Archiv für den Monat: Juni 2014

Über den kriminellen Sinn von Hitparaden

Grad lad ich die neuen sechzehn Reingretchen Covers des kommenden Monats Juli hoch, und hab auch recht schnell das Cover des Monats herausgedeutet (hier links unten) und nach kurzem Nachsinnen, warum meine Wahl ausgerechnet auf diese leere Plakatwand fiel, eine Jury-Bewertung getippt.

reingretchen-c459cotm-7782 reingretchen-c439cotm reingretchen-c426cotm-24080 reingretchen-c411cotm576300Deckblatt des Monats, Platte des Monats, Sieger des Monats, Mogelpackung des Monats – das ist ja alles eine  olympische “Weiterführung” des Marketinggedankens (oder umgekehrt?) Aufmerksamkeit, Likes, damit einhergehend hoffentlich Ruhm und Ehre, Respekt und Käuferwünsche sollen gesteigert- oder überhaupt erzeugt werden. Und Leute, die mit “Gefällt-mir”-klicken beschäftigt sind, sind ja auch weg von der Strasse ;-)

Deshalb auch dieses nicht nachlassende, inflationär-seuchenartige Ansteigen des “Awards” im modernen Leben – hat jemand ein anderes Substantiv, das mehr als die heute erreichte 258 Millionen- Marke an Suchmaschineneinträge schafft??

reingretchen-c374cotm-47160 reingretchen-cotm302 reingretchen-c317cotm-44440014 reingretchen-c338cotm-0817uFür mich jetzt endlich die schon lange angedachte Gelegenheit, mal alle bislang gekürten en bloc hier zu versammeln: Cover, die ich (im jeweiligen Monats ihres Erscheinens) für besonders gelungen hielt. Ergo auch Gelegenheit, diese Auswahl erneut zu überprüfen. Dabei geht es mir nicht nur um reines Qualitätsmanagement im Sinne einer künstlerischen Weiterentwicklung, sondern auch um ein befruchtendes Wiedersehen mit “Erledigtem”.  Es besteht ja immer die Möglichkeit, daß mir zu den Bildern noch bessere, treffendere, inspirierendere Titel einfallen als die jeweils schnell zusammenassoziierten.

reingretchen-c360cotm-05530 reingretchen-c391cotm-48910 reingretchen-c290cotmAlso gibts hier eine Kollektion, die man zwar flugs und nicht unberechtigterweise als “best of” bezeichnen könnte, die ich aber gerne in einem weiteren Kontext gesehen haben mag. Denn bei dieser 2-Jahres-Masse von nun 384 Covers zählen ja beileibe nicht nur diese 16, es kommt vielmehr darauf an, Geschichten, die hinter diesen Cover stecken könnten und von diesen möglichst treffend symbolisiert werden, mit eben diesen anzuregen. Da ist es durchaus vorstellbar, daß auch ein nicht in dieser Auswahl erscheinendes Deckblatt durch eine zugefügte überragende Story mehr punktet als diese rein aus inspirationswerten Gesichtspunkten ausgesuchten.

Beim Drübergucken erkenne ich keine ästhetischen Trends im Erarbeiteten, keine bevorzugte emotionale Hauptrichtung, also sind lange nicht alle durchweg düster, monochrom, überkontrastreich (wie der Branchenlevel)  oder durchweg verschattet von Wolkenwetter etc. Und das gefällt mir. Aber: geheimnisvoll, das dürfen gerne alle sein ;-)

Am Tag danach: Diese Hitparadenreiterei nehme ich dann auch sogleich, die “Restlichen” mal zu raten. Und da geht das kriminelle Dilemma auch schon los: wieviele sollen denn in den personal Olymp? (Ich sag mal unbedarft: zwei pro Monats-Sechzehner, also 2 x 12 Monate x 2 Jahre gleich 48. Und schon find ich im August 2013 drei  passender und mag davon keines weglassen). Dann wirds noch diffiziler: Bewerte ich die Bilder rein nach fotografischen Kriterien, ihre bloße Ferne zu Klischees? Oder die innere  Stimmigkeit der vollständigen Werke mit Autoren/ Titelnamensfindungsqualitäten? Ist der Sinn der Geschichte “nur” die Inspirationskraft der leeren Bilder? Oder, im Gegenteil: das Erreichen eines Titels, der auf eine spannende Geschichte hinzieht? Oder einfach nur, von all diesen klugen Kriterien unbeleckt, meine persönlichen Lieblinge?

