Archiv für den Monat: März 2015

Nein, Nein – nächtens schlafe ich

Eigentlich wollte ich heute morgen nur schnell ausprobieren, mit welchen Stichworten in der Google Suche meiner Bilder ich etwas Abwechslung in die plus Tausend online-Bilder bringen kann, die ich ja nicht selbst auswähle sondern – lasse;  siehe Posting vom 13. Februar  «Nach Klischee sortiert, diese Galerie?».

Und dann die Überraschung damit auf meiner Seite: Google serviert dunkle Nacht – und helle Tagbilder. Die ich nie als solche gemacht habe. Nächtens schlafe ich, aber Google listet eindeutig helle auf der einen und dunkle auf der anderen Seite, die – weitere Überraschung – sogar Nacht/Tagaufnahmen sein könnten. Und eine irgendwie geartete Benennung oder Taggung dieser JPGs gibts auch nirgends*. Also muß es werkseitig schon Erkennungsalgorithmen geben, die Bilder als solche bewerten/zu erkennen suchen. Vergleicht mal mit den Ergebnissen, wenn man “night” dazugibt..

Hola. Da teste ich doch künftig mal, wie das ungebeten so weitergeht. Zum Beispiel mit Begriffen wie «Gesichter», «GPS» oder «Lokation». Oder «Freunde»…

* Sehet selbst: die schmucke Automaten-Übersicht: die Wörter meiner zwanzig letzten Blogeinträge nach Häufigkeiten sortiert per wordle.net:blogpage2015-03-30c

Und der kleine Tag da links unten im Blogtext ist immer sächlich. Das Tag. Also erdumdrehungsentkoppelt.

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Musik beim Staunen heute:

INXS: “Greatest Hits”, Polygram, 1994

Das Gretchen an der Staffelei

Irgendwann mußte es ja so kommen: ich fertige ne Extra-Ausgabe der KrimiDeckblätter mit Fotos meiner Gemälde. Und teste damit, ob sich dieser Ausflug weg von der üblichen Fotografie in die Randgebiete der Illustration als irgendwie anregend, vielleicht sogar ergiebig erweisen mag.

Schwierigkeit gleich ganz zu Beginn: Bilder zu finden, die über die gemalte Anmutung hinausweisen, also nicht sofort als bloß gemaltes Buchcover herhalten/auffallen. Durch die Pinxography-Technik einfach, jedoch mit der “Gefahr”, daß die Bilder Anklänge an Science-Fiction zum Resonieren bringen, wären sie zu stark verändert. Also ist eine Gratwanderung gefragt.

Da ich mit dem Material weitestgehend an der Stilvorlage Reingretchen, also der bloßen, unverfälschten Fotografie bleiben mag, scheiden die digital-analogen Malvorlagen ebenfalls aus. Beim ersten Besehen reichlich aussichtslos – oder fällt Euch EIN Titel ein, der zum Beispiel das da unten zu einem als Krimi erkennbaren/ interessanten Cover macht?33690009Mir nicht, auch nicht nach drei mal drüber schlafen. Außer an irgendwie mutierte alte Tapeten erinnert es mich höchstens an das fotografierte Reingretchen-Cover #95 mit dem Original, hier plus original fotografiertem Gesamtausschnitt:reingretchen-37050005Ein Lookalike Rinde der Platane nämlich, die wiederum hilflos Pate für ein weltberüchtigtes Muster gestanden hat: das Flecktarn. Mm.. Da, eine Idee: warum nicht ein Selbstgemaltes, Ähnlich-solches als kriminielles Tatmotiv verwenden? Das zwar sogleich Camouflage-Assoziationen weckt, die man aber mit einem entsprechend gewählten Titel vom Weg des geradewegs langweilig Durchschaubaren abbringen kann? Eine Herausforderung!

Aber es geht auch leichter: Fotos, die mich sofort anregen, daraus ein Buchcover zu kneten:

reingretchen33690017

Fotografie meets Malerei, hier Blendenflecken in der oberen Bildhälfte, die die Farbflecken unten als solche real, zu echten Gegenständen werden lassen und damit das Bild aus der Anmutung als Illustration befreien.

Es folgt unten diese frühe Arbeit mit der Farbbürste, schon im Entstehen als Mugshot = Fahndungsfoto getaggt. Mehr dazu lest Ihr hier.

