Archiv für den Monat: April 2012

Alles neu MdM

Endlich! Der erste warme Tag ist da! Die Lebenslust bricht aus den Pullis und Jacken, läßt diese zum ersten Mal allein daheim oder verlassen auf den Rückenlehnen der Cafés zurück, die verschlossenen Aprilwettergesichter der letzten Wochen machen eine erstaunliche Veränderung durch. Alles ist endlich wieder sanfter, entspannter, die Stimmung gar grenzt ans Zugängliche, Nonchalante, Joviale, Abenteuerlustige.. Und ich sitze mit neuen Bildern und dem festen (Experimentier)willen an einer neuen Soodlepoodle-Startbildseite. Und will alles. In einem Bild! Alles, was für mich neu ist diesen neuen Mai. Also mal sehen: erstmal: le Frühling- das fertige Ergebnis Dann entdecke ich im frisch vom Entwickeln abgeholten Bilderberg ein hochauffliegendes Mitbringsel meiner “Industrietourismus-Exkursionen”, ein extremes Weitegefühl hab ich bei solchen Bodenbildern- diese Touren zur Großbaustelle am Rhein werden übrigens so alle sechs Wochen fällig. So lange dauert es im gefühlten Durchschnitt, bis sich wieder Größeres getan hat: das fertige ErgebnisZu den vielgestaltigen Sensationen dieser speziellen Stelle in Mannheim gehört natürlich auch beim Blick übern Zaun der nach unten, übers vollgestellte Gelände auf diesen total überdimensionierten Baukasten mit diesen begeh-, ja: fast bewohnbar scheinenden Einzelbauteilen.. das fertige ErgebnisEs geht los: beide Industrieröhrenbilder einfach mal übereinanderlegen (denn: ich will ja alles), dann sachte ineinanderblenden. Aha: der Schornstein bleibt, bekommt allerdings eine neue räumliche Wirkung mit Wulsten, Farben und Wölbungen- der Flieger verschwindet fast vollständig in der Struktur der Röhrenteile: das fertige Ergebnis Und so schält sich eine neue Form heraus in der Mitte; die sollte man mal noch etwas betonen, mit der dazugehörigen Öffnung da rechts. Also schneide ich den fehlenden Umriß aus, fülle ihn mit Schornsteinfarbe. Erinnert mich nun an Schiffsaufbauten und Blechblasinstrumente, diese Form. Aha, da gibts noch einen sichtbaren Schnitt/Übergang zur glatten Linie des rechten Schornsteinrands- also brauchts noch etwas Kosmetik, um den Übergang glatt zu bekommen, ebenso stimmen Farbübergang und -sättigung noch nicht überein: das fertige ErgebnisOk, aber nun mal links auch etwas anbauen- eine fast schon organisch-menschliche Figur, die fragmentarisch daherkommt und auch an einen Retro-Roboter mit zurückgeschlagenem Reifrock erinnert- gefällt mir! das fertige ErgebnisNun habe ich eine Übereinanderblendung zweier Bilder mit geometrischen Formen- Röhren, Stangen, Gehäuse. Aber irgend etwas fehlt noch, bislang ist mir das Bild zu durchsichtig, zu wenig geheimnisvoll.. Also drehe ich den Frühling auf links: das fertige ErgebnisUnd den nun schön dosiert über das Werk legen. Jo! Das fügt Struktur hinzu und verwischt die Grenzen der Ingredienzen schön weiter in Richtung Unentwirrbarkeit, denn die Tiefenwirkung der blauen Umgebung wird aufgelöst durchs Geäst und bekommt etwas Nebulöses. Also genau den angestrebten Grad an Geheimnisabbilderei: das fertige Ergebnis Voilà- fertig: mein Frühling 2012, Aufbruch und Mysterium, wenn man das Bild ohne “Tour” zum ersten Mal erblickt- also alles, was der Soodlepoodle so will! Und beim Hochladen bemerke ich ein persönliches Jubiläum, genau heute: dies ist mein 50ster Artikel auf diesem blog ;-) __________________________________________________________________________ Musik beim Schreiben:

