Archiv für den Monat: März 2016

Staunen heißt was Neues reinkriegen

Selbstüberraschungstraining. So würde ich den (erfreulich&fast täglich nachwachsenden) Antrieb zum Malen kurzBschreiben.

Dreihundertundelf Blatt allerdings habe ich hinter mich bringen müssen, um nun an diesem Anblick jäh zu erstaunen:ntr-scanp-160322-312d-r180vEigentlich nur ein winziger neuer Schritt, der auf die vielen vorhergehenden folgte.

Aber hier sieht man – finde ich – zum ersten Mal… nichts.

Nichts, was Hinweise auf den (malerischen) Weg  lieferte, der bis zu diesem Ergebnis beschritten wurde. Farben, Formen, Übergänge stehen für sich selbst, sagen nicht: ich war Pinsel, Stift oder Mouséklickbilderspur. Das Bild löst sich von seiner Entstehungsgeschichte, verwischt alle Spuren der handwerklichen Herkunft.

Will man da nicht hin als Bildgeber?! Auf meinen jeden Fall, aber nicht nur.

Davor nämlich lagen zwei Bilder=Erstaunungen, die diese personal Sensation vorspüren ließen, aber auf anderem pictorialen Gebiet: erstens: die Anmut von bloßen, groben Strichen, im Englischen irgendwie treffender als “brush strokes” beschrieben. Sehr als Striche identifizierbare Striche. Das Grobe als das Schöne, Klare & Klärende, Befreiende.ntr-scanp-160319-310d-rec18Da versteht man die Maler des Expressionismus oder die alten und neuen Wilden!
Als zweite Erstaunung diese dazwischengeratenen “Seidentapete” – in einem ungewohnt hellblank leuchtenden SeitenStreifLicht, mit metallischer Anmut voller Frühlingesprit. Für mich hat dieser Anblick eine fantastische Reinheit, Strahlung und Durchsichtigkeit.ntr-scanp-160319-310eunda-rSo ne Mischung aus klassischen Stücken, fern-östlicher Schriftzeichenschule, Kindergekritzel und Wissen-um-Superflat ;-)

Noch mehr Staunen über die frischgefundensten Artists:

 

Traum. Szeno. Graphie.

Treffender kann diese Überschrift nicht beschreiben, was mir bei diesem Bild einfiel:ntr-scanp-160314-307f-recx6

«Ganz oben, über dem granitenen Gipfel schwebte ein Käfig, aus Punkten und Strichen gefertigt, achtlos, ungenau, ja – ohne eigentliche Käfigform. Doch in seinen TupfenMaschen und Seilen schwebte ein Etwas, das fischig und amorph, leblos und durch das Gitter gleichzeitig merkwürdig unberechenbar war.»

Eine phantastische Traumszene, ausgelöst allein durch freie Assoziation beim Erblicken/Erstellen dieses tagfrischesten pinxographischen Werkes. Das Dolle: beim Blattbemalen selbst oder den anschließenden digitalen (Farb-)Versionen dieses Blattes war das bis zu genau dieser Version null abzusehen -  eine Überraschung aus dem Quasinichts!

“Nicht ganz einsame Spitze” würde ich dieses Bild nennen. Und zu diesem Phänomen gibts ja viele kulturelle Beiträge , musikalisch von Mick Jagger über Randy Newmann  zu mehr allgemein gesellschaftlichen Analysen, von Demografen bis zu – na, da hamwer ja den Käfig! – Wirtschaftspsychologen.

Das ist mir ab und an passiert beim Malen und Photoshoppen hinterher: ein/e sehr deutliches/r Bild/Geschmack/Stimmung schnellt hervor beim Schieberegeln an der Farbton/Sättigung/Helligkeits-Armatur. Überraschungsmaschine pur. Eine immer neu sich bewahrheitende Macht der Farbwirkungen, des meistens unbeabsichtigt hergestellten HellDunkel und mit ihnen die überraschende räumliche Illusion. Der Grund, warum ja auch die Faszination nicht nachläßt, fällt mir doch immer eine noch nicht ausgetestete Variante des Farb-und FormenAuftrags oder der Konfrontation zwischen erarbeiteten Techniken ein. Wie gestern abend:

