sehr exakt umrissene räumliche Bild, das diese Schwenks in der Vorstellung von den Gegenständen erzeugen. Das eigentlich stereoskopische Sehen wird vom bewegten Bild  auf dem Bildschirm – ersetzt? Erschummelt? Oder ist das alles (nur) Sozialisation der Kinogänger und Serienglotzer? Schalten Sia auch nächste Woche wieder ein..

Und à propos Clipper @ home in steifer Brise & handhingeschaukelten Wellengang:

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Musik zum Knöpfebetrachten:

Georges Bizet: 4. Satz “Sinfonie C-Dur”, Orpheus Chamber Orchestra

Locust: “Morning Light”, Apollo, 1997

Musica Sequenza: “Baroque Sampling Händel”, Dhm, 2016

Massiv Attack: “Protection”, circa records, 1994