Archiv für den Monat: Januar 2015

“Ich wollte was, wo die Fotografie versagt”

Gemälde sind flach. Genau wie Fotografien. Doch nicht ganz und nicht nur: sie besitzen im klassischen Fall Leinwandstruktur und Farbauftrag. Und die sind beide nur scheinbar ohne dritte Dimension. Was aus einer Entfernung beim Betrachten aus dem optimalen Abstand, so hab ich gelernt – 1,5 mal der Bilddiagonalen – verschwinden mag, sieht, von nahem jedoch mächtig anders aus. Hier als Beispiel eins der frisch entstandenen Gemälde aus der Nahsicht:pinxography-samt-tortenzuckDas ist von richtig nah gesehen: ich hab es gescannt, ordentlich vergrößert und nun seht Ihr was, das live grad mal 20 x 16 mm groß ist. Eine halbe Briefmarke also. Und wie Ihr ebenso seht, gibt es nur diese beiden “Arten” von Flächengestaltung: das Dunkle ( eigentlich pur schwarz) im “gestoppelten Bürstenschnitt” plus durchscheinende Leinwand struktur, darüber winizge bis kleine weiße Sprenkel.

Die sind in ihrer Ausbreitung von einer Schablone begrenzt worden. Das war die Folie, die ich im Artikel gemeint hab. Und diese “Spritzschutzgrenze” macht den gepinselten oder sonstwie gezeichneten Umriß. Will sagen: es gibt keinerlei Pinselstrich auf dem Bild.

By the way: deshalb finde ich den englischen Ausdruck “Painting” besser als “Malerei”, denn da gehts nur drum, daß Farbe etwas mit dem Bild zu tun hat.

Von Weitem wirkt das Ganze dann so -bitte draufklicken:12330022pinxography_nbVoilá: Struktur, Umrisse und Sprenkels. Hier am Bildschirm der Eindruck eines Fotos. Der trügt allerdings gewaltig: ich ich das JPG oben nachgebaut – aus den Strukturen und den Umrissen des Originals, bis ich den optisch-ästhetischen Eindruck erreichte, den das Gemälde bei Ansicht in realo erzeugt.

Denn dieser “Gegenstand” Bild ist weit mehr – von irgendeiner Aura red ich jetzt mal nicht ;-) – und wirkt durch diese  absichtliche Reduktion des malerischen Anteils daher auch/mehr als Gegenstand.

Und ist durch die partielle Helligkeitsadaption des menschlichen Auges als Foto sehr schwer in dieser Wirkung nachzustellen, da entweder das Schwarz oder das MiniGesprenkelte dabei verlören. Denn nicht nur allerhellste oder dunkelste Gemälde, die man mit viel Aufwand versucht fotografisch zu reproduzieren suchte, auch Strukturen, die in ihrer jähen Maßstabsweite innerhalb des Bildrahmens vorhanden wären, würden das Thema  zur fotografischen Herausforderung, wenn nicht gar unmöglich machen. Denn was taugt Fotografie von Gegenständen, wenn deren wesentliche Eigenschaften nicht aufgenommen werden könnten?!

OK, das Licht ist grad “gut”, man kann die Strukturen sehr gut erkennen, allerdings verdrängen sie fast die Umrisse – da probier ich noch eine fotografische Ansicht, von schräg (Bild folgt).

Ebenso ist nun ein anderes neues Bild, ebenfalls nach derselben (!) Malvorlage entstanden, das im trockenen Endzustand und von vorne besehen einfach nur mitteldunkelgraupinxography-gated_communiti, kurz nach Beenden des “Färbens” und von schräg gegen das Licht jedoch so ausgesehen hat:pinxography-24220027Perfektes Rohmaterial also für ein neues Startbild auf pinXoGraphy.com:

Armer Fotograf, der solche Bilder für online-Ausstellungsankündigungen oder zum Flyerdruck bestimmt vorgesetzt bekommt! Dann lieber sowas – ein Übergangsstadium desselben Bildes kurz vor “Erreichung” des Malvorlagenstatus´:12330022fpcdreh

