Archiv für den Monat: Oktober 2013

Der für immer autofreie Werktag

Mein Erstaunen ist mal wieder unüberlegt. Wie so oft, wenn ich auf etwas mir Neues stoße und nach kurzem Nachdenken zum Schluß komme: “Na klar, daß es jetzt sowas gibt. Ist ja irgendwie nur logisch: die technische Entwicklung und die wirtschaftlichen Belange machens möglich, und bei näher gerückter Betrachtung kommt mir dann genau das wie der nächste logische Schritt vor, was mich zuerst erstaunt hat.

Schlagzeile heute: 50 Fotografen arbeiten für eine Bildagentur für Landschafts-, Stadt- und Straßen-Fotografie.

Aha. Als Neuigkeit erstmal total banané – die Reise- und Touristikbranche braucht schließlich ständig Futter, und zwar nicht zu knapp.

Diese Agentur aber hat sich auf Bilder von menschenleeren Straßen und verlassenen Plätzen spezialisiert.

Die Protagonisten dieser Bilder, Automobile, werden von den damit angesprochenen Kunden, Automobilvermarkter, anschließend, äh, reingerechnet. So what? Der doppelsinnige  Claim “Behind your product” hilft nur bedingt weiter und man erklärt den Bildbearbeitern und Art Direktoren der Automotive-Industrie lieber die Anwendersicht:  “Lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf und kombinieren Sie Bilder zu neuen Welten – schnell, ohne Shooting-Aufwand, ohne unvorhersehbare Überraschungen, ohne Produktionskosten.”

Damit hält die sogenannte “HDR-Sphäre” nun serienreifen Einzug in die Autofotografie. Was beim Nachschlagen aussieht wie OutDoorChristbaumkugelFotografie ohne Spiegelbild des Fotografierenden ist die neue optische Verpackungstechnik für Autowerbebilder: ab sofort muß kein teures Gefährt mehr für Unsummen Werbe-Etat nach Südfrankreich, in die Antarktis oder Negev-Wüste mehr verschifft werden, um dort von einem vielköpfigen Team hochspezialisierter Kreativer und Techniker abgelichtet zu werden.

Das geht jetzt schön im Büro unterm analogen DesignerGummibaum: dreidimensional aufgenommene Bilder (die Sphären) werden per Computer um die -ebenfalls digital vorliegenden- Automodelle herumgerechnet, ihre Lichtverhältnisse gar als Reflektionen auf die virtuelle Karrosserie gerendert- das heißt: diese transluzenten Christbaumkugeln, die eigentlich von innen fotografiert sind, werden ab sofort  zum Tapezieren des Showrooms benutzt. Was uns die Vorstellung von ihnen erschwert, ist die Tatsache, daß wir sie nur von der Rückseite der aufgenommenen Pixel = als Kugeln & Ganzes sehen können.

Ich stelle mir nun diese 50 neuartigen “Reisefotografen” mit Spezial-Ausrüstung vor, die nichts anderes mehr machen, als einsame Haarnadelkurven im dramatischen Gegenlicht inmitten unberührter Natur in eine HDR-Sphäre zu verwandeln. Oder lichtdurchflutete mega-urbane Vorzeigeplätze mit ultra-trendiger Umbauung. Oder industrie-romantische Hafenmolen im Morgennebel. Oder vollgesperrte Autobahnkleeblätter aus der Luft. Oder..

Crazy Neue Fotografenarbeit, oder?!

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Musik beim Schreiben heute:

Feist: “Let It Die”, Polydor, 2004

 

Endlich mal mit Personal! Die Mannheim Postkarten in neuer Umgebung

Es war beim Mannheimer Stadtjubiläum im Jahre 2007. Da geriet ich per zugeflüsterten Gewinnspiel in eine der sieben grandiosen “Helden”-Revuen, “Mannheim-Verbesserungen” genannt, die in den stillgelegten Kurpfalzthermen aufgeführt wurden. Dabei erfuhr ich vom anwesenden Produzenten, daß meine (!) ebenda drei Jahre zuvor entstandenen Konzertbilder, die ich als Online-Galerie hochgeladen hatte im Vorfeld Verwendung fanden:

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Mit ihrer Hilfe konnten per www von Berlin aus, wo die Show geplant wurde, die Räumlichkeiten “besichtigt” und die räumliche Konzeption erstellt werden. Diese Art ungeplanter, doch nützlicher Vorarbeit wurde für mich zur zufällig entdeckten Eintrittskarte, bei den Gala-Vorbereitungen mit der Kamera dabei zu sein. So kam ich in Berührung mit den Puppen von Suse Wächter:

   

 

Welche Effekte Puppen erzeugen können, wurde mir damals frappierend vor Augen geführt: bei “guter  Führung”, also mit Stimme, Gestik und Detailgetreue in perfekter Nachahmung versehen schaffen sie es, dem Zuschauer als Figuren zu erscheinen/ wie echte Darsteller vorzukommen. Mit denen er mitfiebert, -lacht und -leidet. Ein nachhaltiges Erlebnis: die gespielte Puppe als künstliche Essenz der Außenwirkung des Menschen.

Nach einer sechsjährigen “Puppenpause” stieß ich nun Anfang des Monats  erneut auf menschliche Ebenbilder. Direkt vor meiner Haustür. Ins Zentrum der Mannheimer Innenstadtquadrate war nämlich das alte Berliner Wachsfigurenkabinett umgezogen und so zum Mannheimer Panoptikum geworden. Sehr erfreulich, daß meine Karten für geeignet gehalten werden, von dort nun auch am Wochenende als Mannheim-Souvenir mitgenommen zu werden ;-)

Deshalb ist die nun die neueste “Eingangstür” zur Postkartenseite entsprechend mit Personal: im verflixten siebten Jahr erscheinen plötzlich “Leute” auf der Seite ;-)

       

Beim Aufnehmen dieser Bilder vor zwei Wochen drängte sich mir automatisch und ordnungsgemäß beabsichtigt die Vorstellung auf, wie es wäre, träte man den dargestellten Persönlichkeiten in echt gegenüber. Bei ihrer annähernden Lebensgröße ja kein Wunder. Inmitten all der nach wie vor tobenden Raserei nach VIP-Nähe eine interessante Vorstellung: mir zum Beispiel fiel sofort auf, als ich der Udo Lindenberg-Figur eine Karte in die Jackettasche schob, daß ich schon Schwierigkeiten hätte, irgendwas vernüftig Wortunhülsiges und nicht “toll, Sie mal zu so in echt zu sehen” oder ähnlich Peinliches zu äußern: schon en face mit den Figuren fällt auf, WIE unterschiedlich unsere Leben, die Art des Umgangs oder die Themen sein müssen, mit denen sich die Dargestellten bekanntermaßen beschäftigen.

Auch interessant am Panoptikum: der Kontrast der dargestellten Relevanz dieser öffentlichen Personen zur Innenarchitektur und zueinander: man bemerkt sofort die gefühlte Diskrepanz zwischen Image des “Originals” und der direkten räumlichen=psychischen Umgebung der Wachsfiguren-Darsteller:  zu niedrige Decken für Filmgrößen, zu kleine Adler für gewichtige Politiker und überhaupt: zu wenig Distanz zueinander. In cm und medial übermittelter Aura. Sprich: man macht sich Gedanken darüber, welche Bilder die Medien zu erzeugen imstande sind, wenn man den Wachsfiguren direkt gegenübersteht. Das bildet!

Zusammen mit dem roten Absperrseil vor jeder Szenerie eine sehr körperlich erzeugte Anregung, über das Phänomen V.I.P., leibhaftiger Wirkung historischer Persönlichkeiten und den durch Darstellung im Panoptikum ertastbaren unsichtbaren Gemeinsamkeiten zum Durchschnittsbürger zu meditieren…

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Musik beim Schreiben heute:

George Bizet: “2. Carmen-Suite” (Orchestre Symphonique de Montréal / Charles Dutoit)

Itchy Fingers: “Full English Breakfast”, Enja 1993

das “Lektorat” als angemessene Antwort

Liebe Nachwuchsfotografen! Solange Ihr noch kein Studio Euer eigen nennen könnt, noch nicht allgemein bekannt und hoch bezahlt seid, werdet Ihr folgende Fotoanfragen von entfernteren, gerne selbsternannten Freunden kennen und jedes Mal aufs Neu um angemessene Beantwortung ringen:
Hättest Du Lust, uns mit Deinem geballten Fachwissen am 26.10. auf dem Konzert zu fotografieren?
Verwendung: Facebook – natürlich mit Herkunftsnachweis.
Geld: haben wir keins, aber Du kriegst ein Essen (im Salon)
Würde mich sehr freuen! Und Du darfst auch im Salon ein Werbefeuerwerk abfackeln, wie Du willst dann.

