Archiv für den Monat: August 2016

Das Arbeitsleben in abstrakten Bildern

Diese Idee flog mir irgendwann zu, es muß vergangenen Herbst gewesen sein. Da betrachtete ich eines der frisch pinxographierten Scans in all seiner Unentschiedenheit, all seiner Heterogenität, Chaotikkeit und zweifelhaften Ausstrahlung™ und mir kam der Gedanke, daß diese Art “unentschiedener” Bilder nicht nur eine Darstellung des täglichen Lebens sein könnte, sondern auch geeignet sein, sich die mannigfaltigen Strömungen, Einflüsse, Aufgabenbewältigungsstrategien und  sich oft unter Reibungsverlusten tangierenden Prozesse im… Arbeitsleben vorzustellen. Also den täglichen Kampf mit Zeit &  Materie, das Eingrooven auf die Tagesform der Kollegen und Disponiertheiten der Kunden, Vorgesetzten, Untergebenen oder Teammitglieder, kurz: das Wirken (oder Nichtvorhandensein) des hierzulande noch relativ unbekannten Erwartungsmanagements. Darüberhinaus die emotionalen Wirkungen von Fehlplanungen, Falscheinschätzungen und Umgangstonarten in stressigen Phasen.

ntr-scanp-160811-377e-verlkVon der Idee, mit diesen PinXoGraphien könnten darüberhinaus auch technische, gar strukturelle  Herausforderungen im Betrieb ihre indirekte, gewissermassen psychologische Darstellung finden (und dadurch lokalisierbar werden) bis zur Vorstellung, betriebsinterne Logistikknoten könne man durch Anschauung dieser Bilder optimierender = klarer sehen, mal ganz zu schweigen. Klingt doch sehr weit hergeholt, ich weiß, aber:

das einfache Rezept: sich anhand dieser merkwürdigen Bilder anscheinend thematisch Unzusammenhängendes in einer dermaßen psychisch-physischen Nähe zueinander vorstellen zu können, daß man eine Vorstellung davon bekommen könnte, wie diese disparaten Einzelelemente DOCH irgendwie aufeinander Einfluß nehmen.

Und wozu das gut sein soll?

Nun: um versteckte Hemmungen, unerkannte und -ausgesprochene Probleme in augenscheinlich völlig getrennten Bereichen plötzlich als “abstrakte Nachbarn” vor sich zu sehen und ihre Abhängigkeit  in all ihren facettenreichen Schattierungen an genau diesem Bild zu erkennen suchen. Oder generell: sich das oft von Routine verschüttete Wache mal wieder in Erinnerung zu rufen, das ja stets hilft, sein Leben nicht in ewig täglicher Gleichförmigkeit versinken zu sehen.

Die Idee, einfach gesagt: sich vorstellen, daß diese Bilder Teile des Berufslebens zeigten.

Und dann mal gucken, welche Ideen da so kommen aufgrund der detaillierten Kenntnis der Situation.

  • Diese Welt ändert sich rasend schnell. Die Pläne zur Bewältigung aber sind oft von gestern. Schlagendes Beispiel aus dem Marketing: die sich auf breiter Basis etablierende Werbeblindheit.
  • Zum (Psychiater)Beispiel die Motivationsgründe, die oft Veränderungen, späten Erkenntnissen oder Deformationen unterliegen, wie Enttäuschungen im Studium, gar solche aus der Kindheit oder Schulzeit, “unplanmäßig verlaufende” private Beziehungen und manchmal konkret aufs Einsatzgebiet im Beruf und seine speziellen Anforderungen ausstrahlen. Austrahlen auf bestimmte unreflektierte Zusammenhänge oder schlimmer: jähe Empfindlichkeiten hervorrufen, die durch das Fehlen eines “kultivierten Umgangs mit Fehlern” flugs zu Weigerungen, Hemmungen umschlagen. Na, die schönen Gespenster “Dienst nach Vorschrift”, “Innere Kündigung“, you know. Oder, Fall 2, mal konkret:
  • mangelhafte Dokumentation von Arbeitsvorgängen, die ironischerweise der Firmengeschichte entspringen können und unfaßbar große Energiemengen aufzehren und jede personelle Umbesetzung jedes Mal aufs neu behindern, anstatt sich “Aktuellem widmen” zu können oder generell:
  • Kommunikationsdefizite und -stauungen, gehemmte Informationsflußverläufe,  brachliegende Kanäle aufspüren helfen.
  • Aber auch: plakativ präsentierte Rücksichtnahmen, durchwachsen mit unausgesprochenen starren, egoistischen Beweggründen malen uns in eine Ecke!