Oder ein Abdruck davon am “kartonierten” Boden des Ateliers, der blaue Bereich PinXoGraphisch aus ästhetischer Genußsucht invertiert ;-) :24220012pinxography003

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Musik beim Schreiben heute:

Ital Tek: “Nebula Dance”, Planet Mu Records 2012

Minus 8 :”Elysian Fields”, COMPOST, 2000

100 Picutres

Eigentlich wollte ich Pictures schreiben, habe dann aber das Andere, das Fremde, stehenlassen. Und bin mit frisch ergoogelten 472 Tausend Vertippern darüberhinaus noch in gut massenhafter, modern-durchschnittlicher sprich fahriger Gesellschaft ;-)

So nämlich hieße ,-) das kleine, in artgerechte Leinwand gebundene Buch, das vergangene Woche auf antiquarischem Wege hereingeweht wurde: «Gerhard Richter: 100 Pictures». Man will schließlich größtmögliche Anregung zum kleinstmöglichen Preis, jawoll oder etwa nicht!? Und warum nicht (besser geht nicht) hundertfach vom diversifiziertesten und bestbezahlten lebenden Künstler? Denn von Fotorealismus bis gerakelten Quadratmeter ist alles inklusive. Ich zitiere mal den Anfang der Einleitung, denn schon sie offenbart Erstaunliches:

Gerhard Richter is now internationally recognized for his outstanding body of work. But this has only recently been the case. Indeed, Richter´s approach long appeared disoriented, incoherent, even absurd: the artist developed an extraordinary diversity of forms, moving from “photo-realist” pictures to others that seemed to run the gamut of abstraction, from concrete art to action painting. (Guy Tosatto)

Herr Tosatto, das soll erwähnt sein, kümmert sich ums famose Grenoble´Kunstmuseum (schaut Euch doch nur mal die online-Fotos an) und liefert uns als erläuternde Einführung ein schwer so zu glaubendes Besuchergespräch zwischen den Generationen. Die macht tatsächlich aufs Betrachten der nachfolgenden Picutres gespannt, erschließen sie sich mir dadurch leichter, wenn auch immer noch widerstrebend – kann man ja auch mal zugeben. Aber sehr und leicht imponiert mir besagte Vielfalt und ich neugiere wieder frisch ans nächste eigene Werk, um meine persönliche “Spannweite” zu erkunden. Dabei gelange ich vom Versuch, den “Zahnstocher malerisch zu vergrößern”* zu diesem frischgefärbten, gerade pinXoGraphisch “ermittelten” Bild:winterpinxography-himmUnd – woran erinnern Euch diese Flecken? …Mich an die phantastischen, fliegenden Gestalten am Himmel eines großen Domes. Also an Deckengemälde von Giotto, Masaccio und MantegnaPiero della Francesca, Michelangelo, an Leonardo, an diese für jegliche andere Bilder ungewohnte Perspektive: Porträts von unten, wobei für diese Assoziation der schnell (und gedankenlos!) digital  ausprobierte Gradient der rötlichen Flächen des Bildes mitverantwortlich ist. Ebenfalls beteiligt: die animierten(!) romantisch-historischen Ölgemälde des italienischen Künstlers Rino Stefano Tagliafierro..

*Nun zur ungeplantem Vorgehensweise: Der gescheiterte Versuch, mit einem Zahnstocher breitenbeschränkte Linien zu ziehen, führte erst zu diesem Bild (der Hintergrund ist von einem früheren Gemälde einPinXokopiert):
Um für ein geplantes großes Gemälde eine entsprechend vergrößerte Liniendicke zu erhalten, experimentierte ich mit einem Plexiglasstäbchen, das den vierfachen Durchmesser des gemeinen Wald-und-Wiesen-Zahnstochers besitzt. Da sich aber das Viskoseverhalten der Acrylfarbe leider nicht maßstabsgerecht mitdehnt  ;-) und der Plexistab in all seiner Glätte zuwenig Farbmasse anhaften läßt, war das Ergebnis desaströs, erzeugte es ein ungeplantes Muster, weit entfernt davon, linientreu oder plangerecht zu sein.