ebk-scanp-151230-252g-recolDa zeigte mir mein Bildschirmschoner ein Bild wieder, dessen hellstes Detail mich an die Langzeitaufnahmen von verwackelten Lichtspuren während einer nächtlichen Autobahnfahrt erinnerte, somit meinen Malmuskel trafen und ich heute vormittag diese Lichtspuren mal in einer Versuchs-Reihe “auswalzte”. Also frisch ans Werk und ohne groß auf dem Originalblatt nachzuschauen, wie das prä-digital verwirklicht ist. Im Ensemble mit den neusten Techniken des Farbauftrags ein internes Wow:ntr-scanp-160316-308-rec5ventr-scanp-160316-308f-rec2vNicht nur Frontscheinwerfer des nachts, auch Schmauch versprengende Flugkörper kommen mir da in den Sinn. Und zuckende Blitze zuhauf wie in Venezuela  – zur größeren Wirklichkeitsnähe werde ich da noch weitere Versuche starten.

Da ist also Einiges drin – angesichts dieser frisch erreichten, faszinierenden Science-Fiction-Anmutung – Peter Elson ,Chriss Foss   , John Harris , Bruce Pennington und vor allem natürlich  Roger “Avatarvatar” Dean lassen grüßen und inspirieren!

Und, via CGsociety.org gerade eben dazugefunden: Monsieur Efflam Mercier – noch mehr Ermutigation sein

«Hello! I spent more than 10.000 hours learning about CG art and still have much more to learn.»

ntr-scanp-160316-308b-rec3vUnd ebenfalls aufgetaucht heute und hier zum CG-Ausgleich: Weltraum analog style auf sci-fi-o-rama.com plus mal wieder ein grandioses tumblr-blog namens 70sscifiart

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Musik beim Schreben und Bletzen heute:

Simple Minds: “Sons And Fascination”, VIRGIN, 1981

Bubba Sparxxx: “Deliverance”, Beatclub, 2003

Steve Bug: “The Minimal Funk”, RAW ELEMENTS, 1996

Vorfrühling

nordwindig, bibberwangig, rachenbiestig, hochgeschlossen 04510019

bei 8 Grad, aber schon, entschleierlich,  04510021

manch lau fahl jähe Sonne am Nachmittag.04510022

Pflanzen tun schon 04510015

allerhand, beim näher´n Hinbeug´n = Farbe 04510032

im WinterRestéGrauUndBraun. 04510031

Still ruht der See, doch mit schon sacht 04510029

platzierten, frischgeputzten, gelbbedachten Gs 04510033

und neue Stühle drängeln sich – wie innerlich auch wir – hinter der Startlinie! 04510007

die Lyrik, the Poodle ,-) perche no? Erste Bilder, dannde Gedichte.

Wer meint, daß das noch viiiel besser geht – holt mich hier raus!! Ich suche verzweifelt ein Tutorial “suchmaschinen-optimierte Lyrik;-) Nein, halt, just kidding – ich will endlich gefunden werden über die seltenen “gelbbedacht“, “bibberwangig” und “rachenbiestig“-Joker  ;-)

PS.: Frühlingsfotostrecken 2015 gibts hier (Vor-) und hier (Prall-)

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Musik beim Reimen heute:

Various Artists: “Brazilian Love Affair, Vol. 2: Latin Selections From The Heart & Soul Of Brazil”, FarOut Recordings, 2000

“Ich wollte was, wo die Fotografie versagt” Teil 2

Wenn ich heute, fast vierzehn Monate nach der Erstellung des ersten Teils dieser “Geschichte” und fast neun nach dem Start in das pastellkreidne Abenteuer PinXoGraphie diese Überschrift wieder lese, stelle ich fest, daß das Wichtigste noch gar nicht erwähnt ist und   “Ein Foto ist flach und ein Gemälde, näher betrachtet, nicht” nur der erste Anstoß war, es mal abseits der Fotografie zu versuchen.

Denn eine Kamera kann man nur auf die Wirklichkeit, die physische Umgebung richten, denn sie ist ein Teil/Gegenstand dieser Wirklichkeit, die sie mit opto-mechanisch-elektronischen Mitteln gesetzgetreulich aufzeichnet.

Mit Farbe und Papier an der Hand jedoch schwingt eine andere, riesigere, rigorosere Tür der Bildgebung auf.

Man sitzt damit plötzlich am “Zentrum der gestalterischen Macht”, kann bar jeder historischen oder physikalischen Regel Licht und Schatten, Traum und Wirklichkeit aufrufen, Bekanntes mit Fantastischen gar ineinander mischen.

