Archiv für den Monat: Februar 2014

Das unsichtbare Dritte

Ich weiß, das gehört sich (bislang) nicht als Postkartenfotograf:
Karten einer Stadt zu produzieren, deren Motive nur (oder nicht mal) Ortskundigen bekannt sein dürften. Und unverschämterweise daraus auch noch ein Ratespiel machen. Eigentlich ne leichte Zumutung, die krass den Zweck solcher Druckerzeugnisse unterläuft, denn: Postkarten sollten im klassischen Sinne doch brav als Ansichtskarten gehen, eigentlich zur Erhellung und Aufklärung gedacht sein. Oder als Souvenir, als “Erinnerungsgehilfe” im Wortsinn. Oder (neid;-)bildend wirken.

Aber: ist das in den nun für immer angebrochenen Internetzeiten immer noch so, wo man selbst unterwegs online ist und von jedem x-beliebigen halbwegs erschlossenen Ort mit einem Fingerwisch Fotos sichtbar werden lassen kann?

In Zeiten, in denen selbst das gerade jetzt selbstgeschossene Foto eines Ortes schon per Suchmaschine oder Internetdienst mit Daten kommentierend ergänzt werden kann? Dazu noch just, wenn man selbst (noch) davorsteht?

Was die klassische Ansichtskarte bislang nicht kann, gar nicht wußte oder sollte: als Komplementär zum Internet Stellung beziehen, das als ständiger Begleiter überflüssig macht, mit einer old-schooligen Karte-nach-hause Bekanntes zu zeigen – das erledigt das Netz mit seinem easy Infofluß und der Verfügbarkeit beliebiger Grob- und Feindaten zu allen je eingetippten/erfaßten/hochgeladenen Daten ja viel schneller und umfassender.

Die Zukunft aber, so prophezeie ich jetzt mal, wird immer mehr undigitale Erzeugnisse menschlichen Geistes hervorbringen, die mit Rücksicht auf diese revolutionäre technisch-kulturelle Neuerung geschaffen werden. Diese werden bewußt als Zusatz – oder Gegenstück – zum Informationszeitalter (mit dem Internet als Symbol und Distribut-o-mat) produziert werden – Produkte mit eingebautem unsichtbaren Dritten. Ein Beispiel wären die Aktivitäten der vom Online-Handel bedrängten Einzelhändler, die als Reaktion auf das Unvermögen des Netzes, sinnliche Erlebnisse zu liefern, die über Hören und Sehen hinausgehen, den “Erlebniseinkauf” als Alleinstellungsmerkmal und Vorzug des klassischen Ladengeschäfts phantasievoll stärken.

Was also soll, um auf die Karten zurückzukommen, der – nun leere Sinn – sein, Örtlichkeiten so fotografisch darzustellen, wie es jeder Tourist, der vorbeikommt, a là minute selbst schießen und eben so schnell vermailen kann?? Wozu was kaufen, das ich selber mit ein paar Handgriffen/Gesten selber machen kann?

Ist es da nicht viel spannender und anregender, Ansichten von der Gegend zu liefern, die zu besonderen Lichtbedingungen entstanden sind, und nicht zu jeder beliebigen Tages- und Nachtzeit besichtigt werden können? (siehe oben. Da werden nur die Mannheimer des Sommers 2013 bemerken, daß man zu diesem Bild ein Jahrhunderthochwasser “braucht” – der Mast steht eigentlich auf der Wiese hinter der Uferpromenade..)

Dann lieber anregend Neues, Ungesehenes, kaum Wiederholbares erstreben. Als Kommentar und Quasi-Erweiterung (Add-On) zu den vereinigten geposteten Handybildern auf den pinterest- oder Instagram-Accounts der Zukunft.