Anstatt nun stumm-anklagend mit Bildern zu antworten, unter Bedenken zuzusagen oder mit den großen grundlegenden Antworten zu langweilen, daß Fotografieren = Arbeit , Aufwand und Lebenszeit, das Einbringen von Erfahrung, ein gutes Foto Gold wert ist etc. etc. habe ich ein “Lektorat” entworfen, das in realsatirischer Form zeigt, wo es denn hinnegehen soll:

man reagiert nicht als dankbarer/fassungsloser/beleidigter Fotograf, sondern als Verdeutlicher, ja, Coach:

Sehr geehrtere Herren!

Vielen Dank für Ihr Interesse an unserem Lektorat! Zu Ihrem eingesandten Textentwurf für eine  preiswerte Fotografenaquise ist klar zu konstatieren: bevor man diesen vermailt, kann man noch Einiges verbessern :

  • Professionelle Kulturverwerter machen mit den Kreativen/Fotografen, die sie im Blick haben, immer auf DU-und-Du, in einem fast verschwörerischen Tonfall. Etwa so: “Wir haben da ein super Ding. Wird voll der Knaller.” “Der Chor/die Band wird begeistert sein. Die wollten dich ja schon immer mal persönlich kennenlernen. Weißt Du eigentlich, daß da einige Deiner größten Fans mitsingen/dabei sind??” etc.
  • Sehr dankbar sind Fotografen, mit denen man einen kurzen persönlichen Kontakt vereinbart- wenn man diesen nicht sowieso schon pflegt- das suggeriert Ernsthaftigkeit und Seriosität. Je bekannter man selber schon ist als “Kulturmensch”, “Veranstalter”, Lokalpromi oder “Förderer”, desto besser die Wirkung eines solchen, meist ersten Treffens- wie kurz auch immer es sein mag! Unbedingt zu empfehlen!
  • “Verwendung: facebook” ist ok. Klingt so nach privat und unspektakulär. So lokal. Nur für uns. Und: macht/kennt ja jeder: n paar Handyknipsefotos hochladen.
  • “Autorennennung” klingt viel besser als “Herkunftsnachweis”. Direkter. Persönlicher. Journalistisch beschlagen. Nach Respekt, Urheber, Schöpfung. Dem Meister.
  • “Wir haben kein Geld”. Kann man zur Verbesserung mit leider unterstreichen.
    Wichtig: Es wird NIE etwas dafür geboten. Bezahlung ja sowieso keine, noch weniger aber “ein Essen” “eine Fahrt mit der Gondeletta” “ne Kinokarte”- damit wird nur auf ungute Weise ein Gegenwert suggeriert.

Viel besser: es wird nur zwischen den Zeilen versprochen: Coolness, Glanz, Glamour, eine Mitgliedskarte für die In-Crowd, für das gesamte Festival, alle Tourdaten.

Zur weiteren Vorgehensweise:

Wenn die Bilder dann im Sack und online sind, kann man in einer schulterklopfenden Folgemail , die in einem professionell sachlich gehaltenen Tonfall leichte Euphorie andeutet – von den begeisterten Reaktionen des Publikums, des Chors – die gemeinsamen Erfolge auflisten. Die meisten “teilnehmenden” Fotografen dieser Sorte, die ich da kennengelernt habe, begnügen sich dann schnell mit dem “Werbeeffekt” und lassen gut sein.
Großes Plus: Und man kann bis zur nächsten großen “Aktion” in freundschaftlicher Verbindung bleiben.
Ein richtig guter Trick ist: man stellt dem Fotografen eine Kamera (“Knipse”) zur Verfügung an diesem Abend. “Brauchst Dich nicht um die Technik zu kümmern- das besorgen ALLES wir”. Die nimmt man dann hinterher wieder mit. Und hat ALLE Bilder. Auch die, die ein Profi löschen würde. Und: der Fotograf kann nicht mal ohne richtig großen Aufwand und Zeugen beweisen, daß er diese Bilder auf Ihrer Kamera gemacht hat- er hat die Aufnahmen ja auch nicht mal gesehen!!
    • Wir freuen uns schon und werden dann ein Werbefeuerwerk abfackeln. Du kannst im großen Stil Deine mitgebrachten Bilder verkaufen. Der Wirt ist auch schon sehr interessiert. Bring mal lieber die doppelte geplante Menge mit!

 

Soweit meine Lektorenvorschläge.
Dann nennt man noch ne Latte Fotografen, die “da empfänglich wären”: zeigt also auf einschlägig bekannte Kollegen. Damit diese, sollten sie mit diesem “optimierten” Ultrazynismus tatsächlich beworfen werden, mal ordentlich die Weckerklingel schrillen hören. Oder eben stoisch ihr Ding weitermachen.
PS.: hab ich von nem Rechtsanwalt abgeschaut: man richtet eine e mail-Adresse namens “beratung@…” ein und gibt diese als Kontaktadresse an: “Anfragen unter”. Dann kann man testballonmäßig noch eine Beratungsgebühr fürs Lektorat berechnen, denn unter dieser Adresse handelt es sich ja nicht um eine Fotoanfrage sondern um eine Hilferuf zur ergebnisorienterteren Verhandlungskompetenz. ;-) demnächst mehr Sparringtipps von Eurem frischerfundnen
Chulch R. MacYavell 

die Hieroglyphenkartusche des Monats

Deutsch. Die Sprache mit der licence to Wörterschlangenbildendürfen. Eine nimmer versiegende fantastische Wundertüte der Kombinationsmöglichkeiten. Am liebsten und skurrilsten natürlich der von branchenfremden Begriffen. Also, Ladeez & Gentlemen, give a warm Welcome to the

21 Buchstaben of  H.i.e.r.o.g.l.y.p.h.e.n.k.a.r.t.u.s.c.h.e.

Yeah- fast das ganze Alphabet in einem Wort ;-) Und wie diese altägyptischen Schriftzeichen könnten auch die neuen Fragen des Gewinnspiels zum goldenen Herbst 2013 wirken:

Wieder geht es darum, die hinter den künftigen Autorennamen stehenden Begriffe zu erraten. Die (er)finde ich gerade en masse für mein Krimi Buchcover Projekt. Oben die Kreuzworträtselkästchen zum Ausfüllen- für Leerzeichen und das einzige “ü” steht wieder je ein Kästchen bereit, unten die Um/Beschreibungen- in der gleichen Abfolge wie die Rätsel. Also suchen wir zum Beispiel den anonymen Onkel von Mickey Mouse in dem obskuren “Ubi Werks” (siebte Stelle oben = siebte Stelle unten usw.)

Weitere Beispiele für diese spezielle Art der Verschlüsselung/Neugewinnung/Verleserei findet Ihr auf dem Artikel zum letzten Gewinnspiel.

Gewinne diesmal: die Weihnachtskatze.

Packenweise und im Sack, für die gesamte Weihnachtspost an alle Verwandten/Freunde und Bekannten: 1. Preis: 45 mal, 2. Preis: 30 und 3.-5. Preis: 14 mal die neue, noch geheime, schneereiche Weihnachtspostkarte (ab Mitte November)

Begriffe erraten, gegoogelt & gefunden, eingetragen/ausgefüllt und bis einschließlich 2. November 2013 unter Ausschluß des Rechtsweges gemailt werden können an: el.Berndo ]at[ reingretchen.de

Ein Tipp: fünf Lösungen haben unter ihrem Namen ;-) einen eigenen Wikipedia-Artikel.