Und genau dieses Muster, das ich nach anfänglicher Enttäuschung gestern trotzdem weiter über die 70cm Länge einer neuen Leinwand “entwickelte”, geriet nun zum analogen Vorbild für das heutige Bild. Tatsächlich die neueste Malvorlage für ein großes Gemälde:

winterpinxography-himm2winterpinxography_original

Der Ausschnitt des hochauflösend Gescannten mißt im Original genau  6,6 x 10 cm, also wird hier mal wieder vom Mikro- zum Makrokosmos rüberexpandiert – stelle man sich das bunte JPG doch mal auf zweieinhalb mal vier Meter vor. Von den Veränderung in Richtung historische Vorbilder, die da noch kommen werden (ich kenn´ doch  meine frisch gestärkte Experimentieranfälligkeit), von zu erwartender Vorfreude mal ganz zu schweigen..

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Musik beim Nachschneiden am Tag danach:

D’Arcangelo: “Broken Toys’ Corner”, rephlex, 2002

Mugshot Pain(t)brush

“Alles, was Du Dir wünscht und planst soll im Neuen Jahr in Erfüllung gehen” So mögen die klassischen Neujahrs- oder Geburtstagswünsche lauten, gegen die man nichts auszusetzen haben kann. Ich jedoch begnüge mich schon mit der halben Strecke will heißen: ich fange “nur” an zu wünschen und lasse dann laufen, ohne dann allerdings abzufallen. Sondern bin im Gegenteil wie crazy gespannt darauf, was sich aus zusammengesponnenen Anfangsbedingungen plus Wachsein ergibt.

Wie heute, als ich einen zweiten Anlauf der groben Art nahm und nichts verdünnte, nicht sorgsam um jede Stelle der zu bearbeitenden Fläche “gleichmäßig dachte” wie beim Putzen, sondern die schwarze Essenz direkt irgendwohin und dann mit der berühmten Bürste auf der Leinwand flachschlug nach allen intuitiven Richtungen.the_face_pinxographyDas “Gesicht” tauchte dann entsprechend erst beim Scannen=Besehen auf, als ich erst die interessantesten, ausdrucksstärksten Stellen übers Scanfenster platzierte und just diese obere Mitte der Leinwand dazu nahm. Und dann die Vorschau ansah.

Jetzt, beim Schreiben fällt mir ein, daß ich gestern (!) nicht bloß einige mit beigelegter CD beschriebene Max-Beckmann-Gemälde betrachtet habe – die glänzen ja nicht gerade durch feine Ziselierung - sondern auch ein youtube Musikclip mit Close-Ups aus Danny Trejo-Filmen.. Und beides über nacht sacken lassen ließe das frisch Fertiggestellte durchaus als intuitives Echo erscheinen. Und- ach ja: in einem großartigen, an den Beckmannschen Leinwänden entlangschnüffelnden Film war ich ja auch letztes Jahr…

DAS hätte ich zu aller Letzt gedacht, daß sich mit dieser mindless technique irgendwas Gegenständliches zuwege bringen ließe, aber anscheinend doch und nicht nur das: dieses “aufgetauchte” Porträt erzeugt nun neue Ideenströme als direkte Nachfolge: Was, wenn man es nun darauf anlegen würde, Gesichter mit a) besagter Handwaschbürste und b) ohne Verdünnung anfertigen zu wollen? So als die beiden neuen Versuchsbedingungen.

Allein diese Idee ließ mich das Entstandene näher, analytischer betrachten. Augen, Haare, Nase, Mund und GesichtsOval. Schon ganz schön grob, wild, verkrampft und düster, wie ein… mugshot=Fahndungsfoto..

