Was meinst Du mit: “Deckname:…”?

“Medienkompetenz” das muß ich nach längerer Beschauung hier einfach mal sagen, ist: eine verschleiernde Wortkreation. Ganz im Sinne des KulturMachiavelly: es sind Sprache als Medium des Denkens(!), Bild, Ton und dahinter “arbeitendes” Wissen um psychologische Applikationen -  Anwendungsmöglichkeiten, die von Schreibern, Textern, LayOutern “komponiert” werden, um Wirkungen zu erzeugen.

Und die (mittlerweile überwiegend elektronischen) relevanten technisch definierten Medien dürfen zur Verteilung/Verbreitung ran.

Also liegt der durch die bloße Wortschöpfung angemahnte/”vorgeschlagene” Kompetenzbegriff nicht bei Medienhandling, -kritik oder -wissen, sondern ganz woanders: bei den Inhalten.

Siehe dazu die englische Wikiversion “media literacy”: daß man nämlich in der Lage ist, den Zweck zu ergründen, für den die Texte und Bilder (“messages”), die man da flimmern sieht, zusammengestellt sind. Zu bewerten. Dazu brauchts: Wissen.

Der semantisch benachbarte Begriff Kompetenz kommt (wem denn bloß?) gerade recht für eine Umdeutung ganz im Sinne der Sprachplanung:  neue Begriffe sind tatsächlich in der Lage, die allgemeine Aufmerksamkeit gezielt zu steuern. Öffentliche Diskussionen auf leerPlätze ohne weitere Wirkung zu lenken, die braven Bürger mit Sachen zu beschäftigen, die sie von wirklich  prekären (Hirn)inhalten fernhält. Timeless classic: die Plastiktütendiskussionen beim Einkaufen. Wo bitte ist der, der sagt: guckt mal in die Tüte!

In modernen Zeiten, in denen Product Placement und redaktionelle Inhalte oft nur noch durch erzwungene Beschriftung (wie zur Zeit “Neuheit” bei instagram) zu unterscheiden sind (staatlicher Auftrag der Wissens-/Infovermittlung Richtung mündiger Bürger*), sollte man heute dringend um

Das hat mit dem Wissen ums Handling von Handy, Laptop oder account anlegen nur peripher (= eben nicht inhaltlich) zu tun. Und was bitte ist “angemessen mit Medien umgehen”? – kaum mehr als die nächste worthülsige Geisterbahn.

Die gigantische Band- und Intentionsbreite der Bilder- und Textflut zu erkennen und einzuordnen – während einerseits alle hemmungs- und gedankenlos hochladen, “kümmern” sich Konzerne sehr ausgebufft um Bild und Text -  das wäre die angesagte Art Kompetenz!

Wie der mir frisch bekanntgewordene Fall einer geklauten Kriegsreporter-Identität. Tatsächlich. So weit sind wir schon. Die BBC schreibt: He kept his cover going by stealing images of Max Hepworth-Povey, a British surfer, and photoshopping him into pictures of war zones.

Kein Wunder, daß sich da keiner rantraut nix groß zu schrauben ist:  die deutsche Medienkompetenz ist ein Gespensterwort. Der letzte online “erreichbare” Medienkompetenzbericht des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen, Kinder (!) datiert auf Juni 2013*

Dementsprechend als Beispiel meine Verwendung des schönen Wortes “Deckname” in der Überschrift zum eröffnenden Artikel “MedienkompetenzVerein” hier am Blog. Aus der Geheimdienstecke ins Massenbekannte hereingewachsen taugt es bei öffentlicher Verwendung zu einer fake Aufrüttlung. Offiziell riechende Funktion: ich decke auf, enthülle eine von dunklen Mächten verschleierte Realität. Klartext jedoch: mit Verwendung des Begriffs Deckname erzeuge ich schlicht: Aufmerksamkeit. Was dahinter kommt, ist mir der Neugier/ des Leserinteresses sicher. Bam. Hereingefallen!