Ebenso der “Schneesturm”, die “Polarlichter”, die bei den ersten Tests mit Farbe, Leinwand, Bürste entstanden und ich diesen Ausschnitt nur hoch-kontrastiert habe.

Drei ermutigende Ergebnisse also schon, die mich nun in gespannte Erwartung versetzen, ob sich die zu den monatlichen 16 noch fehlenden dreizehn Cover finden lassen. Erstaunlich: das folgende Foto von der sonnendurchschienenen Gemälde-Rückwand macht eine mich an alte Bibliotheken und frühe Entdeckungsfahrerbilder erinnernde Anmutung:

reingretchen-mugshot   reingretchen-torro  reingretchen-c594c-33690003Und warum zum nächsten Beispiel nicht die Leinwandstruktur mit einbeziehen? Und die Farbquadrate als Tatortspuren interpretieren? Die spezielle Austrahlung von pinselaufgebrachter Farbe aufweisen? Dann suche ich nach weiteren Fotos, auf denen das Gemalte als dreidimensionaler Gegenstand erkenntlich ist. Und stoße auf einiges Material der letzten drei Monate:

reingretchen-c589c-  reingretchen-c592c-33690027   reingretchen-c593c-33690032reingretchen-c590c-helldunk   reingretchen-c591c-33690013   reingretchen-c600c-31260011

Und hier ist vielleicht doch noch ein Bildausschnitt des großen “Negativ”-Vorbildes von ganz oben, das mir die Phantasie anschubst, um daraus ein KrimiCover zu gestalten. Die als Abschlußarbeit aufgebrachte “überfliegende” weiße Linie schwächt den anfänglichen  Tarneindruck nun doch in beruhigenden Ausmaßen. Und gibt Raum für eine neue Ideenverkettung. Kartografie meets Applikation.. Bin mal gespannt, was dazu angeflogen kommt in den nächsten Tagen..

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Auch gemalte Linien eignen sich für eine kriminelle Verwendung, sehe ich gerade:reingretchen-c596c-33070024   reingretchen-c597c-30990019   reingretchen-c601c-26120033

Und zu guter letzt – war doch einfacher und anregender, als ich anfangs dachte! darf doch ein Gemäldethema ins Kriminelle kippen: ein flüchtiger Blick auf mein erstes Bild mit farbigem Übergang im (Angemischt-)Werden:

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Hier unten zum Großklicken hab ich sie alle mal montiert und kann mir bis Monatsersten, wenn die nächsten Cover fällig werden, Titel überlegen, da fehlen ja noch ein Dutzend von..

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Musik beim Schreiben heute:

Lisa Stansfield: “Affection”, BMG, 1989

Yoshinori Sunahara “The Sound Of The 70s”, Ki/oon Sony, 1999

Visit Venus: “The Endless Bummer”, Yo Mama, 1999

Grace Jones: “Private Life -The Compass Point Sessions”, Island, comp. 1998

Joe Cocker: “Sheffield Steel”, Island 1982

Inspiration Frühjahrsputz

Ich hab saisonal aufgeräumt und alte Frühlingsfotos gefunden. Ihr seht sie unten. Typische Jahreszeiteninsignien: ein frisch erblühtes Blumenmeer und unscharf verstreute Hochwasserspaziergänger vor erwartungsvollem, demnächst grün berstenden G-strüpp.

Daraus hab ich dann den neuen Soodlepoodle gemacht, in aller stilistischer Unentschiedenheit ,-) Und à propos Klar-Schiff-im März:
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«Putzen beschäftigt das Gehirn, überfordert es aber nicht»

hab ich mal irgendwie gelesen, und das klang mir anfangs eher sarkastisch. Aber bei solch notwendigen/lästigen Hausaufgaben bemerke ich immer wieder, daß sich ein kreatives Türchen dadurch öffnet, daß beim Scheuern, Fegen oder dem Abwasch diese steten gedanklichen Hintergrundprogramme absorbiert und dadurch Fenster für Neues, quasi aus zweiter Reihe geöffnet werden und ein frischer Wind der Assoziation hereinweht.

