Archiv für den Monat: Juni 2015

Traumjob: Bahnwärter an der Tag- und Nachtweiche

Nichts ist hier so, wie es scheint: der Traumjob ist einer mit Träumen, die Bahnen sind papierne und dann der Fallstrick mit dem zum w vertauschten gl. Und die damit entstandene Weiche ist bei mir eine Vorrichtung, (Bilder) von hell nach dunkel zu kippen:

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Gescannt und mit Photoshop verwandelt sich das akribische Gekritzel – denn nichts anderes als Rohmaterial seht Ihr hier – in etwas .. völlig Unbekanntes. Dunkles, Geheimnisvolles. Traumartiges. Erst ich am morgendlichen Küchentisch mit Papier, Stiftekarton & Spitzer, tief übers Blatt gebeugt, dann wenige Stunden später bezaubert von unbekannten Gelände, dem Geschmack von fernen Orten mit Palmen, Vollmond, Galaxien über Pyramiden, Leitern mit nur einer Sprosse vor der Wolke des Unbekannten, Vogelblicke über sonnengebleichte Agentenfilmszenen, dunkel leuchtende Zypressengärten, mächtig-derbe Brückenkonstruktionen….

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Träume eben!

Durch das hochauflösende Scannen – am Bildschirm sind meine Bleistiftstriche plötzlich zentimeterdick, das gelagerte Papier erscheint wie Nadelfilz oder ultrakurz geschorener Rasen, und das nicht mehr allzu toppe Scannerglas mag auch seinen Beitrag zum, äh, Lebendigen beitragen..

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Am Abend des ersten Scan-Tages zwei Bilder vor meinem geistigen Auge: la bohémienne endormie und an Fischzauber. Beide um die hundert Jahre alt. Von Paul Klee und Henri Rousseau. Bilder, die genau dieses Leuchten (in) der Nacht/im Dunkeln fühlbar machen. Und ich auf ihren Spuren!

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Und die Überraschung am Ende des vierten Tages: ein neues PinXoGraphy-Outfit “schält” sich aus einem simplen Stück paralleler Streifen, per Polarkoordinatenfilter geringelt:

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PS.: siehe oben, erste Bildreihe: wow – Rasen! Mit Kringel! Da fehlt nur noch.. ein Fußball ;-) Und ich erinnere mich an einen Wiki-Artikel zu seiner Konstruktion aus einem, äh, ich zitiere, Ikosaederstumpf, also ein vollkommen symmetrisches Ikosaeder, dessen zwölf Ecken zu Fünfecken geebnet wurden.Ebenfalls kurios: die Verbindung der Fußballkonstruktion zur.. Chemie

PPS.: über die Suche nach Klees “Fischzauber” entdeckt: design-is-fine.org

und enfin noch sechs Bilder, entstanden am achten & zehnten Tag dieses work in progress´:

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Preisfrage: Und – wieviel Hemdblusenstoffdessins der Achtziger Jahre seht Ihr? ;-)

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Musik beim Schreiben heute:

Mark Morrison: “Return Of The Mack”, WEA, 1996

Spice: “Fred´s Bowling Center”, SPV, 1994

The dark side of my Bleistiftsammlung

Ja, Ihr habt schon recht gesehen am Eingang: nun kommen noch farbige Stifte ins Spiel. Hab ich beim Aufräumen gefunden. Eine ganze zwei Dutzend umfassende Packung. Irgendwann angeschafft und weggelegt. Und Papier! DIN A 2, über 100 Blatt, fast schon kartonstark. Die hab ich mir gleich als neuen Spielplatz herausgedeutet und angefangen, probezukritzeln.header-ebk-scan00bKringel, geschlossenen Linien in Dreieckform, was man halt so gedankenverloren macht beim längeren Telefonieren. Schraffieren, Spiralen..

