Vergestikuliert? Kein Problem!

Ausgerechnet am diesjährigen Faschingssonntag* fiel mir wieder eine wichtige, bislang textlich aber untergewürdigte Zutat zu meinen PinXoGraphien ein:

Körpersprache und ihre “Bauteile”, die Gesten.

Nicht nur, daß ich beim Führen der Malstifte und -werkzeuge bestimmte “funktionierende” Bewegungsabläufe erarbeite (es kommen durch die (Er)findung neuer Malwerkzeuge stetig ebenfalls neue dazu), schon immer kommen mir die “Ergebnisse” in den Bildern, die Striche, Schlenker, Wolken und FarbClusterSträusse vor wie… geronnene Gesten.

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Das hätte ich nicht gedacht: Malen ist wie eine hemdsärmelige Choreografie, denn Farbe Aufbringen erfordert schlicht: Bewegung. Kühne Striche – eins meiner MalZiele right from scratch – erfordern kühne Bewegungen, die sich durch die Farbspur ästhetisch nachmessen, nachempfinden lassen. Wie eine spezielle Unterart des Gestikulierens: sich am oder das Blatt drehen, mit der Farbe kreisen, schlingern, stottern, sich darauf winden mit farbigen Fingern, per Stift Hiebe oder gleich ganze Hagelschauer setzen, per vorgschützten Fahrigseins ebensolch faszinierende, wie den Formwillen-abableugnend wirkende “Gebiete” im Bild erzeugen, das An- und Abschwellen von Kraft in der Bewegung, all das zeitigt exakte Strichspuren, auf die Ihr jetzt schauen und an denen Ihr Euer Euer ästhetisches Empfinden ranwerfen können!ysp-scanp-170221-440d-manorMehr noch: bei Ansicht mancher Bilder bekomme ich eine über meine Werkstatttechnik erweiterte Ahnung von: das könnte die zeitlich gesammelten Bewegungen von Menschen im Raum, in einer großen Halle oder auf einem innerstädtischen Platz nachzeichnen.(..)

Was ein großes erstaunliches Plus der PinXoGRaphie ist, daß sich bei dem Malen anschließenden digital “erledigten” Umfärben tatsächlich alle gemalten Spuren wieder herausholen lassen. Ein Beispiel:

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Durch das stetige Dranbleiben und die auchundvorallem:mir! erstaunlich unermüdliche Neugier bei jedem neuen Start ergeben sich durch reine Experimenterfreude/ schrillend einsetzende Klischeeklingel oft erstaunliche “Nachbarschaften” von malerischen “Ereignissen” wie diese beiden hier unten, beide auf Blatt #535:nnn-scanp-170922-535g-r2vnb

Andrerseits finde ich es oft schade, daß sich “gute Ideen” in direkter Nachbarschaft von ästhetischen, äh, Unentschiedenheiten befinden. Da gibts zum Glück das scannergrößen-bedingte Ausschnittsauswahlmuß wie beim Fotografieren – die bemalten Blätter sind doppelt so groß wie das Scanfenster – da scanne ich einfach erneut und das Nichtgefallen nicht mit..

Oder: nehm ich einfach ein neues Blatt und mache die nächste, neue, irgendwie durch ihren Neustart, ihre-Frische-und-meiner-Erfahrung “verbesserte” Geste dann eben da drauf – ein netter Zug, eine schöne Geste der Malerei!nnn-scanp-170922-535e-rv2r5Und bei vielen (gemalten) Gesten – die Körpersprache so uferlos wie alle Künste ;-) – denk ich da ans Archivieren – hier eine kleine “Gesten”sammmlung von 2016:

ysp-scanp-170118-428d-r180 ysp-scanp-161021-395-r6v2r3 ysp-scanp-161113-405b-r180v ysp-scanp-161229-422b-r180 ysp-scanp-161213-417g-r3v93 ysp-scanp-161126-412h-re180 ysp-scanp-161126-412f-r2v2n ysp-scanp-161120-410c-re180 ysp-scanp-161011-390f-r2v

Schrieb ich “Faschingssonntag”? * Ja, ja – da seht Ihr mal, wie lange die Vorlaufzeit eines Artikels sein kann hier! Und: das ist nicht mal ne großartige Ausnahme. Im “Hintergrund” warten ein große Menge Entwürfe. Meistens durch eine Information im Netz, ein Gedankenfetzen beim Aufwachen oder in einem Gespräch mit irgendwem unter Tage geführt, münden diese Inspirationen in schnell hingetippte Notizen – Zettel hab ich klassischerweise auch – und wachsen durch stetige Nachbetrachtung – bestimmte Themen sind ja durchgängig in Bearbeitung-  irgendwann aufs Maß einer kritischen Masse. Das sind dann Artikel wie dieser, die dann, irgendwann durch Vollendung an einem wach-ruhigen Vormittag oder einer stillen Abendstunde am Rechner reif werden.