Vom Finden vergessener Dinge mal ganz ebgesehen..start-09360009-cutWie dieses mir erstaunlich Drei D-ig gelungene, “bemalte” Relief (Original siehe Header oben)- pures, gedankenfernes `erumprobieren führte zu diesem interessanten Effekt – ob man den nun kitschig findet, überlasse ich jedem selbst. Nah dran is schon, ok. Als Gegengewicht dann nehmt das zuckerfreie andere Bild;-) übrigens eins meiner Favoriten unter den Nicht-Postkarte-gewordenen Mannheim-Motiven.

Und ein Dritt-wiedergefundenes, das  vor zwei Jahren als Titelbild in meinem Krimiprojekt Reingretchen “verschwand”:01000028reingretchenDie Aufnahmeorte für ortskundige Mannheimer übrigens alle zero Problem.. Mal sehen, was dieses Jahr so aufkreuzt vor meiner Linse oder auf der Leinwand @home.

Aufräumen auf der Inspirationsseite hier um die Ecke tat ebenfalls not – über 40 Neuzugänge sind einfach zu viel fürs Kaffeetischchen – und da! finden wir auch noch ne Kiste mit , die vor dem Verräumen vergeben werden will. Also:

  1. Gaanz toll fand ich die Idee, alten Chic und  überraschend ähnlich, äh, Neues (?) nebeneinander zu stellen/posten auf partnouveau.com    Fashion history blog
  2. socialhistoryofart.com   Connecticut´scher Kunstgeschichtsprofessor goes Internet
  3. snowce.tumblr.com    3.000 (!) Seiten riesiges BilderBlog des New Yorker Künstlers Cameron Snow mit allem, was mit alter, neuer Kunst und ihren populären Rändern zusammenhängt, von Pin-Ups über Egon Schiele Gemälde, Jimi Hendrix Fotos, Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski Gemälde, Glen Orbik Cover bis zu Mort Künstler Civil War Art..
  4. Gemalte/gezeichnete Tourismuswerbung vor der Übernahme des Genres durch die Kamera: Inspiration, Reisefieber und Retromanie zugleich durch die simple Bildersuche nach “Railway Posters“.
  5. Der fotorealistischabstrakte Maler Gregory Thielker – ja, gibts sowas?!
  6. paintingperceptions.com Seite, die sich der Seh-Erfahrung mit/durch Gemälden widmet. Sehr diversen=anregenden Gemälden.
  7. Zwei hell ausstrahlende Quellen Abteilung “Farb(joker)karten”: Luigi Ghirris Monochromieperlen und der Farbflash Ernst Haases.

Den Rest habe ich einsortiert in die bestehenden 25 (oops -zu viele) Kategorien:

Musik im Bild
Competitione (Seiten nur für Wettbewerbe)
Product Placement
Online Magazine
Kreative Datenbanken
Fotografie/Kunst/Sammlungen
die Kunstmarkthysterie
Neues aus der 3-D Rendering-Welt
Branchenlevel, der, das
historische Fotos in Sammlungen
Fotografie/Kunst/Blogs
FotografenBlogs
Blogs/Seiten von/mit aus dem Nähkästchen plaudernden Fotografen/Malern
Grafik/Plakate
Technik/Architektur/Möbel/Design
Gemälde/Zeichungen/Comics/Illustrationen
-Maler & Illustratoren
-historische Persönlichkeiten
-Künstler weder/noch
Fotografie-Bücherquellen/ Fotobücher Quellen
Fotografie/Baukasten/spezielle Themen
The World Of Tech Talk
Specials
Making-of /Hintergründe/Interviews
Einzelne Interviews & Texte

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Musik beim Schreiben heute:

The Pizzicato Five: “Made In The USA” Matador Records, 1994 -
beste Beschreibung dieser grandios gutgelaunten Scheibe auf amazon:

When I first got this album in 1994, it literally became the soundtrack to my life. I listened to it nonstop, and ended up addicting my whole family as well — my father the jazz enthusiast, my kid sister the alternative fangirl, and my mother the Japanese native and Beatles groupie.

various artists: “Azure Ellington – Blue Note Plays The Duke”, BLUE NOTE, comp. 1998

 

Hilfe – meine Gemälde sehen nur fotografiert gut aus!