Sieht unheimlich banal aus, bis man es umdreht: das leicht Angegilbte des immerhin schon dreissig Jahre alten Papiers und die Altersflecken des Scannerglases gehen zusammen imNegativ und machen diesen unverglaischlisch ge’ eimnisvollen Charme des Shabby-Patina-Hintergrundes. Die Farben digital noch etwas angeknipst- et voilá!

Soodlepoodle goes Illustratorruch. Just for Spaß. Nur mal so. Undum dieses Lyrisch-Verspielte noch zu unterstützen, brauchts fürs neue Deckblatt natürlich auch ein entsprechendes lyrisches Logo;-) Also hab ich noch schnell ein paar Beutelklammern auf den Scanner geworfen und daraus per Maushand etwas zusammengerührt. Hier unten seht Ihr RohScan und draus Gewirktes, auf 1 Tableau zusammengeklebt:soodlepoodles_beutelklammerKommt seeehr organisch und passend vor Scribbeleien , finde ich. Ob ich mich mit diesem Trick allerdings schon bei den Patternpeople.com bewerben kann.. wohl eher nicht.

Dafür entdecke ich nun, ganz à la Malinsel des Herrn Arno Stern diese gerne übersehene/belächelte  Kulturtechnik: leider..

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…”vom Benutzer gelöscht”: https://www.youtube.com/watch?v=dUNOqfKM-W0. Deshalb mein “Ersatz-memorial–gif”.

Malen als erster wortloser (prälingualer) Ausdruck der sogenannten organischen Erinnerung: aus dem Inneren des Menschen an sich, so die Forschungsergebnisse des Herrn Stern.

Hier mal ein zweiter Versuchsballon des Tages, gleiches erstes Blatt, anderer Ausschnitt:

soodlepoodles_ebkscanlogo15Super erstaunlich finde ich diese nun leuchtenden Stellen, die mir beim Skribbeln gar nicht als dermaßen “dicht” aufgefallen sind.

Das weiterhin Coole an diesen geschlossenen Linien (in unserem Beispiel das Weiße da rechts am Rand): sie lassen sich, zur Datei verwandelt, flugs mit mathematischen Farbeimern füllen. Das ist moderne Illustratorentechnique:

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Mit haushaltsüblichen Gerätschaften und – Software hat man da ganz schöne Möglichkeiten, findet Ihr nicht?!

Noch eins mit dem zweiten Blatt und der Erkenntnis des ersten:ebk-scan-150623-02c2_______________________________________________________________

Musik beim Schreiben heute:

Mozart: Sinfonie D-Dur KV 48 / Pietari Inkinen & Kammerorchester Lausanne

Das Bild heißt: Die wohltuende Abwesenheit sowohl des Leistungsprinzips als auch des Perfektionsanpruchs, die immer an unseren mentalen Hosenbeinen zerren. Los, das können wir dieses Wochenende schaffen!

Das ist das Tolle an halbgegenständlichen oder gar komplett abstrakten Gemälden: sie sind eine breite Auffahrt für Ideen. Die sich – toll #2 – auch nach Fertigstellung/-sprechung einstellen können. Wie zum Beispiel meine letzte Eingebung zu diesem Bild siehe Titelschlange oben und Ausschnitt unten.

Als toll entdeckt hab ich es.. in meinem PC. Gestern nämlich, in Form dieses nach links gewendeten Ausschnitts in blau (siehe links), den ich für die PinXoGraphy-Seite ausgeschnitten und zurechtgezupft hatte dieses Frühjahr. Rechts: richtig rum. Auch farblich. Den Schriftzug und Schattenhusch über P und y denkt weg:

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Da fiel mir auf, daß ich gerne auf diese braven, harmonischen, freundlichen Farben und die Leinwandstruktur schaue. Warum? Wegen seiner Schlampigkeit legeren Art, die mich daran erinnert, wie wohltuend es ist, einfach so sein gelassen zu werden wie man ist. Akzeptanz als grundlegender Baustein zum Menschsein sozusagen. Die berühmte Freund-Funktion ;-)

Auch hingeschlampt ist was. Das kann man an dem Bild sehen: ein Bild. Mit Flecken und Streifen, die als solche (jeder Hausfrau in Anbetracht) sofort auffallen. Im Bild haben sie aber Berechtigung, müssen sie doch Absicht sein, weil: Kunst darf ja alles. Und sollte ja auch: etwas Eigenes sein. Unverwechselbares. Neues. Nieda-Gewesenes.