Verschiedene Herangehensweisen der Auswahl – verschiedene Ergebnisse, logo. Alle fühlen sich gültig, aber nur provisorisch an; zwar versuche ich schon, eine zeitgültige Essenz des Reingretchens herauszuarbeiten, muss letztlich jedoch an genau diesen sich widerstreitenden Kriterien scheitern. Fazit:

Kann doch alles nur vorläufig sein, gut zur Anregung, Diskussion, als Portfoliogrundlage – also zur.. Ansicht. Die wahre Tauglichkeit kommt mit der ersten dazu geschriebenen Story.. Das Ergebnis dieser Überlegungen will ich Euch natürlich nicht vorenthalten. Diesmal auf turquoisenem Hintergrund. Und der liefert der Auswahl prompt nen neuen Look (sonst ist ja immer schwarz/weiß angesagt:

Was ich nach zwei Jahren Machen auf jeden Fall festmachen kann, ist: daß mich diese zugeflogene Idee, an bestehende Fotos anders heranzugehen, sie in einem (wenn auch kriminellen ;-) ) eng definierten kontextuellen Umkreis zu sehen, auch beim Aufnehmen künftiger Bilder erfrischend erneuert hat. Daß ich in einen Sog Weiterbildungslust gespült wurde. Der der Fotografie einen neuen (..) Platz zugewiesen hat. Und mich darüber staunen läßt, wohin man mit einer simplen Idee gelangen kann.

Von der Entstehung der Gewinnspielmanie “Autoren Out Of Space” mal gaanz zu schweigen ;-)

Auch dieser Hitparadenartikel führt mich weiter: konkret werde ich alle übrigen Cover nochmal durchguckenn. Und zwar nach den unverzichtbaren Titel-Ideen,  das Fotogene hintangestellt. Mal sehen, wieviele da noch zukommen..

Kann man von kreativen Tun mehr erwarten?

______________________________________________________________________

Musik beim Schreiben heute:

Joshua Redman Elastic Band: “Momentum”, Nonesuch, 2005

Dream Warriors: “And Now The Legacy Begins”, Island, 1991 (ein weiteres erfreuliches Wiederhören nach langer Pause heute)

The Doobie Brothers: “The Captain & Me”, WARNER, 1973

Einscannen statt ausplaudern – altes Nähkästchen, frisch digitalisiert

Warum schaut man so gerne auf etwas? Äh, nein, weihevollerweise muß es heißen: warum erblickt man so gerne Schönes? Oder sollte ich eher runterschrauben auf: Neues? garnrollenmini-pfzentrumWarum muß man keinem noch so jungen Menschen erklären, daß Schauen Freude macht, Lustgewinne bringt, (das Wachsein) anregt? Uns Erwachsenen (und der Werbeindustrie) ist das ja täglich Freudigbrot. Warum also gibt es optischen Hunger, ja: woher diese stabile Gier auf Input-per-Auge? Antrainiert und gut gezogen vom Wirtschaftssystem, das das Neue zum Mittelpunkt des Universums macht, gewiß. Aber das kann unmöglich aus dem evolutionären Nichts kommen.

Die genaue wissenschaftliche Antwort wissen Mediziner, Biologen, Physiologen, Neurologen. Müßte man eigentlich bald googlen können ;-) Kaum jemand vorstellbar, der dem gesunden Menschenverstand bestreiten wollte, daß dem so ist. Ging mir erst vorletzte Woche schon wieder so, als ich in meinem Keller Omas Nähkästchen aus einem vergessenen Umzugskarton zog (eine längere Geschichte, wie es da hinkam) und überaus erfreulich all die “Antiquitäten” des verschütteten Universums Nähen@home wieder an die Oberfläche brachte.