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Musik beim Schreiben heute:

Estelle Montenegro: “Waterfalls”, Elektrolux, 2001

Barbara Thompson: “Heavenly Bodies”, Verabra Records, 1986

Lee Ritenour: “Wes Bound”, GRP, 1993

Die Ortskundigkeit im Test – das Frühjahrsgewinnspiel

Der Frühling steht vor der Tür, der Winter war gar nicht zu Besuch, also reichlich Platz für Neues. In diese erwartungvolle Leere starte ich mit.. Eintreffenlassen. Und zwar dem der drei (!) neuen Postkarten- yeah! Diese und die letzte benötigt man auch sogleich fürs erste Gewinnspiel des Jahres. Das kann – Entwarnung ;-) – dieses Mal ohne kriminelle Gehirnverrenkungen bewältigt werden. Einfach nur Ortskenntnis Mannheim ist gefragt: sechs mal Architektur, zwei mal Skulptur. Das macht dann: acht Begriffe von Bauwerken der bildenden oder funktionellen Art.

Sie alle sind auf diesen 4 neuen Karten des Jahres 2014 versammelt, nehmen zum Teil den gesamten Bildraum ein, zum Teil sind sie eher der Sahneklecks (oder Erkennungsmerkmal für eine Mannheim-Motiv) irgendwo.

Zur Erläuterung: da auf manchen Bildern nur Teile des Ganzen sichtbar sind, gilt hier: der Name des Gebäudes/Gebildes ist gefragt (die haben alle einen, nicht nur ne Postadresse). Bitte benutzt zur Nennung die Zahlen auf der Übersicht. Bei Nummer 3 gilt derselbe Name für beide Umrisse a) & b), da es Neu- und “Alt”bau derselben Mannheimer Institution sind.

Zu gewinnen gibts diesmal die vesammelte Postkarten-Power, die ich in den letzten sieben Jahren erarbeitet habe:

  • 1. Preis: das Gesamtpaket. 47 Karten. Auch die 2 vergriffenen (!)
  • 2. – 10. Preis: je ein 25er Paket nach Wahl.
  • 11. – 20. Preis: je ein 10er Set, ebenfalls nach Wahl.

Einsendeschluß ist der 21. April, das ist Ostermontag. Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen. Mailt an gewinnspiel at mannheim-auf-postkarten.de  Unter allen bis dahin eingegangenen richtigen Nennungen wird das Los entscheiden.

Für alle, die Ex-Mannheimern mit “Ortskundigkeit” eine Freude bereiten wollen, hab ich mir ein Sonderangebot-mit-Teilnahmemöglichkeit (die corpi delicti direkt zuhaus am Küchentisch) ausgedacht:

Für 15 Euro incl. Porto in Deutschland verschicke ich je vier Exemplare des “Rätselquartetts“, also 16 Karten. Die kann man dann im Briefumschlach an die Weggezogenen weiterleiten. Oder ich auf Wunsch direkt an diese adressieren: eine kleine Überraschung zwischendurch, Frühlingshallo und ein lieber quadratischer(=2×2) Mannheim-Gruß mit “GewinnPotential” .. Die Bestellung dazu erfolgt wie gehabt. Dieses Angebot gilt bis zum 31. März.

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Musik beim Schreiben heute:

Police: “Ghost In The Machine”, A&M Records, 1981

Llorca: “Newcomer”, F Communications, 2001

St. Germain: “Boulevard“, F Communications., 2003

Seeed: “New Dubby Conquerors”, Warner, 2001

Die Vermessung der Welt 2.0 ist da

20. Februar 2014. Die Zeiten weichgekochter Autobahnen, die sich wie Bandnudeln über die Landschaft legen sind ab heute vorbei: Dank Googles stetig voranschreitender Erfassung (der Daten) der Welt befindet man sich ab sofort in einer der 3D Games-welt ähnlicher gewordenen “Umgebung” beim Surfen auf Google Earth: die Polygonnetze haben nun im Detail Einzug gehalten. Jetzt kann man die Blickrichtung nicht nur mit den vier Winden drehen, sondern bei größeren Bauwerken auch die senkrechten Wände hinabblicken. Oder Bäume sich beim Bildaufbau aus der Zweidimensionalität schälen sehen:

Ganz frappant ist dieser neue Darstellungseffekt in der Großauflösung. “Drohnt” doch einfach mal um eine größeres Euch bekanntes Bauwerk herum oder testet so lokal Bekanntes wie den Mannheimer Block9 oder noch Bekannteres ;-)   wie den Pariser Tour d´Eiffel.
Weiterführender Link: www.maps.google.com Hammer. Eine neue Zeit!