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Ein naives Landschaftshimmelbild. Sonne, Wolken, golden Scholle in groben Pinselstrichen. Selbst gemalt vor nicht mal vierzehn Tagen. Aber nicht so, wie Ihr das jetzt seht, sondern.. auf der anderen Seite der Leinwand und mit komplett anderen malerischen Absichten. Das hier ist die “unbewußte” Rückseite, mal wieder von hinten gegen die Sonne fotografiert.

Von vorne, dasselbe Bild, diesselbe Stelle:33070014

Das überaus Plastische an dieser ins Extrem getriebenen Kombination aus Beleuchtung und Impasto-Farbauftrag macht die Morgensonne und der maximal flache Anstellwinkel des Bildes, die das Ganze so wie ein Relief reinster Güte aussehen läßt und das, obwohl diese Stränge in Blau a) mit handelsüblichem Pinsel und b) keine zwei Millimeter hoch sind.

Fotografie und Fotograf also wieder einmal, die/der die Dinge speziell aussehen läßt.

Noch obskurer wird die Sache, betrachtet man die selbst digital gestaltete Malvorlage, mit deren “Hilfe” ich auf dieses Ergebnis oben gekommen bin:pinxography-technical-romance

Warum die so anders ist, kommt daher, daß sie nur deshalb so entworfen ist, um an möglichst lang laufende neue ausgefranste Farbränder zu kommen. Die bilden nämlich das Rohmaterial für weitere, ebenfalls geplant unbewußt erzeugte organische Formen. Beispiel: obige gemalte Sonne, diesmal als Scan:

        technische_romantik_sonnen0    technische_romantik_so_blbw     technische_romantik_sonne0
Das heißt: ich nutze den Farbauftrag für ganz andere Zwecke. Zwecke, die mit dem Ziel, schöne Bilder zu malen, wenig oder nur in zweiter Reihe zu tun haben: mit künftigen Bildern, die daraus erst entstehen mögen. Ich male Quellen sozusagen, die nicht mal für die Wand bestimmt sind.

Bei dieser Vorgehensweise ist es nur passend, daß man da rückseitig ebenfalls “Sachen” entdeckt. Auch, daß die Fotografie ein wichtiger weiterer Baustein Richtung MalereiZukunft ist. Denn sie zeigt die banalen Dinge in neuem anregenden Licht, in dem man sie ja auch wieder malen kann.

Eine weitere Version, die nur durch Fotografieren und in diesem Falle Invertieren möglich ist und weitere Assoziationen wecken mag:33070016PS.: Aber es geht zum Glück auch anders: es gibt 1 Gemälde von letzten Winter, das sieht fotografiert gar nicht aus:pinxography-gated_communiti

Da muß man sich dann schon den Gegenstand Bild selbst ansehen – das nämlich würde ich sofort in einer Ausstellung zeigen…

60 Millionen Bilder mehr pro Tag – jetzt mit künstlerischer Aufgabenstellung

«Das Projekt This Ain’t Art School will künstlerisch wertvolle Fotos auf Instagram fördern: Seit einigen Monaten sammeln die Hamburger Kunsthistorikerin und Bloggerin Anika Meier und ihre Mitstreiter Hertje Brodersen und Jorg Sengers die besten Bilder zu einem vorgegebenen Thema: spannende Motive aus dem Alltag, überraschende Bildkompositionen und denkwürdige Botschaften.«

Das Interview kann man anhören bis September 2015 auf deutschlandfunk.de

Ich mach auch mal drei dazu – Assignment: man ringelt sich dem Frühling hin ;-)

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Am-Tag-daNachtrag: Mh – 60 Millionen Bilder.. Ich rechne mal moderate 50 KB pro Bild, das macht dann 3 Terabyte Platzbedarf en plus, das entspricht ungefähr dem Standardspeichervolumen eines PCs. Das hieße die Speicherkapazität von 365 PCs muß Instagram/Facebook pro Jahr in seine Serverfarm dazubestellen, nur, um die anschwappenden Bilder zu horten/hosten. Schön, daß stromsparend zur benötigten RechnerKühlung mittlerweile die semi-arktische “Farm”umgebung genutzt wird. Und da ist noch mehr..