Mm – da könnte man mal echt testen und da macht es auch g.a.r. nichts, daß das was Ihr da oben seht, “nur” ein Fünftel der Leinwandfläche besetzt. Abschneiden und um-rahmen geht ja immer, aber auf neue Ideen kommen..  ;-)

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Musik beim Schreiben heute:

various artists: “MTV´S AMP“, Caroline Records, 1997

 

Kunst als einzig Unfertiges im Haus

«Das Leben ist eine Baustelle» sagt man seit 1997 in Deutschland, durch den gleichnamigen Film als neues Bonmot des täglichen Umgangs propagiert, verbreitet und schließlich etabliert. Baustelle soll heißen, daß daran gearbeitet, das Angefangene aber auch irgendwann fertig werden soll. Baustelle als Kennzeichung eines Übergangs, der seiner planvollen Vollendung zu- und vom gegenwärtigen Zustand wegstrebt. Baustelle ebenso als Etikett des Unvorzeigbaren, Inoffiziellen. Als Stadium, das es zu überwinden gilt. Kurz: dieser Slogan fungiert als universell einsetzbare, noch dazu lockerflockige zeitgeistige Entschuldigungsklausel, auch Ausrede genannt ,-)

Das muß aber nicht sein.

Jetzt, wo ich angefangen habe, zur Kamera auch Farbe und Leinwand zu nutzen und mit diesen “vereinten Kräften” Bilder zu malen, bürsten, tupfen oder krakeln kommt ein neues Phänomen ins Leben, das beim bloßen Fotografieren nach einer hundertstel Sekunde ohne Belang ist:

Die Frage der Vollendung oder: wann ist ein Bild ein fertiges Bild?

Vor allem für die “Empfänger“: die werden gucken und sich vielleicht fragen: «häng ich mir ein Bild auf, das mich durch seine gespürte Unfertigkeit anregt, oder regt mich das nur auf, da es augenscheinlich unvollendet ist?» Ganz im Sinne von «Also, DAS hätte man doch ruhig noch fertigmalen können!» oder ähnlich. Zweieinhalb nagelneue Beispiele:22900001-08-23

Alle diese Gegenstände oben gibt es nicht. Nicht mehr oder nicht so wie abgebildet. Dieser vage Schwung im Quadrat links zum Beispiel ist ohne Farbe gemalt, hier eindeutig mit einem bläulichen und einem bräunlichen Schimmer an den Ecken. Wenn ich mir das “Original” auf 70 x 70 cm hier neben meinem Arbeitsplatz (PC) betrachte, ähnelt es diesem Foto nur, hat aber eine komplett andere, unschuldigere, reinere und mildere da kontrastärmere  Ausstrahlung. Die Farbe und der etwas schmutzige Eindruck kommt vom Tageslicht, das reflektiert und somit verfärbend aufs Gemälde fiel und von der unbestechlichen Kamera ebenso registriert wurde. “Wow” dachte ich- “da hilft mir die Farbigkeit der Fotografie, den fehlenden Schlußstein zu finden, denn genau das fehlte mir noch, um mich von diesem Bild zu lösen.”

Rechtsaußen die vier gemalten geometrischen Figuren  auf der Fläche sind schon durch Weiteres ergänzt, außerdem bringt die fotografische Sicht diese schwarzen Bildecken ins Spiel, die eigentlich das Ganze massiv mitbestimmen.

Und diese Holzkugeln an den wie metallspiralgriffig wirkenden Enden sind nun bemalt und verpackt in Folie und Stoffreste und gehören ab sofort zu meinen “Auftragswerkzeugen” ;-) auftragswerkzeuge pinxography-quadratze01trea

Also fungiert die Fotografie in unserem heutigen Beispiel als Mittel zur Dokumentation, als erstarrtes Medium, optisch-ästhetische Eindrücke in ihrer Flüchtigkeit festzuhalten. Oder im besten Falle zu neuen zu ergänzen, zu bereichern. Ergriffe mich nun der Autentizitätswahn und ich versuchte, obiges am Bildschirm genau so erscheinen zu lassen, wie ich es hier neben mir als reines Schwarzweißbild weiß, müßte das da erscheinen:22900023pinxography-bw
Da ich es aber vor einer großen, sanft beigen Wand stehen habe, gleicht mein fotografieerfahrungsmutierter Augenapparat aus und läßt es  – ungewollt – komplementär, also deutlich bläulich erscheinen- like that:22900023kompeffektDas ist kein Gerede, sondern wird beim “Nachbau” des Eindrucks mit Rechnerhilfe genau dadurch getroffen, daß dieser wahrgenommene, “behauptete” Blauton als exakte Gegenfarbe zum Beige ermittelt wurde:252E45-DAD1BA
Krasses Beispiel für diese Gernzerfahrungsoptik das Extrem Rot/Grün: alle Spalten gleich dick, durch Farbbegrenzung beim gif garantiert nur diese beiden Farben. Trotzdem Gerade deshalb gerät man ob dieser strikten Ordnung ins Anschauungsflimmern..