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Musik beim Schreiben heute:

Liquid Lounge: “Urban Soulscape”, SCAT!, 1995

Blur: “Parklife”, EMI, 1994

Wirklichkeit Raten at home

Lebens- und Seh-Erfahrung mischen sich bei diesem vergnüglichen Spiel, das man mit unbegrenzt vielen oder beliebig wenigen Beteiligten spielen kann.

So lautete mein Schachteltext, wenn es dieses Spiel in einer klassischen Darreichungsform gäbe, es sich also in einem Karton im Spielwarenladenregal befände. Kurzanleitung: Man schlägt das Internet auf an einer Stelle, an der  State-of-the-art an Renderbilder sichtbar sind.

“Mein erstaunlichstes Gefundenes” ist zur Zeit raw.bluefile.cz, gefunden via corona-renderer.com – “Das soll alles aus dem Computer sein??” fragt man sich unwillkürlich, reibt sich die Augen und rückt näher an den Bildschirm.

Doch weiter: dann versucht man anhand von Details im Bild die anderen anhand gefundener Fehler davon zu überzeugen, daß es sich um ein vollständig virtuelles, gerendertes Bild handelt. Das geschieht typischerweise nicht anhand von “unlogischen” Schatten oder verbogener räumlicher Darstellung – die sind von den Professionellen heutzutage längst ausgemerzt- eher sind es Knitter an der falschen Stelle oder komisch aufgerechnete Texturen, die bei nährerer Betrachtung verräterisch wirken: merkwürdig unplausible “GebrauchsSpuren” der dargestellten Gegenstände. Ein Spiel file_under:  Augenöffner also. “Sehen lernen” einmal anders als im Fotoworkshop ;-)

Man kann sich dazu als Vorübung im Gebiet des Faltenwurfs etwas vorbilden, alte Meister studieren und plötzlich anfangen, seine nähere Umgebung und die Spuren des Gebrauchs der Gegenstände an sich doch noch etwas genauer, ja: detektivisch sehen zu lernen..

Reichlich verquere Freizeitgestaltung, meint Ihr? Zugegeben: hört sich schon echt nerdy an und ist bei weitem unschriller als zum Beispiel SETI at home. Aber: solche konstruierten Bilder werden stetig zunehmen, zusammen mit dem Perfektionsgrad durch Weiterentwicklung der Technologie. Die sie immer schwerer von Bildern der fotografierten Realität unterscheiden läßt. Da wird auch die Games-, Fantasy- und Transportation-Render-Industrie aufholen. Wirklichkeit raten gibts auch im Kino: aktuell zu sehen in 3D und Dolby Surround: die Anziehungskraft:

Ok- das ist (zwar ultra ausgebufftes) Kino, aber anschließend, zurück draußen auf der Strasse: welchen Bildern werdet Ihr Euern Glauben schenken? Und wenn sie Euch den Appetit verderben und dafür staunen lassen?

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Hier nochn paar schnell gefundene 3D-Artists, Seiten und Blogs als Nachtrag: cgrecords.net, ronenbekerman blog,  alessandrobrotto.com… Oh, drei schicke Neuzugänge meiner Rubrik  3-D, Renderei, Visualisation auf meiner Inspirationsseite.

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(passende) Musik beim Schreiben heute:

Blur: “Parklife”, EMI, 1994

Bernhard Herrmann: Original Soundtrack “Citizen Kane” (1941), Membran 2004

Bernhard Herrmann: Original Soundtrack “North by Northwest” (1959), Sony 1995

 

DesignGretchen die zweite – das Comeback der Leerfläche

Nach einem ersten Schnupperkurs Photoshop für einen Fotografenkollegen gestern hab ich mich abends in Stimmung gefühlt, das Reingretchen.de mit einem frischen Anstrich zu versehen- schließlich gibts ja jeden Monat 16 neue Krimicovers. Da darf eine zum Beispiel neue Farbe gern Signal nach außen geben, daß sich wieder was bewegt auf meiner Seite.

