Archiv für den Monat: April 2014

Der Poodle als Betriebsblindenhund

“Wieso machst Du das denn nicht mit Deinen Bildern?”

Das ist die häufigst gestellteste Frage, wenn ich in diesen Frühlingstagen begeistert von meinem neuen FotoProjekt “Der Soodlepoodle als Kurator” erzähle. Ich hab da nämlich im dschungelartigen Archiv eines langjährigen guten Bekannten einen fotografischen Schatz entdeckt, den es “nur” zu sichten und herunterzudampfen gilt, um ein kleines Mannheim Foto Juwel (nach einigen vermailten, schnell gelayouteten Teasern ist das nicht mehr nur meine persönliche feste Überzeugung) in Buchform zu erhalten.

Tja: warum “Bücher für andere?” Provozierende Frage, die aber, ich muß das mal enttarnen, nur in Richtung Egodeklaration, Selbstausbeutungsrechtfertigung oder weitere (auch für diese Diskussion) negative Richtungen zielt.  Denn wahrheitsgemäß (und konstruktiv im Sinne einer echten Kulturkritik) müßte sie lauten: “Warum Bücher mit anderen?” So gestellt führte diese Frage dann auch auf die richtige Spur:

Fremdwerke sichten und gruppieren ist nicht nur eine sehr erfrischende alternative Beschäftigung mit der bildenden Kunst: ich kann mich damit in eine andere Sicht aufs mir Vertraute hineinversetzt sehen. PLUS: einen anderen, ungewohnten Aspekt meiner jahrzehntelangen Beschäftigung mit Bildern hervorkehren, verwirklichen, ausprobieren.

Und damit ganz nonchalant der Gefahr der Eigenermüdung entgehen, denn: ich (und mein Bekannter!) wüßte echt nicht, was wir in ein Buch mit eigenen Bildern reinfüllen würden (no kidding !) Zu lange sichte ich die schon und – ich kann es gerne sagen: ich habe Lust auf Neues. Nicht nur neue (eigene) Bilder, sondern auf inspirierenden Umgang mit Fremdwerken, die ich auswählen und auf den aufgeschlagenen Buchseiten nebeneinander zu neuen Anmutungen kombinieren mag.

Und, um auf die Frage am Eingang zurückzukehren: beim Thema Bücher machen konzentriere ich mich aufs reingretchen – da ist (großer sexy Vorteil) nur “katalogiges” Auflisten angesagt, keine Auswahl aus vielen, kein Kombinieren, kein director´s cut - der ist ja mit der hochkantigen Buchformatvorlage und lose gehaltenem Corporate Design schon “erledigt”. Und: meine eigene Betriebsblindheit würde da nur zu Schmerzen bei plötzlichen unwillkürlichen Kreisbewegungen führen ;-)

Es geht weiterhin auch um Teamwork, um ein selbstgesetztes größeres Ziel (Auswahl, LayOut, inspirierende Betextung, die den Bildern nicht nur gerecht wird, sondern vielmehr ihre Wirkung vergrößert,  Produktion, Kostenermittlung, Beteiligtencasting und -begeisterung, Vertrieb- und Marketingüberlegungen, crowd funding. Angesteckt hat mich damit unter anderem das frisch entdeckte Kölner Karnevalsfotoprojekt elfuhrelf.

Und Bilder für ein Buchprojekt aussuchen ist etwas völlig anderes als “Einzelkämpfer” für den Postkartenständer zu gewinnen: da nämlich gilt es, den Gesamteindruck beim Durchblättern zu koordinieren, einen erzählerischen, ja: dramaturgischen Bogen zu schlagen, nen schlüssigen Gesamteindruck aller Bilder zu kreieren.

