Archiv für den Monat: Juni 2012

Mode schauen

Wieder mal lange herumgetrieben im Netz. Geguckt und gelesen, was andere so machen mit ner Kamera. Gelernt dabei: Fotografen, die am Puls der Zeit sind, sind auch am Puls von fashion. So schlingert man mäuslings irgendwann auch um Modemacher und -schauen. Entdeckung der Saison für mich : der Fotograf Nick Knight mit seinem showstudio.com:
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Interessant an dieser “Führung” finde ich die Erwähnung (3:20) , wie sich Mode und ihre faszinierende Entstehung mithilfe der Internet-Technologie und dem damit easily kommunizierbar gewordenen Medium Film völlig neue Wege zu den Fashionistas bahnt. Daß der Begriff des Mode Machens, des Teamworks mit der bewegten Komponente, die halt Fotos nicht, dafür Filmclips liefern, auf eine völlig neue Stufe der realitätsnahen, spannenden Darstellungsebene gehoben wird. Bewegte Bilder den Prozeß Mode viel besser veranschaulichen können als die klassische Modefotografie. Wie kann ich es noch ausdrücken?! Extrem informativ darum, als ich dieses Video entdeckte, in dem der angesagte Designer Gareth Pug höchstpersönlich und höchst unglamourös selbst auf den Knien herumrutscht, klebt, glattstreicht, ankreidet, im Hintergrund als Beschallung ein Who´s Who des klassischen 80er Elektro-New-Wave-Romantik Universums und ein gutes Maß Soul Hits der Siebziger (ok- Roisin Murphy ist auch mit im Mix ;-) Solche und sehr ähnliche Aktionen kenne ich auch beim Fotoshooting-Vorbereiten, das ich ab und an- viel zu selten!- bei befreundeten Kollegen miterleben darf: Daß ich auf diesem Blog scheinbar plötzlich aufs Thema Mode komme, hier eben aus der fotografischen Richtung, braucht Euch aber nicht allzu sehr verwundern: als Sprössling einer Damenoberbekleidungsschneiderin war das Thema Nähen eigentlich schon immer in meinem Gesichtskreis: die gute alte, fuß-getriebene Pfaff 230 begleitete mich mit ihrem elegant-sanften Geratter, mit dem Schwungrad unten, das mit Lederriemens´ Hilfe die Nähmechanik oben bewegte durch meine gesamte Kindheit. Erst viel später begann ich mich dafür zu interessieren, wie das denn so en detail geht: man den Ober- und Unterfaden einfädelt, spult, die Nadel wechselt, die Fadenspannung einstellt und dann: Stepp- und Zickzack-Stich setzt oder Knopflochränder kurbelt. Auch wenn dieser erste Artikel zum Thema Anziehsachen und wie darin aussehen nach Introduktion in ein neues Tätigkeitsfeld klingen mag: Modefotografie selber machen interessiert mich nur wenig- ungleich faszinierender finde ich das Fotografieren des Making-Of. Aber Großes Aber: Kleider machen Leute- das gilt immer noch, auch, wenn sich in unserem Zeitalter des Trash und Stilmix-Urwaldes, an dem sich keiner mehr stört, diese menschliche Grundwahrheit etwas unsichtbar geworden ist. Nicht, daß ich der Wiederkehr eines Styles oder gar der Rückkehr der 80er-Zwänge das Wort reden will- aber das beliebig Scheinende, Unauffällig-Erkennungsmerkmalarme der aktuellen Mode finde ich oft schade- mit etwas Willen zum Stil oder auch Geschmack könnte alles viel mehr Spaß beim Hingucken machen!

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Nachtrag: Eine kurze, knackige Einführung in DIE Modefotografen des Planeten “Angesagt” fand ich auf styleite.com

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Passende Musik beim Nachschneiden:

Roisin Murphy: “Overpowered”, EMI, 2007

Estelle Montenegro: “Waterfalls”, Elektrolux, 2001

Geometrieübungen und Flechten am Zaun

Frisch zurück vom Schwarzwald mit jeder Menge neuer Sommerbilder von Sommerfrische im Gepäck mußte natürlich gleich ein neues Sommerstartbild her:

Fand ich unglaublich, dieses Zusammenspiel zwischen Knalligkeit, Fleckigkeit, Farbkontrast und Sommerfeeling. Um dieses mit Comicstyle-Hilfe noch etwas schriller hinzukriegen und ohne das Bild zu zerstören hab ich die Zaunspitzen nachgemalt. Daraus ist dann gleich wieder ein Exkurs in Zahnradkonstruktion mithilfe Adobes´ geworden: Unterzieht man nämlich die gemalte weiße Fläche (oben) dem Filter Polarkoordinaten, ringelt sich diese in Richtung Zahnradform (blau, unten).