Natürlich – siehe unten – ist das ganze Gehäuse erstmal ans kriminelle Ufer meines Reingretchens geschwemmt. reingretchen-201407cut2Es waren aber vor allem die Lang-nicht-Gesehenen im Inneren, die die folgende Faszination mit diesen unmodernen Dingen hervorlockte. Alle mindestens ebenso alt und dollerweise voll in Schuß=zu gebrauchen. Und willkommenes Motiv und Rohmaterial für ein neues Startbild, a) so “indie” und roh hingeworfen wie dazu im Kontrast b) so dekorativ, dezent geheimnisvoll und, durch LayOut evoziert, gediegen&brav anmutend, mit der gepflegten Schrift und den Unterstrichen in dazu noch zwei wunderbar harmonisierenden Farben harhar

Grad, wenn man die Tage so viel über die moderne Verprassung im privaten und globalen Rahmen liest und so das Ende kommen sehen soll: ein Lichtblick. Das Ding hat locker siebzig Jahre auf dem Buckel. Und glänzt plötzlich nicht nur dadurch, sondern bei näherer Betrachtung ob seiner optisch/ ästhetischen Qualitäten, Materialeigenschaften in Holz und vor allem: die wunderbar einfache und wirksame Mechanik.. Vor allem aber der Inhalt des Kästchens platzte vor Fotogenität: Garnsterne, alte metallene Fingerhüte, hölzern begriffene Schnittmusterräder, Fadentrenner mit Buchenkappe, Knöpfe aller möglichen Provenienzen von Perlmutt bis Plastik, von klassischer Knebelform bis 80er-poppig Plastikfliegerversionen mit Ösen für Kinderhemden.

Nachdem mein Scanner ja wieder in Dauerbetrieb überführt ist, hab ich diese Nähutensilien natürlich auch gleich auf die Scheibe gelegt und auf “Vorschau” geklickt. Wundersame Dinge kamen dadurch unter die 600dpi-Lupe, Garne blähten sich zu Trossen, Pappsterne zu Patina- und Distortion-Lieferanten..

Nun sitz ich an der spannenden “Weiterverarbeitung” dieses funky Rohmaterials, erstmal alleinzig als freies Projekt, zu Inspirationszwecken und Erzielung neuer Schauwerte mittels Digitechnik.

Neue, weit vom Originaleindruck entfernte  Anmutungen entstehen, wenn man die Einzelteile (Faden, Trägerstern) voneinander trennt (wie Fauna&Flora bei meinem vorvorvorletzten Werkstatt-Artikel “OXentourage“). Und plötzlich erscheint das als solches ausgeschnittene Loch in der Mitte.. pardauz! als Materie! Mit “eigenem” Schatten:

garnrolle-cutEin solch erghiebiger Fund in den ersten Zügen legt ja flugs die Vermutung nahe, daß sich in der eigenen Wohnung noch ganze Universen von Motiven verstecken. Die man allerdings nur mit scangewöhnten Augen entdecken kann. Diese durch “optische Verdickungsmittel” gewonnene “Seilschaften” der Garnsterne bekommen mir etwas von Steampunk-Ruch. Dann folgen Gedanken über Materie-an-sich, und wie Menschenhand und -mind sie im Laufe der Jahrtausende zu Werkzeugen und Materialien formte, deren ultrapraktische Form- und Materialwahl gedankenfern&einfach zum modern-einfachen Plug-and-Play-Leben dazugehören, aber voll sedimentierter Erfahrung meets Genialität stecken. Serviervorschlag: anbei “Eine Geschichte der Welt in 100 Objekten

(..)

Wenn dazu noch ästhetische Nährwerte durch Produktdesign kommen wie bei diesen Garnsternen- umso besser ;-) Hier nun das ganze Ding, allerdings mit verfärbtem/gestalteten Sternpapp und schattenwerfenden Mittelloch:

garnrolle

Sieht nach dieser unaufwendigen Bearbeitung echt nicht (mehr) nach banalem Gegenstand aus, finde ich..

Weiterklicken auf: Die Elchlederhose und der Fahrradhelm, versammelt auf wikipedia.org/wiki/Liste_der_Kleidungsstücke

_________________________________________________________________________

Musik beim Schreiben heute:

Prince & The Revolution: “Around The World In A Day”, WARNER, 1985

Prince: “The Rainbow Children”, NPG Records, 2001

The Cure: “Mixed Up”, ELEKTRA, 1990

Das sind ja appe Pflaster auf untigen Bildern!

