Archiv für den Monat: Dezember 2015

Herman, The SilvesterKnaller

“Entdeckung right heute” heißt diese Rubrik.. naja – es war eigentlich gestern. Da hab ich mich von der periodisch auftretenden JahresRückblickSeuche insofern anstecken lassen, als ich mal wieder auf  die Wortwarte.de geklickt habe, um ta-dah! ausschließlich statistisch-technisch ermittelte Trends in der hiesigen Kommunikation abzufragen.

Am wenigsten zeitgeistig und am drum kuriosesten fand ich die sich ganz unten in der Liste befindliche “Zentralangst” und mit ihr den preisgekrönten Abschlußkurzfilm Herman, The German von Michael Binz – wenn das man nicht zu Silvester paßt! Dazu reiche ich nach meine im letzten Artikel thematisch angeschnittene NeuhajrsKarte:ebk-scanp-151117-223f-r2kar

Und à propos Silvestergestaltung:

Statt Bleivergießen, das zwar schön analog und echtzeitinterpersönlich ist, empfehle ich zur Jahreswechselgestaltung trotzdem was Digitales, um sich, ganz gemäß des einschleichenden Quantified Self Prinzips mal a) an die Nase zu fassen, dann b) seinen Nabel zu posten und vielleicht hinterher per browsergestützter Erkenntnis des eigenen Lebens zu etwaig c) noch ausstehenden guten Vorsätzen zu gelangen.

Erkenntnis 2016 geht so: Internet auf, Browser bei Fuß, dann lediglich eine Eingabe eines “A”s. Der moderne Browser ergänzt zu der persönlich am häufigsten besuchten Website. So durch bis Z und man hat eine 26er-Liste, über die man mal meditieren kann. Ein Beispiel? Frau Julia K. aus M. am Z. von R.&N. macht ihre “Einspielergebnisse” 2013 hier öffentlich. Super passend der Eintrag/Link beim Buchstaben U (?): “35 artists who were unashamed of their selfies” – ihr Kommentar: “ein crashkurs in kunstgeschichte” und ein Aha für uns: das selfie als… Mutprobe? Nix für sissies? Ist das schon eine erste Steilvorlage zur Vorsatzfassung? Oder hält man zu bislang unerforschten Gefahren lieber Abstand?

Und à propos Abstand halten: uns – nach Genuß des grandiosen Films des Herr Binz und eventuell daraus erspringendem Interesse – soll im kommenden Jahr vor allem eine Angst  bitte fernbleiben: nein, nicht die Anarcho- , Arachno-, Karacho-, Angora- oder Anorakno-phobie – nein: es ist ganz klar

Euphobie – die Angst vor guten Neuigkeiten  ;-)

frisch gemalte Jahresendergebnisse

Jahresendspur 2015. Ruhige Tage voraus! Ich habe Muße und beginne darob am Morgen ein neues Blatt – nach einer WeihnachtsWoche malerischer Abstinenz. Nicht nur die Feiertage, auch ein Gefühl, daß mit dem Ende des Blättervorrats nun auch ein malerisch-experimentelles Kapitel zuende gehen mag, ließen mich mich anderen Themen zuwenden: 84850012-01vogelhausbau84860035Doch heute, zwei Tage vor Schluß 2015: wieder neuer Schwung & frisch erstandne Neugierde, ob das nun echt alles gewesen sein mag, was ich in diese Richtung hinkrieg zu entdecken habe, ließen mich wieder zu den geliebten Pastelkreiden greifen. So gelangten erst leicht hingeworfene Striche, Wellen und Haken aufs Papier, die dann anschließend “variiert” wurden.

Und da war sie, unverbraucht wieder zurück: die Freude über das Funkeln der Farben und den aparten Kontrast zwischen Schmierer, Spritzer und zeichnerischer Akribie, den mannigfaltigen konkreten Andeutungen und Assoziationsmöglichkeiten “Wonach sieht DAS aus?”.
ebk-scanp-151230-252i-rec0ebk-scanp-151230-252f-manRiesenwellensurfer? Heizdrähte? abgeschälte Karottenstreifen? Florales, wie musikalische Noten kalligrafiert? Orchideen?ebk-scanp-151230-252i-recol ebk-scanp-151230-252g-recolWieder ein kleiner, aber feiner Schritt weiter in Richtung “The Formula” (Artikel folgt) und natürlich Anreiz, Das “Schaufenster” umzugestalten. Daß heißt, ein neues PinXoGraphy-Startbild zu schneiden – natürlich auch wie alle obigen: vom selben (!) Blatt #252:

Zum Vergleich/Anschauung besagten kleinen Schrittes hier noch zwei vorweihnachtliche, morgen, am Silvestertag zwei Wochen alte:ebk-scanp-151217-250g-recol

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Und daraus jetzt ne schöne JahresendNeuanfangglückwunschwunschkarte basteln!

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Musik beim Schreiben heute:

various artists: “The White Room”, SONY, 2004

Steve Winwood: “Nine Lives”, Wincraft Music, 2008

Stehen auf den eigenen Schultern von gestern

Ein neuer Anlauf auf einem der letzten der 259 Blätter, die ich seit Juni bemale. “Neuer Anlauf”, das heißt Versuch, etwas Neues, mir Unbekanntes zu erzeugen und dazu das Erarbeitete als Sprungbrett dahin zu benutzen. Also immer auf die eigenen Schultern (von gestern) zu steigen und gleichzeitig wach sein, das Ungewagte zu erkennen, zu schaffen, oder vielleicht besser: es zu finden. Dazu, das hab ich mittlerweile kapiert, brauchts unabdinglich die Pause zwischen den Werken. Mindestens einmal drüber schlafen. Sonst wiederholt man ohne Fortkommen. Oft tauchen nächtens nämlich neue (Gestaltungs-) Möglichkeiten aus den in Ruhe gelassenen Hirngründen hoch.. Dann: frisch drauf gucken, mit aller akkumulierten Seh- und Gestalter-Erfahrung.