Nach dieser Vorgabe habe ich bislang aus den mir vorliegenden 280 vorausgesuchten (!) Bildern mal gut die Hälfte herausgedeutet und mich gefreut, daß dabei keine als Postkarte (mein Thema der letzten sieben Jahre) “funktionieren” muß. Es kommt also Sehen-in-anderer-”Betrachtungsfunktion” noch zur Liste der Erfreulichkeiten dazu, vom freien Laufenlassen der Begeisterung für diese Bilder mal gaaanz abgesehen ;-)

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Musik beim Schreiben heute:

Annie Lennox: “Diva” BMG, 1992

Earl Zinger´s “Put Your Phazers On Stun Throw Your Health Food Skyward”, !K7, 2002

deadmau5: “random album title”, Ministry Of Sound, 2008

XTC: “Skylarking”, Nonesuch, 1986

Frank Zappas Inca Roads mit unglaublichen Knetmännchenpsychedelicanimationen:youtube-embedding-memorial-

Mit dem Rad von 5 nach 6 und 7 über 1 und 4 und 3 und 2

Wunderbar, wenn sich Gewinnspielversäumer mit so nem charmanten Titelvorschlag zur Auflösungspost melden! Also kommt hier das damit bestickerte Posting als nachösterlicher Farbtupfer mit der Auflösung des letzten, langläufigsten Ratespiels bislang:

Am schwersten zu erraten, das hab ich im Laufe der Kartendistribution im persönlichen Gespräch bemerkt gesteckt gekriegt ;-) , waren die Nummern 1, 5 und 8.

& , , ,

Diejenigen Mannheim-Kenner, die sich getraut haben, mir ihre (richtige) Lösung zu mailen, waren erstaunlich rar. Eigentlich merkwürdig nach all den kriminellen Vorgängern – soo schwerr wars ja auch wirklich nicht . Und: sowas kann man ja (demnächst) googeln – ich sag nur: Goggles. Spiegel Online schreibt dazu: “Wer seinem Handy etwas zeigt, soll erfahren können, was das ist.” Geht sicher auch mit irgendwelchen Postkarten in zwei Jahren. Heute steht da in aller Vorläufigkeit:

“For best results, try taking pictures of the following: Books & DVDs, Landmarks, Barcodes & QR codes, Logos, Contact info, Artwork, Businesses, Products, Text. Currently, it’s not so good when taking pictures of the following: Animals, Plants, Cars, Furniture, Apparel..”

Und den Besucherzahlen auf diesem kann ich auch nicht die Schuld in die Slippers schieben – es könnte also an etwas anderem liegen. Vielleicht am: “Mitmachen bei nem Gewinnspiel? Uncool…”

Oder (, mein Topverdacht,) wir streifen damit das Thema “Gewinnspiel-in-Zeiten-des-Internets”. Absichtslos zwar, nichtsdestotrotz aber massiv. “Datensparsamkeit ist oberste Bürgerpflicht” liest man dazu im faz.net. Nicht grundlos sprechen sich so langsam gielige Begriffe wie Adressfänger, Klickvieh oder E Mail Handel rum. Fakt plus: die Zahl der Beklauten wächst. Demnächst kennt wohl dann jeder einen (na hoffentlich nicht).

Mir reichts ja zum Beispiel schon (wieder), in einem kritischen Artikel zu lesen, daß allein schon ein Klick auf “Nein-Danke, niemals!” als Dialogbox-Ausweg zur Frage: “Möchten Sie weiterhin über unsere Produkte informeiert werden?” genau das Gegenteil bewirkt: man damit nämlich das Vorhandensein genau dieser überspammten Adresse bestätigt.

Und diese damit unwissend und gegen alle bravgehorsame Absicht in einen Handelswert verwandelt. Das in massenhaft trägt dann irgendwann schön dazu bei, daß niemand mehr so freigiebig mit seinen Kontaktdaten ist wie in Zeiten der ersten www-Euphoriewelle. Tja. Pech für den Rate-Poodle..