Steely Dan: “The Royal Scam” MCA, 1976

Frank Runhof´s High Voltage “Play The Music Of Hank Mobley” 2007, Hot `n`Cool

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29. April 2012- der Tag danach. Nachschneide-Termin:

Aber das ist a) weder alles noch b) eigentlich das Interessanteste- das bemerke ich immer, wenn ich mir irgendwelche Making-Ofs als Bonus auf Spielfilm-DVDs anschaue. Es kann zwar sehr informativ sein, einen Blick hinter die Kulissen zu erhaschen. Doch da bleiben die mir immer wichtigsten Fragen offen: die nach dem kreativen Vorgang selbst. Der oder die KünstlerIn erklärt, demonstriert, plaudert aus dem Nähkästchen, schreitet im Studio hin und her, weist mit erhobenen Armen gestenreich auf Details, zeigt Originalschauplätze, lädt live youtube-Tutorials hoch, nennt Bezugsquellen und listet genau auf, woraus dieser Kuchen en detail gebacken ist..

Aber, was genau sie/ihn dazu bewog, diese (und keine anderen) Ingredienzen auszuwählen, welche Impulse während des Vorgangs der Kreation diese eminent beeinflußt haben bleibt als Info auf der Strecke.

Denn hier stößt man -auch als Verursacher- an Grenzen, die der Kommunizierbarkeit der Inspiration, des Geschmacks, der Lebenserfahrung, des persönlichen Wissens, der Stimmung zu diesem bestimmten Moment wie auch des Zufalls gesteckt sind. Höchst fasziniert wäre ich, würde diese Art der Dokumentation jemanden bis ins Detail gelingen können, den Vorgang der Kreation festzuhalten. Als -immerhin bemühtes- Beispiel kann ich in diesem Fall das Fortschreiten der Ideen nachzeichnen, die ich beim Gestalten des Menüs auf dem Portfolio erfuhr/vollzog, das ich gestern abend schon begann. Zum Teil aktiv, zum Teil auf eine “akzeptierende Art” passiv und ausprobierend. Stufenartig immer weiter gelangend bis zum -von mir irgendwann plötzlich als solches bestimmten- fertigen Ergebnisses.

Aber: warum ich gerade besagte Bilder ausgewählt habe, die Gründe für die Reihenfolge, in der alles ablief und welche Vor- und Rückschritte bis zur Erreichen des Vollendeten ich tat: es bleibt im Unerklärbaren. Dafür bleiben: Intuition, Impuls und Zufall. Mit diesen Bällen jonglieren meine Erfahrung, mein Wissen und mein ästhetischer Geschmack.. Den Anfang machte der Eindruck heute morgen, das entstandene Startbild sei zu massiv, zu dunkel und düster für den ursprünglichen Zweck, die Macht des Frühlingserwachens zu illustrieren. Also testete ich eine Light-Version:

ein frühlingshaftes, helles, doch zu verwirrendes Experiment..

Durch Schichtung der diversen Bildelemente, in Internet-Menü notwendigerweise hauptsächlich Schrift und eine sehr helle Version der “Frühlingskomponente” erhielt ich zwar den angestrebten Eindruck, doch das Wichtigste an einer Benutzerführung im Netz, die Lesbarkeit, litt in unakzeptabler Weise. Und die Schrift einheitlich mit Kasten zu hinterlegen hätte das Bild noch mehr als störend degradiert. Zu viele Köche also. So kippte ich alles auf Kontrast, sprich hier: wieder der ursprüngliche dunkle Hintergrund, helle Schrift. Diese verschob ich in einen Bereich des Bildes, das ihre Lesbarkeit fördert, ohne allzu brav nur auf gleichmäßigem Grund allein auf Funktionalität zu bauen: ein bißchen Design, Verspieltheit sollte schon sein.

ein frühlingshaftes, helles, doch zu verwirrendes Experiment..