Bei unserem moderaten Fall bliebe das Gegenexperiment, genau dasselbe Gemälde als “Warmtonspender” einzusetzen vor einer blauen Wand dieses Tones. Habe ich aber grad nicht zur Hand. Aber vielleicht per Rechner: 22900023komp-effektDiese Entdeckung bringt mich nun dazu, genau dieses farblose, mir bislang unfertig scheinende Bild als fertig vollendet zu deklarieren. Mag die Wand, an der es einst hängen mag, seinen Charakter prägen und in dieser Kombination den Geschmack des Betrachters treffen.

Tage, Bilder und Stimmungen grau in grau erscheinen zwar an manchen Tagen, bei genauerem Hinsehen ist aber immer Farbe dabei!

Und à propos Genaues Arbeiten: Ursus Wehrli – Kunst aufräumen

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Musik vor und nach dem Schreiben: Melanie De Biasio “The Flow” :

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Spann mich nicht so auf die Folie!

Es ist ein Austesten der fantastischen Möglichkeiten. Es ist ein Austesten der Fantasiemöglichkeiten. Aus dem Foto-Fundus dieser (!) Seite klick ich heute eins meiner Lieblingsmotive in den Photoshop rein, dreh und wende es, lasse es durch den Filter namens Farbpapiercollage laufen, entfärbe, schattiere mit dem Nachbelichter die ehemaligen Schatten wieder, aber kopfüber nach, stecke ein größeres Spielfeld ab und schwupp – ein neues Bild zum Malen ist da!12330022mutation-pinxograph

Das Leichte & Advanced-te an meiner Motivauswahl-durch-30-Jahre-Vorarbeit ist die Tatsache, daß diese Foto-Vorbilder alle & schon lange als Favorit für gut befunden und durchgewunken, also den Test Of Time bestanden haben. Das hier zum Beispiel ist acht Jahre alt. So muß ich mir beim bevorstehenden Medienbruch “ins Acryl” keine Sorgen machen, daß die bildnerische Wirkung kranken würde, “nur” die Maltechnik und die Verwirklichung müssen bei der Erstellung genau beäugt werden. Und eben auf diese will ich mich ja konzentrieren, mit genau diesen will ich spielen!

Nachdem der gemeine Haarkamm heute als Malutensil sehr inspirierend ins Gespräch kam, überlege ich mir nun bei dem neuen Bild, wie diese Formen wohl ins Dunkel(grau) gelangen könnten.12330022fpcdrehmotob2Weil ich bei einem anderen “laufenden” Werk, ebenfalls ein Foto auf dieser Seite, schon am Vorbereiten des geplanten Schablonierens per Papiermaske bin, einer erprobten Technik aus Jugendtagen, könnte man das doch auch hier ausprobieren und als Schablone V 2.0  an den prekären weltbedrohenden Plastiktütenbergausläufer  ;-) in meiner Wohnung gehen..

Das Wochenende wirds zeigen!

besenderte Ziegen am Ätna. Ibisse mit facebook-Account.

«Die drei nutzen den jagdfreien Freitag um von Lucca aus die letzten 160 km zu ihren Artgenossen zu fliegen.»

Ein schön rätselhafter, jedoch zukunftsweisender Satz vom facebook-Konto des Waldrappteam. Mit “die drei” sind die Leitvögel Tara, Jazu und Artemide gemeint. Die sind ab sofort mit Sendern ausgestattet, also “besendert” und können damit automatisch ihre Position direkt ins Internet übertragen. Und wir Stauner haben Bio-Unterricht der neuen Sorte ;-)

Ich sag nur aus Vorfreude: “Und jetzt werden wir bald wissen, warum die (Ziegen) das (wann da Lava oder Gerumpel unterwegs ist) wissen.”

