Archiv für den Monat: Juni 2013

Best-Of verflixtes Feedback

Wie schrieb ich im letzten PostkartenPost gaanz unten:

Alles lokal Bekannte und Unbekannte PLUS Unwahrscheinliche direkt nebeneinander..

..auf der neuen Karte (hats eigentlich jemand bis dahin zu lesen geschafft? ;-) ). Diese Mischung puzzelt in der Tat. Kein Wunder also, daß die spontanen Rückmeldungen bislang die Poll-Waage Richtung: “Sind Sie Monteur?” bewegen. Einige Orts- und Fototechnikkundige konnten das Authentische sofort nachvollziehen, die meisten Übrigen waren dem leibhaftigen Unglauben ausgesetzt. Allerbestes Feedback kam aus Italien, dem Land der Oper und der vokal-lastigen Sprache, die diese “Erfindung” ermöglicht hat. Es faßt ALLE möglichen Reaktionen in EINEM nonplusultraverbvokalen Kommentar zusammen. Ich hab ihn mal nachgestellt:

Hab ich schon mal gesagt, daß ich diese Kommentarlust der Mannheimer seeehr liebe?!! Außerdem frisch entdeckt beim Verlinken: den/das TOFU ( “Text oben, Fullquote unten” ), das Kammquoting und die Schweigespirale. Der Monnemer würde dazu sagen: “Was´all´gibt!” Noch mehr erstaunende Feedbacks in Comicform zu weiteren Postkarten auf http://soodlepoodle.de/blog/?p=275

Fotograf ohne Kamera, Kurator mit verwaistem Werk

Okay, nun taucht heute mit Dough Rickard vor meinen Augen schon der vierte, gar (deshalb?) preisgekrönte Fotograf auf, der mit automatisch von Google erzeugten Bildern eine neue Art der Fotokunst einführen hilft: das Aussuchen, Auswählen, Schneiden und Sammeln.

Also hier schnell ne kurze Notiz/Liste mit Links zu den Portfolios. Das muß man wohl im Auge behalten:

Doug Rickard: A New American Picture

Clement Valla: Postcards From Google Earth

Michael Wolf: A Series Of Unfortunate Events

Aaron Hobson: Streetview

Allen gemeinsam: ultra fotogene Bilder, die bereits in endlosen Speicherhallen und Serverfarmen existieren, aber nur Profis überhaupt entdecken können/wollen. Eine Konfiguration, die meiner Meinung auch den Thrill (für die Vier) ausmacht(e): Bild-Dateien, die, von einem Quasi-Automat erzeugt, von Menschen entdeckt & ausgewählt werden, da sie ein emotionales/ästhetisches Echo werfen, wunderlicherweise bildnerische Qualitäten aufweisen. Zum Einsatz kommt bei dieser Art “Fotografieren” die eigene geschärfte Sicht als professioneller Bildergucker, die oft beschwerliche (physische) Kameraarbeit fällt dafür weg.

Ebenso das stets dräuende Gefühl des Gefangenseins im eigenen Stil- man bewegt sich mit einer solchen Arbeit per definitionem schon erfreulich jenseits des persönlichen Tellerrands. Und bekommt Eindrücke der Welt, die man als Einzelmensch nie hätte sammeln/finden können. Plus die Kurator-Lust, ein “Werk” vor dem Verschwinden, Nichterscheinenkönnen der Welt zu “retten”.

Special Serendip:

Außerdem gerade entdeckt, très cool, MIT Kamera und einer faszinierenden, mir unbekannten Optik, die an Luftaufnahmen über märchenhaften/galaktischen Flußdeltas/Steppenlandschaften oder Illustrationen von Science-Fiction-Bilderbüchern erinnert: Ernie Button: Vanishing Spirits: The Dried Remains of Single Malt Scotch