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Musik beim Schreiben heute:

Cal Tjader: “Talkin´Verve – The Roots Of Acid Jazz”, VERVE, comp. 1996

 

Acryl auf Gegenlicht

Die Entdeckung heute geschah in drei Etappen, wenn man so etwas so sagen darf: angespornt vom Gedanken, Gemälde und Gepixele im Wechsel zur Inspiration zu nutzen griff ich irgendwann zum bereitstehenden Scanner, um Details der Gemälde in Hochauflösung/Vergrößerung ins Spiel zu bringen.

Und entdeckte in den “Wartepausen” am Gerät, wenn sich die Lichtschiene langsam durch die 600 dpis arbeitet, das zweite Gesicht der Gemälde. Das nämlich, das sich bei durchscheinenden Licht auf der Rückseite der Leinwand offenbart.20550001

Um dieses festzuhalten, schnappte ich schnell die Kamera, um diese Erstaunlichkeit fahrig und handverwackelt festzuhalten. Und hab sie nun ohne Hast mit der Morgensonne am Fenster mal an zwei Bildern fotografisch festgehalten..

Die Überraschung: dasselbe Bild, von hinten und Sonne durchschienen offenbart ein weiteres Wesen, das weiter außerhalb meiner Absicht nicht hätte sein können, denn der dicke impasto-Farbauftrag erzeugt eine von vorne nicht sichtbare Kleinteilung, die in ihrer Schwärze (durch lichtunlässige Dicke) und Farbkontrastigkeit (viel Licht durch gesättigte dünne Stellen) überrascht.

Was von vorne so aussieht,31260015 31260024nimmt sich, am Fenster stehend, sonnendurchschienen und für Euch gedreht zum Direktvergleich, so aus. Viel gröber, kühner, expressionistischer.

Cool, denke ich da, so müßte man (vorne) malen!

…und fixiere das Neuland, um es maltechnisch zu fassen: Schwarze Umrisse, kleine Felder, starke Farben.

Da das Licht günstig und flüchtig ist, gleich weiter mit den paar schon vorhandenen Bildern. Darünter ein fertiggestelltes farbiges. Das sieht im allerschrägstehenden Morgenlicht erstmals wirklich aus wie ein Gegenstand, und ich habe ja genau vorsätzlich zu diesem Zwecke dick aufgetragen, sowohl in den Farben als auch davor diese Umrißlininen:

31260019“Rückseitig” dieses Bildes die nächste Überraschung: eine düstere Landschaft mit roten Bergen, meer- und wolkenumbraust, mit rätselhaften “Fluglinien”:31260004

Schwarze, wächserne Himmels”ziegel”, die naive Anmutung der lehm/blutroten Berge und diese mysteriöse grünliche “Fluglinie” wecken in mir sofort Assoziationen an Filme: Peter Jacksons King Kong, als das Schiff der Abenteurer in diesen dunklen Strudel vor Skull Island gerät und sich gruselig haltlos im Nichts des dunkel schwappenden Meeres  und in unmittelbarer Nähe der messerscharfen Klippen hebt und senkt. Oder b) die japanische Inneneinrichtung des im Limbus gefangenen Saito im Christopher Nolens grandiosen Inception..

Dritte – eigentlich mittlere – Etappe der eingangs erwähnten Entdeckung:  die immer neuen Überraschungen, die das “digitale Besteck” möglich macht, mir erlaubt, in den Fotos oder Scans erspürte Ideen mühelos zu verstärken, raffinieren oder zu isolieren. Oder durch einen Klick in eine neues Universum vorzustoßen, um diese Ideen dann für weitere Arbeiten an der Leinwand aufzubereiten..

PS: Wer Schwierigkeiten mit der Deckung hat, klicke auf das obere Bild, dann kommt eine Version mit Markierung der Rückseite.

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Musik beim Schreiben heute:

Yello: “Zebra”,  Phonogram, 1994

Grace Jones: “Nightclubbing”, Island Records, 1981

o.T. ? – Nicht mit mir!

Daß die Malerei nicht nur eine frisch entdeckte Spielwiese für mich wäre, nein, da ist mehr. Sie entpuppt sich spätestens, nachdem das erste vorzeigbare Bild mit “#vollendet” getagged ist als grandiose Hüpfburg für eine andere große Schwäche: das Benennen.