Nachtrag am 16. Januar zur Veranschaulichung. Links unten Monats-/Tagesanzeige. Guckt mal, wie ab April der Schnee/das Eis über Eurasien schmilzt – coool!

Bird migrations in Movebank: Eurasia

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Und noch eins mit nem Jahr Nordamerika. Da kann man endlich in Farbe sehen, was der Begriff Zugvogel wirklich bedeutet!

Bird migrations in Movebank: Americas

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Ihr wollt bunt?

Die Stadt, das Leben: grau. Bunt? Die Werbung.

Ganz anders liegt die Sache, wenn man wie ich, mehr oder weniger zufällig, intuitiv, aus einer schelmischen Laune heraus, das Ganze umdreht und seine kreative Freitzeit vorsätzlich farblos verbringt. Malen nur mit Schwarz und Weiß. “Teste mal, wie sich die Farben mischen”, sagte Wolfgang und ich fragte mich, was er meinte. Nun hab ich langsam einen Schimmer: er meint: probier unvoreingenommen, in Entdeckerlaune und spielgetrieben das Material aus, mit dem Du zu tun hast. Nichts mehr. Erstmal.

Und genau das tue ich in diesen trüben Anfangstagen 2015. Man beginne brav nach Klischee: Leinwand, Pinsel, gute, aber wenig Farben. Eifere einem selbstfotografierten Vorbild durch Nachmalen nach. Farbmischen auf !mprovisierter Palette, gezielter Auftrag, Formen übertragen.. Erst fett pastös, dann mit viel Wasser, dann flächig-grob mit Bürste, dann aquarellflüssig für leichte, großflächige Übergänge. Dann die Kombinationen aus alldem. Beim Malen verändert es sich automatisch. Heute neu: ein mit der Schere abgestumpfter Zahnstocher als “Auftragswerkzeug”. Sieht vergrößert mal 5 so aus (man sieht auch Bleistiftstriche):

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Erstaunlicher umso stärker, je weniger Farbe im Spiel ist, was da alles geht, nur mit Dunkel und Hell, Blendendweiß und Tiefschwarz und diesem ganzen Sammelsurium an Gerätschaften.

Mit Photoshoperfahrung gabs Aufmerksamkeit auf den kleinen Trick beim Farb”Stochern”, stets durchgehende Linien zu malen und so geschlossene Flächen zu erzielen. Die nämlich können dann nach dem Digitalisieren automatisch gefüllt werden. Erst mit den Originalfarben (das Vorbild ist ein Frühlingsfoto), dann al gusto und parzellenweise umgewürzt. Sieht dann so aus (wer findet die Stelle von oben?):

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Und plötzlich bin ich im Reich der Comics, der Kindertapeten, Bettwäsche und Buchillustrationen, allgemein: des Schönen fürs frischgestrichne Nest: freundliche, helle Farben, angenehmes Zusammenwirken von blumigen Formen und frühlingshaft appetitlicher Saftigkeit der Farben….

Das ist doch mighty bunt, ein völlig neues Bild, und wirkt noch “menschlicher” mit diesen unregelmäßigen Linien als charmantes, händisches Signet. Was in real recht zittrig, farblos und unentschieden aussieht (siehe oben), gewinnt durch die Überführung ins Digitale. Macht Platz für Ideen, die ohne die prosaische Vorarbeit unmöglich wären. Vor allem durch die Farbe, die nur für Euch ins Internet hinzugezaubert wurde, oder? Noch zwei Versionen gefällig? Bitte:

blumen-2345axminicol2 blumen-2345axminicol2o

Geht qua PinXoGraphy-  ich bin begeistert ;-) Mit diesen Ergebnissen kann ich jetzt das ursprüngliche Bild nun weiterbetrachten, bis eine neue schwarzweiße Idee oder die für ein neues, gaanz anderes Ding aufkreuzt.  So wie vergangenen Montag abend, da gelang mit den Laborergebnissen (den letzten Scans) flugs ein neues Startbild für die frisch aufgemachte Domain, wie ne Flagge oder Wappen mit angeschnittenen Rand-Buchstaben:

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Musik beim Schreiben heute:

Swayzak: “Dirty Dancing”, K7! Records, 2002

“It´s Like This – The Best Of RUN-DMC”, SONY, comp. 2009

Lana Del Ray: “Born To Die”, Universal, 2012

D’Arcangelo: “Broken Toys’ Corner”, rephlex, 2002

Ital Tek: “Nebula Dance”, Planet Mu Records 2012

die Schnur, der Fußboden, die Zeit

Das Unbewußte anzapfen -  die große ersehnte Quelle und Ziel allen Verlangens als Maler  – etwas Neues schaffen, das sich nicht auf Bestehendes zurückführen läßt. Und all die historischen Anstrengungen, diesen bestimmten LebensZustand zu erreichen, die Tür dahin zu finden und nutzen zu können. ;-)

Dabei, so denke ich heute beim Aufräumen, Wäscheaufhängen und Blätterzusammenkehren auf dem verwehten Balkon, während die erste Schicht Farbe auf drei Bildern trocknet einfach nur: Augen aufmachen. Und ziehe das nächste Motiv aus dem Kehricht: drei “Lose” der Natur.

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Hochgescannte Flugsamen in schicker Drehform als erstes Stilleben. Oder ist das gar ein Porträt? Nix nature morte? Ein urzeitliches Unterwasserschiff? Schwimmform gewordene Erdnußstruktur? Drei Millionen Jahre Versuch und Irrtum, bis das kleine Propellerschwänzchen der Evolution entsprungen war?

Und diese Schnurschlaufe, die ich auch noch auf dem Fußboden in der Küche fand, dachte ich jäh in dieser experimentwillkommenheißenden Stimmung, taugt bestimmt doch auch gut als… “Malwerkzeug”. Denn: Farbe abwälzen hab ich noch nicht ausprobiert..

Sieh mal wieder Rot

Nach all dem Herumgepixele, Eingescanne und Hochkontrastiere´ von Fotos noch feuchter Acrylfarbe wirds mal Zeit, Euch hier die fünf Gegenstände zu zeigen, die als erste, quasi zum Erkunden der Malereimöglichkeiten entstanden sind.
Alle bis auf das ganz unten entstanden ausgehend von einem Foto des Jahres 2007, das ich mit dem Rechner immer wieder verändert habe, um die jeweiligen Anregungen zum Malen zu erhalten. Und dabei alles in den Sinn-Kommende an Techniken und Gerätschaften auszutesten, mit Farbe umzugehen. Überraschender Favorit nach der ersten Runde:20550008hwbuerste-h20

Und irgendwie hat dann mein Hirn die unbewußten Stecker rein-geplugged und nach einigen kurzen Gesprächen mit Bekannten die Verbindung meiner SchwarzweißMalerei mit einem farbigen Hintergrund ins innere Blickfeld geraten lassen. Jep, das isses: “farblose” Bilder vor kräftiger Wand – und ich weiß sogar eine mit Bilderleiste drüber:pinxography-first4miniAlso schnell eingepackt & zum Test in die Augustaanlage zu Wolfgang c/o kunstwerk.biz , der ohne zu zögern für die temporäre Bereitstellung der Wand, die geliehene Fotografiermöglichkeit und die Hängung sorgte. Logo, daß er als Einrahmer auch die noch fehlenden metallnen Riegel fürs Aufhängen auf die Rahmenrückseite parat hatte.
1 Großer Dank sei er ihm!

Von der ersten Arbeit ohne Vorbild, einem expressiven Ausflug in Richtung action painting20580030 hab ich dieses sehr stimmungsvolle Foto gemacht. Hier mit einigen Gegenständen des täglichen Umgangs kontrastiert, bekommt das Bild eine ganz andere Gewichtung: es wirkt wie ein Gast aus unbekannter Welt.

Das kann nur Malerei!

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Musik beim Schreiben heute:

Adam F: “Colours”, Intercord, 1997

Air: “Pocket Symphony”, Aircheology, 2007

erfinderische Maschinen schenken uns.. die Erkenntnis der Unschärfe

«Unscharfe Gebiete eines Fotos sind sozusagen „Erfindungen“ des Objektivs; unser Auge sieht die Unschärfen nicht oder anders.»

