Archiv für den Monat: Mai 2013

Ab sofort: das Sommer Gewinnspiel – Eure Kombinatorik ist gefragt!

Nach dem ersten Kapitel vom 24. März, in dem ich mich etwas über meine Namensfindungstechnik zum Krimi-Projekt ausliess, folgt nun endlich das nächste Gewinnspiel, bei dem man mit etwas Glück die Teilnahme an einer meiner sommerlichen FotoRadtouren gewinnen kann. Wieder geht es darum, die Art des Umbaus zu erkennen: ich stelle sieben selbstgetaufte Autoren vor, deren Namen aus Begriffen des täglichen Lebens oder historischen Persönlichkeiten “verbaut” ist. Hier das Beipiel aus besagtem Kapitel, diesmal mit eingetragener Auflösung: Wie Ihr seht, ist manchmal Vor- und Familienname des fiktiven Autors aus dem fraglichen Begriff gebaut, manchmal nur der Familienname. Um die Täter einzukreisen, seien die Beschreibungen unten im Bild als Hinweise zu nehmen. Ich verwende dabei alle möglichen Arten von linguistischen Twists: den Gleichklang bei Andersschreibweise, die beliebte Silbenvertauschung, die Inspiration der Fremdsprachen, den Einsatz technischer Termini, gerne in der Abkürzungsformel… Umlaute werden nicht wie im Modernen d.h. Englischen oder Internet als ae, oe und ue eingetragen, sondern: das (einzige;-) ö paßt in ein Kästchen. Genau auf diese Art entstanden auch folgende Eigennamen, deren Ursprungsbegriffe erraten, gegoogelt* & gefunden, eingetragen/ausgefüllt und bis einschließlich 15. Juno gemailt werden sollen an: el.Berndo ]at[ reingretchen.de Zu den Touren: wir erkunden zu höchstens siebt per Rad die Mannheimer StadtLandFlußlandschaft. Natürlich mit Kamera/Handycam. Zum Spaß, dem geselligen Erfahrungsaustausch, gegenseitigen Lernen, zur Motivfindung (eine meiner Postkarten gelang gar während einer solchen Tour!) und natürlich zur Bewegung an frischer Luft. Hier nochmal eine kleine Übersicht über die schon getourten Strecken. Natürlich gilt: der Rechtsweg ist ausgeschlossen. *= klappt, wenn überhaupt, nur holperig. Und nur bei den beiden “einfachen”. Ansonsten ist das menschliche Hirn im verdrehten-Sinnerkennen immer noch top. Zum Glück. __________________________________________________________________________ Musik beim Schreiben heute:

Shudder To Think: “Pony Express Record”, 1994, Big Cat/Rough Trade

diverse: “die berühmten Ouvertüren“ 1960-1989, VEB Deutsche Schallplatten Berlin

VerBannung!

Irgendwo hab ich mal den Spruch gelesen “Das Hirn ist ein Organ zur Abwehr von Informationen“. Der fällt mir immer ein, wenn mir irgendwo in der Stadt ein Übervorkommen an Schilder- und Werbebannerwald begegnet. Und ebenso kommt mir prompt wieder jener Nachmittag ins Gedächtnis, an dem ich es schnell aufgegeben habe, ein Großereignis am zentralen Platz in Mannheim zu fotografieren.

Angesichts der Vereinigten Banner™ wäre kein einziges, auch nur halbtotales Foto ohne Werbung, Firmen- und Sponsorenschriftzügen möglich gewesen, so fleissig ward die stark frequentierte Welt mit Aufmerksamkeitsködern übersät. Das fiel mir wieder ein, als ich  heute ich durch Bilder aus dem Jahr 2009 brause. Und mein Blick an diesem Baustellenbild der atmosphärischen Art hängenbleibt:

dieses geliebte diesige (Nachmittags)licht im Spätherbst! Diese Rohheit einer Baustelle, dieses Alles-ist-noch-Möglich, diese harmonisierenden monochromen Farben! Und, wie starke gehorsame Tiere die zur Wochenendruhe eingepferrchten Bagger, die duldsam warten, bis sie Montag früh wieder zum Leben erweckt werden.