Das schreit natürlich nach mehr und besser. Mit einigen Veränderungen und -feinerungen bekommt man tatsächlich ein automatisch erzeugtes Zahnradförmiges:

Erstmal die Zackenform nachformen in a) Exakt und b) als einzelne – siehe oben das “Symbol” unten im Bild. Dann eine Zaunreihe daraus mustern, diese in die Bildmitte rücken- die Zaunenden müssen an die Bildränder stoßen, damit der Radring sich nach der Filterei schließt. Ebenfalls muß die Reihe waagrecht im Bild liegen, damit sich die Enden an einem Punkt treffen und nicht auseinanderstreben wie oben beim ersten Versuch. Anschließend folgte gleich noch eine schwarz-weiße Umblendung des Schriftzuges. das diesen allerdings etwas undeutlicher werden läßt:

Übrigens: die Farben habe ich nicht verändert, die waren so. Schade also um das rostrote Tännchen ;-( Aber ohne wäre mir dieses Motiv vielleicht gar nicht aufgefallen. Übrigenszweitens: wußte jemand, daß das Vorkommen von Flechten auf eine gute Luft hinweist?

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Musik beim Schreiben heute:

various artists: “Ayia Napa- The Album”, Ministry Of Sound, 2000

various artists: “The White Room”, Sony, 2004 Hamel: “Nobody´s Tune”, Decca, 2010

Zeit sparen durch VieleBilder gucken

Hört sich widersinnig an, dieser Gedanke. Fährt mir aber just in denjenigen Momenten durch den Kopf, wenn ich auf Bilder, Fotografenportfolios oder sonstige “Nester” durchschnittlicher Fotografie stoße und mich schnell beginne, ob dieser Unauffälligkeit zu langweilen, wenn nicht gar zu ärgern. Wenn ich am betreffenden Tag guten Willens bin, nicht weiterzappe, um vielleicht doch noch etwas Interessantes zu entdecken, gerate ich oft in Überlegungen, ob und wenn ja, welche dieser Bilder da, genau vor meinen Augen, ich selbst veröffentlichen, ja: überhaupt fotografieren würde.

Und da kommt oft ein spontantes “Niemals Nie und Nimmer Nicht!” in mir auf. Meine geäußerte ernsthafte, explizite Wortwahl wären Kommentare wie – sowas Langweiliges, Klischeehaftes, Branchenleveliges.

Die im Titel erwähnte “gesparte” Zeit wäre dann die im Anschluß, wenn zu entscheiden ist, was man selber anstellt mit und beim Fotografieren.

Und da hilft das Durchschnittliche, Gewöhnliche, überall Präsente sehr gut, es im persönlichen kreativen Leben zu vermeiden. Lieber fahre ich fort, mich von fremden Bildern begeistern zu lassen, als wild um mich Fotos zu schießen ohne Sinn und Lustigkeit.

Jedes Bild muß etwas Neues, Unbekanntes bringen. Muß mich beim Auslösen faszinieren. Und wenn es nur ein winziger Aspekt ist, der mich dazu bringt. Ist das nicht der Fall, sollte man sich den manigfaltigen anderen Lebensbereichen widmen.
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Musik beim Schreiben heute:
Thomas Fehlmann: “Gute Luft”, flow publishing/BMG, 2010