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Deshalb bin ich zur Malerei hinübergewechselt, denn die Fotografie hat begonnen, mich zu langweilen.ntr-scanp-160308-301b-rllvfDas Gegenteil kann ich von der Kombination Pastellkreiden – “après-Photoshop” sagen – man bedenke doch nur mal, wie lange ich nun schon an immer denselben morgendlichen Tisch zurückkehre und jedes Mal, mit jedem neuen weißen Blatt und meiner wachsenden Sammlung von Farbkreiden ein neues Abenteuer beginnt, meine Neugier neues Futter findet, das sie nährt, zu neuen Schritten ins Unbekannte entzündet und weitertreibt. Und ein Ende der experimentellen Begeisterung ist nicht abzusehen!

Was ich ebenfalls als überaus spannend empfinde ist die Erfahrung der handwerklich-technischen “Weiterspinnung” der Bilder. Aus anfänglichen “Getaste” innerhalb der zeichnerischen Möglichkeiten – hier links Studien aus den Anfängen – pinxography_ebk-scans-scree wurde ein stetig ansteigendes In-den-Griff-kriegen der Möglichkeiten, also ein Wiedereintritt ins Manuelle, eine Tätigkeit, die man beim Fotografieren ohne anschließend selbstdurchgeführte Laborarbeiten brach läßt. Weiterhin eine Abfolge von Entdeckungen der Postproduktion, einfach nur dadurch, daß ich die Blätter in den digitalen Bereich überzuführen begann, der nicht bloße weitere Nacharbeiten, sondern überraschenderweise drastische Fortentwicklungen erlaubt.

So bin ich nun, am dreihundertsten Blatt bei Bildwirkungen angekommen, von denen ich vor einem guten halben Jahr noch nicht zu träumen mich getraute:

ntr-scanp-160302-295-re4ver ntr-scanp-160304-298c-rec4v ntr-scanp-160307-300-recoll 89230009 ebk-scanp-151124-231c-d-rec ntr-scanp-160304-298f-rec3vntr-scanp-160306-299g-recvh ntr-scanp-160306-299e-rec4g ntr-scanp-160229-294e-norm

Aber es gibt da einen Backlash – fünfunddreißig Jahre Fotografieren sind nicht ohne Spuren vorübergegangen.

Schnell fiel mir ein gewohnheitsmäßiges Schnellfertigsein auf. Nicht Schnellfertigsein-Wollen, keine malerische Ungeduld, nein – es ergab sich von selbst, daß ich lieber zügig ein Bild fertigstellte und zum nächsten überging. Wenig Herumdoktern. Starke Gesten=Striche stehen lassen im Wissen der Wirkung. Ebenso die gewohnte Serienknipserei schlägt sich in den Bildern nieder, kommt “verkleidet” wieder in der zügigen Blattbemalung/Bekreidung. Um hinterher, nach der Digitalisierung der Blätter am Bildschirm auszuschneiden/auszuwählen. Keine grad typische Malerbeschäftigung würde ich sagen.

Ebenso das jahrzehntelange Aufsaugen von Bildern und -klischees hilft mir auch hier weiter: Innerhalb des malerischen Vorgangs kann ich nun an jeder Stelle des Bildes (!) bestimmen, ob hier eine Klischeefalle (also Langeweile) beim Betrachten droht und flugs ändern. Das ist eine völlig neue Erfahrung, die beim Fotografieren zwar auch Standard geworden ist durch die digital mögliche Einflußnahme, ironischerweise hier sofort in die moderne Werbebilderwelt führt, also noch weiter hinein ins Klischee. Klischee? Na, vergleicht mal mit den Bildern auf icp.org.

Und als “Nebenprodukt” entstehen seit Neustem gar Bilder, die im Ergebnis – nicht bei der Entstehung (!) – komplett ohne fotografische oder handgemalte Vorlage auskommen – also reine Mouséklickbilder:

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Und natürlich gibts ein superaktuelles davon mit besonders “organisch” gelungenem Guillochemuster als neues SoodlepoodleStartbild:

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Musik beim Schreiben heute:

d´arcangelo: “broken toys´corner”, Rephlex Records, 2002

Soul Coughing: “Ruby Vroom”, Slash, 1994

Louise Farrenc:  “Symphonie Nr. 3 g-moll”

W.A.Mozart: “Symphonie Nr. 40″ g-moll KV 550 (Academy Of St. Martin In The Fields/Marriner)

Plastikman: “Consumed” Novamute, 1998

Johan Severin Svendsen: Symphonie Nr. 2 B-Dur, op. 15 (Philharmonisches Orchester Oslo: Mariss Jansons)