Diesmal hab ich als Grundfarbe ein Nachtblau gewählt  und die Elemente frisch sacht angeordnet. Eine neue Schrift, Lithos Pro, durfte die alte Courier New ersetzen, die Anfangsbuchstaben hab ich zwex besserer Lesbarkeit manuell von falschen Kapitälchen hochvergrößert. Dann: ein paar neue MiniCovers als Appetizer sowieso:

Wie man sehr gut bei dieser dreiviertelgroßen Darstellung des Originals oben sehen kann, funktionieren diese Appetizer trotz ihrer Minigröße von 44  x 76 Pixel ordnungsgemäß- also ich mag da schon mal nen vergrößerten Blick draufwerfen. Ein erweckender Hinweis darauf, daß größer nicht immer unbedingt wuchtiger/wirkungsvoller sein muß.

Unzufrieden bin ich noch mit der Lage des “Cover des Monats“- Thumbs, hab aber erstmal so gelassen. Und damit nach oben rechts als Briefmarke – “Ist ja noch Platz für!”.. also nee- das geht gar nicht. Und mit schon wieder nem neuen Font für den Soodlepoodle-Schriftzug muß ich mich erst mal anfreunden. Ist ja ein totales No-Go, wenn man da nen Fachmann zu spricht.. Aber dennoch: erstmal auch so lassen. Immerhin hab ich beim Beschriften Konsequenz walten lassen.. Vielleicht beim nächsten Renovieren. Man sollte sich da meiner Meinung nach nicht so verkrampfen mit der persönlichen Antwort aufs Fetisch Perfektion ;-)

Außerdem, das habe ich über die (Design)Jahre festgestellt, funktioniert so ein übriggelassenes Dörnchen im Auge wie Schillers Apfelschublade..

Zum Nachverfolgen der allmählichen Veränderungen des Reingretchens 2013 hier im Rückwärtsgang die “persönlichen Meilensteine einer Annäherung”:

Oben ein erstes Neues im grünen Gewand, das Alte Herz (siehe unten) verkehrt/verfremdet zum Relief: aus einer originalen Tüte wird der Abdruck eines steinernen Herzens – perfekte Ausdehnung der Konnotationen eines einfachen ersten Bildes durch digitale Bildverarbeitung- was will man mehr als “kalte” Technik, die zu neuen Inhalten führt, oder?

Doch zum ursprünglichen ganzen Foto (hier mit aus dem Weg geräumten Hauptdarsteller):

Zum ersten Mal wird dies als Leitidee und folgerichtig hier in der Version als Hintergrundtapezierung verwendet. Zum etwas gesteuerten Glück eins mit genügend Freifläche, um die notwendigen Informationen ohne Platzangstappeal anzubringen.  Auch die mir erstaunlichen Rückmeldungen der damit Konfrontierten zur Ekeligkeit des Anblick- siehe unten-  (meine Reaktion: “Das ist doch nur eine Tüte im Regen!“) ließen mich auf die Idee des leergeräumten Tatorts plus famous Kreidemarkierungen kommen…

Der Schritt davor: dickste Präsenz des als symbolisch erkorenen Leitbildes. Alles andere wird dazwischen geschoben und an die Seite gedrängt. Howgh: So wirkt die Tüte richtig: Kriminell. Fett. Drastisch. Alive.

Ein paar Wochen zurück: erster schüchterner Versuch, Bild und Ton, äh, Schrift, das heißt Schaltflächen nicht bloß unterzukriegen, sondern mit ihrer ansprechenden Anordnung einen Anflug von LayOut vorzustellen. Gut erkenntlich: ich mit der Vielzahl der unterzubringenden Elemente kämpfend: Die Form des Herzens als Guckloch auf die Miniaturcover, ein verblassendes – also platzsparendes- marginalisiertes Herzchen. Die Kapitel unterstrichen mit Blitzlichtschatten wie an einer Wand zum Mugshotsmachen..

Ich finde, solche später schnell verbesserte erste Anordnungen -von LayOut spreche ich da mal lieber nicht – wie dieses quick-and-dirty Gepflaster oben sollte man als wichtigen Schritt zur Ideensammlung stehen lassen. Und genau in dieser Eigenschaft sehen lassen:

Aus dem Stegreif das schon Vorhandene nebeneinander platzieren. Reingretchen-Titel/Schriftzug, Fotos als Thema und Tapete, Slogan und Menueliste. Mehr als reine “Hinweisfläche” ist das erst mal nicht. Doch als Sichtbarmachung des Vorhandenen und Notwendigen als Start unbedingt notwendig. Anschließend mag dann das Geschiebe der Elemente, das (Um)Färben und Plakatieren beginnen..