Oder, wie las ich da neulich: “Be yourself; everyone else is already taken.” was sich mir am treffendsten übersetzt als “Sei Du selbst, die anderen gibts ja schon.” Soll von einem Oscar Wilde stammen.

Und noch zwei andere, ebenso passende Titel zum selben Bild fallen mir ein:

a) der Freund  (perfect ease)

b) ..und wieder ein gestaltloser Arbeitstag. (Das ist jetzt natürlich was ganz anderes, liegt aber auch nahe, wenn man gegen Ende einer Arbeitswoche ergebnislos zurückdenkt in Worten wie. “Was war denn so diese Woche?”)

Fazit: drei Bezeichnungen, die allesamt anregen, mal über Eigenes nachzudenken. Was will man mehr von einem einzigen Stück Leinwand?!

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Musik beim Schreiben heute:

Barbara Thompson: “Heavenly Bodies”, VeraBra, 1986

I paint the line between good and evil

It all started the days I released this forty-fifth postcard of the city of Mannheim:

For lucky me Mannheim-photographer a gorgeous coincidence of weather, light and kondensstreifen, for the soon-to-be viewers unintelligible, unfathomable, a plain strange.

Almost no one would believe it to be a simple, real foto.

The digital revolution, so I guessed now, had finally altered  the way people will forever look on pictures: suspiciously, knowing that literally everything could be corrected, post-producted, made up and.. faked.

Therefore since day one this card keeps sticking to the shelves. And not only because of the unusual format of 10 x 21 cm ( 4″ x 8″) and thus the “danger” of affording more shipping fee (it doesn´t).

A year later I reached the conclusion that I made the “mistake” of depicting two of the best-known shapes of the city and “combining” them with that unbelievable clouds, placing this bleak white spot (the evening sun) amidst the deformed ring (a stone sculpture). All these add up to the alienation, although (so I naively imagined) everybody knowing that place in Mannheim would cheer about it and this special photographic effect of over-exposure (=blending into white) easily would have been recognized.

I was wrong. And learned a lot of that experience: There´s a NEW line of plausibility one mustn´t cross doing postcards of existing places.

It also put heavy damage on my ambition to strive for the real extraordinary in photography. “What use looking for the best picture if nobody believes it?”

In those days I soberly had to re-draw the line between good and evil. And recognized that good ol´ painting gains new value after being put in second row by photography one and a half centuries ago. This line can be coulourful. Abstract. Obscure. Soothing. Energizing. Infuriating. And it definitely  is blurred.

Emotional and psychic ignitions are the true reality in pictures these days.

Everything else could be fake and has to be mistrusted. And virtuality gets closer to reality with ideas spreading all over the globe in seconds and production tools in mostly everybody´s hands.

With fotos mankind  nowadays only reproduces its klischees over and over again. Like an endless prayer to belong. So I´m off diving into colour and canvas again after a thirty-year break. Everything with painting is new since daytime reality changed so drastically. So welcome to the gallery! Guess what is real and what is.. real, too:

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Music while writing:

various artists: “Touché”, Touché, 1996

 

Ach, diese legendären alten Bilder!