Jaa, alles aufzuspüren durch halb-abstrakte Bilder!!

ntr-scanp-160628-362f-ursp«Das ursprüngliche Problem, das nicht erkannt wurde & das resultierende Gesamtchaos» müßte der komplette Titel eigentlich lauten – aber dann würde man vor lauter Buchstabenkrakel das Bild, äh, verschwinden sehen..

Außerdem: wer macht schon Bilder von der Arbeit? ;-)

Hier weitere Beispiele für diese gewisse optische, quasi unharmonische Kratzigkeit. Alles bitte mit dabei zu denken: Motivation, Disziplin, Ehrgeiz, Seriosität, Kollegialität, der Flaschengeist namens “Team”, Verläßlichkeit, Kontinuität als ordnende Kräfte..

ysp-scanp-160821-379-r2v2nrysp-scanp-160821-379d-r4v3nysp-scanp-160821-379f-r3vr7ntr-scanp-1608119-377-r4v4nntr-scanp-160503-334d-r18vrWelcher Art Konstellationen, Hemmungen oder gar unbewußter Hindernisse hier Darstellung finden, überlasse ich Euch und Euren Erfahrungen in der Arbeitswelt – ich sag als ersten Anhaltspunkt mal «Maybe there´s an elephant in the room»ntr-scanp-160704-364f-r3v2n ntr-scanp-160730-373-r2vnr2ntr-scanp-160803-374f-rvr4 PS.: Ach, da fällt mir das grandiose Peter Prinzip ein – Das Buch zählt zu den Klassikern der nordamerikanischen Managementliteratur- und ich beginne, mir vorzustellen, wie DAS wohl als PinXoGraphie aussehen könnte ( & werde in meinem Archiv nach Bebilderung fahnden  – ein paar Krokodilähnliche habe ich da wohl ,-)

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Musik beim Schreiben heute:

Antonio Carlos Jobim: “The Girl From Ipanema”  Universal, 1996

Spuren(ver)wischer/ Baustoff(er)finder

Blatt eins vom – ta-dah!- neuen Stapel Papier. Einhundert neue Blätter machen mich trunken vor Vorfreude – no kidding. Diesmal – ein leichter Schock – noch weniger Zeichenpapier denn je, denn eigentlich für megaclean/geleckte Visitenkarten gedacht. 246g, endweiß & superglatt. So glatt, daß ich mich beim ersten Anfassen frage: oje – bleibt da überhaupt was hängen? Hat meine humble Farbe ne Chance, da zu bleiben, wo ich sie hingedrückt habe?

Nach ersten Versuchen: aber ja! Und: Herausforderung, Challenge genannt! Ab sofort also gesucht: ne neue Art, die Farbe “zu” Papier zu bekommen. Alles ist noch heikler, dafür aber auch fantastischer  geworden. Geboten: neue Effekte, vor allem der verwischten Art. Denn damit wird die “Zwischenwelt” erreichbar: zwischen knallhartem Strich&Punkt oder Steinreibe (unten links das blaue) und duktusbetonende Wolke: ein mit neuer Technik erzieltes Phantom schräg obendrüber, das echte Ungreifbare ™:ysp-scanp-160807-375f-r2v2nntr-scanp-160622-361g-r5v2r ysp-scanp-160817-378-r3v3r4Da noch ein paar unvollendete Blätter des alten Stapels auch noch am Fertigwerden sind, könnt Ihr hier vergleichen: ich war dahin schon unterwegs! ntr-scanp-160809-376b-rvr ntr-scanp-160809-376-r4vhr7 ntr-scanp-160809-376-r4vnr5 ntr-scanp-160809-376-r4vnr7 Das ist schon a mighty Schritt (bitte bayerisch gesprochen denken) weiter als diese beiden unten vom März (gaanz unten noch ein neues von vorgestern), oder find das nur ich so? ;-)
ntr-scanp-160325-314pre-rec ntr-scanp-160323-313b-rec3ysp-scanp-160807-375d-r4vn..mal wieder ein Beitrag zum Graphic Novel Soodle Poodle – CyberSphinx und nächtliche Wüste mit false-star-launcher à la Trevor Paglens “The Other Night Sky”.