Ja ja, I know: die unerlaubt adjektivisch & mundartlich hergeleitete Pluralform der Präposition “ab” und das fehlende logische Gegenstück zu “obig” sucht man im Duden/Wahrig vergebens. Ich hab die beiden jedoch fest in meinen Wortschatz integriert, denn sie sind weit mehr als randomisiert gewonnene Wortkreationen beim Buchstabensuppelöffeln: nein, linguistisch/morphologisch entwickelt! Ich hab sogar ne Bebilderung in petto und warum?67800004

WEIL es titelgebenden Wortgebrauch in meiner Wohnung gab, sind mir die nach einem Schnitt in die Fingerkuppe anfallenden Pflaster, die sich anschließend schnell wieder ablösten, erst freudig als appe aufgefallen, dann hab ich sie doch gleich mal aufgenommen. Anders ausgedrückt, hat mich Sprache darauf aufmerksam gemacht, daß auch die postfunktionale Version von Verbandsmaterial ihre Daseinsberechtigung  – und anschließend: Fotogenität(!) hat..

Plus es diesen neuen Artikel nur deshalb gibt, weil ich etwas vom (Sprach)Gebrauch, dem allgemeinen, abgewichen bin. Und dabei nicht nur ein neues Motiv, sondern auch eine Bildungs- ja Forschungslücke, klaffend und unbeachtet, entdeckt hab:

nämlich die, wie man mit Wissen um Konventionen umgeht. Nicht nur allgemein gebräuchliche, sondern vor allem persönliche Gebräuche im Umgang mit Lebensaspekten. Da gibts natürlich sozialisierungsbedingte Deckungsgleichheit, die jedoch bei näherer Betrachtung bestimmter Lebensbereiche überraschenderweise.. gar nicht sein muß. Ja, schlimmer: spannenden Erfahrungen, Selbstbestimmung zum Guten/Besseren, erweckenden Horizonterweiterungen entgegensteht. Sobald man sich nämlich mal Gedanken darüber macht, wie und warum man etwas bislang unhinterfragt macht, wirds spannend.

Das erfahre ich gerade a) beim Nähern an . .die erste Buchproduktion in einem kleinen zusammengewürfelten das heißt selbsternannten Team: man muß/kann ALLES bestimmen, vor allem, was die Kompetenzen, die Aufgabenteilung, die Zielsetzung und die Vorgehensweise angeht. Das geht weit über die direkten Fragen zu LayOut- & Gestaltungsentscheidungen hinaus: man muß sich nicht wie gewohnt in eine Schlange stellen, um irgendwann ganz vorne dann was aus der vorgelegten Liste auszusuchen.

67800009marg(..)

Das Neue im Lauf der Gedanken und Gewohnheiten kann man provozieren. Kontrolliert experimentelle künftige Lebenserfahrung, die weit über das hinausreicht (oder auf das aufbaut), was man in der Schule so gelernt. Da gibts nämlich nicht nur n ordentliches Kontingent Unnützes (so im 30er-Rückspiegel gesehen), sondern gar Verstecktes, wenn nicht dadurch gar Kontraproduktives. Also ungebeten Bremsendes, ja Verhinderndes.

Also probieren wir mal, wozu unser Plan- und Ausdenkmuskel so fähig ist im ersten Anlauf: Experiment #1: nen Zettel an der Wohnzimmertür, auf dem “Tellerrand” steht. Der bringt einen dazu, wie ich zum kleinen Internet-Beispiel  www.adsoftheworld.com durchzuscrollen. Da sieht man sofort und geballt, ohne was man hier in Germany so lebt den lieben langen Konsumententag..

Experiment #2: Mir fällt gerade heute wieder ein schon lang geknüllter Newsletter der Berliner Band Kitty Hoff ein, in dem die inspirationsbringende/spendende Wirkung von (mittlerweile automatisierter) Hausarbeit (Spülen, im vorliegenden Fall) gepriesen wird. Interessanterweise mit dem verdachtszerstreunenden Hinweis, daß man NATÜRLICH eine Maschine hätte, von Hand aber die Inspiration entdeckt hätte.