Was bleibt mir da als begeisterter Gewinnspiel-Architekt? Damit aufhören? Oder das Echolose als neuste moderne Zutat akzeptieren lernen? Gewinnspiele für Niemand? Oder als reine One-Way-Unterhaltung? Nun, mal sehen. Ich werde beim Basetln drüber meditieren, denn… das nächste Reingretchen-Kreuzworträtsel ist schon halb aufgebaut ;-)

Bemerkung zum Titel: Wenn man dem folgt und nen 1-km-Zollstock auf nem Google Maps Screenshot des Geländes herumschiebt, sind es übrigens 6 km Luftlinie, also n bisserl mehr. Aber zum Radeln ne gute Stadtrunde quer durch und zurück! Meine Reihenfolge als Tourplaner wäre: Von 1 nach 2  (zu Fuß über die 9-Monate-im-Jahr-Karniggelwiese), dann nach 3 nach 4, anschließend über die 7 zum 6, Käffchen bei 5, dann zurück zur zentral gelegenen 8…

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Musik beim Schreiben heute:

Bob Curnow´s L.A. Big Band: “Plays The Music Of Pat Metheny And Lyle Mays”, The Mama Foundation, 1994

No Sports: “Successfools”, Pork Pie, 1992

Danny Gatton: “Cruisin’ Deuces”, Elektra, 1993

Thomas Dolby: “Aliens Ate My Buick”, Lost Toy People, 1988

Im reissenden Fluß des Bilderoverkills. Oder im warmen Bad der Inspiration?

Zwei neue, riesige Online-Magazine ( The Red List & Arrestedmotion) hab ich heute gefunden, durch simples, spätösterliches Herumadrenalieren im Internet. Plus die finnische Fotografin Marja Pirilä, deren Werk ich auf meiner “Lehrer”-Seite mal mit den Attributen Projektionen, Brechungen, Überlagerungen, Camera Obscura, Surrealismus belege.

Über 3.000 Bilder auf den beiden Seiten findet (und zeigt) mir Google auf Anfrage.

Ich guck interessiert drauf/drüber, lese zum Einstimmen ein, zwei Beiträge – für die Vorfreude aufs Weiterentdecken morgen oder übermorgen (es handelt sich ja um Mags, ist also mit Inhalt redaktioneller =  textlicher Art),  und betrachte dann meine stets anwachsende Inspirations-Seite- dieses Frühjahr schon mit einem Dutzend “Neu”-Einträgen proper hoch auf 166 Stücker(!) – Soo viele Bilder und Ideen! Und das schon auf “soo wenigen” Seiten! Wahnsinn! Wie soll man da je ein Gefühl für die unendliche Riesigkeit des Webs bekommen? Schlimmer: geht das denn überhaupt? So als Einzelner mit (nur) einem Hirn und Vorstellungsvermögen?

Und so kommt diese Frage heute auch noch dazu:

Wo genau in diesem Ansturm ist denn bitte die Inspiration für mich als Soodlepoodle?

Spontan fällt mir als Antwort das Schlagwort “Tellerrand” ein: all diese Bilder sind etwas, das jenseits meiner (Wirkung, Vermögen, Fokus´) steht, ergo von außen kommt und beim Betrachten wie ein Weckmittel wirken soll. Doch, ja: wirkt. Die sorgfältige Handverleserei über die Blogger-Jahre macht sehrwohl Sinn..

Hammer, denke ich immer dabei, was da draußen geht mit Bildern (und natürlich Geschichten). Ich schaue und denke zum Beispiel angesichts des Stiluniversums auf dem seit 2007 verlassenen blog iso50.com : “Ich hab noch nie.. ein siebziger Jahre Plakat entworfen, aber diese großflächigen Farbübergänge hinter einfachen grafischen Buchstaben und Figuren haben etwas, das ich irgendwann auch mal machen mag. Und sei nur, sie in die Gestaltung eines Fotos, ner Webseite oder eines Startbildschirms einfließen zu lassen. Oder Modefotografie/-film wie bei Nick Knights Showstudio – da hab ich hier in Mannheim als Making-Of Fotograf bislang ein Dutzend mal (wenn auch mit Kamera) zugeschaut. Dann, wie im Falle obiger Fotografin: Experimente in so etwas wie dem heimischen Studio – mag ich auch mal verstärkt angehen – hauptsächlich: Vorgefundenes, weniger: Arrangiertes in den eigenen vier Wänden (Studio is nich). Das gibts! Aber nur, wenn man dem kreativen Chaos etwas Leine gibt.