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Musik beim Schreiben heute:

Nouvelle Vague: “Nouvelle Vague”, 2004, Peacefrog

Savvas Ysatis: “Select”, 2001, Tresor

Keine Ahnung How to invent a micro atmosphere

Heute mal wieder eine gemischtsprachliche Überschrift, da auch auf deutsch die hintere Hälfte eingewandert bliebe. Oder sollte ich “reimen und schnörkeln”:

«Wie man malend eine kleine Landschaftsgefühligkeit erwecket»?

Denn das ist es eigentlich, was meine ich: man ist in der Welt unterwegs und biegt um eine Ecke. Da ändert sich das Gefühl, weil man jäh von der Landschaft, der Atmosphäre, der Gegend  ergriffen ist/wird und innehält.

Ebensolche Erlebnisse habe ich beim PinXoGraphieren des öfteren, bin an diese wandervogelhaften, plötzlichen Stimmungen, Atmosphären genannt, erinnert, die mir ebenso ungeplant beim Zeichnen, Malen und digitalen Umfärben vor meinen Augen auftauchen, “um die Ecke biegen”, skurrilerweise meistens durch, äh, Verschieben des Farbreglers am Ende des langen Maltages..

Ein Beispiel? Hier das Bild von vorvorgestern abend und dann diese rechte Hälfte:ntr-scanp-160730-373c-r3vr3Rot weicht ins Blaugrün, Nähe und Schwebe des soften Gebildes und diese dunstige “Ferne” des Hintergrundes machen da was mit mir:

  • das Erlebnis eines wundersam konkreten Raumes entfaltet sich!
  • nicht der im März beschriebene Eindruck eines der Fantastik entnommenen Bühnenbildes,
  • auch nicht “bloße” Farbmalerei, die auf die Erzeugung einer Stimmung hinzuzielen scheint, sich also ganz im Sinne des abstrakten Bildklischees “so ergibt”
  • wie zum Beispiel das:

. Ebensowenig die plötzliche Nähe zum Graphic Noveltum. Nein, es geht um die bildnerische gelungene Illusion eines realen Raumes, wenn auch mit Aliens bevölkert. ;-)

Passend zur Sommerurlaubszeit präsentiere ich nun sowas wie meine kleine Fernweh-Auswahl aus dem PinXoGraphischen Archiv: Hauptsächlich Natur- und Wettererscheinungen kommen bei diesen speziellen Bildern da in meinen Kopf, nix Architektur, nix Straßenschlucht, nix Metropolappeal.

Gleichzeitig kann man meine bildnerische (Fort)Entwicklung zu den oberen beiden neuen Bildern gut erkennen – Juli oben, April unten – sind es gar Felsen, Weite, Höhe-über-dem-Meer, Schluchten, Bäche, Wärme, Hitze und schattige Kühle identifizierbar. Alle irgendwie auf naive Kunst anspielend mit ihren ernsthaften Formen.ntr-scanp-160413-328g-rc3vkDas “gelingt” bei verschwindend wenigen Bildern, daher bin ich einigermaßen unlustig, mich da anzustrengen, das gezielt erfinden/herstellen können zu wollen – dazu sind mir die Parameter der Inhaltsstoffe zu unerforscht, bedenke man doch die verwickelte Entstehungsprozedur.. Es bleibt vorerst nur das Staunen.

Und überhaupt: Erforschung des eigenen Werkes.

Jetzt, nach einem Jahr Bild an Bild und Speicher randvoll mit “Erscheinungen”, an die ich mich eigentlich nur durch Wiederangucken überhaupt erinnern kann, so schnell folgte eins dem anderen, grätscht diese Idee schon mal quer rein: was ist das denn überhaupt, das man da, bedingt durch die vielen Farbvariationen, im fünfstelligen Bereich geschaffen hat?

Nun, erstmal ein Wiedereintritt. Und simultan Vorübung, die netterweise auch ein paar ansehnliche Werke abgeschmissen /Erwartungen abgeschmettert/Reiter abgeworfen hat – meine Shortlist steht auf 59 Einträgen bislang. Für ne Ausstellung in der irgendwannenen Zukunft.. Das Ganze weiterhin: ein selbstinduzierter Formen- und Ausdruckskatalog, der sich aus der persönlichen Seherfahrung und – Motorik speist. Hä? Formen aus motorischer Speisung? Jep! Fahrigkeit im Bild* oder: das Zeichnen als Gestikulieren sehen.

Also könnte ich da tätig werden und durch bloße retrospektive Betrachtung zu Erkenntnissen gelangen. Gelangen wollen. Aber: will ich das?