Denn ein guter Titel sagt mehr als tausend Worte ;-)

Er erzeugt angesichts halbabstrakter Ansichten einen ersten Sinn, läßt Tiefe ahnen, kann überdies eine Mehrbedeutungsspannung erzeugen, die dem Betrachter oder im Textfalle: dem Leser eine zweite Blickrichtung (nach der offensichtlichen) beibiegen kann. Diese zusätzliche Gelegenheit will ich auf keinen Fall verschenken. Zumal ich solche Begriffe (nicht nur fürs KrimiProjekt) ja auch sammle, sobald mir zum Beispiel nächtens eine Wortgruppe  den Schlaf raubt. Diese wird halbwach doch fest entschlossen mit bleiernem Stift gebannt und steht ab frischen Morgen zum Einbau bereit.

pinxography-technical-romanceWie zum ersten Beispiel das da oben in gemalt heißen wird, steht seit gerade fest:

“Technische Romantik”, Acryl auf Leinwand, 30 x 120 cm

Nachtrag vom 14. März: hier die frisch gescannte Baustelle/ das “Feld” noch ohne “Blumen” ;-) technical_romance_obDa wie immer mein “Muster” zuerst aufgetragen wurde, verschob ich die Lage der orangen Bereiche aus der anfänglich skizzierten Symmetrie heraus an die “ereignislosen” Stellen des Gemäldes, so daß der “verbesserte” Plan nun so aussieht:technical_romance_mdigibDiese fünf grünen Kreise sind gestern morgen spontan in meinen Sinn gekommen und verweisen auf genau das, was ich an der Malerei so einzigartig finde: man kann Bilder mit mehreren Perspektiven malen, die sich überlagern oder gar widersprechen und so ein größeres Bild eines Gegenstandes/Phänomens erzeugen als es andere bildgebende Verfahren vermögen. Also stellen diese neuen Kreise- Ihr ahnt es sicher schon -  die Querschnitte der Blumen, die die orangeroten Blüten tragen. Und man blickt durch die Stengel nach oben auf sie zu und hat gleichzeitig den Blick aufs Ganze aus der ins künstliche Ovale verzerrte Ameisenperspektive.

Und mit “ereignislose Stellen” meine ich Bildstellen, an denen, von nahe betrachtet, nicht so ansprechende Stellen “Platz für Blüten lassen” wie diese da vom linken Rand des rechten Bilddrittels:technische_romantik_det

Das ist im Original 11 x 9 cm, zur Betonung der Dreidimensionalität habe ich allerdings digital entfärbt und hochkontrastriert. Ein wunderbares Anschauungsbeispiel (auch für mich!) und Bestärkung der angewandten, ich würde fast sagen “extremen” Impasto-Technik, denn (Zitat wikipedia.org/wiki/Impasto)..

Zum anderen erhält das Bild Kraft und Dynamik, der Betrachter kann die Pinselführung, die Geschwindigkeit und die Stärke des Farbauftrags erkennen.

Maler/Controller

Wenn man nach genauem Plan malt, Schritt für beschlossenem Schritt vorgeht, hat man die Chance, Unfertiges herumzuzeigen und Meinungen einzuholen, ohne den Weg erstmal verlassen zu müssen. Nicht (nur), um sich bestärkt und geliebt zu fühlen, sondern auch, ta-dah! – um schlicht besser zu werden. Oder etwaig Übersehenes rechtzeitig wahrzunehmen dank Feedback. Und Kunst lebt ja, wird ja erst durch Publikum.

So konnte ich beim neusten Werk mitten drin innehalten und mir überlegen, ob ich mit diesen mich störenden Assoziationen “Camouflage” der Nachbarn weitermalen wollte.  30990005Denn so weit war ich schon. Und geplant war nämlich das da:6kapelle-part_twofaerbetes6 Und darin flugs Tarnkleidungsflecken zu sehen – verständliche Reaktion in diesen Tagen, ok ok. Aber: ich als Militärmustermaler? Nö, keine Lust auf so ne çekmece. Zum Glück waren die weißen Stellen noch nicht bemalt (die ebenfallse Weiß-Grundierung mit den noch sichtbaren Bleistiftstrichen zur Orientierung wollte ich nicht lassen), und ich konnte meine digitale Malvorlage hervorkramen/ hochfahren und laborieren.