Beim zweiten Blick drauf fand ich das schnell überfrachtet und irgendwie erinnerte es mich ungut an ein ebensolch überladenes Edeldesign aus den Achtziger Jahren. Also besann ich mich des reinigenden Effekts einer farbigen Schicht, die Klarheit und Detailinfos des Bildes ausbalancieren sollte. Farbwahl: DA5A67, das Weinrosarot des Hintergrundes, das ich eigentlich nur so mal die Regler hin- und herschiebend ausprobierte, das sich aber als reizvoller heller, warmer Kontrast zum dunkelblau/beigen Bild erwies. Ebenso raus flogen die dicken Lettern des Soodlepoodles, die in transparentgelb das Plakative repräsentieren sollten, eigentlich aber zum Eindruck der Überladung nur beitrugen. Die Schrift wurde größer gezogen, die wichtigen Funktionen betont. Ebenso gab ich drei Fotos, aus denen das “Endergebnis” geworden ward gestern als Fries dazu, aber das war es ebenfalls nicht:

ein frühlingshaftes, helles, doch zu verwirrendes Experiment..

So geht es mir oft beim Designen: ich versuche, Störendes zu beseitigen und ernte entweder neues Störendes oder ein flaues Gefühl des faulen Kompromisses. Alles wirkt dann hauptsächlich entschärft. Dieses Himbeerrot über allem macht wieder die eigentlich für gut befundenen Idee der Darstellung der drei Ingredienzen des fertigen Bildes wieder zunichte. Also schnitt ich es an dieser Stelle weg und drehte kräftig am Sättigungsregler:

ein frühlingshaftes, helles, doch zu verwirrendes Experiment..

Nun waren alle angestrebten Punkte erreicht: mit einem Bild das vorhergehende Startbild grafisch/optisch zu “erklären” und diese Collage als Zitat und laufender roter Faden namens Stringenz in Einklang mit einem Menü zu bringen. Alles im Sinne eines durchdachten, nachvollziehbaren “guten Designs”. Doch nun fand ich das Look-And-Feel überladen, langweilig und über erträgliche Maßen hinaus zu konventionell. Also half nur die Tabula Rasa weiter:

ein frühlingshaftes, helles, doch zu verwirrendes Experiment..

Die Hintergrundstruktur weggeworfen, blieb nur das Wesentliche übrig: 14 Menüpunkte und eine grafische “Auflösung” des Startbildes, von dem man sich gerade auf diesen Bildschirm hergeklickt hat. Erstmal, ohne auf Farbe und Anordnung der Bildelemente zu achten. Wie nun weiter, mit diesem “weniger ist mehr”? Vielleicht experimentell weitermachen? Zum fertigen Bild gehören auch noch die nahtlos integrierten, “selbstgemalten” Flecken, die Farbveränderungen= andere Formwahrnehmungen rechts und links vom beigen Mittelstück bewirken. Rezept: nur diese beiden plus in klein die drei Bilder. Wie eine Bausatzliste: “In dieser Packung enthalten sind..” Aber das Ergebnis war mir wieder zu ohrencomic-haft, auf den ersten Klick Null nachvollziehbar, welchen Zusammenhang dieses Bild mit dem davor haben könnte- also dramaturgisch suboptimal gelöst. Ebenso paßte zu dieser elemtaren Fächenverteilung weder die verwendete Schrift noch die unterschiedlich großen Schriftgrößen. Da wäre ne kragelige Schreibschrift quer und einigermaßen schludrig durchs Bild passender gewesen. Also wieder völlig ungeeignet im vorliegende Falle.

ein frühlingshaftes, helles, doch zu verwirrendes Experiment..

