Archiv für den Monat: Dezember 2017

Crash Test Hand Bags w/ M.C. Escher und Hieronymus B.

Es gibt Leute, die “halten” sich ein besonderes Möbel: den Geschenkeschrank. Das ist ein Platz, an dem sich auf Halde erworbene Geschenke versammeln. Hört sich vielleicht merkwürdig an, ist aber unbezähmbar praktisch: was unterm Jahr so schnell in den Läden der Stadt mitgehen geheißen wurde – geliebte Bücher in Taschenbuchausgaben, preiswerte Lieblingsmusik aus Ramschstapeln, Hörbücher oder gar Flohmarktfunde, an die zu erwerben gar die ins Gedächtnis gerückte Bekanntschaft der nun damit Beschenkten gemahnte – einmal im G-Schrank versammelt, genügt im Vorfeld einer Party oder eines Jubiläums ein Griff, und man kann sich komplett auf die Gestaltung der Abendgarderobe konzentrieren. Die man vielleicht amazon Echo Look  zum Check vorführt, dafür aber null Hirn-RAM fürs Präsent belegen muß. Sehr empfehlenswert!

Ich hab darüberhinaus das Ansammeln von bunten Kalendern im Programm. Da gibt es einen recht unschieren, in einer Dimension jedoch flachen Karton, in dem diese verpaßten Gelegenheiten zusammenstecken. Wozu das denn? Nun: das ist latentes Geschenkpapier aus Hochglanzfotos, bunten Food-Illustrationen oder Landschaften/ Blumenstilleben bekannter Maler. Das klappt natürlich nur, wenn man auf abgelegte/abgeschriebene Kalender ab Mitte Januar Connection hat und entsprechende Läden kennt, die froh sind, das unbrauchbar/ unverkäuflich gewordene “Papierkontingent” loszuwerden.

Hätte ich 2015 gleich(falls) ab Anbeginn der PinXoGraphie mit der Kalenderproduktion begonnen, gäbe es jetzt diese Exemplare zum Ausschlachten:pinxography-kalender16 pinxography-kalender17

Leider gebe ich der Kalenderproduktion Null Chance und vergeude smiley-blush mein Geld lieber anderswie… Heutiger “chronografischer” Glücksfall für mein Handtaschenlabor: 2 Kalender finden sich  in doppelter Ausführung. Kunstkalender. Hey! So kann ich mit der frisch ermittelten Schablone Vorder- und Rückseite eines Handtaschenmodells im selben Look gestalten. Und dieses dann est mal vor eigenen Augen hin- und herdrehen. Weiterer happy Serendip: die Werke M.C. Eschers und Hieronymus Boschs ergänzen sich in ihrer doch sehr zueinander kontrastierenden Ästhetik perfekt! zu diesem Zweck.

Ihr werdet Euch vielleicht fragen: warum das ganze mit Fremdwerken im CrashTestDummmy-Style? Es gibt doch mehr als genug eigene Dessins.. Nun: die unerforschten Wirkungen der Seitenteile der Taschen können hier perfekt ausgelotet werden, bevor ich zum weitaus kostenintensiveren Druck meiner Pinxographien zum selben Zweck schreite.

Da ich in diesem papiernen Fall die Skalierbarkeit der Bildausschnitte nicht frei wie sonst mit dem Rechner gestalten kann, tuns dann eben drei verschieden groß ausgeschnittene Handtaschenabwicklungen: 26, 20 und 15 cm Breite an der dicksten Stelle..

Und à proporös Flohmarkt und vor-den-eigenen-Augen-drehen-lassen: es gibt da tatsächlich einen kreisförmigen Klamottendrehständer in meinem Haushalt. Flohmarktfund und nun Drehscheibenprotagonist für den ersten Dreh zum ersten Clip  – zum Glück paßt(e) der nicht in en G-Schrank ;-)

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PS.: besagte Kalenderpläne und -entwürfe  vom November 2015 reichen bis 2020. Mal wieder Spuren eines Nachmittages voller Überschwang.. ABER

Das sind historische Arbeiten, innerlich abgehakt, durchlaufen, abgeschlossen. Lieber mit aktuellen Werken ab Blatt #563 frisch ans Werk.