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Nein, nein – kein wüster Hacker hat mir mit Malware die heutige Überschrift in Datenmatsch verwandelt. Das ist “einfach nur” die Chiffre, wenn man Sonderzeichen in html Code speichert.

Man bemerkt bei solchen Gelegenheiten, daß es da noch eine “andere” Welt gibt. Hinter den Zeichen. Oder, anders, besser gesagt: durch die Zeichen (bedingt). Ihr braucht das ja nur mal zu googeln…

Ein anderes Beispiel für dieses Mensch-versus-Maschine Phänomen ist der Hex-Code. Da ja alles, womit Computer etwas anfangen können, binär codiert ist, das heißt nur aus Einsen und Nullen besteht, deren Bedeutung durch “Absprachen” geregelt wird, kann man sich diese Datenmenge auch einfach als Null-Eins-Abfolge anzeigen lassen. Und dann in anderen Unterteilungen ändern. Gern genommen beim Rückwärts-enschinnieren. Wie nen literarischen Text, den man einfach in Wörter mit immer vier Zeichen verwandelt. Da gerät das Lesen vom Blatt schnell etwas erschwert. zum Beispiel:

Einm Irge Läuf Iges Beis Piel Istd Aser Setz Envo Ndat Ei-e Ndun Gen, Wodu Rche Inur Sprü Ngli Chal …s mp3-Datei erzeugtes file als Bilddatei .jpg interpretiert wird. Oder ein mit einem Hex-Code “derangiertes” Bild, das dadurch etwas Verzerrtes bekommt: fand ich letzten Herbst doch ein schönes Beispiel mit einem Strickmaschinenhack. Dadurch erhält man… nun, etwas Neues am Pullover..

Und, wer mit dem ganzen Sonderzeichen/Code/Interpreterkram nix zu tun haben will, der sagt einfach nur zum Kellner:

“Isch nämm donn des Zewa Pizzi vunn de Tageskadd!”

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Musik beim Schreiben heute:

The Wings: “London Town”, Parlophone, 1978

Aliens Have Landed. Rusty Ones.

Es müssen diese besonderen ersten Wochen des Neuen Jahres sein. Tage, in denen ich, nach dem ganzen überverwirklichten Dienstleistungsgedanken des Weihnachtsgeschäfts für etwas anderes empfänglich, ja, geradezu gierig bin:

auf was Neues, einen neuen Plan, eine neue Inspiration, ein neues Experiment, sprich: Tage des striktly egozentrierten Fulfillment-Center ;-) Und dann noch diese Wintermilde!! Letztes Jahr – gleiche Situation – zu dieser Zeit gabs ja den “Chinaimbiß”, das “Huhn”, die “Rankhilfe”, den “Badmintonschläger” als meine -auch im Anschnitt- schrägste Karte bislang:

 

Nun spült mein AgendaNerv diese untige Aufnahme vom Mai vor sieben Jahren aus den Winkeln meines Gedächtnisses hervor, die ich unbedingt zu einer Postkarte von Mannheim geronnen sehen will – nach sieben Jahren Angucken/Wiedersehen ist dieser Platz immer noch für sie reserviert ..

 

 

 

Aliens have landed. Das fiel mir als Titel für den Druckauftrag der heute frisch eingetroffenen Postkarte ein- man muß bei “meiner” Druckerei die Aufträge schön griffig benennen – ein schöner Zug, der a) Ordnung gebiert und überdies das Kreative Schreiben herausfördert.

Eine englische Überschrift, weil angesichts des Rostigen auf der grünen Wiese alles mit dem Gedanken an diese “universell einsetzbaren Wesen” aus Science Fiction Welten begann. Und Aliens ja auch in Deutschland so genannt werden. Außerdem: weil es im Englischen dieses schöne “Einige Welche” (= the ones) gibt. Auf deutsch eine ähnliche Stimmung zu erzeugen, nun.. Vielleicht ein mutiges, freigedachtes “Außerirdische sind gelandet. Rostige Außerirdische”- mmh. Ginge zwar irgendwie. Auf eine mir aber zu ungelenke Art. Mir möchte heute das Potential des Englischen zur Lakonik mehr liegen. Wozu ist man schließlich amerikanisiert? ;-)

Auch nur ein Wort in der Überschrift mit mehr als zwei Silben – Leude, das ist mir heute zu viel, äächt! Und: wozu schaff ich mir denn Bücher aus der Henri Nannen Schule an?!