Einzig mal wieder die auf diesem einen Bild ins Dutzend gehende Banner stören mich am Schwelgen. Schlimmer noch: eigentlich cerhindern sie fast immer, daß ich ein solches Bild überhaupt aufnehme. Doch, und daran kann ich mich noch erinnern, überwog das Sehvergnügen vor Ort und ich drückte ab.

Und ich stell mir plötzlich vor, wie es wäre, könnte man dieses arme, stets überlastete Denk- und Fühlorgan mit einer schlichteren Version der modernen Welt entlasten. Zu diesem Versuchs-Zweck nehme ich mir heute, beim Wiedersehen, die Zeit und Freiheit, die “Textstellen” im Bild mal mit weißen Flächen abzudecken. Dann -aus Laune- noch ein bißchen Überstrahlung à la Reflektorband reingerechnet, um ihre Lage, Größe und negative Wirkung zu betonen. Und sie als nur leere, im großen Bildrahmen platzierte Flächen ohne Message zu betonen. So übertüncht & neu gesehen, nehmen sie einen doch überraschend geringen Flächenanteil in Beschlag. “Könnte man noch mehr neutralisieren” denke ich und färbe sie mit der Hauptfarbe, einem angenehmen Betonkakaogemisch:

Es gefällt! Die kleinen verabschieden sich fast ganz aus unserer Aufmerksamkeit, und man kann sich- oh jähes Wunder- auf das Bild als solches konzentrieren. Die übrigen größeren vier stören nur noch erträglich, ohne allerdings ganz zu verschwinden. So kommt mir die Idee, auf künftigen Bildern die Werbung einfach zu überpinseln. Und die enstehenden Flächen in diesen Fotos als ein neues Muster zu ästhetisieren/ thematisieren. Erstaunliche Entdeckung nach dem Abdecken: wie plötzlich fremdartig wirkt unsere vertraute Umgebung ohne Aufschriften, Header, Sticker, Plakate oder Transparente.

Ja, geradezu alienhaft: in eine solche Umgebung versetzt, glaubte ich mich auf einem Filmset wieder, das heißt: ich sähe eine solcherart abgespeckte, reine Sach-Umgebung als etwas Künstliches an. Daran wiederum bemerke ich, wie wichtig für mich als persönliche Verortung dieser Werbe- und Info-Overkill ist: ich bin daheim im Informationstaifun. Und, das ist das Verblüffende, denn man klagt ja immer gern über diesen WerbeOverkill: ohne ihn käme ich mir plötzlich sehr irritiert vor. Also experimentiere ich mit der Art der Banner und füge ein taiwanesisches Schriftenparfait ein:

Und, wie gehts Euch damit? Urlaubsgefühle? Fernweh? Oder: Befremdung? (..) Da ersteht mir angesichts der überklebten Z(w)eltwänden, Baustellenzäunen und Fensterlosen i.e. Häusergiebelfronten eine neue experimentelle Aufgabe: zu erkennen & dann fotografieren, was ich durch die Banner hindurch sehen lerne. Sehen lernen will. Und später (har har) werde ich sie übermalen und dadurch meine Vision für alle sichtbar werden lassen ;-) ______________________________________________________________

Musik beim Schreiben heute:

CeeLo Green: “The Lady Killer”, Elektra, 2010

Adam Green: “Minor Love”, Rough trade, 2010

Gramm: “personal_rock”, Source Records, 1999

Nightmares On Wax “Smokers Delight”, WARP Records, 1995

Donald Fagen: “Morph The Cat”, Reprise 2006

Triptychon der Moderne oder: (m)eine Schaufensterdeko im Web

Klar: damit meine ich die exponiertesten Stellen der Webseiten: los Startseiten, die Haupt-Menues und Blogheaderköpfe. Nicht nur elaborierte Augenweide sollten sie sein- öfter mal Tapeten runter und neue rauf erscheint mir mittlerweile wie ein Muß. Liegt wohl an der allgemein widerstandslos adaptierten Posting-Kultur, die mittlerweile jedem modernen, virtuell repräsentierten Privatmann das gefühlte Sendevolumen und den Neuigkeiten-Out-o-put einer Rundfunkanstalt abverlangt.