Genauso mach ich es heute auch, und versuche darüberhinaus, bei notwenigen Hausarbeiten vom Fordschen Fabrikationsmodell und von dem loszukommen, was man in der Schule und Eltenhaus so überzeugt von der Richtigkeit so.. vorgelebt kriegt. Denn vier Stunden Putzen, nur damit man HEUTE noch damit womöglich  schlechtgelaunt fertig wird – also nee. Ich bin ja kein Betrieb, bei mir zuhaus steht der Spaßerhalt an oberster Stelle, nicht mehr die irgendwann im Leben sicher notwendige Erfahrung der Möglichkeit der Selbstdisziplin ;-) Also putze und schreibe ich, braue Kaffee, messe die Flurecken für die kommenden Möbel aus, höre von zwei coolen Fußballbüchern, schlage Kamarilla nach und hänge Wäsche im Turnus auf, immer zirkulierend zur nächsten “Station” übergehend, wenn es beim augenblicklichen Tun eine Stockung gibt.

Und irgendwann sind dann alle Erledigungen vollbrafft, im überraschend erfrischenden Stückelungsmodus. Unbedingtes PLUS: ich hab mir meine Gutlaunigkeit erhalten ;-) !!

Serendip im deutschen Sprach- und Grammatikraum (gefundene, äh, Gedichte beim Recherchieren):

Um im System Schule zu (über)leben, lernen Schüler Strategien und Taktiken, wie man Erfolg bei Mitschülern oder bei der Lehrkraft hat, wie man Unwissen verheimlicht, wie man unangenehme Arbeit vermeidet, wie man als Leerlauf empfundene Unterrichtszeit effektiv für Nebentätigkeiten nutzt

Gelegentlich wird auch der Wortartwechsel, bei dem nur eine Flexionsendung weggelassen wird (“besuchen” → “Besuch”), als implizite Ableitung verstanden.

bedeutende Forschungslücke

“Viele Wörter, die den Genitiv regieren, gehören der Schrift- und Verwaltungssprache an”

weiterhin: wals.info (The World Atlas of Language Structures Online)

__________________________________________________________________________

Musik beim Schreiben, Brauen, Messen, Handspülen heute:

Stella: “Extralife”, Lado, 1998

Extol: “Synergy”, Magic Arts Publishing 2003

Art Farmer: “Here & Now” (Compilation), Prestige, 1955-60

Roxy Music: “Avalon”, EG Records, 1982

Den Falschen bestellen. Absichtlich. Vorsätzlich. Und das seit 1997.

Was entdecke ich heute beim “Durcharbeiten” der 25-Jahre-Jubiläums-Ausgabe der Photonews? Ein Interview mit Kathy Ryan, die seit über zwanzig Jahren die Fotodirektorin des New York Times Magazin ist. Und die geniale “Erfindung” von ihr, für Fotoaufträge

Meine Favoriten – neben den faszinierenden Infos in den (englischen) Artikeln: Sean Penn durchs Autofenster, Kate Winslet im Party-Gewühl, 43 Sekunden den fast reglosen Michael Douglas zu dazu komponierter (!) Streichermusik..

 

Wikipoodle, der Allererste

Obwohl das Wissensportal Wikipedia oft in der Kritik steht – hauptsächlich bewegt sich diese als Kraftfeld zwischen dem Vorwurf des  Wirkens von verdecktem Lobbyismus einerseits und der Bezichtigung als Halbwahrheitspool andererseits – häng ich beim Schreiben mit mindestens einem geöffneten Tab immer drauf rum, um schnell Grundlegendes zu reahsschen, äh: erhaschen.