Aber zurück zum Faden: Diese geordnete, ausgesuchte und akkumulierte(=kanalisierte) Bilderflut hilft mir, zu träumen. Mich auf künftige Anregungung und Aktivität zu freuen. Die Welt anders, neu, unvermutet & aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.

Dann fallen mir verschiedene Typen von “Inspiranten” ein, also kreative Menschen unterschiedlicher Herangehensweisen ans Thema Inspiration: jene, die sich, um nicht vom Wahrhaft Eigenen abgelenkt zu werden den Input so gering wie möglich halten bis zu den akribischen Rechercheuren, die, haben sie mal an einem Thema Geschmack gefunden, sämtliche Hebel Buttons in Bewegung setzen, um möglichst umfassende Einkreisungen vorzunehmen. Hab ich beide schon kennengelernt.

Zwischen diesen beiden Polen liegt eine breite Skala an “Mischtypen”, die irgendwo ihren individuellen Platz finden. Mich würde ich ziemlich als in der Mitte angesiedelt bezeichnen: weder hab ich Angst, bei zuviel Anregung könnte mein Werk jemandes anderen zu ähnlich geraten, noch fasziniert mich eine enzyklopädische Annäherung. Ich weiß aus Erfahrung: der Hinterkopf ist die wahre Quelle und Filter der geballten Eindrücke. Also: immer rein damit, wenns fasziniert. Dann über Nacht wirken lassen..

Ja! und NATÜRLICH: Staunen ohne Neid angesichts dieser wahnsinnig coolen, undendlich nachzuwachsen scheinenden Ideen und Werke, Aktionen und Projekte. Das ist auch ein netter Nebeneffekt ;-)

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Usik beim Schreiben heute:

Nicolette: “Now Is Early”, Rough Trade, 1992

Various artists: “From The Decks Of Marschmellows”, Audiopharm, 2002

Beethoven: “Streichquartett F-Dur op. 59 Nr. 1″ (Guarneri Quartet)

 

.. und was ist IHR Lieblingsbild?

..fragte mich die junge Frau und wies auf den vor uns stehenden Postkartenständer. Ich drehte ihn etwas, ließ die Spalten mit je vier Karten vorüberziehen und überlegte.

“Ich guck schon so lange auf diese Bilder” begann ich, während mein Blick über die Karten strich, “ich glaube, ich finde mittlerweile die Kombinationen, die sich ergeben können, am spannendsten. Dreier- und Zweierkombinationen. Diese hier zum Beispiel!”

Mit dem neusten abstrakten Motiv in der Mitte dieser beiden doch sehr natürlichen  ergibt sich wirklich für mich ein neuer Eindruck: alle drei sind zwar querbetont, das mittlere erzeugt durch seine Mittellage im Trio eine “landschaftliche” Irritation, fesselt den Blick, strahlt auf die benachbarten Naturbilder aus, verlangt eine Einordnung, kitzelt gerade wegen seiner irreführend untechnischen Anmutung den Kategorisierungsnerv..

Ebenso verhält es sich bei allen übrigen Bildern mit den Gegensätzen malerisch- grafisch, gesättigt und (fast) farblos, symmetrisch und unsymmetrisch, scharf/unscharf sowie natürlich den Farbkontrasten. Direkt nebeneinandergesetzt fliegen für mich Funken, entsteht eine ästhetische Induktion gewissermaßen.

Denn immer wieder geht es um das Ziel eines neuen Blickes. Aufs Gewohnte als schwierigste Übung, aufs durch übermäßige Sichtung unsichtbar Gewordene.

Kombinieren wie in Küche, Labor, nebeneinander anordnen als Lösung, als Ausweg aus der Betriebsblindheit, als Erneuerung der ästhetischen Wirkung. Das kann man mit den stetig wachsenden Sortiment anstellen und Neues entdecken. Was jetzt keineswegs heißen soll, daß ich mich in der kleinen Gemeinde der 48 Karten wie ein kreativ Gefangener fühle. Da sind ja noch ein paar weitere Bilder ;-) Es geht mir aber – wie sonstwo auch hier – ums Wachsein, ums Gegenwärtig-Sein, kreativ sein – JETZT. Stets mit allem Vorgefundenen, also auch mit fertigen, gemachten Fotos (i.e. Postkarten), die ja ausschließlich auf die Vergangenheit, aufs Vollendete, Abgeschlossene zeigen.