Die alten Tapeten gibts, durch ihre Digitalität dupliziert, natürlich weiterhin: weggeräumt und verstaut in Lagerhallen (Festplattenpartitionen), und in weitaus größerem Umfang als in den Fenstern (online) selbst. Denn diese Pakete mit erarbeiteten Gestaltungspaketen sind den Fenstern zahlenmäßig ja weit überlegen. Und das desto mehr, je öfter man sich das Umdekorieren angewöhnt hat. Das Unsichtbare am Lagern finde ich schade, denn was mal fürs Blickfangen gut war, sieht en bloc auch gut aus, wenn man das etwas zurechtzupft. Und: Webcontent man kann ja auch öffentlich zugänglich lagern. Heute starte ich daher einen lang gehegten Wunsch und versammle mal meine längst wieder weggepackte Deko seit Start der Konzeption BlogplusHomepage auf einer Übersichtsseite. Denn ich fände es schade, das alles im Lager zu belassen. Öffentlich war es ja eh schon mal. Weiterhin willkommene Gelegenheit zum geliebten Making-Of Kommentareschreiben, der daraus auch gleich ein weiteres Exzerpt meiner mit Text versehenen Werkstatt-Tätigkeiten macht. Also beginne ich damit, erstmal alle Startbilder der letzten Jahre zu suchen. Maschinell natürlich. Denn: das Finden(können) ist ja so eine Sache. Und zwar eine richtig GROSSE: Die moderne Zeit ist die der Überinformation. Die meisten Leute, die ich kenne, integrieren dieses “Über” als partielles Chaos irgendwo in ihrem Leben. Das sieht man zum guten Beispiel am Umgang mit den persönlichen Daten. Denn die sind es ja, was auf jeden nicht nur zukommt tagsüber, die jeder hortet und verortet in ungeheurem Maße. Hortet per Maschine natürlich. Denn das alles im Kopf kann man nicht mehr haben. Das sieht man ja schon am Kampf mit den Passwörtern. Diese vermehren sich ja auch, schleichend, aber wie die Pest, und sind dabei aber nur ein winziger Teil der zum Leben notwendigen Information. Mein Schluß: so muß jeder in dieser Zeit sein eigener Archivar sein/werden. Die folgende Generationen werden dieses Problem noch als Hauptaufgabenstellung des Lebens verspüren, meiner Meinung nach. Solange die Standardgehirne selbst noch nicht verkabelt und aus ihrem Inhalt ein anzapfbarer Datenraum geworden ist, liegt es bei jedem einzelnen, die Relevanz seiner lebensnotwendigen Daten selbst zu bestimmen. Natürlich gibts dazu nicht nur Timer, die klassisch an die Geburtstage erinnern, als Dinosaurier der Datenauslagerung sozusagen. Die Apps überschwemmen gerade diese Nische und ich bin gespannt, wohin das alles noch führt. In meinen Top Five zur Zeit die Nachricht der Existenz eines Einkaufszettel-Apps, der gleich, nachdem man auf sein eingespeichertes Lieblingsessen den Button “Einkaufen” gedrückt hat, den Weg raus zur Haustür in der sinnvollsten Supermark- und Taschenfüllreihenfolge -nach ökonomischen und physikalischen Gesichtspunkten- weist. Zitat: “SAVE your favorite recipes and we’ll put the ingredients in a shopping list on your phone.” Immer noch genügt im Computerzeitalter nur EIN einzelner, ich würde gar sagen DER wichtigste Gesichtspunkt: das göttliche Benennen (von Dateien). Damit meine ich dasselbe, was auch in der Informatik und Datenverarbeitung zum ewigen, güldenen Regelwerk gehört: das treffende Benennen von Files. Die Sprache bietet diese Möglichkeit. Und gewährleistet, daß man die wie-auch-immer-Dinger nach dieser Vorarbeit stets wiederfindet. Ging mir mit meinen in diesem Artikel angesprochenen Startseiten so. Die haben alle das “Start-” im Namen… Und so gibts ab sofort die ersten elf Dreierbilder zum Allzeit-Nachgucken. google macht das mit seinen doodles ja auch so. Sehr schön, das mit dem Saul Bass- Intro heute! Und wer gerade von der “Texte”-Seite hierhergefunden hat und das “Artikel”-Bild in groß vermißt: voilá!