Irgendwann fiel mir beim Lesen englischer Artikel auf, daß diese erstaunlicherweise keine deutschsprachigen Wiki-Artikel zugeordnet hatten. Und wurde so auf dieses Phänomen aufmerksam. Da seit Gründung der Wikipedia am 15. Januar 2001 und dem heutigen Datum wahrlich genug Zeit vergangen ist, um diesen Wissenspool wahrhaft gesättigt zu wähnen, alle möglichen und unmöglichen Themen als erschöpfend abgedeckt zu sehen und der Vervollkommnung nahe zu vermuten, kommt man aufgrund dieser Entdeckungen schnell zu dem Schluß, den Grund dazu unterschiedlichen Kulturen und deren Wissenspräferenzen geschuldet zu sehen.

Interessanterweise klaffen also bei manchen Auffassungen von der Welt  kulturell bedingte blinde Flecken (im Vorhandensein, nicht nur in der Übersetzung oder Illustration) auf, die ich für spannende Lücken halte. Als erstes frappantes Beispiel stieß ich auf den doch sehr kontrastierenden “content” der deutschen und englischsprachigen Version des Artikels zum Thema Rourkela. Nach dem Begriff “Kreditanstalt für Wiederaufbau” zum Beispiel sucht man in der englischen Version doch recht vergebens..

Auch die sich in Sprichworten ausdrückenden Weltsichten unterschiedlicher Kulturen sind mir von ähnlichem Interesse. Oder das Ausbleiben sinngemäßer Sprüche aufgrund.. unterschiedlicher Kulturen! Ein Beispiel: das Fehlen des zimmereigenen Elefanten im deutschen Sprachraum ;-)

Ebenso ist die Art der “Wiki-Fotografie”, die ja auffällig und zielsicher zwischen den Klischees Amateur- und Schnappschußästhetik verharrt und durch diese “fotografische Suggestion” jeglichen Verdacht des Wirkens von werblichen Fotoprofis – und analog: Artikel-Verfassern – zu vermeiden sucht für die eine oder andere künftige Bildbetrachtung spannend.

Warum zum Beispiel  – und zur Übung – schiede untiges Bild aus??

ÄtscheAntwort: unmöglich zu sagen. Man müßte wissen, worum sich der Artikel dreht, an den das angeheftet wäre. Schotterflug? Bokeh? Steingarten? Urban Gardening? Merksprüche der Eisenbahnerzunft? Ursprünge des GeoCaching? Meteoriten in Wohngebieten? Mm.. Also ich könnte mir da schon einige passende Stellen vorstellen, an denen dieses Foto mit entsprechender Unterschrift ausschließlich humorfrei illustrierenden Charakter hätte, also keinerlei Beimengungen von Ironie, Sarkasmus oder gar Subversion “beinhalten” würde.

Mein Lieblings-Paradebeispiel Fotos-plus-erklärende-Wiki-Ernsthaftigkeit: die mittlerweile entfernte  :-( Rubrik/Galerie-Überschrift: Laugengebäck im Bild.

Wenn ich da allerdings anfinge, zu fantasieren, kämen ganz schön schräge Themen und Kombinationen bei raus. Das ist aber nicht der Sinn eines Online-Lexikons.

Ausscheiden würde das Bild, so für sich allein stehend, eher  wegen der… Symmetrie. Die gilt ja schon als Gestaltung. Das wäre verdächtig..

Darum eröffne ich im Halbspaß heute & hier eine neue Kategorie, den WikiPoodle, in der ich diese gefundenen und künftig auffällig werdende Lücken zusammentrage und dieses Fehlen zum SchreibAnlaß nehme, dazu Essays,  Gedankenfetzen und Überlegungen anzustellen zu verüben.

Materialsammlung, die ebenfalls allererste:

Vor knapp einem Jahr gabs meinen ersten Fall der vergeblichen Wikipedia-Suche, nämlich die nach dem optischen Gewicht.

Ebenso, eine Weile später: das augenscheinliche Fehlen von nützlichen Idioten in Deutschland wunderte mich als zweites, kommt eigentlich doch keine höher entwickelte Gesellschaft ohne sie aus ;-)

Auch eine bestimmte hochinteressante Zeitgeisterscheinung, ein Phänomen der Ideenverklappung, das social media und überschüssige freie Kreativität (wirklich?) um ihrer selbst willen vereint, vermisse ich dieser Tage: den Freitagstexter.