Fazit:

Wie man sehr gut mitverfolgen kann, ist das ein großes Experimentierfeld für mich: das LayOut des Gretchens. Nicht nur, daß immer mehr Kapitel immer mehr (Listen)Platz fordern, meine Tendenz zu Aufgeräumtheit und der Wille-zum-Appeal des Endergebnisses steht immer in der Warteschölnage, um am Ende immer auch noch dranzukommen. Leer-Flächen sind da immens wichtig. Ist ja schließlich keine 1 Pixel- Ad Landschaft.

Not? a, bene!:

Die erste Folge des DesignGretchens mit grundsätzlichen Überlegungen zum LayOut-Bedarf, Corporate Design und  Marketing-Syndrom gibts zu lesen auf http://www.soodlepoodle.net/reingretchen/kapitel/designgretchen.html

Grad gefunden (the daily Serendip):

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Musik beim Schreiben heute:

trio elétrico: “echo parcours”, Modernsoul, 2003

Sandra Weckert: “Way Out East”, Jazzfiles 2001

Triumvirat: “A la carte”, EMI, 1978

Tom Waits: “Blue Valentine”, Elektra, 1978

Malervirus im Oktober

Mal mal wieder! Ein mir erstaunliches Ergebnis gelang- nach zwei, drei Stunden Expedition ins digitale Ungewisse ab heute auf dem www.Poodle. Man begann mit.. außerordentlich hochauflösendem Scannen von  (hüstel) außerordentlich ungereinigten Kontaktbögen aus dem Jahr 1995, führt das Übereinander desselben Bildes unter Beifügung von partiellen, doch nicht überlappenden Löschen und Positionieren mithilfe der Option “Differenz” durch. Und erhält plötzlich..

  • kräftigste Farben da, wo vorher fast keine waren:
  • dynamischste Kontraste, sowohl im Farblichen als auch zwischen HellDunkel: und in noch kleiner geht der Eindruck des Entstandenen deutlich in Richtung Malerei. Und genau den Eindruck dieser Miniatur hier links als Malvorlage zu benutzen, fänd ich sehr reizvoll. Denn da fallen die Details weg, die als Details ein Foto zum Foto machen, als Inspirationsfutter zum Malen aber kaum taugen und störende Hinweis geben, weg.

 

Eigentlich wollte ich beim anschließenden Bildergooglen nach Ähnlichem, -überdies mit dem Begriff “Painting” Getaggtem- nach dem Künstler* fahnden, dessen Malweise mit der frisch gefundenen “eigenen” korrespondiert, der mir aber nicht einfällt: statt seiner stoße ich auf – oops- die Mona LisaLeonardo da Vincis berühmtestes Gemälde kann tatsächlich mit frappierenden Farbübereinstimmungen zum neuen Startbild aufwarten.  “Das kann doch kein Zufall sein” denke ich: “viel eher das übliche unbewußte Echo” – des Inputs der letzten Zeit.

Und tatsächlich, wenn ich etwas im “Chronik-Ordner” herumstippe: Otto DixRichard Lindner  , Emil Nolde, Johann Peter Hasenclever und Giovanni Boldini (1842-1931) - Werke hab ich mir die vergangenen beiden Wochen angeguckt.

Ebenso Landschaftsbilder von Gustave Doré (1832-1882) , Christian Schad (1894-1982) Albert Bierstadt (1830-1902) und, grad noch ganz neu für mich entdeckt: John Atkinson Grimshaw.

Die machen heute abend in meinen Hirnwindungen, was sie wollen, führen mir den Stift, äh, die Maus auf erstaunliche Wege. (..) Wie schon beim letzten Artikel über die erstaunlichen Veränderungen einer bloßen Banane zu lesen, versuche ich auch hier wieder schreibenderweise dem Vorgang, entscheidenden Augenblick, Impuls des Kreativen etwas näher zu kommen. Diesem bislang ungreifbaren Prozeß, während dem etwas auch mir selbst Neues, erstaunlich Unbekanntes entsteht. Mit dem neuen Portfolio-Startbild regt sich da tatsächlich etwas Verbindendes zwischen dem kürzlich passiv Aufgenommenen- siehe Künstlerliste oben- und dem aktiven Intuitiven.

