Archiv für den Monat: November 2014

2 Schrauben machen 1 Staffelei

Ich bin ganz excited! Noch im Bett strahlten die Gedanken schon aus zu meinem Start in die Malerei. Warum nicht genau heute? dachte ich plötzlich- ich hab frei, kann im Dämmerzustand des dunklen Novembermorgens Pläne unter der kuschligen Bettdecke machen à la: Ok, Leinwände sind im Haus, das erste Bild zum Testen ist ausgesucht und schon per Rechner in Quadrate unterteilt. Warum nicht dieses vorbereitend mit Bleistift auf die Leinwand übertragen?

Und sich um eine Stellmöglichkeit im Sinne einer Staffelei kümmern?malerei-02970014-phase001 Ich hatte zwar schon eine beeindruckende Auswahl solcher gesehen neulich beim Einkauf der Acrylfarben und Leinwände, aber gedacht: kann ich selber machen. Ich hab da noch eine “übrige” naturhölzerne IKEA-Regalwand mit vorgebohrten Lochreihen. 198 x 37 cm. Wie das auseinandergefallene Kinderbettgitter, ebenfalls aus Holz, aus irgendeiner Haushaltsauflösung in meine Einflußbereich gekommen ist – keine Ahnung. Das wie neu wirkende Buchenholz der unteren Querleiste jedenfalls macht eine hervorragend stabile Ablage. Die schraube ich  in Solarplexushöhe quer durch das Längsbrett und voilá – meine erste Staffelei ;-)

Natürlich ist das reichlich überflüssig, die ersten vorbereitenden Tätigkeiten zum Erstellen eines Bildes in Acryl zu beschreiben. Soll weder Tutorial noch tumbe Zeilenfüllung sein. Das großartig Faszinierende dieses Neubeginns -ich hab als Kind viel gemalt und gebastelt – ist diese unfaßbare Freiheit, die das Thema Malerei an sich und die ebenso unüberschaubare Zahl der Herangehensweisen an diese Aktivität eröffnet.

Denn es ist mir genau das Gegenteil der oft anzutreffenden Meinung als betuliche, oft überbemüht rührige, belächelnswert “leistungsbedruckte” Freizeitbeschäftigung für Mauerblümchen jeglicher geistigen Kulör. Klickt einfach mal auf die gelben Quadrate meiner inspirationsliefernden Maler/Illustratorenseite..

Man kann bislang Unsichtbares malen, Träume der vergangenen Nacht greifbar werden lassen, Psychologisches mit sichtbar Gewordenem verknüpfen. Neue Formen, Lebewesen & Gegenstände erfinden und in eine Umgebung von ungesehenen Farbmixen = Gefühlsechos setzen,  (..) weit weg vom daily Datenrausch und -Overkill sein.

Schon beim Übertragen der groben Formen meines ersten Bildes, von dem ich angesichts der ersten Strichkonstruktion sogleich beschlossen habe, es wird in drei Variationen entstehen, kamen erste Assoziationen. Ich dachte an Farbflächen und Übergänge weg von diesen paar Linien=Strichgrenzen; ganz im Sinne und Machart von Lyonel Feininger Gemälden, an einen üppig pastösen Farbauftrag bei einer der anderen Versionen, die mir ein bacchantisches Lebensgefühl verstärken soll, und an die dritte Version, die ich als superanregenden Joker im Sinn drehe ..

Jetzt werde ich die erste Flasche Acryl aufschrauben und meine Nase damit bakannt machen ;-)

Und alles mit soo wenig Material und Aufwand! Superb!

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Musik beim Schreiben heute:

Barbara Thompson: “Heavenly Bodies”, Verabra Records, 1986 (Musik zu den surrealistischen Bildern von Dominique Appia)

Guten Hashtag, Mannheim!

 «Das Abbild selbst markiert keine kulturelle Leistung mehr, es kann nur noch ein Teil des Kommunikationswegs sein.»