Diese Entdeckung reizt mich nun unverändert stark schon seit den Jahren, als ich anfing, Kombinationen der Karten im Ständergitter der Läden und Zuhause auf ihre ästhetische Wirkung aufeinander und daher auf ihren kollektiven “Appeal” hin auszuprobieren. Erst als rein instrumental gesehenes  “Optimieren der Verkaufsargumente”, dann sprang die Faszination beim bloßen Anschauen auf mich über und wurde zu einer neuen Sorte Werkgenuß. Ich entdeckte: diese “Einzelkämpfer” können durchaus ein Team werden, das (mal wieder) mehr ist als die Summe der Teile.

(..)

Ich bin durch diese Mischeria nun schon bei der Idee, die besten Trios und Quartette gar einzurahmen, so richtig hinter Glas, mit dafür extra geschnittenen Passepartouts. Damit bekommt man gar Dimensionen hin, die sich an der Wand zu etwas ansehnlich Großem = Bildtypischen entwickeln. Das hier unten wäre 40 x 30 cm:

Jetzt fehlt mir nur noch ein Plätzchen für dieses Laborfeld der Zukunft. Am besten eine größere Wand, die dann wiederum Kombinationen der Kombinationen aufnehmen kann..

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Musik beim Schreiben heute:

Estelle Montenegro: “Waterfalls”, Elektrolux, 2001

Edvard Grieg: “Aus Holbergs Zeit op. 40″ (Nationales Sinfonieorchester Estland / Paavo Järvi

Es geht los – heute! Through The Looking Glass

HEUTE  geht “die Brille” unters erkundende Volk:

grad entdeckt auf techcrunch.com. Ich markiere das Datum mit dem Einkleben (=Posten) dieses “Videos-aus-den-ersten-Tagen”: hier sieht man erst mal/zum ersten Mal .. mit den Augen der Zielgruppe. Das ist was Neues.

youtube-embedding-memorial- Macht mir ein Gefühl wie…ne Nachricht, daß irgendwie ein Faß angestochen wurde, wie zum Beispiel eine neue mega- erfolgsversprechende Getreidemarke für DAS Brot der Zukunft ab sofort überall angepflanzt wird, deren Bio-Effekte auf den Rest der Welt… abgewartet werden.

Oder noch ein zweites, modernes, mobiles, Daten lieferndes Auge: Gedrohne am Brennenden Mann, Clips like that als “Tourist Information Cloud” von morgen. Ein kollektiv-humanes Experiment mit offenem Ausgang/Fortgang wie schon oft in der Geschichte – das Feuer, die Schrift, das Rad, die Metallurgie, der Verbrennungsmotor, die Glühbirne, der Telegraph, die Rechenmaschine.. diesmal sind WIR dabei!

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Und dann vorfühlen der Zukunft (sie ist da) und virtuell fliegen, mit Mathe: Parameter festlegen, Flugroute bestimmen und den Automandelbrotpilot auf “AN”:

youtube # bO9ugnn8DbE youtube# S530Vwa33G0

Na, welche Gefühle mischen sich da alla quadro bei Euch??

PS.: Grandiose englisch sprachige Webseite Buchbesprechung von Benoit B. Mandelbrots: “The Fractalist: Memoir of a Scientific Maverick” auf nybooks.com

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Musik beim Schreiben heute:

Wow – ALLE obigen Clips mit brauchbarer Musik – Chapeau!