Warum mir ausgerechnet dieses Bild nach fast sieben (!) Jahren anschauen und jetzt endlich als Karte haben wollen so gefällt, obwohl es doch eher unspektakülär ist.. ich versuchs mal, dieses zu beschreiben:

Erstens die Bildaufteilung. Die machts (für mich): als längliche Rechteckfläche besteht das Bild aus zwei Quadraten, die eine Teilfläche zwischen sich haben. Die exakte linke Bildfläche ist, schön schräg durch den Bildmittelpunkt drehend geschnitten: scharfgestellte metallne Rostfläche, reine Struktur. Mit einer vierfachen, deutlich handgefertigten, dazu noch leicht unorthogonal verlaufenden Schweißnaht. An Verlauf und Konsistenz klar als untechnische Naht zu identifizieren. Und darüber grob mit Pinsel (?) aufgetragener Strich  – vielleicht ein Teil eines Schriftzuges, einer Markierung?

Die andere Hälfte ist unscharf gestelltes Mannheim. Drei unterschiedliche geometrische Gebäudegebilde in hellem Blaugrau in einem beliebig anmutenden Grün- Arrangement aus leicht fransliger Wiese, Baumflocken und einem hellbeigen wahrscheinlich Kiesweg.

Man erkennt die dunklen Spuren vereinzelter, schon verlaufender Regentropfen auf der Metallfläche. Das Wetter (rechts): bedeckter Himmel, die Farben: frisch & frühlingshell. Die Unschärfe des Hintergrunds und die “handgefertigte” Rätselhaftigkeit des Vordergrunds wirken aufeinander, erzeugen den Eindruck eines rätselhaften Bezugs zueinander. Was ist das rostige linke? Wozu gehört es? Wie groß ist es? Was sind das für Pyramidenstumpf, Kubus und Freiform da hinten? Sie wirken total homogen in Bauweise und Material, bilden einen merkwürdsig cleanen Gegensatz zum Alien..

Die Stimmung des Bildes für mich von einer Helle der völlig homogenen Art. Neutral mit einem Tick ins Freundliche, Heitere..

Bin schon seehr gespannt auf die Reaktionen in den nächsten Tagen…

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Musik beim bildbetrachtenden Schreiben heute:

Steely Dan: “Gaucho” MCA, 1980

Donald Fagen: “Sunken Condos”, Reprise, 2012

Saint Etienne: “Tiger Bay”, SONY, 1996

PS.: Als Anhang hier nochmal zum Nachblinzeln das dazu verwendete Startbild meiner mannheim-auf-postkarten.de Seite:

G.T.E. oder: the designer´s world in a nutshell

Ich liebe Tutorials! Vor allem wortkarge “Einführungsvideos”, die im Schnelldurchlauf eine mächtige Ahnung von der Menge Arbeit, den notwendigen vielen Schritten und vor allem des notwendigen Know How rüberbringen.
Der Pfad heute: a) im Radio b) Denis Akkordeon spielen hören. Wow- die Goldberg Variationen. c) auf seiner Seite gucken. d) Thomas Sali als deren “Erbauer” kennenlernen. Auf dessen Seite wiederum d): “die Walnuß”.