Hier grad mal ein Test bis zum 18er Märzblatt: Ihr seht, die Gestaltung/Bildauswahl der aktuellen Stunde wäre auch recht anders, irgendwie fortgeschrittener, experimenteller, wilder, kalender”feindlicher”:nnn-scanp-kal18-563e-rec2vennn-scanp-kal18-563-recoll3 nnn-scanp-kal18-563-recollGleich drei verschiedene Anmutungen/Designs.. oje..
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Musik beim Schreiben heute:

Yoshinori Sunahara: “The Sound Of The ’70s”, Ki/oon Records, 1998

Micatone: “Is You Is”, SONAR, 2003

Glissando Brothers: “A Great Gift Anytime”, STIR, 2000

Crash Test Dummmies: “Give Yourself A Hand”, BMG, 1999

Gedächtnis-Leitplanke Kunst, Teil 2

Keineswegs, das kann ich gleich betonen,  bin ich der Superkunstnerd, der mit seiner Nase nur in Museen oder Büchern steckt, sobald er Zeit dazu hat. Galerien und Museen sehen mich eher selten, Bücher schon eher, die sammle ich gar für den Kaffeetisch!  Denn auch so kommts-daß-es-gibts ein über die Jahrzehnte durch bloßes Interesse von Kunst(werken) angereichertes Bildgedächtnis (“Leitplanken” Teil 1), das ich immer wie eine allzeit bereite Stimmgabel mit mir herumtrage. Das sind meistens Gemälde oder Fotos, weniger Skulpturales, obwohl sich in dieser “Abteilung” auch langsam was tut von Calder über Turrell bis O’ Donovan.

Kaum verwunderlich also, wenn sich die sehr flexibel deutbarenPinXographien auch dazu hernehmen lassen diesem Gedächtnis aufdrängen, um per Resonanzen bereits an anderer Stelle Gesehenen wieder in neue GedächtnisSchwingungen zu versetzen:

Kunstpareidolie gewissermassen:

ich erblicke das Neue, Unbekannte, das sich gerade vor meinen Augen per Farbton/Sättigungs-Regler auf den Bildschirm drängt und etwas (Alt-)Bekanntes klingelt im Gedächtnis. Und, wichtig & dazubemerkt: da sind hauptsächlich die Farben schuld.

Schaut Euch also mal diese drei Neuen an und deutet drei Maler zwischen 1891-1969,  1601-1678 und 1884-1950,  die Euch an diese Atmosphären erinnern:

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Zweimal draußen und Winter, einmal voll tosender Destruktion, einmal voll in sich gekehrter Beschaulichkeit, einmal drinnen, wo mensch es sich auch mit Farben warm und gemütlich macht.

Und.. keine Wortmeldung? Mm – dann bin ich wohl der einzige, dessen Hirn da klingelt?

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Musik beim Schreiben heute:

Joanna Newsom: “YS”, Drag City, 2006

Pantha du Prince: “Black Noise”, ROUGH TRADE, 2008

1x Hand Bagab Wicklung, bitte!

Es gibt da diese sehr in sich abgeschlossene Welt der “Technischen Zeichnung“. Ich hab sie in meiner Schulzeit kennengelernt und, da ich Konstruktionen mit Hilfe der darstellenden Geometrie sehr mochte, mal schön im Gedächtnis behalten. Faszinierend immer wieder, wie man mit bloßem Zirkel, Stift und Lineal bewaffnet gleichmäßige Dreiecke, Sechsecke, Winkelhalbierende und Mittelsenkrechte messerscharf “ermitteln” kann. “Oje”, werden da manche von Euch sicher denken, “Winkelhalbierende”, “Mittelsenkrechte” bä  – na, schwant Euch, was ich mit “abgeschlossen” meine? ;-)

Das hab ich heute auch vor, geht es doch darum, ein erstes anschauliches 3D Handtaschenmodel zu erhalten. Das man so vor sich hin- und herdrehen kann, um Proportionen und Volumen, sprich: ästhetische Tauglichkeit™ zu erkunden.

Dazu brauchts, das weiß ich aus Bubentagen, damals mit Bastelbogen zum Ausschneiden, Falzwillen und Kleber bewaffnet, die: Abwicklung. Den Begriff selber kannte ich damals zwar noch nicht, erfuhr aber by doing, wie sowas aussehen mußte, wenn alle Flächen, aus denen die Burg oder der Turm werden sollten direkt nebeneinander abgeklappt als Papierbogen aufs Ausschneiden warteten.