Diese auffallende Beschäftigung mit Malerei in der letzten Zeit ist mein persönliches Fazit der ganzen, wie ich finde verdammt an eine Sackgasse erinnernde Diskussion in der Fotografie: die nach “Authentizität” in einer Zeit, in der bildnerisch nicht nur (fast) alles möglich ist, schlimmer: auch erstaunlich Tatsächliches als Verändertes, standardmäßig “Verbessertes” angesehen wird -siehe den Beitrag zu den letzten Postkartenkommentaren. Und sich als Fotografierender allzu lang mit ins Nichts führenden Diskussionen herumzumachen, ob man denn nun analog oder digital arbeitet, wieviel Computerei an welchem Bild an welcher Stelle beteiligt gewesen sei etc. , und zu aller Bestürzung einem das Analoge niemand glaubt , ist echte Zeit- und Energieverschwendung.

Es gibt Interessanteres, wie den frisch an mir diagnostizierten MalerVirus, der es erlaubt, neue Faszination am Übergang von der Fotografie durch die digitale Tür zur Malerei zu gewinnen. Den würde ich keineswegs als Rückschritt betrachten, werden diese Bilder doch nur durch diesen Zugang überhaupt möglich.

Landschafts- und Schlachtengemälde, Chiaroscuro, Sepiamalerei… wem diese übertrieben wirkende Beschäftigung mit Vergangenem merkwürdig vorkommen mag, dem sei gesagt: All das hat nichts verloren und reicht in die Gegenwart. Mighty mächtig. Bis direkt ins Jetzt. Ich zum Beispiel bemerke das am auffallenden Drang zur Romantik beim Griff nach meinen Mannheim und Ludwigshafen-Postkarten:

Blumenfelder im Gegenlicht, Sonnenröte am Abend, 200 Jahre alte Wolken und Regenbogen unter den Top 5. Romantik pur- würde ich da konstatieren. Und außer dem Erkunden der genannten Maler auch noch ein ebenso frappierendes “Bilder”buch über “Das Bild des Morgenlandes in der Malerei” empfehlen. Da zähle ich weitere 185 (!) Künstlernamen und -kurzbiografien im Anhang, darunter Eugène Delacroix (1798-1863) und Ingres (1780-1867) als bekannteste Persönlichkeiten.

Abgeschlagen dagegen, so hart das klingen mag, die grafischen Motive:

Und: von diesen ganzen historischen Persönlichkeiten und ihren kulturellen Errungenschaften ist es oft nur ein kleiner Schritt bis in die Postmoderne. Bei zwei der Verlinkten () reicht nur ein (!) Klick, und man landet bei den Beatles und bei Disney. Und Disney macht ja jetzt auch Science-Fiction-Filme, das schiere Gegenteil zu Historienschinken, n´est-ce- pas?  ;-)

Und zum anschließenden Wiederaufschließen an die Gegenwart und das moderne Lebensgefühl kann man zur Entspannung nach der Schule heute ja schön BMX-Stunts oder GTA – Glitch-Videos gucken …

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Nachtrag: * Ah- die Suche am nächsten Tag nach “The Woodcutter” (mir ist diese Bildwirkung der aneinandergrenzenden Farbübergänge und der Titel besagten Bildes – erst hab ich nach “Die Holzhauer” gesucht-eingefallen) bringt flugs den gestern vergeblich im Gedächtnis gesuchten Kazimir Malevich (1879-1935) herbei- genau diese Farbübergänge sind es, die etwas zum Klingeln brachten gestern nach Fertigstellen.

Darüber entdeckt & (auch fürs Fotografieren) für interessant befunden: der Fauvismus, die “Farbperspektive“, Camille Pissarro 1830-1903 & das schwarze Quadrat.

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Musik beim Schreiben heute:

Claude Debussy: “Suite Bergamasque

Sofia Asgatowna Gubaidulina: Konzert für Bratsche und Orchester 1997