La Postkarte nouvelle und die verflixte Sieben est arrivé

Was kann beim Postkartenmachen von Mannheim verflixt sein? Na- die kleine Größe der Stadt und das doch Übersichtliche, das sie als “Landmark” zu bieten hat: man kommt ständig an denselben Plätzen vorbei. Und fotografiert. Und bemerkt, erst mal nur hinterher beim Sichten, dann irgendwann routiniert direkt vor Ort/Motiv, die Kamera in Händen: “Hab ich schon! Auf Karte!” Amüsant das Ganze, solange man das bei völlig fotografisch “unzulänglichen” Licht- und Wetterbedingungen bemerkt, führt es doch zu solch spaßigen Side-Projekten wie mein “falscher Zeitpunkt“. Wenn jedoch beim Sichten neu hinzugekommener Bilder irgendwann auffällt: “Verflixt, diese neue Aufnahme ist ja mindestens ebenso interessant wie das Bestehende!”, dann kommt das wahrhaft Verflixte ins Spiel. Vor allem, wenn es sich auch noch um eins der wenigen Wahrzeichen handelt. Das täte weh: die Verdammung einer solchen Aufnahme in irgendeine Schublade/Ordner. Und keine Distribution als Karte an Kühlschranktüren weltweit ;-) Glücklicherweise hab ich koinzidental mit dieser Dilemma-Entdeckung mal irgendwo gelesen, das wahre Künstlerische sei: die Revision, das Sich-Abarbeiten und Wachsen an einem festen, wiederkehrenden Thema. PuH! Na also & Hey & Yeah- da war sie, die hehre Rechtfertigung, dieselben Motive erneut aufs Korn zu nehmen. Und bei #Kunst will ich natürlich auch dabei sein ;-) Also stand ich da mit einem großen Plan, der von zwei geglückten Aufnahmen aus seinen Ursprung nahm. Aus einem “zu schade zum Wegspeichern” wurde eine nahezu olympische Herausforderung: sollen doch die Remakes dieser angestrebten siebten, “verfliksten” Serie mindestens ebenso ansehnlich sein wie die “Originale”, diese aber- Obacht!- weder a) verbessern noch b) kopieren. Also, Ladeez & Gents, here it is, die erste verflixte ;-) !! Nach ein paar Tagen Vertrieb und Sammeln von zum Teil bizzarren Rückmeldungen die Erkenntnis: Die Zeiten rücken tatsächlich unaufhaltsam näher, in denen jeder vor Augen hat/weiß, daß man Bilder komplett mit Maschinenhilfe erzeugen kann. Instagram, Lightroom und ständig neue Retro-Kamera-Apps tun das ihre. Die Werbewirtschaft das fehlende andere. Und ein wirkungsvolles Foto/Bild wird heutzutage deshalb immer schneller unter Verdacht stehen, nicht nur der Realität abgeschaut zu sein. Wobei ich die Betonung auf “wirkungsvoll” legen mag- solche fallen dem engagierten Bildergucker halt deshalb auf, weil er sie a) noch nie auf sein Phone draufgekriegt hat- durch Selberknipsen. Oder b), weil er sich nicht vorstellen kann, daß es sowas so Aussehendes gibt. Erst letzte Woche wieder mal stolperte ich über erstaunliche “realitätsvorlagenlose” Bilder, diesmal von Mourelas Konstantinos, Zitat: “freelance 3D generalist”. Wenn man sich die spezielle bestolperte Seite anguckt, denkt man zuerst, das obere Großbild wäre die Vorlage für das kleine mit dem technischen-Aufbau-Schema des unteren – es ist genau andersrum. Hammer! So weit sind wir also schon, daß dem geübten Bilderschauer schon die Grenzen zwischen echt und virtuell verschwimmen. Werft nur mal nen Blick auf luxrender.net. Oder auf die Making-Ofs bei renderspirit.com. Da kann es einem schon leicht anderst werden Dieses Phänomen dehnt sich natürlich auch auf “echte”, das heißt im journalistischen Sinne unveränderte Bilder aus. Schnell zur Hand ist da Skepsis als Reaktion gegenüber Bildern, die besondere Augenblicke oder Konstellationen festhalten und: auf deren Eintreten man schon etwas Geduld aufgewendet hat. Will meinen: der Anteil derjenigen, die draufgucken und postwendend fragen: “Und wieviel Photoshop ist da dabei?” wird ständig zunehmen. Das nervt, und ich bin da, wie im Falle der neuen Karte, deren Effekt zu 80% der Wetter- und Lichtlage geschuldet ist, stets in Versuchung, übertrieben zu ironisieren:”Ok- erwischt: Das ALLES gibts ÜBERHAUPT NICHT!- Das Bild hab ich komplett am Rechner zuhause gemacht!” – Erst ein altes (Frühstücks)Brett gescannt- dessen tief eingegrabene Ringe brauch ich für den Himmel. Das zufällige, unmathematisch wirkende der Natur ist ja das Schwierige beim Nachbau. Insofern schummle ich, da ich mich nicht in die entsprechende Software einarbeiten will wie obiger Mourelas, der mit so frappierenden Erläuterungen wie: The ground is achieved with a custom displacement map that i hand painted the tire prints and combined them with a procedural noise map. The trees are from the free olive tree pack by Sergio Mereces. erstaunt. Aber weiter: Fotos mit dem Wahrzeichen hab ich äh, ein paar. Heute, easy, brauch ich die bloße Silhouette. Also erstmal schnell was Passendes suchen, schneiden und dann den berühmten Schwellenwert ranfahren: Durch das Kontrastarme der linken Turmkante muß man zwei unterschiedlich eingestellte Lagen übereinanderlegen, dann entsprechend löschen und zusammenrechnen lassen: Wenn ich mir hier schon die ganze Mühe mache, soll das Ergebnis auch fett kommen. Warum also nicht aufstocken und statt der althergebrachten DIN A 6 Karte auf DIN A lang aufpumpen? Geile 10 x 20 cm als Karte, die trotzdem nicht mehr Frankierung als 45 EuroCent erfordert?! Na also! Dann weiter: der Himmel soll hervorstechen, das Bild soll ja “knallen”. Best of Knallkörper: die Symmetrie. Also “säg” ich mal das Brett V-förmig rein: Yep, vom Prinzip voll ok. Aber das Brett ist noch zu deutlich als solchholziges zu erkennen. Da hilft der Filter “Unschärfe”. Einen Helligkeitsverlauf drüber, das soll ja ne Abendstimmung werden. Und zur Symmetrieerreichung laß ich den Baum links noch etwas wachsen ,-) “So richtig symmetrisch isses nicht!” hör ich da? Und “die Himmelsmitte gleicht eher dem Furnierstoß an meiner alten Wohnzimmeranrichtentür?” Ok, dann muß halt nochn weiteres Ding/Pflaster/Kitt her. Wie wärs denn mit ner Kreisform und der schon erprobten Anonymität des Lipsi-Rades? Das steht schon über dreißig Jahre am Friedrichsplatz. Leider/coolerweise an einem kurvigen Eck, an dem sich alle Tausend Autofahrer pro Nachmittag aufs Abbiegen konzentrieren müssen und es deshalb niemals sehen werden? Kann man doch flugs reinbauen. Und zur Effektsteigerung noch so tun, als ob die Abendsonne direkt durchscheint- auf uns Betrachter! Ok, nochn bißchen Blur muß der Himmel kriegen, nen natürlichen Duktus oder so. Aber dann: fertig!! Ein schnöder 08/15 Schnappschuß plus Frühstücksbrett-Scan- cooler Bausatz für so ne Karte, wa? Ok, jetzt mal im Ernst:

Glaubt Ihr das??

Nein? Gut! Denn die neue Karte ist das Ergebnis einer Annäherung:

Hier ein Foto mit dem selben Motiv. Über ein Jahr früher, ein paar Schritte weiter nach vorne getan mit der Kamera, in einem anderen Licht. Und darum leider nicht mit dem Magischen, das ich den “Indiana-Jones-Effekt” nennen würde: zur rechten Minute die optimale Konstellation von Sonne, Turm, Ring und Himmelszeichung zu erwischen. Denn genau dieses führte zum neuen (Rätsel)-Ding, denn es ist tatsächlich die Abendsonne, die den Ring “weißelt”. Alles lokal Bekannte und Unbekannte plus Unwahrscheinliche direkt nebeneinander. Ok, ich seh´s ein: das kann schon zu dem Eindruck der “Fakung” führen. Und zur symmetrischen Wolken-Zeichung kann ich Euch sagen: der grandios wandelbare Himmel über Mannheim gibt sowas allemal her. Davon lebt ja der Großteil meiner Karten. __________________________________________________________________________ Musik beim Schreiben/Basteln heute:

Visit Venus: “The Endless Bummer”,Yo Mama, 1998

Joo Kraus: “Public Jazz Lounge”, Skip Records, 2005

Kosho/Wiedemann: “Klassik meets Soul”, 2002

Erykah Badu: “New Amerykah Part Two: Return Of The Ankh”, Universal/Motown, 2010

Galliano: “In Pursuit Of The 13th Note”, Talkin Loud, 1991

beim “Nachschneiden” vier Tage später:

various artists: “Gute Laune Klassik Vol. 3″ Sony Classical, 2000