Klingt wie ne gaanz schön abwertende, destruktive, nihilistische Nachricht für jegliches Fotografenwerk, was der Herr Prof. Dr. S. da als (2015 jäh vom Netz genommene) Anmerkung zu Frederic Buschs Drag-Galerie beiträgt. Da bleibt dem schwer und jahrelang an seinen skills arbeitenden Fotografen nur die Zornesröte zu Gesicht & der Gedanke Pfui and double Pfui! ;-)

Angesichts der atemlos hochbrandenden Bilderzahl im Netz kann dieses Statement jedoch sehr wohl einer näheren Betrachtung wert sein, denn wir erleben da einen historischen Übergang: “markierte” Bilder dienen heutzutage – als zweitauffälligste Eigenschaft nach dem Werksgenuß -  der Verknüpfung von Personen, sind Anlaß und Ausgangspunkt für Kommunikation. Mein Beispiel:

Über den Instagram-Account von Christian hab ich ihn eben entdeckt, den https://www.instagram.com/mannheimgram/

Und diese Seite wirkt mir wie ne “Stadt(ein)führung” der Zukunft. Diese mischt sich quasi aus den offengelegten Foto-Tagebüchern ganzer Teilnehmergruppen, ist dynamisch (das heißt: wird ständig erweitert/verändert/kommentiert), NATÜRLICH mit dem mobile geknipst und befindet sich ebenso natürlich.. im Internet.

Das Ganze heute hängt an der “Erfindung” des sogenannten Hashtags. Ich stell mir die Wirkungskette so vor: es gibt a) www-vernetzte Personal Computer, dann b) digitalisierte Bilder, denen mithilfe dieser Hashtag-Erfindung eine inhaltliche Bedeutung angeheftet wird. Diese beigefügte Eigenschaft (das Tag) kann mithilfe von Programmierung gesammelt & online appetitlich dargestellt werden. Voilá: die vom Mutterschiff facebook entwickelte Instagram-App iconosquare.

03660001mannheimgram   03660032mannheimgram   09600028mannheimgram 22090012mannheimgram   53780021mannheimgram   50240025mannheimgram    67830001mannheimgram   67810031mannheimgram   72020019mannheimgram

Meine kleine, schnell zusammengeraffte Icon-o-quadratische Mannheim-Galerie. Selbstgefundenes Design-Rezept: unbeschnittene Hochkantbilder mit nem überlagernden “Passepartout”, der immer gleich groß & genau mittig platziert wird. Auswahlkriterium: alle Bilder müssen durchs Quadrat gewinnen ..Coole, wenn auch vorsätzlich/schlampig mißverstandene Inspiration – denn iconosquare meint ja hier eher: Platz ;-)

Dieser spezielle Blickwinkel auf den “Gebrauch” von Internetbildern aus statistischer Sicht auf den “Zustand” des persönlichen Accounts bekommt vom frisch gefundenen iconosquare.com/instagram-statistics ein weiteres stichhaltiges Argument für obiges skandalöses Zitat. Führt Euch zum erhellenden Beispiel, was da alles an einsehbarer Statistik geht für power user mal die untige Listung der Features/Vorteile ebenda zu Gemüte.

Diese, nebenbei bemerkt, nach unpathetisch deutsch rüberzubringen, finde ich gar nicht so einfach. Zu viele Aglismen, deren Ballung typisch für den Themenkreis Internet ist, zeigt mal wieder deutlich die Vorreiterstellung der englischsprachigen Welt. Zum Beispiel der berühmte follower = Ein (Ver)folger? Jünger? Interessent? Abonnent? Beobachter? Fan? publikum singularis? Mmh.. von allem ein bißchen, eine im Deutschen multiple gespaltene Persönlichkeit ;-)

Growth monitoring (Wachstumsbeobachtungen)

  • follower growth charts, monthly and overall
  • daily follower gain and loss
  • and who are your new and lost followers

Community insights (Erkenne Deine.. Gemeinde ;-) )

  • reciprocal relationships and followings who don’t follow you back
  • ratio of followers/followings in your community
  • followers most engaged recently

Account history (Wie Du wurdest, was Du heute bist)

  • amount of media posted month by month
  • likes and comments recieved, by month or by week
  • and evolution of the average number of likes and comments

Optimization tips (Statistikwissen ist Macht)

  • best time to post to get most engagement
  • how filters impacts likes and comments received

 

* Mein Lieblings-Zitat aus Ziltoid, The Omniscient ;-)

Serendip des Tages, Teil II:

Das hand(y)gemachte Daumenkino is back!

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Musik beim Schreiben heute:

Nightmares On Wax: “A Word Of Science”, WARP, 1991

der Sinn des Lebens in 42 Üb-Quadraten

Eigentlich sollte man immer, wenn man es endlich schafft, einen lang gehegten Plan in einen ersten Schritt zu verwandeln, in sein Tagebuch nen Knick machen. So hab ich es heute mit Hilfe eines Freundes, der mir transportieren half,  geschafft, mir 3 Leinwände, 2 Flaschen “Farben” (schwarz und weiß) und 2 Pinsel an- und von der grünen Wiese nach hause zu schaffen.