Und gar ein Neues, gerade entdeckt: 81.800 Einträge heute chez Google, aber nicht mal EINE Erwähnung oder Sinnspruchlisteneintrag auf Wikipedia für Nicht zur Strafe, nur zur Übung.

(..)

Funde heute. Beim Schreiben und Links-verfolgen:

_ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _ _

Die heute nur als Kontrastmittel mit dem Text zusammenhängende Bilderstrecke (leider kein Wikitaugliches dabei ;-(  Warum bloß – dazu später mehr) gibts heute mal erst hier unten, aufgenommen: kürzlich, nämlich Ende Mai 2014.

Rheinlustfelsen “1837″. Mannheim, ehem. Schloßgarten

 

__________________________________________________________________________

Musik beim Schreiben heute:

Quincy Jones: “Pure Delight – The Essential Of”, Polygram, comp. 1995

The Talking Heads: “Remain In Light”, SIRE , 1980

The Ting Tings: “We Startet Nothing”,  SONY, 2008

Fonosandwich: “Fonosandwich”, Rather Interesting, 1997

various artists: “The Best Of Acid Jazz Volume 2″, ACID JAZZ, 1993

Snippel di Snip – la Reingretchen nouvelle est arivée

Fertig renoviert! Jetzt kommt die Kür!

Die besteht ganz ernsthaft aus: angewandter Dreisatz-Rechnung, dem Entwickeln & der Herstellung einer PNG-Stanze, einer Lupen-Cutter-Kombination und, vor allem anderen: dem genußreichen Schaufensterln im Archiv der KrimiCoverWerke. Dann brauch ich einen Zettel, auf dem 517 x 323 notiert wird. Das ist die in Pixeln gemessene Größe der fünfzehn Schmankerln, die ich mit diesem “Werkzeug” nun am Basteln bin. Denn die große 3-tägige Schipperei nach neuem Designplan ist gestern abgeschlossen:

Das Reingretchen hat ein neues Outfit.

Und mir ist da eine entzück!ende Zusatzidee zur Verinteressanterisierung gekommen: wechselnde Menuebilder zu jedem der fünfzehn Kapitel: übererfreuliche Gelegenheit zur geliebten Revision und den damit einhergehenden Recut. Diesmal gilt es, aus den bestehenden Rechtecken (180 x 300 Buchcoverformat) interessante (!) Quadrate zu schneiden und als Bild jeweils oben links in die “Kapitel” der Reingretchen-Seite einzufügen.  Und das (+6 Überschuß/”Vorrat”) sind sie:

menue-liste-2014-06-287menue-liste-2014-06-294 menue-liste-2014-06-450 menue-liste-2014-06-445 menue-liste-2014-06-290 menue-liste-2014-06-283 menue-liste-2014-06-296menue-liste-2014-06-398 menue-liste-2014-06-400 menue-liste-2014-06-399 menue-liste-2014-06-418 menue-liste-2014-06-456 menue-liste-2014-06-406 menue-liste-2014-06-409 menue-liste-2014-06-405 menue-liste-2014-06-451 menue-liste-2014-06-455 menue-liste-2014-06-443menue-liste-2014-06-441menue-liste-2014-06-414menue-liste-2014-06-419

Voilá – der Schnitt machts! Er ist meiner Überzeugung nach für mindstens ein Drittel der Bildwirkung verantwortlich. Deshalb ist er für mich auch fast mit dem Gestaltungspotential beim Fotografieren vor Ort vergleichbar: man hat Einfluß auf die Lage der Bildelemente, kann sein ästhetisches Sehen und – Geschmack ein zweites Mal einsetzen, denn die Feinjustierung machts. Immer!

Vergleicht einfach mal mit den Originalen auf den drei Monatstafeln, aus denen bis auf drei diese neuen Quadrate “gewonnen” sind: dem laufenden Juni, dem April und März 2014 – gleiche (same old) Bilder, komplett neue Anmutung ;-) ;-)

__________________________________________________________________________

Musik beim Schreiben heute:

various artists: “The Best Of Acid Jazz Volume 2″, ACID JAZZ, 1993

Savvas Ysatis “select”, Tresor (EFA), 2001

Beanfield: “Human Patterns”, COMPOST, 1999