Inspirationen? Jederzeit! Heute zum Beispiel:

  1. der obskur klingende Satz: “Die Polizei beschlagnahmte den ICE, um Spuren zu sichern.”
  2. oder das erhellende “The name, Yoox which was created by Federico Marchetti composed of the male (Y) and female (X) chromosome letters linked by OO, the infinity symbol ∞ or “the ‘zero’ from the binary code,  the fundamental language of the digital age”.”
  3. oder “Weder Selbstdarstellungssucht noch sozialer Ehrgeiz oder Marketinggeschick überschatteten seine Schneiderkunst.“  (die Welt über Cristobal Balenciaga, 1895-1972)
  4. oder: “Aurora Robson is a multi-media artist known predominantly for her work intercepting the waste stream.

Und gleich mal checken, ob ich diese Bilder von 2016 schon mal gepostet habe. Geht per Googles, äh, Aufmerksamkeit: man sucht nach den Bild-URLs, wird zur Bildersuche weitergeleitet und findet… nach 10 identischen Klick, Copy und Paste-Versuchen jäh die Meldung: “Unsere Systeme haben ungewöhnlichen Datenverkehr aus Ihrem Computernetzwerk festgestellt. Diese Seite überprüft, ob die Anfragen wirklich von Ihnen und nicht von einem Robot gesendet werden” Dann kommt ein anzukreuzendes Bilderrätsel zur Verifikation. Wo sehe ich a) Brücken, wo b) Palmen auf den Puzzlebildern, die sich dann laden…

Nach bestandener Prüfung kommt mir gleich noch die Idee zu einer Medienkompetenz-Extrastunde-am-Feiertag: die Bilder plus Bildersuchlink hier zeigen. Dann könnt Ihr auch mal sehen, wofür der Algorithmus-plus-Big-Data Googles heute(!) meine Bilder “hält”, was in ihnen “vermutet” und gleich auf sehr Ähnliches  im Feld drunter klicken:

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ysp-scanp-422b-r180-150x150 ysp-scanp-417g-r3v93-150x15 ysp-scanp-412h-re180-150x15

ysp-scanp-412f-r2v2n-150x15 ysp-scanp-410c-re180-150x15 ysp-scanp-390f-r2v-150x150

..und dann auch noch gleich die “Neuen” von oben noch ins Spiel:

nnn-scanp-170930-537-r2vr2 ysp-scanp-170221-440d-manor nnn-scanp-170927-536g-r2vr7nnn-scanp-170927-536g-r3vnr nnn-scanp-170922-535g-r2vnb nnn-scanp-170922-535e-rv2r5

Ergebnis part 1: lediglich das oben links im Archiv-feld kannte Google von meiner Seite. Gleich zweimal. Eins ist gar in meinem englischen artist statement gelandet. Also a recurring dream ;-) . Die anderen 14: noch unbekannt. Unbekannt heute, am 3. Oktober 2017, 12:48. Das wird sich ziemlich schnell ändern, denn ich hab den google bot sehr oft zu Besuch..

Ergebnis part 2:

Automatische Vermutungen™:

fraktale Kunst (2x) | Wasser | Baum | Pflanze (2x) | cg Kunst (2x)| Kunst | Meeresbiologie | Moderne Kunst | Malerei

Tja. Ok, Google – ich (oder Ihr!)  versuchs in nem halben Jahr nochmal..

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Musik beim Schreiben: faschings’ (1) & Oktober-heute (2) und beim Google-Testen (3):

Jamiroquai: “Rock Dust Light Star”, Mercury, 2010 – (3)

Edo Zanki: “Zu viele Engel”, Universal, 2011 – (2)

Swayzak: “Dirty Dancing”, !K7, 2002 – (1)