frisch erfundne Örtlichkeiten

Alte selbstgeschossne Bilder kann man nicht oft genug wiedersehen, finde ich. Ich benutze immer die Lust, ein neues Startbild/Portfolio/Blog-Ding zu machen als “Vorwand” dazu. So auch heute. Mit einigen Jahren digitaler Bildverarbeitung im Rücken wächst einem der Sinn für die Möglichkeiten eines Bildes und man kann aus Abgelegten etwas Neues zaubern. Etwas Neues zu zaubern versuchen. Nicht nur die persönlichen Fähigkeiten “in klassischem Bildausschnitt” können erneut auf den Teststand/die Spielwiese, auch lernt man, einem Bild im Rohzustand anzusehen, wie verbessernd sich Änderungen der Tonwerte, des Kontrastes oder der Farbbalance auswirken könnten. Und das können sie in frappierenden Maße. Ebenso die Phänome zur symmetrischen Bildspiegelung wollen an und an mal wieder ausprobiert werden, um zu Ergebnissen zu gelangen, die ästhetisch ansprechend sind, aber “verzeihbare”, das heißt mit konventionellen Mitteln erreichbare Manipulationen als Ursache haben.Zum Beispiel dieses eben “aufgeklappte” Spiegelbild hier, mit dem aber etwas nicht stimmt: es wirkt nicht wie wirklich exakt gespiegelt – bei ungenauem Hinsehen krieg zumindest ich das Gefühl, daß es sich tatsächlich um eine kleine Insel mit drei verschiedenen Baumgruppen handelt, deren Enden zufällig in echt so aussehen. So was kommt ja vor. Der Trick: die rechte Hälfte ist in ihrer horizontalen Ausdehnung um ca. 15% gegenüber der der linken Hälfte gestaucht. Aneinandergefügt habe ich einen zwar ausgeglichenen, aber nicht identischen Ausdruck erreicht. Ein Sinneseindruck der Irritation also, und, um den zu klären man beginnt, in wiederholten auffälligen Einzelheiten den “Beweis” fürs Gespiegelte zu finden – Kirchturm am Horizont, Müll am Abhang. Die aber hab ich rausgepixelt- um genau diesen Schwebezustand beim Betrachten zu erhalten. Durch die Ähnlichkeit des Landzungenendes mit einem Vogelkopf wurde ich ermutigt, das Wort blog an genau die Stelle zu schieben, die diesen Eindruck noch verstärkt. Interessanterweise geschah das an der rechten Bildhälfte, der gespiegelten. Sie erschien mir deshalb interessanter, weil diese Örtlichkeit durch die Spiegelung unbekannt für mich war. In gleichem Maße interessant fand ich die durch den starken Hell-Dunkel-Kontrast auf natürliche Weise möglichen Ausschnitte, die interessante Konstellationen mit dem einzufügenden Text der Menüpunkte bieten, ohne durch Drunterschieben halb transparenter Felder weiteren Einfluß auf die Sichtbarkeit nehmen zu müssen.Ebenso die Gesamtform als aktuelles Blogheaderbild -oben- birgt Reizvolles in ihrem panoramatischen Längsformat und der fotogenen Durchdringung von senkrechten und der waagrechten Formen. Den “richtigen” Himmel abgeschnitten, das Sich-Spiegelnde und die Silhouette werden betont. Farbe gibts fast keine, zumindest vom technischen Standpunkt aus gesehen, das Grüngräuliche steuert aber massiv die Emotion, die ich als gedeckt, in sich gekehrt- für dafür anfällige Gemüter zwanglos auch als depressiv beschreiben würde. Für mich indes ist da eine große Stille mit drin und die Faszination beim Anschauen von Wasserkräuseln und Mobiles. Am faszinierendsten aber fand ich bei dieser monatlichen Bildfindung schließlich eine Drittelung des Bildes mittels des nobelroten Balkens, der auf der Webseite in die Hintergrundfarbe übergeht, der die Schrift trägt und den Kontrast bringt. Dieser teilt obere und untere Bildhälfte in zwei von unterschiedlichen Bildern zu stammen scheinende Teile, die man komplett als sinnfreie Muster= bloßes Dekor beschreiben könnte, die aber tatsächlich im Originalbild genau an dieser Stelle liegen. Dieses interessante Mittel zur Gestaltung/Zerstörung von Fotos hab ich vor zwei Jahren schon mal angewendet, nachdem mir dieser frappante rezeptorische Kontrast der Hälften ein und desselben Fotos aufgefallen waren. Der “Trick” mit der nicht genauen Spiegelung übrigens geht zurück auf eine Entdeckung, die ebenfalls vor 2 Jahren stattfand. Mal wieder ein Beweis für die Fruchtbarkeit, sich mal wieder alte Ideen und -Werke vor die Augen zu schieben..

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Musik beim Schreiben heute:

various artists: “Blue Bacharach”, Blue Note, comp. 1997

Sugar Ray: “14:59″, Atlantic Records, 1999

Beim Nachschneiden am Tag danach:

Jamiroquai: “Rock Dust Light Star”, Mercury Records, 2010