Um zuhause damit endlich eine kritische Masse zu schaffen, meine Malerei zu beginnen. Und wie beginnt man natürlich alles? Na, mit Üben. Nicht grad mit irgendeinem Malen-nach-Zahlen-Motiv – ich mach das mit/an ner selbst fotografierten Vorlage. Bildmaterial hab ich schließlich genügend. Und schon was ausgesucht bzw. schon immer im Visier, wenn ich ans Malen dachte:malervirus01soodlepoodle Ein sommerliches Bild (das es schon auf dieser Seite in Gesamtheit gibt ;-) ), das ich zum Vergrößern in sechs mal sieben Quadrate eingeteilt hab, um diese – man erinnert sich vielleicht – kästchenweise auf die Leinwand zu übertragen. Mit anderen Worten:

Es geht los!! ;-)

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Musik beim Schreiben heute:

The Busters: “Stampede”, SONY, 1996

Luftlinie: 1768 Meter

Vom “Urwald”-Bild in Richtung Nordwest, annähernd parallel  und 100m vom rechten Rheinufer entfernt verläuft sie und verbindet die Aufnahmepunkte der beiden neuen Fotos auf dieser (Start)seite. Hafen und Schloßpark Mannheim. Rheinkilometer 424 dazwischen. Für den Header hab ich probeweise beide Aufnahmen ungeschnitten übereinandergelegt und dieses sehr stimmungsvolle Sandwichbild erhalten:98230004mal02450011l
Daraus hab ich den interessantesten Ausschnitt 1600 x 230 Pixel ausgeschnitten – siehe nächstes Bild unten. Abstand muß sein ;-)

Die reale Länge der Luftlinie zu ermitteln war etwas Puzzlearbeit und ging so: Man sucht die Stelle auf GoogleMaps, möglichst groß in der Darstellung, mit beiden Punkten. Also Hafen links oben im Eck, Park rechts unten. Davon macht man nen Screenshot. Nicht vergessen: mit dem 100m-Maßstab unten rechts im GoogleMapsBild. Dann gehts mit Photoshop weiter. Man öffnet damit das frisch gezogne JPG, zieht ein schmales Auswahl-Rechteck über den paar Pixeln mit dem 100m-Streckchen und füllt dieses auf einer neuen Ebene mit Farbe. Ergebnis: ein flexibler Hundert-Meter-Zollstock.
Den packt man dann an einem Ende mit der Maus und zieht ihn auf die zehnfache Länge -  auf einen Maßstabskilometer. Da Photoshop die Prozentzahl oben in einem Fenster anzeigt, mit der man Maße von Objekten verändert, kann man das exakt bewerkstelligen.
Nun dupliziert man diese km-Ebene und setzt beide Strecken aneinander in Linie.

Voilá: 2 km.

Nun wird damit so lange “gekreiselt”, bis man beide Aufnahmeorte (die man am besten mit nem Punkt markiert auf einer Extra-Ebene) auf einer Linie hat. Ein Ende davon auf einem Punkt.

Nun gehts ans Messen der überschüssigen Länge: auf dem Zollstock markiert man den Punkt des zweiten Aufnahmeortes und dreht diesen 2km- Balken dann wieder zurück in die Horizontale. Die braucht man nämlich jetzt, um mit einem neuen 100m-Rechteck, das man am überschüssigen Ende ansetzt, um exakt quer diesen neuen kleinen Zollstock am rechten Ende zu packen und bis zum markierten Punkt zu verlängern. Bevor man ihn losläßt, kann man seine Länge wieder im besagten Fenster ablesen und von den 2000 Metern abziehen. Das sind hier in meinem Fall 232%

So komm ich auf die 1768 Meter. Digitale Weltvermessung at home ;-)

PS.: darum liebe ich Baustellen: es gibt da diese flüchtige Schönheit in den Bauphasen:98230004mal02450011-headerkPPS.: fast metergenau in der Mitte dieser Linie liegt der Rheinlustfelsen (unten nicht im Bild); unscheinbar, da mit wenig Laufkundschaft, meistens legalen Sprayern, die sich regelmäßig an den freigegebenen Pfeilern versuchen, bedacht, zwischen ICE-Bahndamm und Betonpfeilerflächen der Adenauerbrückenauffahrten.72610012triple

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Musik beim Schreiben heute:

Joshua Redmann Elastic Band: “Momentum”, Nonesuch, 2005

Hallé OrchestraManchester, Leitung: Andrew Gourlay, Hong Xu, Klavier:

Dvorák: 7. Sinfonie d-Moll op. 70

Ravel: Klavierkonzert G-Dur

Introducing Emotion Into Technology

Und schon wieder ein guter Grund (mehr), sein Englisch in Gang zu kriegen bei diesem Clip über Google Art Copy Code, Beiges, Kariertes, Trenchcoatiges seit 1856. Faszinierendes angesichts dieser glückseligen Arglosigkeit gepaart mit Technikfaszination, einer perfekt alluring Visualisierung/Vertonung und den dahintersteckenden, frischgekämmten ;-) Marketingcracks..

Google’s Art, Copy & Code: Behind the Burberry Kisses Campaign & Impact
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..in skandalös lichten, leeren Arbeits?räumen und plakativen aufgeräumt-bis-euphorischen Stimmungen.. – ergo das perfekte Studienobjekt in Sachen Public Relation. Und Anlaß, die neue Kategorie The Making Of The Making-Of einzuführen ;-)

Der striking Satz für mich:

If milleniums* could just see how B. can introduce emotion into technology they would fall in love with the brand.

Weitere Stimmen zur Analyse(fähigkeit) des Gefühls-Projekts:

  • «Can we capture that kiss?»
  • «We saw such strong engagement rates.»
  • «People spend over three minutes engaged with this creative experience»
  • «A realtime map of people sharing love»
  • «..to watch all these people sending and receiving kisses»
  • * somebody helped me at 0:22! Thanks , Alison!

Dazu der Satz auf http://en.wikipedia.org/wiki/Thomas_Burberry:
«Burberry recognised the need for promotion and publicity and ensured that Lord Kitchener and Lord Baden-Powell both wore his weatherproofs. By these means he expanded his business into one of the United Kingdom’s largest branded clothing businesses.»

Wie kams?
Ich wurde drauf aufmerksam durch den schön stutzigmachenden Begriff: Lip Detection.

Geheimnisfeierlichkeiten

Zahlen-1 “Der Augenblick, in dem ein kleines Kind zum ersten Mal lügt, ist von entscheidender Bedeutung. Es entdeckt, daß seine Eltern eben nicht seine Gedanken lesen können. Und das beweist ihm, daß es eine eigenständige Persönlichkeit ist”.

Ein Statement des französischen Psychoanalytikers Serge Tisseron.

Zahlen-2 Georg Simmel (1858-1918):  Das Geheimnis ist der wichtigste Beitrag zur Freiheit des einzelnen Menschen.

 

Zahlen-3Nach Daniel Wegner, Psychologieprofessor in Harvard, braucht jeder Mensch für seine seelische Stabilität auch Geheimnisse, denn ohne diese bilde man kein eigenes Selbst aus.

Faszinierenderweise genau dasselbe Geheimnis, das einen essentiellen Wert im Leben des Menschen darstellt, findet sich auch als Grundlage des Krimis. Beides gehört zusammen. Oder, anders, plakativ gesagt:

«Der Krimi feiert das Geheimnis»

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Dem folge ich auch mit dem Coverprojekt reingretchen. Und bemerke auch die stark anregende, inspirierende Kraft dieses Unbekannten. So fühle ich mich mit obigen psychologischen Entdeckungen nicht nur am sechzehnten, finalen Intro-Kapitel , sondern an einer Schwelle in etwas Weiteres, Neues angekommen, denn:reingretchen-201411trio3cut

Auch diese neuen Fotos für den November, als  Krimi(cover) “getarnt”, fragen: wie ist diese Gegenwart? Dieses Leben? Dieser Augenblick? Was machen die Menschen aus ihrer Welt? Was liegt hinter und in den Dingen? Oder:  Woher dieser Drang nach Intuition, die versteckten Geheimnissen nachspüren will, die wissen will, was hinter den Kulissen das Bühnengeschehen steuert?

(..)

Und immer wieder fällt mir auf, wie gut Bilder der Gegend als Metapher funktionieren. Die menschlichen Verhältnisse offenlegen. Bilder direkt von hier. First we shape things, then things shape us.reingretchen-201411trio3

 

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Musik beim Schreiben heute:

Emiliana Torrini: “Tookah”, Rough Trade, 2013

The Bird And The Bee: “The Bird And The Bee”, Blue Note, 2007

Original Motion Picture Score: “American Beauty”, SKG Music, 2000