Und wenn schon probieren, dann auch gerne etwas Neues, wie zum Beispiel einen dritten Farb-Übergang, der sich von unten nach oben im Bild zieht:pinxography-dawn-kitDas wäre die totale Zerstörung des Tarneindruckes mit Karamell, ok, aber mir zu wenig auf der Kippe, denn:

ich will das Unentschiedene, den Grenzgang, die Ambivalenz.

Also immer weiter bis zu dieser Version mit dem berüchtigten Altrosa:6kapelle-part_two-dawn-11coDiese werde ich nun verwirklichen und bin froh, auf diese Weise das Bild zu retten vor allzu kruder Interpretation ;-) )

Einige Stunden Pause und Versionen später (man kann ja weitermachen, wanns paßt) diese, die ich für noch gelungener halte. Dafür müßte man allerdings ganz von vorne anfangen – das ist in diesem Fall aber prima, will ich doch eine andere Größe dieses Bildes testen:   60 x 180 cm.6kapelle-part_two-dawn-13

Nen eigens angefertigten Test auf MDF-Platte habe ich schon letzte Woche  in schwarz (Filzstift) und weiß (Acryl) für gut befunden – genau die richtigen Abmessungen für mittelgroße Räumlichkeiten. Foto davon:pinxography30990021mdf60x18 Hat doch auch was..

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Musik beim Schreiben heute:

various artists: “PLATIPus Volume Three”, Platipus Records, 1997

The Making-Of Polar.Blue.T

polarbluete_229520036Endlich mal Morgensonne und ich kann dieses erste Bild mit Farbverlauf darin fotografieren. Etwas gelbstichig zwar, aber dafür gleichmäßig beleuchtet. Und es mir dann heute abend als biegsame Datei vornehmen. Um zum Beispiel erst die Farben zu puschen, dann das Bild zu doppeln, zu spiegeln, zu invertieren und zu collagieren: polarbluete_229520036cVollständig  bunt, mit rechts gut sichtbar gemalten Farbgrenzen – leider. Das wollte ich eigentlich anders, aber: an jedem Bild lernt man.

Und wie nun weiter? Mmh -  vielleicht.. Polarkoordinatenfilter – der “biegt” daraus einen Nierentisch, dann bei abermaliger “Anwendung” gehts in die Fungistik. Und – das ist meine stets im Nachhinein belohnte Gewohnheit: immer schön die Zwischenergebnisse speichern. Zum Nachvollziehen für mich und für Euch und das vorliegende Making-Of. Denn ich finde es immer sehr erstaunlich, welch Winkelzüge die schnelle Intuition da macht – und wie wichtig es fürs Erreichen eines Ergebnisses ist, vorschnelles Urteil unterwegs zu vermeiden:

polarbluete_229520036d  polarbluete_229520036e  polarbluete_229520036f  polarbluete_229520036g  polarbluete_229520036h  polarbluete_229520036i  polarbluete_229520036j  polarbluete_229520036k  polarbluete_229520036m

Dann alle entstandenen “Comic-Pilz-Phasen” übereinander – wirkt wie eine psychedelische Buntstiftzeichnung – chaotisches Ding, wirr in der Bildwirkung, zusammengefegte Schnipsel nach dem Basteln, aber: die Schwünge gefallen mir! Also das Ganze auf die Umrisse runterrechnen lassen – Wow, denke ich mir: ein cooler Strudel! Wie eine Science Fiction Botanik oder ne Zitrone, ein Rotor, ein Wirbel im stylisch-logohaften Explosionszeichnungsmodus.

Den dann noch umdrehen – weiß wird schwarz und vice versa: Noch wower: die Farbspurenkonturen und Pinselstriche werden zu organischer “Schraffur”
DAS könnte eine neue Malvorlage werden! Ausschnitt verkleinern noch, also Uninteressantes wegschneiden- voilá! Erinnert mich an einen Blütentrichter, geremixt mit eleganten Comicstrichen à la Sean Dawson (frisch entdeckt und grad in Mannheim zu sehen) oder Roy Lichtenstein! Damit – es ist schon spät und der Tag war lang – mach ich mal morgen weiter und freue mich schon auf die Möglichkeiten, daraus Schattierungen, Trichtertiefe und 3D-Effekte ranzupinseln. Dann kaufen wir mal eine neue Leinwand, 80 x 60 cm..