Siouxsie & The Banshees: “Through The Looking Glass”, Polydor, 1987

Der Ölschinken als Mobile


Wie man auf diese Idee kommt… nun, ich habe keinen Schimmer. Mir am ehesten plausibel wäre ein überlanger stupendierend-begeisternder Besuch in einem Museum oder ein Irritations-Effekt der Halsmuskulatur beim zu-lange-an-die-Decke-einer-berühmten-italienischen-Kapelle-starren. Oder, Profan-Version: eine ungesund lang geratene Tripel-Nacht mit Avatar, King Kong und den Hobbits und dem Echo des Unbewußten am Morgen Nachmittag danach, die in einen Schöpfer-neuer-Welten-Willen, leider ohne vorgelebtes Budget mutiert ;-) Und dann die Wochen am Bildschirm…

Das bewegende Werk=Ergebnis kommt mir vor wie der erfolgreiche (wenn auch etwas antiquiert anmutende) Versuch, vom Kunstmaler- ins Animationsgewerbe überzuwechseln. Aber solch beauty klassisch gehängt überm ultramodernen Bett? Scary! Paranormal!

Fazit:
Grenzüberschreitung an bislang unbeobachteter Stelle jedenfalls. Und irgendwie schon anregend, “thought-provoking”, oder?

50 Fotografenaugen auf die Türkei.

A propos der Neu-Entdeckung von Harry Gruyeart im Photonews Blogbuch, meiner Begeisterung für die Istanbul- Bilder von Alex Webb & die Farbrauschfotos von Constantine Manos. PLUS das eben gefundene, bezeichnende Zitat im Photonews- “über uns“:

(..) Künstlerisch tätige Fotografen, Fotojournalisten, Werbe- und Modefotografen leben häufig in geschlossenen Zirkeln und finden daher kaum Zugang zu den Fotografien anders arbeitender Kollegen. Mit PHOTONEWS versuchen wir verschiedene Bereiche miteinander zu verbinden und die jeweiligen Arbeitsansätze möglichst plausibel zu beschreiben.

…fand ich gerade als alles vereinendes Projekt das timeinturkey.org:

 

Die Zeiten von “Laß es wie ein Unfall aussehen” sind vorbei. Heute heißt es: “Laß es nicht zu werblich aussehen”

Nein, nein, ich bewerbe mich mit dieser Weihnachtswarteschlange von Titel NICHT für irgendeinen crazy creative writing award. Fand ihn nur in seiner Ideenkombination gut. Und außerdem: er verbraucht ja kein Papier, nur Scrollenergie ;-)

Anlaß dazu ist ein ähnlich lautender Satz in der RNZ zum “ersten Mannheim Magazin” in der Süddeutschen Zeitung vom vorvorigen Wochenende. Das kann man im Verpassensfall stapelweise auch im Welcome-Center abholen. Oder einfach(?) auf  scrib.com (San Francisco, USA) gehen. Um da als Einheimischer über das Nächstliegende zu erfahren. Geht aber auch auf der Seite der sacht inserierenden (!) m:con ohne re-importierte Werbebanner ringsum.

Und da ist sie auch schon wieder, la Krux: was heutzutage als Text/Bild überall frei rumliegt, MUSS Werbung sein. Wie diese Mitnahme-Postkarten in Kneipen. Oder die Institution der Flyer-Ablage, allerorts in der Stadt, in allen frequentierten Läden, auf jeder werblichen Fensterbank. Und online-in-Gänze – noch eindeutiger!

Nicht, daß ich gegen angemessene Verbreitung, heute “Reichweite” genannt, wäre. Es geht nur um die bedenkenswerte Tatsache, daß etwas, daß nach Ad riecht von uns (damit arg verwöhnten Industrielandbewohnern) sofort in den zerebralen SPAM-Ordner verschoben , d.h. ausgeblendet zu werden droht. Denn, wenn wir auch nichts wissen – das wissen wir: da soll uns schon wieder another Handel schmackhaft gemacht werden.

Also ist im hier wohl vorliegenden Fall der nicht ganz so versteckte Plan, eine Stadt als “Produkt” anzupreisen, als desiderablen Lebensraum zu präsentieren, schon mit einiger Vorsicht anzugehen. Auch (und vielleicht vor allem) auf der Seite der damit flächendeckend Beworbenen.

