1x Hand Bagab Wicklung, bitte!

Es gibt da diese sehr in sich abgeschlossene Welt der “Technischen Zeichnung“. Ich hab sie in meiner Schulzeit kennengelernt und, da ich Konstruktionen mit Hilfe der darstellenden Geometrie sehr mochte, mal schön im Gedächtnis behalten. Faszinierend immer wieder, wie man mit bloßem Zirkel, Stift und Lineal bewaffnet gleichmäßige Dreiecke, Sechsecke, Winkelhalbierende und Mittelsenkrechte messerscharf “ermitteln” kann. “Oje”, werden da manche von Euch sicher denken, “Winkelhalbierende”, “Mittelsenkrechte” bä  – na, schwant Euch, was ich mit “abgeschlossen” meine? ;-)

Das hab ich heute auch vor, geht es doch darum, ein erstes anschauliches 3D Handtaschenmodel zu erhalten. Das man so vor sich hin- und herdrehen kann, um Proportionen und Volumen, sprich: ästhetische Tauglichkeit™ zu erkunden.

Dazu brauchts, das weiß ich aus Bubentagen, damals mit Bastelbogen zum Ausschneiden, Falzwillen und Kleber bewaffnet, die: Abwicklung. Den Begriff selber kannte ich damals zwar noch nicht, erfuhr aber by doing, wie sowas aussehen mußte, wenn alle Flächen, aus denen die Burg oder der Turm werden sollten direkt nebeneinander abgeklappt als Papierbogen aufs Ausschneiden warteten.

Ausgangspunkt ist meine “Standard”tasche, die ich im Artikel vom Juni, als ich die Idee an sich erstmals ins Auge faßte, mal selbst bestimmt designt habe: HandBagKit2Das hat ja für die ersten hundert Entwürfe gut gereicht. Um herauszubekommen, ob die Idee trägt. Hat sie nun in 2D. Dann, recherchierend/changierend, entdecke ich, daß die Fendis ihre Taschen im Shop nicht wie alle anderen in Aufsicht und Seitenansicht präsentieren, sondern in Vorder- und, oha: Halbschräge. Wie man so ne Tasche in echt eben an ihrer Trägerin wahrnimmt.

“Sieh da” denke ich, “da hat das Lebenspraktische – wer guckt sich beim HandtaschenCheck die Dinger von straight rechts und links an? – über die technischen Konventionen gesiegt.” Da will ich auch hin.

Und los gehts: zuerst gibts die Flächen der Taschen, vorne und hinten, nach rechts und links geklappt. Meine Spielwiese in Draufsicht bislang. Dazwischen kommen nun Boden, Wände(Seitenteile) und die “Decke”, die den Eingriff beherbergt. Deren Breite oder Breitenverlauf bestimmt die Ausdehnung in z-Richtung der Tasche. Ich lass’ mich als Startpunkt weiterer Gedanken von der Frontform (siehe oben) leiten, die sich nach oben verjüngt und will die Dicke der Tasche als Erstentwurf: ebenfalls konisch.

Nächste Aufgabe: wie lange müssen die Seitenteile sein, damit sie genügend lang sind, um um die runden Ecken herumzureichen?  Zur Ermittlung auf geometrisch-manuelle Art punktiere ich die Rundung (blauer Pfeil) und übertrage während des langsamen Drehens mit der Maus der lila Wand diese Punkte auf sie, um eine möglichst exakt benötigte Länge zu erhalten. Wie Zahnräder, die ineinander abrollen.

Ist diese so ermittelt, kerbe ich zum Kappen an der Stelle, auf die der lila Pfeil zeigt:hbk-printkit_001Ein bißchen Gefummel, das, da meine Photoshop Version keine Hilfe bietet, und daher das Ganze etwas improvisiert abläuft. Also ganz wie am Küchentisch mit rundgeschnittenem Karton, Lineal und Stift. Geht auch. Ich lass einfach etwas überstehen zum Abschneiden.

Es folgt nun das “Trapezieren” der so abgezirkelten Seitenteile (3), das Ermitteln des oberen Kreissegmentes, um dessen Länge (5) die Decke der Tasche (4) zweimal verlängert werden muß. Voilà:hbk-printkit_002Ein grüner Elefant mit Designerbrille & Lippenstift in mauve-orange am Rüssel und aufgeklapptem Verdeck? Maybe. Unerwartete Elefanten kamen ja schon mal vor in meinem pinxographischen Werk …

Mit dieser Vorarbeit hab ich nun eine frisch gewonnene (Druck)form, in deren Flächen ich Testdesigns aufbringen kann, mit den Farben oder fortgeführten Mustern der Seitenteile spielen und mal sehen kann, wie so’n Ding bei einem “Rundgang” wirkt..

Ganz vorne mit dabei ein paar Designs der ersten Stunde:

hbk-nnn-scanp-170907-531g-rhbk-nnn-scanp-170824-526b-xhbk-ebk-scanp-151109-214c_nhbk-ysp-scanp-170502-474g-rhbk-ysp-scanp-170502-474e-shbk-ysp-scanp-170502-474h-rhbk-nnn-scanp-170529-482c-shbk-nnn-scanp-170507-477k-r

“Und die Griffe?” werdet Ihr fragen. “Griffe spielen eine immense ästhetische Rolle bei einer Tasche!”. “Seh ich auch so!” werde ich antworten, “dazu muß ich aber erst noch in den Bastelladen und den nächstgelegenen Aquaristik-Bedarf” ;-)

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Musik beim abwickelnden Schreiben heute:

The Funk Void (zusammengestellt vor lassmichrechnen 14, 8 Jahren):

  1. Liquid Lounge: “Journey Into… Ocean Deep”
  2. Rae & Christian feat The Pharcyte: “It Ain´t Notihng Like”
  3. d´Angelo: “Spanish Joint”
  4. Megashira: “At Last”
  5. Project 2000: “Parallax”
  6. Dzihan & Kamien: “Stiff Jazz”
  7. Q-tip: “Wait Up”
  8. J-Live: “Like That Anna”
  9. Charles: “Fruit”
  10. Brand New Heavies feat. Main Source: “Bonafied Funk”
  11. MJ Cole: “Crazy Love”
  12. Jaffa: “Elevator (Fred Everything´s Afro Loft 2000 MIX)”
  13. Llorca: “I Cry”
  14. Angie Stone: “Baby Slow Down”
  15. The Quiet Boys: “Inside Your Mind”
  16. Underwolves: “Lay Down”