Und wenn ja: ich welche Richtung denken/forschen, und vor allem: WAS denn genau “herauskriegen” wollen? DAS eine Bild? Eine Handschrift? Rezepte?  So klassisch mit  Reschersché und Nachschlagen von Filmstills, Bühnenbildern oder Landschaftsfotografien? Mmh.

Ich finde es da um einiges unermüdender, sich auf den weichen Humus seines Unterbewußten in Kombination mit den Milliarden bereits angesehener Bilder zurückzuziehen vom “Wissenserlangungsbetrieb” aka Quantified Self und durch simples Machen zu immer weiteren Ergebnissen und vor allem und viel besser: Erstaunlichkeiten zu gelangen.

Unconcious big data mining

(naaa, Sprachreiniger – wie sollte das denn auf deutsch heißen mögen – jemand ne Idee? Man kann sich da gerne und überraschend von der etwas umfangreicheren englischen Version des Wikieintrages inspirieren lassen )

ebk-scanp-151109-214c_manmiDas Meer. Im Meer der Nacht. Mit wundersamen Lichterscheinungen. November 2015.

Das unten kommt dem Thema ebenfalls sehr nahe: man baut sich im Kopf die Dreidimensionalität zusammen: heller Vorder- und dunkler Hintergrund, sonst wenig Erkennbares, vielleicht gemalte Gesten eines Nachmittags? Gerüchtefetzen beim Theaterfoyerbesuch? Die emotionale Wirkung einer wirren To-Do-Liste?ntr-scanp-160412-327d-rc2

Wir kommen zum Anhang. Zur Vervollständigung. Zur Galerie dieses Eintrags. Den wenigen Auserwählten. Ich versuche, Euch meine Eindrücke schreibend konkret machen:ntr-scanp-160319-310eunda-rMorgensonnenstreifen fallen auf eine überirdisch leuchtend-helle Seidentapete mit unterirdisch laienhaft nachgestelltem asiatischen Dekor..ntr-scanp-160319-309f-mvrliBleichgebrannter Blick durch eine elektronische Aufhell-Maske ins zu durchdringende Dickicht. Also a glimpse of Abteilung Ego Shooter..ntr-scanp-160304-298c-rec4vStock und Stein und Sierra zwischen Tag und Nacht (oben, März 2016),

RegenbogenUrwaldnässe (unten, Februar 2016)ntr-scanp-160223-289c-r2vkoFür mich haben alle diese Bilder etwas Intimes, aus der Nähe Gesehenes, das diese Gefühlswechsel erzeugen hilft. Man fühlt sich sehr nah dran. Sehr wichtig natürlich – und-wie-auch-nicht: die Farben, die Gefühle wie Wärme, Erdigkeit, Organigkeit und diese ich sach ma natürliche Friedlichkeit der beiden Elemente/Gebilde unten mit macht:ntr-scanp-160219-285-re180Oder erstaunlicher-/groberweise ein irgenwie wüstes Nichts, mit nur ein paar gestrüppigen HeckenKritzeleien und einem Platschfleck of Rot..ebk-scanp-151106-204_recoll

Mal sehen, was da noch mit den Neueren, Künftigen kommt.. Vielleicht noch weitere Explosionszeichnungs”umsetzungen” wie unten in bunt so à la Gravity – da wären wir bei der macro atmosphere:ntr-scanp-160730-373f-re2vn

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Musik beim Schreiben heute:

1 Rinocerose: le mobilier
2 Moloko: The Time Is Now (RMX)
3 Colonel Abrams: Trapped `97
4 MJ Cole: Slum King
5 Smash Mouth: Walking On The Sun
6 Cornershop: Brimful Of Asha
7 Deee Lite: Groove Is In The Heart
8 the Cardigans: Lovefool
9 Citizen King: Better Days ( And The Bottom Drops Out)
10 Beck: Sexx Laws
11 Lou Bega: Mambo #5
12 the Specials: A Message To You, Rudy
13 Eminem: My Name Is
14 Cypress Hill: Insane In The Brain
15 the Beastie Boys: Sure Shot
16 Mousse T.: Horny ( Southpark Edit )
17 Gipsy Kings: Bamboleo
18 the Good Men: Give It Up ( Batucada Refrescante )

Cristina Branco, Gesang / Ricardo Dias, Klavier / Bernardo Couto, Portugiesische Gitarre / Bernardo Moreira, Kontrabass live 1. Juli 2016 aus der Schlosskirche in Weilburg