So steht es geschrieben. Auf der wie ich bemerke stets in der Formulierungsmache steckenden Bokeh-Wiki-Seite – da ändert sich ab und an etwas, da gerade das Thema Bokeh doch arg nach allgemein gut zu heißenden Formulierungen schreit. Und ziemlich umkämpft scheint..

Tja, und schon wieder eine Entdeckung, die mich erstaunt. Unschärfe gibt es also so gar nicht – aha.  Und wahrscheinlich ist menschliche Unschärfe dann nur… das Fehlen von Konzentration. Mh, bei genauerer Überlegung: könnte stimmen. Und nur Maschinen können Unschärfe darstellen, so, wie wir das vom täglichen Fotoangucken kennen – coole Schlußfolgerung! Maschinell festgehaltener Konzentrationsmangel zum Angucken – ne erstaunliche Art, verfokussierte Fotos oder solche Stellen in Fotos zu beschreiben. Danke, Wikipedia!

Daß Maschinen Dinge sichtbar machen, die es so gar nicht gibt, die man mit bloßem Auge nicht sehen kann, auch wenn man direkt vor den dargestellten Gegenständen steht und sie in den allergenauesten Augenschein nimmt, kann man&ich nur bestätigen, scanne (Maschine #1) ich doch gerade die ersten Werke meiner Malerei. Vergrößere Ausschnitte (Maschine #2), automatisiere den Kontrast (Maschine #3) und baue hier mal ein (Maschine #4), damit Ihr das auch mal betrachten könnt (Maschine #5):

torros-strad2-pinxography   torros-strad4-pinxography   torros-strad5-pinxographyhelldunkel-h   helldunkel-d   torros-strad6p-pinxography torros-strad7p-pinxography   torros-strad8p-pinxography   torros-strad92p-pinxography torros-strad9p-pinxography   torros-strada-pinxography   torros-strad91p-pinxography

Sieht nach Luftaufnahmen verschneiter Regionen aus, nach natürlich sedimentierten Werkstattböden oder mikroskopischen Ablagerungen, wäre da nicht die Leinwandstruktur, die ab und an durchscheint. Erstaunlich für mich: die festzustellende Farbigkeit, die eigentlich nicht vorhanden sein dürfte, male ich doch ausschließlich mit reinem Schwarz und ebensolchem Weiß. Das muß die Vorgrundierung der Leinwände sein, die sich dann doch als nicht so richtig weiß entpuppt harhar. Ist mit bloßem Auge aber vernachlässigbar, nur hier mit extremer künstlicher Kontrastierung deutlichst. Gut oder schlecht? Mh, für diese Scans und die Schauwerte gut, fürs gemalte Ergebnis: zu berücksichtigen.

Alle diese beiden Bilder sind nur mit Leinwand, Acryl-Farbe, Handwaschbürste und Stofffetzen gemacht. Frisches Wasser und es versprengende Finger des der-Künstler-ist-anwesend-und-macht-merkwürdig-Banales mit einzubeziehen. Nix Pinsel.

Wichtig: die Leinwände lagen à la Pollock/Ernst am Boden, damit die Schwerkraft als Rotznasenmacher ausgeschaltet blieb. Die Stofffetzen waren in Streifen geschnitten und benutzt worden wie die sich sambahaft bewegenden Abledervorhänge in Autowaschstrassen ;-)

Ihr bemerkt: die angewandte Technik macht fast komplett das Ergebnis.

So, Nachschlag. Rorschach- und Pareidolie-Kandidaten vor ;-)
torros-strad93p-pinxography   torros-strad94p-pinxography   torros-strad95p-pinxography torros-strad98p-pinxography   torros-strad99p-pinxography   torros-strad97p-pinxography torros-strad96p-pinxography   helldunkel-d3   helldunkel-d2

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Musik beim Schreiben heute:

various artists: “Brazilian Love Affair 2″, Far Out Recordings, 2000

d´Arcangelo: “Broken Toys´Corner”, Rephlex, 2002

Ital Tek: “Nebula Dance”, Planet Mu Records, 20012