Archiv für den Monat: November 2013

Alle sammeln mit

Frisch gefunden dank Mannheim in alten Bildern des Herrn Bönisch c/o Ueberbit:
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Für mich als “Postkartograf” / Blogger ein hochinteressanter Einblick in historische Werbetext/filmgestaltung. Und die Bilder dazu – großartig! – gerade im Direktvergleich zu den heutigen Anstrengungen..

“Nachschneiden” am Tag drauf: Nicht nur bloßes Retrofreuen und sich ob der Siebziger zu einem milden Lächeln Hinreissenlassen: ich schau und hör mal genauer.

Gleich nach 16 Sekunden der hochaufschlußbietende Blick vom Flugzeug auf die damals noch “leere” Grünfläche vor/hinter der Kunsthalle- so könnte 2014 das Bauloch des Neubaus Umriss finden. Nur maximaler halt, nur wenige Zentimeter bis zum Rand des Trottoirs..

Dann baut sich das Logo der Gartenschau schlüssig aus dem Quadratestadtgrundriß plus Schloß auf- aha- wär ich nie draufgekommen, nen Baum mit den Quadraten in Verbindung zu bringen und daraus wachsen zu lassen. Aber jetzt, doch..jaa.

Köstlich der Kontrast: der Herr Oberbürgermeister in all gewichtigem Ernst der BUGA- Verlautbarung vor der Karte mit dem neckischen neuen Wort “Trimm-Dich-Bahn” (dem “Urknall des Fitnesswahns“) ;-)

Dann ein interessanter Blick auf die Modelle der Herzogenriedhalle und der bühnenvariablen Seebühne (wußte ich auch nicht!). Ein Hubschrauberrundflug um den noch drehkanzellosen Fernmeldeturm, mangels Existenz von  Aerobus- Bildmaterial im Abschluß des Films eine exemplarische Schwebebahn- die dann tatsächlich verwirklichte Variante auf hängenden Seilen finde ich weit spektakulärer da filigraner!

Dann auf die Husche hier ein paar Textexzerpte- immer mit dem deutlich modernen Punkt dazwischen:

“Interessant. Aufregend. Pulsierendes Leben.”

“Gemütliche Gastlichkeit. Zivile Preise.”

“Der Fernmeldeturm. Ein weiterer Knüller der Bundesgartenschau.”

“Mehr Lebensqualität im Herzogenried. Freundliches Wohnen im Grünen.”

Naa- wie würde das wohl 2013 in Worte verpackt?

Und dazu die  “zeitgenössische” musikalische Untermalung: fast ein Dutzend typischste Beispiele für die 70er Jahre, alle im funky Easy-Listening Sound. Titel-Musik: Klaus Wunderlich. Ich hab da ne CD im Regal, da steht drauf “Zwei Hände zaubern ein Orchester” ;-)

Weiterer Fund: nochn Rundflug über besagten Friedrichsplatz und gar durch den Rosengarten. Im Jahr 2013 zeitgemäß mit unbemannten rotorbestückten Fliegern:
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zusätzliche Musik beim “Nachschneiden”:

Oliver und die blauen Hunde: “schwebebahn 1975 (EP)”

Fauré: Masques et bergamasques op. 112 (Orpheus Chamber Orchestra)

5x Engelchen flieg, bitte!

Heute geht es um eine Suchanzeige. Und mit ihr um einen Beweis. Beweis dafür, daß mal wieder – wir hatten das schon öfters – eine neue Postkarte mit “unglaubwürdigem” Foto (und keinem Gebastel) geglückt ist.

Diesmal  gar mit – einen Tusch, please! – Mitfotografierten , die nochdollererweise dasselbe Motiv auf ihren Handies/Kameras haben müssten. Denn diese fünf jungen Damen schafften es, trotz Winterkälte sehr agil ein luftiges Bild per Selbstauslöser anzufertigen. Und hier sind sie, in der Luft schwebend:

So deutlich und gutgelaunt schallte ihr Countdown zur Galerie des Wasserturrms herauf, auf der ich mit gezückter Kamera stand, daß ich ihrer Anweisung einfach nur Mitfolge leisten mußte. Und dabei die neue Winterkarte entstand ;-) Da ist es einfach nur anständig, daß die fünf Protagonisten auch davon erfahren. Und die Karte natürlich auch haben*!