Als gestalterische Herausforderung -nicht nur im Webfalle- erlebe ich die selbstgestellte Vorgabe einer Motivwiederholung auf a) Start-, b) Menü- und c) Blogseite, die verschiedene Aspekte in anregenden Ausschnitten und damit das Spannende am Anschauen per se optimal erreichen soll. Unter diesem Gesichtspunkt gesehen, war die Comic-Idee eine Freude & vielleicht ganz brauchbar für spätere Projekte, hatte aber hier, unter diesen Prämissen nichts zu gewinnen. Also nahm ich mir nochmal das Originalwerk her. Ich erstellte einen beweglichen Rahmen, den man wie ein Passepartout übers große Original bewegen kann, um einen Ausschnitt zu finden, der zugleich erklärend und mysteriös im Detail wirken kann. Diese Technik hab ich auch schon zufriedenstellend bei vergangenen “Operationen am Startmenü” angewandt:

Drei in Einem

Nach allen den beschriebenen Versuchen oben vermutete ich, daß das Bild vom Menü getrennt am besten wirken würden. Also galt es, Bildteile nebeneinander statt übereinander zu platzieren. Nach kurzer Zeit fand ich den mir am besten wirkenden Ausschnitt, der mich an alte Blümchentapete und fernöstliche Kimonostoffe erinnert. Mit den invertierten Gestängen und der Schattierung als bauchige Kugeligkeit in Kombination optimal, um die Betrachter näher und gleichzeitig faszinierter vom Mysterium heranzuzoomen.

ein frühlingshaftes, helles, doch zu verwirrendes Experiment..

Nun bin ich bei dieser Endversion angelangt. Und zufrieden: erreicht ist Ausgewogenheit in Bild-Text, Farbe und Fläche und die wichtigen Punkte sind sofort erkennbar: es geht um Fotografie, ein Klick zur Info =blog, einer zu den versammelten Bildern =overview. Diesen Überblick lasse ich seit Neusten von Google zusammenstellen, das natürlich völlig andere Kriterien zum “Bilderranking” anwendet als ich. Oben rechts die brav versammelten Menüpunkte, vom Urheber persönlich ausgesucht und handeingepflegt. Mit dieser zwei gegenläufige Strategien simultan verfolgenden Seite bin ich äußerst d´accord: vorher Unbekanntes erlangt Gestalt(ung) und Inspirationspotential. Beides in einem, wenn auch manchmal längere Zeit benötigenden Arbeitsvorgang verwirklicht. Das Schönste: diesen Anregungseffekt gibts nicht nur für die Betrachter des Endergebnisses, sondern vor allem für mich als Macher. __________________________________________________________________________ Musik beim Schreiben:

Massive Attack: “100th Window” Virgin, 2003

Cypress Hill: “Black Friday” Sony, 1993

Stanley Turrentine:”Salt Song” Epic, 1971

Miles Davis: “Kind Of Blue” CBS, 1962

Bob Curnow´s L.A. Big Band: “Plays The Music Of Pat Metheny And Lyle Mays” The Mama Foundation, 1994

Das Kitzeln in den Augen

“Ausgewogenheit als Anforderung an ein gelungenes, “starkes” Foto”- über diese Formulierung meines letzten Blogartikels stolperte ich beim Wiederlesen und fing an, mir Gedanken über ihr Wesen zu machen. Ein zentrales Thema in der Fotografie, das man schnell mißverstehen kann, denn: Ausgewogenheit setzen viele gleich mit: langweilig. Das anzustrebende Angenehme der Ausgewogenheit würde ich aber für die fotografische Arbeit und deren Bild-Ergebnisse etwas anders deuten: die Möglichkeit des goldenen Schnittes, die ausgleichenden Symmetrie, eine Ton-in-Ton-Farbestaltung sind ja lediglich klassische Mittel, Ausgewogenheit und Harmonie in Bildern zu erreichen. Aber da gibt es noch mehr…VariationenHier ein dreifaches Beispiel dafür, welche Bildgestaltung/aufteilung mit einem (!) Foto, zerschnitten und wieder zusammengesetzt, möglich ist. Welches ist das Ausgewogenste? Oder ist es die Summe aller drei nebeneinander, die ein harmonisches Gefühl beim Anschauen erzeugt? Der klassische Triptychon-Effekt?