Ist ja auch probat, denn: wie viele sind heutzutage ob Freizügigkeit und stetig zu optimierender Lebensgestaltung-in-progress ja immer auf der Suche nach etwas Besserem (als das Vorhandene, bislang Erreichte). Nach etwas zum Ins-persönliche-Leben-integrieren, das sich auch Jahre nach “Akqisitionszeitpunkt” BITTE NICHT als kaltes Produkt, den Erwerb als Bauernfang und einen selbst als Opfer-einer-Masche entpuppen möchte.

Solcherart Entdeckung nämlich beeinträchtigen das Selbstbild als selbstgesteuertes Individuum. Mächtig beträchtlich. Die Werbeindustrie sieht das nicht nur auch genau so, miterfindet zur advanced Verdunkelung dieses Umstands quasi & da technisch möglich geworden das social networking, kämpft nichtsdestotrotzdem dennoch weiterhin endlos mit genau diesem Umstand. Wie David gegen Goliath. Sysiphos mit seinem Stein. Bloß: das Problem ist nicht abgeschafft, nur verfeinert. Bis in die hintersten psychologischen Winkel unserer Hirne.

Aber es geht auch umgekehrt: etwas, das aus reiner Schöpferfreude entstanden sein sollte ist, als kaltblütig geplantes Produzieren im Hinblick auf die Absetzbarkeit darzustellen. Zum Beispiel Musik. Auf die folgenden, diesen Artikel triggernden, entblößenden beiden Sätze in Musikerinterviews respektive in CD-Besprechungen stieß ich in der aktuellen Intro und faßte sofort den Plan, sie hier als Stein-des-Bloggeranstoßes unterzubringen:

“Wie wichtig empfindest Du selbst Social Media? Du wirkst sehr nahbar auf Deinen  Accounts- das machst Du doch selbst, oder managt das jemand für Dich?”

“Keine Frage, die Band hat ihre Hausaufgaben gemacht, die letzten zehn Jahre Musikgeschichte als Kursthema gewählt, und als Facharbeit präsentieren die vier Hamburger ihr neues Album..”

Hier nämlich wird genau diese kalte Berechnung mal den Künstlern unterstellt.  So zum Runterputzen und/oder Provozieren benutzt. Auch mal nett, die Welt der Kunst (Musik, Literatur) erfrischend vorsätzlich destruktiv unter diesem Blickwinkel zu sehen, der uns anderswo nimmermüde nahegerückt wird: dem der permanenten “Placierung” von Verkaufsangeboten, dem ausgebufften Planen-und-Erfüllenwollen der geahnten oder gemachten Konsumentenwünsche, der Nutzbarmachung von Trends, der Aufforstung von frisch/mühsam detektierten Nischen.

..aber, so ist mein Gedanke mittlerweile, vielleicht hat das mit den musizierenden Betroffenen ja wenig zu tun, ist eher DAS Symptom einer Berufskrankheit (oder Versuch einer Eigentherapie?) der Journaille in diesen Tagen..

..also mal wieder willkommener Finger in die ewig schwärende moderne Wunde – danke, Intro #221! Für mich trotz(/wegen?) ausschließlicher Werbefinanzierung das deutschsprachige Musik- und Kulturmagazin, das beide Antipoden (Kunst vs./als/trotz Kommerz) komplett stylisch und gegenwärtig zu einen vermag – Gegenwart 2.0. Für mich als (sprach-)interessierter Blogger eine wunderbare Anregungswundervuvuzela. Und die massig Banner verschiebe ich in meinen zerebralen.. siehe oben..

Das frisch Entdeckte hilft uns Lesern also, darüber zu sinnen, wie wir denn nun zu dieser Sache stehen. Also frage ich Euch:

Läuft das jetzt unter Kulturkritik oder unter Produktbesprechung?

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Musik beim Schreiben heute:

Faith No More: “Album Of The Year”, Slash Records, 1997

Fleetwood Mac: “Rumours”, Warner, 1977

Groove Armada: “Late Night Tales”, Coolpool Ltd., 2008

Prefab Sprout: “A Life Of Surprises”,  Columbia, 1992