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Im Laufe des letzten halben “Malerjahres” fiel mir irgendwann auf, daß ich beim Stricheziehen, Schraffieren oder Verreiben der Farbe zu spontanen Formen, Umrissen und Wolken von Funken beständig, wenn auch unregelmäßig “Nachrichten” meines Gedächtnisses erhalte.

Heute, beim nuancierten Nachbehandeln der bunten Wolken aus Pastellkreide kamen mir Fraßgänge von Borkenkäfern, Nutzspuren beim Putzen in sowieso durch frequente Nutzung heruntergerittenen Räumlichkeiten oder naturRändelungen in den Sinn. Oder mal wieder Oszillographen, elektrische Entladungen von Oberflächen. Aber alles unmerklich integriert und nur bei näherem Besehen deutlich. Das liegt zum großen Teil daran, daß ich meine Übungen in unbemerkt-Malen nun als erfahrenere kleine, für den Gesamteindruck aber gewichtige Eingriffe (in sonst nur grob wirkendes) instrumentalisiert, durch Übung und Experiment verfeinert habe.

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..also mit dem Stift Spuren hinterlassen, die nicht wie gezeichnet aussehen, sondern wie.. nun: natürliche,  bewußtlose, unabsichtliche Spuren, die man auch in der alltäglichen Umgebung finden kann. Phänomene wie von Moosanfängen nachkolorierte Treppenstufenfugen, Wischspuren von Planen, dunklere oder lichtere oder längere Stellen in Tierfell, Wendespuren im Schnee, alles geplant erzeugt und übertragen ins ungreifbar Farbige.

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Und nach der digitalen Behandlung sieht alles nochmal unvorhergesehener aus, ergeben sich abermals völlig neue Assoziationen, vor allem durch den digital “umgedeuteten” Schatten/Lichteinfall.

So sehe ich mich mit dem Erreichen des Stapelendes nun an einer Pforte angekommen, die den Eintritt in eine neue, aber dennoch kontinuierlich ” erarbeitete” Welt bietet.

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PS.: hier noch ein “Ergebnis” der ebenfalls gerade fertiggestellten Umgestaltung der Pinxography-Startseite, geremixt sozusagen:start-ebk-scanp-151216-249f

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Musik beim Schreiben heute:

Matthias  Vogt: “under the radar ep”

various artists: “Lost In Space – Drum n Bass -Phase 00:02″, Lacerba, 1997

St. Germain: “Boulevard”, F-Communications, 2003

Pole: “1″, Matador, 1998.

(Da hab ich) Stein auf Schleim gereimt

7 Monate Stille beim Krimi-Cover-Projekt! Nicht nur (wieder mal) überholt von der Wirklichkeit – ich war auch thematisch komplett abwesend, völlig weg davon, hab das Thema extrem gewechselt, von Augenblick und JetztZeit, kritischem Blick auf die Gesellschaft, Literatur und Fotografie hin zu häuslich brav, genügsam, down-to-earth, back-to-the-roots, rezeptiv: ich hab gemalt. Und immer, während der ganzen Zeit, war dieses schmierige Deckblatt online – das hat mich irgendwann diesen Herbst angefangen, zu stören, war nicht mehr zeitgemäß für mich als Schaufensterbesitzer: start-reingretchen240-367-1Aber nun hab ich von einer kleinen Reise in die Wunderwelten deutscher Fußgängerzonen dieses Bild mitgebracht:78680030

Als patinierte Kartoffel im Nietenmantel fiel sie mir auf und ich hab, eher pro forma fix zwei Fotos davon gemacht. Nun, mit etwas Düstergrün ™ oben drüber und an den unscharfen Stellen ins (Hintergrund-)Bild gerückt macht sie sich perfekt als obskur-maritim-bedrohliches Etwas für das neue Cover des www.reingretchen.de

start-reingretchen78680031Wie ne angemooste Heimwerkerversion mit Hutmuttern aus dem Bauhaus der im Trüben schwimmenden Kugeln im Film “Stadt der verlorenen Kinder”..

Und mit den Covers weitermachen? Och nö. Gibt ja schon fünefhundertvierundvierzig Stücker. Lieba erstma weitermalen. Gestern hab ich vier ;-) ;-) ;-) ;-) neue Pastellkreiden gekauft: gelber Ocker ||, Siena gebrannt |, Siena natur ||, Orange || – leuchtend irdene, positive Farben! Erste Verwischungen von heute vormittag:ebk-scanp-15120-247pr-r180

…und noch ein cooles Mitbringsel aus eben dieser Fußgängerzone – DAS nenne ich überverwirklichte Integration ;-) 78650002-schwarzwald-kebaph

Wär dann mal interessant, zu sehen, wie vielleicht… “Kuckucksuhrenlädle” auf arabisch, gerne auch japanisch oder chinesisch geschrieben aussähe. Jemand ne Idee? Hier mal n Vorschlag. In einer unbekannten Sprache:89510004kuckucksuhren-laedl

…crazy, nicht wahr??! Ach propos, da fällt mir die englische Ausgabe des “Once A Year”-Buchs des süddeutschen Fotografen Axel Hoedt ein. Bester Kommentar – von Sarah Bradley: I knew next to nothing about what I was looking at, but figured that these costumes must have something to do with the Lenten season, some of the characters likely having roots in pagan tradition.

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Musik beim Schreiben heute:

Ital Tek: “Nebula Dance”, Planet Mu, 2012