Untertitel: Geometry Tracking Experiment, 2013: guckt mal!walnussScan

PS.: das ;-) Buch zum Titel: The World In A Nutshell – drei Klicks weiter auf spiegel.de der erstaunliche Satz: “Seine Berechnungen ergaben, dass Schwarze Löcher keineswegs unveränderliche Grabmäler sind, sondern irgendwann verdampfen (Hawking-Strahlung)”

Weiterführendes: http://de.wikipedia.org/wiki/Matchmoving
Interessantes: http://de.wikipedia.org/wiki/Track_(GPS)

180.. 30.. 16.. goes der Runterdampfer

Die monatlich fälligen neuen Krimicovers inspirieren mich stets aufs neu. Ich dehne die Reichweite der Inspiration auf “größer”, indem ich -als Herausforderung- den modus operandi vorgebe. Nicht nur unter einem bestimmten Tenor sollen die Covers erscheinen (Schnee im Dezember zum Beispiel) oder zeitliche Vorgaben (h.e.u.t.e. abend noch alle fertig kriegen) als call to creative arms – für diesmal ist mir noch eine dritte Art eingefallen:

Ich nehme mir als Vorgabe ein bestimmtes Kontingent Bilder. Am besten natürlich unbekannte neue, wobei das Wiedersehen mit alten auch seine Reize hat. Im Februarfall komme ich gerade mit fünf entwickelten Filmrollen à 36 aus dem Labor zurück. Gleiches Motiv & Datum der Aufnahmen:

3. Juno 2013, Mannheim. Das Jahrhunderthochwasser am Höchststand: 8,37 Meter. Fast drei Meter über kritischer Obergrenze Normalbetrieb.

Nein, nein: das Bild oben wirkt auch im “Naturzustand” leicht hypnotisch mit dieser Baumspiegelung in der Flucht.. Aber diese Version finde ich sehens-/zeigenswert. Trotz digital erzeugten Solarisationseffekt kann man schon sehen, was uns da farblich erwartet: Schlammbraun most of the time.

Dabei fällt mir heute, nach über einem halben Jahr wieder auf, daß das Fotografieren eines Hochwassers gar nicht so einfach ist. Am besten Sachen bis zum Hals im Wasser, die sonst in ganz erkennbar und bekannt sind. Da Mannheim sehr gut eingedämmt ist, verlief hier das Ganze glimpflich: mehr als Staus der sonntäglichen Hochwassertouristen war nicht zu vermelden.

Heute zeige ich Euch diese Zwischenschritte zum Ziel. Auch diese bergen Überraschungen: nicht immer nur das fertige Ergebnis präsentieren, sondern den Weg darlegen, die Auswahl und Vorgehensweise darstellen kann zu ebenso fruchtbaren Andersartigkeiten, zum Beispiel im nächsten Schritt oder beim nächsten Mal führen.

Sehr gut= erleichternd für den LayOuter ist erstmal die großzügig zur Verfügung stehende Gestalterfläche = Wasserspiegel. Da müssen die Buchstaben nicht so um Aufmerksamkeit ringend eingebaut werden. Hier habe ich Euch mal die “Ernte” des Nachmittages hierher geklebt:reingretchen-hochwasserkit2
Schlammbraun, fast durchweg. Ansonsten: seeehr viel Leere und etwas anfängliche Ratlosigkeit: DAS sollen knackige Buchcover werden? Fußnasse Geländer und aus dem Wasser ragende Flora? Erstmal ja, denn:  so gehts eigentlich immer los: mit einem gewissen Instinkt die Fotos erst durchblättern, großziehen. Dann “Verdächtige” ins Buchrechteck rein. Hin- und her schieben. Titel und Autorenname imaginieren, bis ein durch die Buchstaben, die ja noch fehlen, vollständiger Eindruck entsteht. Entstehen könnte. Wichtigste Regel: no harm der Inspiration. Ansonsten ist alles erlaubt.

Weiter also: die leeren Wasserflächen können bei der titelvergabe dankbare Symbole sein: es sind ja oft die Details, am Rande oder im leer wirkenden Ganzen, die die Hinweise zur Aufklärung (oder Buchidee) geben können ;-) Und – mittlerweile kann ich mich da fast schon drauf verlassen – Ideen gesellen sich zu einst übersehenen/aussortierten Bildern. Und bringen diese Fotos justameng zurück ins Spiel. (Oh- ein neuer Nachname ;-)

reingretchen-hochwasserauswahl

So. zwei Tage später mit freiem Kopf: aus den Schnellschüssen vom Wochenende wird ausgesucht. Wie man sieht. Rot: geht gar nicht/taugt nix. Und nur sieben grüne Kringel: die inspirieren mich; wirken wie Bilderrätsel, die Lust machen, sich dazu passende (Titel)Verbrechen ;-)   auszudenken:reingretchen-hochwasser7-18