Das ist natürlich nicht das ganze Bild- da fehlt ja schließlich noch Mannheim als PostkartenTatmotiv. Bei vergrößerten Ausschnitt und etwas Ortskenntnis unten könnt Ihr den Winter und die Lokation sehr gut erkennen. Da wird auch plausibel, was im Ausschnitt oben nur merkwürdig stimmt: dieses leicht Beige-Rosa-Weisse: aha, Schnee. Frisch gefallen war der über Nacht, und just in diesen Aufnahmeminuten kämpfte sich die späte Vormittagssonne gerade durch die Wolkendecke.

Von solcher Pulvrigkeit war er (dieser Schnee, dieser Morgen), daß er gar kleineste Vorsprünge unterstrich, wie man hier sehr schön an den “nachgemalten” Linien des Carl-Benz-Reliefs hinter dem kleinen schwarzen Kringel sehen kann. Und die Bäume sehen so frisch verzuckert natürlich auch am besten aus. Zusammen mit dem Sandstein, der den Friedrichsplatz gestalterisch und farblich bestimmt, doch ne freundliche Atmosphäre, oder?!

Genaus diese Aussicht trieb mich, eigentlich nur pro forma hinaus, um mal schnell ne Runde um den Turm zu drehen- Schnee am Friedrichsplatz kommt ja nicht allzu häufig vor. In fotogener Darreichungsart noch weniger.

Bedauerlich für viele Mannheimer: die mittleren der “Augustaanlage” gibts ja Weihnachten 2013 nicht mehr, der frisch gesetzte Nachwuchs ergibt im direkten Gegensatz dazu ein eher kümmerliches Bild. Ebenso wenig gibts die parkenden Autos hinterm Denkmal- eher erfreulich für den Postkartenmacher. Und so sieht man nun von diesem meinem Standpunkt, der Galerie des Mannheimer Wasserturms, bis auf Weiteres erst mal tief in die Schneise, die der Umbau schlug.

Auf der neuen Karte trifft somit das Vergangene auf das Symmetrische- ein großes Thema für die Erbauer des Mannheimer Platzes rund um den Wasserturm. Und ich laß mich rumkriegen, es auch mal im Bild zu zeigen ;-)

So, ein dreifacher Tusch der neuen Karte! Historisch, unglaubwürdig und vollsymmetrisch:

*Also: Mädels, meldet Euch! Dann gewinnt Ihr Euer Bild noch packenweise als Postkarte! Ein klitzekleines Hindernis hab ich jedoch noch: ich hätte gern das Datum der Aufnahme. Das erst gewinnt. Also immerhin ein Anflug eines Gewinnspiels ;-) . Schreibt an info ]at[ Soodlepoodle . de . In den Betreff schreibt bitte: “xmal Engelchen flieg”

PS.: diese Neue Karte ist das zweite Motiv der in diesem 2013er-Jahr gestarteten  verflixten siebten Serie, die die “morbide Leuchtkraft” der ersten Version (hier unten) sieben Jahre später endlich ;-) in die Stimmungsbalance bringt:

Die Baustelle als Baustelle

1. November. Der Herbst ist da, die Farben drehen von voll auf Dreck und Grau. Ich schlage das Archiv des laufenden Jahres auf. Und stoße auf Baustellenbilder.
Übergänge, Verdehnungen, Leere, Unfertiges. Genauso wie die Stadt, in der ich lebe: die Umwälzung an jeder Ecke sichtbar, Bauzäune, Umleitungen, Stau, Baumaschinenlärm. All das echot in meinen Fotos. Ich setz mich hin, um die Novembercovers anzugehen. Überfliege die Thumbnails, picke fahrig eins ums andere heraus, schneide Ausschnitte, schiebe und klebe. Irgendwie ohne Achtsamkeit auf die Ästhetik, wie selbst auf einer Baustelle zugange, in einer Art Fließbandmodus. Der gebiert natürlich auch Ergebnisse, nur fühlen die sich im aktuellen Fall November anders als sonst, wie Zwischenlösungen an. Da bemerke ich fasziniert: Krimicovers dürfen das. Sogar sehr gerne. Man ist ja in einem dezidiert experimentellen Gestaltungsmodus beim Reingretchen. Und die Handlungen und Figuren in Krimigeschichten sind schließlich das Gegenteil von Politur.
Auch fällt mir bei der Bildbearbeitung keine Hemmung in den Weg, wenn ich Bilder wie hier oben rechts aus dem aufgenommenen rechten Winkel “biege” in eine Konvexspiegelhaftigkeit: alle Sichtweisen sind erlaubt, das fotografisch bemühte Gestalten heute weggeblendet. Der optische Sinn nur als Mittel zum Wahrnehmen von Hindernissen, um die herum es zu gelangen gilt. Dazu kommt der psychologische Aufnahmemodus: das fotografische “Fixieren” vor Ort als bewußtes Halbfabrikat, Rohmaterialsammlung, beim Auslösen verdeckt von vagen Vorahnungen und dem scharfen Bewußtsein der damit nur halb zurückgelegten Strecke. (..)