Ausgangspunkt ist meine “Standard”tasche, die ich im Artikel vom Juni, als ich die Idee an sich erstmals ins Auge faßte, mal selbst bestimmt designt habe: HandBagKit2Das hat ja für die ersten hundert Entwürfe gut gereicht. Um herauszubekommen, ob die Idee trägt. Hat sie nun in 2D. Dann, recherchierend/changierend, entdecke ich, daß die Fendis ihre Taschen im Shop nicht wie alle anderen in Aufsicht und Seitenansicht präsentieren, sondern in Vorder- und, oha: Halbschräge. Wie man so ne Tasche in echt eben an ihrer Trägerin wahrnimmt.

“Sieh da” denke ich, “da hat das Lebenspraktische – wer guckt sich beim HandtaschenCheck die Dinger von straight rechts und links an? – über die technischen Konventionen gesiegt.” Da will ich auch hin.

Und los gehts: zuerst gibts die Flächen der Taschen, vorne und hinten, nach rechts und links geklappt. Meine Spielwiese in Draufsicht bislang. Dazwischen kommen nun Boden, Wände(Seitenteile) und die “Decke”, die den Eingriff beherbergt. Deren Breite oder Breitenverlauf bestimmt die Ausdehnung in z-Richtung der Tasche. Ich lass’ mich als Startpunkt weiterer Gedanken von der Frontform (siehe oben) leiten, die sich nach oben verjüngt und will die Dicke der Tasche als Erstentwurf: ebenfalls konisch.

Nächste Aufgabe: wie lange müssen die Seitenteile sein, damit sie genügend lang sind, um um die runden Ecken herumzureichen?  Zur Ermittlung auf geometrisch-manuelle Art punktiere ich die Rundung (blauer Pfeil) und übertrage während des langsamen Drehens mit der Maus der lila Wand diese Punkte auf sie, um eine möglichst exakt benötigte Länge zu erhalten. Wie Zahnräder, die ineinander abrollen.

Ist diese so ermittelt, kerbe ich zum Kappen an der Stelle, auf die der lila Pfeil zeigt:hbk-printkit_001Ein bißchen Gefummel, das, da meine Photoshop Version keine Hilfe bietet, und daher das Ganze etwas improvisiert abläuft. Also ganz wie am Küchentisch mit rundgeschnittenem Karton, Lineal und Stift. Geht auch. Ich lass einfach etwas überstehen zum Abschneiden.

Es folgt nun das “Trapezieren” der so abgezirkelten Seitenteile (3), das Ermitteln des oberen Kreissegmentes, um dessen Länge (5) die Decke der Tasche (4) zweimal verlängert werden muß. Voilà:hbk-printkit_002Ein grüner Elefant mit Designerbrille & Lippenstift in mauve-orange am Rüssel und aufgeklapptem Verdeck? Maybe. Unerwartete Elefanten kamen ja schon mal vor in meinem pinxographischen Werk …

Mit dieser Vorarbeit hab ich nun eine frisch gewonnene (Druck)form, in deren Flächen ich Testdesigns aufbringen kann, mit den Farben oder fortgeführten Mustern der Seitenteile spielen und mal sehen kann, wie so’n Ding bei einem “Rundgang” wirkt..

Ganz vorne mit dabei ein paar Designs der ersten Stunde:

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“Und die Griffe?” werdet Ihr fragen. “Griffe spielen eine immense ästhetische Rolle bei einer Tasche!”. “Seh ich auch so!” werde ich antworten, “dazu muß ich aber erst noch in den Bastelladen und den nächstgelegenen Aquaristik-Bedarf” ;-)

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Musik beim abwickelnden Schreiben heute:

The Funk Void (zusammengestellt vor lassmichrechnen 14, 8 Jahren):

  1. Liquid Lounge: “Journey Into… Ocean Deep”
  2. Rae & Christian feat The Pharcyte: “It Ain´t Notihng Like”
  3. d´Angelo: “Spanish Joint”
  4. Megashira: “At Last”
  5. Project 2000: “Parallax”
  6. Dzihan & Kamien: “Stiff Jazz”
  7. Q-tip: “Wait Up”
  8. J-Live: “Like That Anna”
  9. Charles: “Fruit”
  10. Brand New Heavies feat. Main Source: “Bonafied Funk”
  11. MJ Cole: “Crazy Love”
  12. Jaffa: “Elevator (Fred Everything´s Afro Loft 2000 MIX)”
  13. Llorca: “I Cry”
  14. Angie Stone: “Baby Slow Down”
  15. The Quiet Boys: “Inside Your Mind”
  16. Underwolves: “Lay Down”

Ich brauch nen Clip!