__________________________________________________________________________ Musik beim Schreiben heute:

Massive Attack: “100th Window”, 2003,Virgin

diverse: “die berühmten Ouvertüren“ 1960-1989, VEB Deutsche Schallplatten Berlin

das Reingretchen – Wo keine Story, da kein Ausplauderer

“Ich werde hier natürlich nicht verraten, wie die Geschichte endet.” sagt der Radio-Moderator. Nicht nur zu uns, die wir noch räkelnd im sonntäglichen Bett den Morgen kommen lassen, sondern gewissermaßen auch als Ehrerbietung der ebenfalls im Studio zur Rede stehenden Krimiautorin gegenüber. Schön, denke ich. Gehört sich auch so, vor allem bei Krimis. Aber: besagtes Buch ist jetzt vierzehn Tage raus, der Verlag tut seine Pflicht, die Medienschwämme saugen es begierig auf, um es an allen nur erreichbaren virtuellen Orten und auf Tausenden Bildschirmen am heimeligen Desk auf simplen Mausklick hin vielfach wieder auszuspucken. Und dann, Stunden später das Unvermeidliche: irgendwer wirds tun: nämlich das Ende, nein.. nicht “verraten”- das klingt nieder&gemein. Nein: “einbetten” in eine der vielen Kundenrezensionen, ob nun hilfreich oder weniger hilfreich. Dieser Job wird GARANTIERT erledigt, ganz im Sinne von filmende.de Natürlich kann ich mir sehr gut denken, daß das Gros der Autoren -so sie ob ihrer späten Geburt sich anderes garnicht mehr vorstellen können- mit diesem allgegenwärtigen Geheimnisverrat, den für das Krimi-Genre diese Art öffentlich mitzugestaltende Kulturkritik darstellt, zu leben gelernt hat. Damit leben muß. Denn DAS wird NIE MEHR anders, höchstens schlimmer werden. (..)

Mich hingegen als naiver, reiner Nur-Leser störte das an Autorenstelle ganz gewaltig: So lange hat man an diesem Werk herumgeschrieben, recherchiert, ja: Verlags”vorschläge” à la “Schreiben Sie doch mal was über..” mit einem halb erstickten, inneren “Amen” quittiert, schlaflose Nächte mit bleich erhellten Gesicht in sonstig völligem Dunkel verbracht und sich als krönenden Abschluß auch noch ein mit der Story zusammenhangloses Cover aufbrummen lassen. “Aufmerksamkeitskriterien, you know”.. Und kaum schlägt das Buch in den Regalen oder Briefkästen auf, machen sich die Selbsternannten dran, in ihrem radebrechenden Genuschelstil die Spannung für alle zu verjubeln. Damned!! Oder wie seht Ihr das, Ihr Autoren??     Daß es wie hier auf reinretchen keine Stories -und Enden dazu- überhaupt nicht gibt, scheint das einzige Mittel dagegen zu sein. Ganz im Sinne von “Ich werde hier natürlich nur verraten, wie die Geschichte startet.

Das mag man sich mal selber ausmalen. “Papier und Bleistift” steuere ich gerne bei: zwei, drei hochkant geschnittene Fotos, deren Layout so tut, als ob es sich um den Anfang einer spannenden Geschichte handelt. Oder gar um die 1-bildliche Zusammenfassung der ganzen Geschichte. Sollte es also so etwas Modernes wie GretchenLEAKS hier geben, dann werden sich die Enthüllungen nur in extrem kontrollierten Rahmen bewegen. Bewegen können. Wo keine Story, da auch kein Ausplauderer. Yeah! Denn: Geheimnisse gehören zum menschlichen Leben. Nicht als Bedrohung, als Quelle der Unsicherheit, des sozialen Ausschlusses, gar als unüberwindbare Hindernisse, nein. Es geht hier um Geheimnisse der Literatur. Diese Geheimnisse sind eine, wenn nicht DIE Quelle der Inspiration.

 

 

Das ist das vierzehnte Reingretchen Kapitel. Alle Kapitel, die Krimicover und ein Interview auf reingretchen.de

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Musik beim Schreiben heute:

various artists: “Tougher Than Tough- The Story Of Jamaican Music”, Mango/ Island, 1993