Überschwemmte Graffiti, d.h. Sprayer bis zum Hals/an den Kragen gibts selten.. Palmen mit den “Füßen” im Wasser ebenso. Durchgestrichene Schwäne auf Schokosoße. Drei unnütze/verpaßbare Sitzgelegenheiten, Handläufe über dem Wasser, eine schräge braune Soße durchs Grün der Stadt als erste Assoziationen. Dann diese “leerste” Fläche links unten find ich durch den verhangenen, Smog suggerierenden Himmel am spannendsten: daß diese helle Fläche unten Wasser ist- und dadurch alles hochwassermäßig definiert- muß der Titel erledigen… Hier wirkt Mannheim auf mich sehr exotisch mit dieser Dschungelflora direkt aus der “Fläche des Stromes”, könnte also gut Cover des Monats werden. Wenn der Titel perfekt paßt. Den gibts noch nicht, aber..

Sieben Kandidaten zur Anregung, aber: es fehlen noch neun weitere Covers. Tja.

Da muß ich wohl noch die nächste Hochwasserserie, zwei Tage später aufgenommen, dazunehmen:reingretchen-hochwasser11-1

Hochwasser in “schön”. Und weitere Facetten im schrägen Abendgegenlicht. Nun gehts ans gemächliche Wieder-Anschauen. Und Ideen kommen lassen..

Bis die soweit sind – ein neues Experiment (!), lad ich die “Neuen” mal in den Katalog hoch.

Endgültige “Rechnung”:
180 + 144 (Rohbilder)… 30 + 11 (Vorauswahl)…   16 (reingretchen Neuheiten Februar)

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Musik beim Schreiben heute:

Genesis: “Genesis“, Gelring Ltd., 1983

The Sushi Club: “Sushidelic”, ELEKTROLUX, 1999

Boozoo Bajou: “Satta”, Stereo Deluxe, 2001

Boozoo Bajou: “Grains”, !K7, 2009

Blick in die künftige Werkstatt, ins künftige Leben


Dieses merkwürdige Bild hab ich gestern aus meinem Archiv gekramt und als neues Titelbild zurechtgezupft. Im “Original” ist es genau 24 x 36mm groß, denn es befindet sich auf einem Kontaktabzug des frisch angebrochnen Jahres 1995. Heute, am Tag danach (keinen Moment früher mal wieder), fällt mir die frappante Ähnlichkeit dieses “OutDoorBelags im Gegenlicht” mit einem Teigbatzen auf. Kein Wunder – ist ja auch stark erodierter GipfelBeton.. Durch das Hochscannen der “Briefmarke” mit 1200 dpi fügten sich noch diverse Scanfeheler wie Fusseln mit ins Bild, ein paar Flecken auf dem Bogen wurden dadurch auch ins Leben gerufen- ich mag dieses perfektionsferne Stummfilmknistern in den Bildern ;-)

Also mal wieder ein file_under: abseitiges Bild, das man im Zeitalter der Machbarkeit schnell nicht so recht glauben kann/mag, beziehungsweise schnell Vorbehalte aufkeimen können. Ein kulturelles Phänomen erster Güte das, dessen Nachwirkungen auf die Fotografie und ihre Rezeption man nicht überschätzen kann, finde ich. Ich frage mich, ob ich mich als Fotografierender ab nun für immer mit diesen Einwänden rumschlagen will..

“Die Malerei ist gegenüber der Fotografie im Vorteil”

- soweit bin ich mit meiner Erkenntnis, die eigentlich die David Hockneys ist, nun schon gediehen. Warum das denn? Nun,

“Fotografie (ist nicht) nicht der Anfang von einer neuen Sehweise (..), sondern das Ende einer alten. Die Fotografie war nichts anderes als das ultimative Renaissance-Bild. Es ist die mechanische Formulierung der Perspektive-Theorien der Renaissance.”