Oder ich schaue gezielt weg. Weg vom klassischen Motiv. Auf die Ränder, den Raum um oder hinter Gegenständen, die angrenzende Leere, das ahnungsschwere Seitliche (auch der Fotografie!). Die Betitelung wirds nicht nur richten, sondern überhaupt vervollständigen. So weit bin ich nun schon: die Mission Reingretchen läßt meinen fotografischen Blick schon vorort abirren, (..) Vertrauen schöpfen an und in bislang als unergiebig beurteilten Ecken der Stadt. Plötzlich “gilt” wieder viel mehr, das Potential schwillt.

Oder ich fotografiere Spuren; irgendeine Patina, das die einst aufgeräumte Fläche(n) in ihrer ursprünglich ästhetisch geplanten Klarheit zerstört, aufsplittert, jäh-allmählich mit Details und Spuren der verstrichenen Zeit belebt. Erkenntnis: wie oft nimmt anfänglich Nebensächliches irgendwann eine Hauptrolle ein, verschieben sich die Gewichtungen und man landet in einem Irgendwo, das man vorher weder kannte, noch sich vorstellen wollte. Ein Phänomen, das ebenso perfekt für den Krimi paßt.Dann öffne ich den Ordner #0818: frisch gefallener pudriger Schnee am Friedrichsplatz. Der brachte letzten Januar nicht nur ein neues “Weihnachtspostkartenmotiv”, das demnächst in Druck gehen wird, auch diese ersten drei Winterkrimibilder der laufenden Saison habe ich herausdestillieren können:

Die Bestärkung nach getaner ReingretchenDesignArbeit heute morgen: auch so (fahrig, wegkonzentriert, schnell zusammennagelnd, quick and dirty) läßt sich zu Neuem finden. Voraussetzung: Laune&Muße, das heißt no deadline im Kreuz, genügend Rohmaterial: also weiterhin vorort viel fotografieren und weniger denken im Sinne von fertigen Ergebnissen ist die Essenz dieser Baustellerei. Möglichst immer Serien aufnehmen, wenn man ein lohnendes Motiv entdeckt hat.

“Lohnendes Motiv” hat für mich mittlerweile IMMER mit den Licht- und flüchtigen Wetterverhältnissen zu tun. Mit Flüchtigkeit überhaupt. Frisch gefallener Schnee, der himmlische Übergang von Sonne zu Regen oder zurück, tief/schräg einstrahlendes Herbstlicht, Blätterschattenflirren auf leeren Flächen und so fort.

Zu den Mengen: besser zu viel als zu knausrig (digitale Fotografen bitte anders herum ;-) , als must auch aus den Augenwinkeln entdeckte Details mitnehmen, sich NICHT nur auf eine Motivsorte, ein Thema, die Serie in Arbeit konzentrieren auf der Fototour. Sondern: so leer sein wie irgend möglich, auch leer von Plänen und Entdeckungsmodi. Die mitgebrachte Kamera vergessen, bis man von der Welt “geweckt” wird und in den Fotografiermodus eintritt. So startete auch meine letzte Herbsttour vor einer Woche: erst nach gefühlten vier, fünf Radkilometern klickte es ;-) :

Doch dazu später mehr.

Interessant nun in den nächsten Tagen, die Bilder wie ein Hefeteig erstmal ruhen zu lassen. Schnell Hingeworfenes in den Status eines abgeschlossenen Werkes hinüberziehen zu lassen in den nächsten Tagen. Und es anschließend einer Revision zu unterziehen. Einer sehr kritischen Betrachtung, ob solcherart Erzeugtes meinem Urteil im Übermorgen standhält..

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Musik beim Schreiben heute:

http://szenesprachenwiki.de/words/canvas/

Crazy Otto: “Die beschwipste Drahtkommode” (1953-1960), Bear Family, 2000

Etienne De Crecy: “Tempovision” Disques Solid, 2000