Erstaunlich: immer wieder muß man durch eine total läppisch wirkende Zwischenphase..

Guten Morgen, Sie wünschten, geweckt zu werden

Überraschenderweise auf einer Queen-CD & da auf deutsch habe ich diesen Satz wiederentdeckt! Heute, 33 Jahre nach Erscheinen der Scheibe ist er ein Relikt aus der Prähändyzeit: der telefonische Weckdienst, den man sich ebenfalls “fernmündlich” für einen gewünschten Zeitpunkt bestellen konnte.

Und geweckt worden bin auch ich. Erst kürzlich vom Phänomen digitale-Bilder-und-Datenverarbeitung in Form eines neumodischen kulturellen Dings namens iconosquare. Und geweckt wovon? Na, vom Schlaf des Eingefahrenen.

Da wurde ich eines neuen, lässigen Lifestyles gewahr, ebensolch beiläufige Fotos zu machen, sie ins Netz zu laden, sie mit Aufklebern (hashtags) zu versehen, die die Online-Datenbank dann immer neu denen anzeigt, die per Mausklick dieses dadurch gekennzeichnete Thema aufrufen. Fotos als Anlaß zu Kommunikation und Vernetzung. Es geht um Anregung, um Zeigen, Präsentieren, Wahrgenommen- und Gemochtwerden. Erstmal.

Da bin ich zwar nicht aktiv dabei, schaue aber gerne regelmäßig vorbei und finde diese Art, lose Bedingungen in Form von thematischen Vorgaben und dadurch provozierte Likes und Kommentare zu modern-sozialen Zwecken zu nutzen, sehr anregend. Als Kulturtechnik(übung) der Zukunft. Ebenso die Art der Bilder, die auf diese Weise zusammenkommen – jeden Tag ein paar mehr. Plätze, Sonnenbilder und Himmelsstimmungen, Schaufenster, Essen, Schilder, Graffiti, Freunde, Partyreste, Essen, alles ortsgebunden. Tägliche (fotografische) Anregungen, die eigene Stadt betreffend, frei haus.

Und im kreativen Sinn anregend ist es überdies: ich hab mich von diesen immerfort quadratischen Bildern zu einem eigenen Design mit Bild-Quadraten anregen lassen. So schaffen es auch Bilder hierher, die mit dem drübergelegten “Passepartout” zu mehr werden als der Summe der Teile.

20580023mannheimgram   29540017mannheimgram   26130028mannheimgram   26140004mannheimgram   27270014mannheimgram   27270034mannheimgram   29510001mannheimgram   29520002mannheimgram   29530026mannheimgram

Quasi ein Ausschlenkern von meinem nun im achten Jahr andauernden Postkarten-von-Mannheim-und-Ludwigshafen-Projekt, bei dem der Fokus sachdienlicherweise auf “Einzelkämpfern” liegt: jedes Bild als solches, einzelnes muß “gewinnen”. Das kann ab und an allzu einschränkend bei der Hirnfreiheit zur allgemeinen Motivwahl beim Fotografieren werden. Das Prinzip Hashtag hat mich da “geweckert” und ich versuche, meinen ästhetischen Filter davon positiv beeinflussen zu lassen.

Und so kriegt Ihr mal meine “Frühwerke” in dieser frisch eröffneten personal Liga hier zu sehen:

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Zu schade, sie wegzusperren, finde ich. Außerdem gabs da schon mal nen ersten Schwung. Heute also Teil zwei, vier Aufnahmen davon keine Owche alt. Plus plus: ich bekomme auf diese Weise eine neue Spielwiese geliefert und kann Euch (hauptsächlich) Mannheim  zeigen, wie es mich fotografisch anders/weiters fasziniert ;-)

Danke, #Mannheimgram!

Instagram Goes Fashion – Nachtrag/Lesetipp auf der zeit.de vom 22. März: «Aus Kleidern sind Bilder geworden, die online gezeigt, kommentiert und geteilt werden. Was so wenig spektakulär klingt, ist dabei, die Modebranche nachhaltig zu verändern.»

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Musik beim Schreiben heute:

various artists: “The White Room”, SONY, 2004

Original Soundtrack: “The Pink Panther – Music From The Film Score Composed And Conducted By Henry Mancini”, BGM, 1963

Queen: “Hot Space”, Parlophone, 1982