Wow, so hatte ich das noch nie betrachtet. Aber dann lese ich im besagten Interview von optischen Seh-und Darstellungshilfen, die es schon den Malern des sechzehnten (!) Jahrhunderts ermöglicht haben sollen, die Zentralperspektive mit eben diesen Mitteln zu verwirklichen..

Wim Wenders drückt eine “benachbarte” Erkenntnis der Obsolenz, nämlich die zum Verlust der Wahrhaftigkeit der Fotografie in einem Frankfurter Rundschau-Interview, das man noch auf seenby.com nachlesen kann, so aus:

“Nun leben wir in diese neue Zeit hinein, wo das Original nicht mehr da ist, die Herkunft nicht mehr überprüft werden kann und man damit machen kann, was man will. (..) Auch die Festplatte ist nicht sicher, alles verfliegt. Die Kontaktbögen meiner ersten Kamera, die ich als Sechsjähriger hatte, kann ich noch angucken. Da war ich 1951 im Zoo und habe die Giraffe fotografiert. Das ist nachprüfbar.”

Mit diesen Gedanken im (Hinter)kopf bin ich mehr als gespannt darauf, was dieser nahende Beginn meiner Malerei wohl für mich werden wird, durch welches Tor der Erkenntnis ich da wohl schreiten werde… Nicht nur stelle ich mir fasziniert vor, in welche stilistische Richtung mich die Bildgestaltung mit Pinsel, Spachtel, Leinwand oder Holzunterlage führen wird, auch alle angrenzenden Erfahrungsfelder locken mich da.

Als “Einstiegsgefühl” zeichnet sich jetzt schon ab, daß ich mehr als bei der Fotografie dem Experiment und vor allem der Bandbreite dieses Genres aufgeschlossen bin. Das hab ich beim Knipsen ja eher nach dem Treibholzprinzip betrieben: ausschließlich, was an Ideen/Equipment/Lokationen/Motiven angeschwemmt kommt, wird irgendwie, natürlich möglichst anregend, verwendet. Hier unten z.B. die Maße der in der Werkstatt vorhandenen Keilrahmenhölzer beim Einrahmer meines Vertrauens ;-)

Darüberhinaus bin ich gespannt auf: werden Figuren entstehen, Stilleben, Details oder Grobes, Abstraktes, Flächen, Farbübergänge, Kulissenhaftes, Narratives oder rein Emotionales=Farbkompositionen??

Wird der Malvorgang als solcher mein Hauptinteresse binden, der Prozeß der Gestaltung, des Farbauftragens im Wechsel mit Betrachtung als solcher spannender sein als das “Ergebnis”: die zurückgelassene Fläche in dem Moment, in dem ich beschließe, sie als completed zu taggen?

Ebenso gespannt bin ich auf die Auswirkung meiner fotografischen Erfahrung von über 30 Jahren- wie wird sich diese in die Bildbeurteilung, in die Auswahl der Motive, so es in dieser Reihenfolge vorangehen sollte, vonstatten gehen?

Eine kleine Auswahl  von einem Dutzend an selbstgemachten Fotos steht schon als Starthilfe bereit – Anregungsvitamine quasi. Bei ihrem Anblick verspüre ich einen konstanten Ruf der Herausforderung. Das hat auch mit einem weiteren Hockneyschen Statement in besagtem Interview zu tun:

Weil wir auf die Wirklichkeit nur noch mit Kamera, Digitalkamera und Handykamera schauen, fangen wir an, wie eine Kamera zu schauen. Wir sehen nur noch Bilder, die aussehen, wie die Bilder, die wir von diesen Fotografien kennen. Mit diesen Lichteffekten, diesen Schatten, diesen Eigentümlichkeiten. Ich glaube, wir müssen neu lernen zu schauen, zu sehen, wie die Wirklichkeit ist.

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Musik beim Schreiben heute:

The Quiet Boys: “Can´t Hold The Vibe”, ACID JAZZ, 1992

Frank Sinatra: “Come Fly With Me”, Capitol 1964

Triumvirat: “A la carte”,  EMI Electrola, 1978