Es gibt da eine große Lust. Kein Zucken, Umgucken, keinen nervös flackernden Augen-auf-Statistik-schlag, keine OnlineRechereche: nichts  fesselt (m)ein modernes Auge mehr als bewegte Bilder. Und,  je mehr faszinierende Mode|Werbe|Kurzclips gar unter 1 Minute Länge mir da so unter besagtes kommen und mich erstaunt, was man mittlerweile ohne Hollywoodbudget ( schaut mal hier und hier und hier und hier) so machen kann, desto weniger Wunder löst sich da irgendwann der innerliche Ruf:  Ich brauch’ nen Clip!

Für mich immer  wieder LieblingsHerausforderung: etwas Cooles hinbekommen mit vorhandenen Mitteln. In meinem Fall: archivierte (!) oder neue Ideen. Und ein “Lager” an Collectionen. Damit meine ich meine, äh, “Charakteristika” der Requisitenhortung. Genau die ist jetzt nämlich reif.

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Das Dolle an diesen Haushaltsüblichen™ ist der visuelle Verfremdungseffekt, den man durch deren schiere Wiederholung (Stückzahl=Menge) im Bild und bloßes Fotografieren hinbekommt. Natürlich brauchts da im Vorfeld viel Zeit, konsequente Hartnäckigkeit und etwas schrulligen Geschmack, der sich lang angeleint allzeit bereit auf das Sammeln kaprizieren darf.

Hier zum Beispiel und à propos 1. Advent seht Ihr meine über die Jahre erworbene komplettkompakte Weihnachtsdeko: aus drei Teilen. Die steht das ganze Jahr über so in einer Ecke meines Schlafzimmers. Zum Fototermin hab ich sie erst auf ein Brett und dann in die Sonne gestellt – und der linke “Baum” mit den Wendepailletten hat den Schnee auf die Hintergrundpappe gezaubert..62850028Und – falls ich je zu Erwähnen vergaß – da sich der Clip natürlich auf die Handtaschen zubewegen soll, “dürfen” auch PinXoGraphien:nnn-scanp-171201-560e-r5vr2nnn-scanp-171201-560-recollvrlfscreen-160403-320-re2v3nnn-scanp-171130-559b-rec3nnn-scanp-171201-560d-r3vkhbk-nnn-scanp-171130-559-re

..verrührt das mal im Kopf!!

start--560h-meets-310e..und vom frischen Dezember-Einrichterpoodle-des-Monats kommen noch weitere Versatzstücke für dieses Moodboard/ Inspirationen aus dem echten Leben mit HandtaschenHandwerk:

http://theselby.com/galleries/collaborations/the-loewe-workshop-and-senor-loewe-at-home-in-madrid/

http://theselby.com/galleries/kimberly-and-nancy-wu-owners-and-product-designers-of-building-block-at-their-studio-in-los-angeles/

http://theselby.com/galleries/jason-jones-and-mike-feldman-at-their-studio-in-los-angeles/

..drei Links mit erwärmenden Inspirationen: nicht nur feine Waren und ihre Schöpfer, also explizite moderne Produktplatzierung in Bild und Text und Me-Placement, sondern auch – mir spannender – Werkzeuge im Gebrauch, “lehrreiche” Werkstattinterieurs, unerreichbare Sammlerobjekte @ home im Regal, die auch uns nonetheless Genuß bringen und die “richtige” Benennung der URLs ;-)

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Musik beim Nachschneiden am Morgen und Abend danach:

Dinah Washington: “Destination Moon” zum “unter 1 Minute”-Clip oben ;-)

Ital Tek: “Nebula Dance”, Planet Mu, 2012

Fever Ray: “Fever Ray”, V2 Records, 2009

Michael Haydn: “Sinfonie Nr. 23 F-Dur”, Deutsche Kammerakademie Neuss / Johannes Goritzki