Stellt Euch vor, Ihr kramt bei irgendeiner Gelegenheit Fotos oder Gemaltes/Gezeichnetes von früher hervor. Bei welchen dieser Bilder wohl fiele Euch dieser Satz ein? Wahrscheinlich bei demjenigen, das die meisten verschütteten Erinnerungen wieder plastisch vor dem inneren Auge erscheinen läßt  (ok, ohne tatsächliche Aufräum-Action ist diese Szene wohl kaum vorstellbar). Also vielleicht umgekehrt: sprecht diesen Satz  in a theatralic way aus. So mit jäh dazu erhobenem Arm und angedeutetem, leichtem Ausfallschritt. Nun – welche Bilder des persönlich gemachten Lebens™ fallen Euch dabei ein?

Mit “legendär” meine ich natürlich nur legendär für einen selber, denn sonst kennt die ja (noch oder fast) keiner. Und legendärerweise ruhen sie hauptsächlich in der Erinnerung – und in alten Kartons oder Mappen.

Für mich & meine kommen heute wieder schwungweise zurück. Denn ich setze fort: den permanenten kreativen Frühjahrsputz.  Und der fördert längst Vergessenes ans Licht:

als-sie-den-mond- tintenfluss-fische-aquarell turnschuh-aquarell-1979

Jedes dieser Gemälde hat mindestens dreissig Jahre auf dem Buckel. Das älteste der Turnschuh, der im Oktober 1979 außer an der Kappe und in den Schatten in einer etwas fehlgeleiteten Aquarelltechnik verwirklicht wurde. Als Souvenir, denn er war kurz vorm Aufgeben wie man sieht. Die Fische entstanden durch gepustete Tusche übers Blatt und anschließenden freien Assoziieren plus Schwanzflossenmontage. Das Dunkle nannte ich damals “Als sie den Mond bestiegen haben, hab ich das von meinem Wohnzimmer aus sehen können.” Auch als Auto-Ermahnung, nicht so viel vor der Glotze zu hängen. Damals. Glotz less, paint more oder so. Ich hab es hier mal als geheimnisvoll dunkel strahlendes Negativ gepostet, digital sei dank.

Ideales Futter, um davon weitere Bilder zu pinxographieren! Hab ich auch sogleich getan und mit dem bunt-naiven “drei Berge und ein Ballonbild” hier unten rechts das neuste Sommermenue gestaltet. Einmal übereinander mit den Bergen als Sinuskurve, als Menue brav und klassisch nebeneinander. Es lebe das 600dpi-Scannen ,-)

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Diese beiden gestutzten und schon farblich verdrehten Weiden hier oben links als Linolschnitt (war damals angesagt im Schulunterricht) hab ich “gewonnen” aus einem visitenkartengroßen Illustriertenfoto von.. Charles und Lady Di. Ohne Witz. Und: ich finde dieses Foto bestimmt auch noch demnächst. Versprochen! Die Weidenäste entstanden durch auslaufende Farbe anstelle der Füße – das Bild ist gestürzt – der kleine “ausgeschnittene” Hase am unteren Bildrand direkt  über der Nummerierung 9/4 entstand aus den behandschuhten, gefalteten Händen der Königin der Herzen.

Prinzip PinXoGraphy und Serendipity schon vor Erreichen der Volljährigkeit und dem Aufkommen von Pixeln.. ich staune, daß sich damals schon was am Bilden war, das heute mit Laune fortgeführt werden kann. Grrreat! Dann als letztes und “neustes” heute dieses gegen Ende der Neunziger Jahre  mit krassem (und leider verschollenen) Fraktalfilter  verfaltetes Tutu-Mädchen-Bild. Ich kann mich noch heute an die kaum erträgliche Mischung hochsommerlicher Temperaturen und ultrastarkem Pollenflug erinnern, der mir hoch oben am Heidelberger Schloß ununterbrochen die Augen reizte und die Sicht verklebte..

Recyclebar nach soo vielen Jahren – das kann man von nicht Vielem behaupten..

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Musik beim Schreiben heute:

Ital Tek: “Nebula Dance”, Planet Mu, 2012

Schumann: 1. Sinfonie B-Dur op. 38 “Frühlingssinfonie” (Tonhalle-Orchester Zürich / David Zinman)