Warum also nicht wieder mal ein kleines Interview zum Thema!? Also wird el Berndo herbeizitiert, der folgende Fragen formuliert:

Mr. Poodle, als Fotografierender knabbert man immer am Thema “Gutes Bild” herum. Warum denn nur?

Es geht um das Kitzeln, das ich in die Augen bekommen will, wenn ich Bilder anschaue, mich aufs Bewußt-Schauen konzentriere. Das sollen auch meine Fotos! Zum Schauen selbst brauchts natürlich keine Bilder, Fotos oder Gemälde, aber sie helfen dem herumflottierenden Geist, sich auf diese erfreuliche Tätigkeit zu konzentrieren. Es geht um die Freude, Ästhetisches aufzunehmen, man könnte auch platt sagen: Schönheit. Für mich hier in Deutschland hat dieses Wort aber einen recht muffigen Geschmack. Beauty ist da zeitgemäßer, finde ich, unmuffiger, unlangweiliger, jünger, elektrischer; sie bezieht das augenblickliche Leben mit ein und den Vorsatz: Ich will von einem schönen Anblick berauscht werden. Bei mir schaffen das zu einem sehr großen Teil: Proportionen. Formen und ihre Lage, ihre Größenverhältnisse zueinander. Natürlich auch Farben. Oder der Anblick von Wiederholungen = Muster; aber nicht in demselben Maß. Und als jemand, der das mit einer Kamera erzielen, festhalten mag, gibts eine willkommene Erleichterung, die aber auch gleichzeitig Herausforderung par excellence ist: Der fotografische Rahmen. Immer findet ein Bild innerhalb dieses begrenzten Viereckes statt. Seine Elemente, die Wirkung der Schönheit wird durch diesen Rahmen erst möglich, nicht nur in der Fotografie.

Sich aufs Bewußt-Schauen-konzentrieren- demnach eine nur manchmal willkürlich ausgeübte Tätigkeit?

Natürlich! Der Gesichtssinn ist ja nicht nur zum Genießen da- meistens soll er ja nur verhindern, im Leben irgendwo anzustoßen (lacht). Schaut man sich das Bild oben an und findet, da könnte der Masten doch auch senkrecht im Bild stehen, hat man es- ich habe nachgemessen- mit einem winzigen Winkel von 2,3 Grad Linksneigung zu tun. Daß einem das auffällt, stört, oder, wie in meinen Augen: kitzelt, ist erstaunlich, nicht wahr? Ein Hinweis darauf, wie sensibel man doch für feinste Nuancen ist. Und diese Nuancen, die vom Fliegengitter/Millimeterpapierraster abrücken und trotzdem was schaffen faszinieren mich. Für mich ist Ausgewogenheit auf Fotos etwas, das man eben nicht mit dem Lineal nachmessen kann. Mit anderen Worten: oben erwähnte mathematische Konzepte rein angewendet- das ist mir zu wenig.

Ein Bild, dessen harmonische Ausstrahlung über eine mathematisch erreichbare hinausgeht?

Genau. Das Ganze sollte meiner Ansicht nach- ganz das Gegenteil- mit und durch Störungen dieser abstrakten Perfektion funktionieren. Eine solche Art Balance will ich in einem Foto verwirklicht sehen. Ein Bild-Zustand, der das allgemeine Chaos der Welt gerade so, für einen Sekundenbruchteil hinter sich gelassen hat. Und das nur durch die Ordnungskraft des Fotografen, der diesen flüchtigen Augenblick in seinem Viereck festhält.

Als so ne Art ZielFotografie der auf dieser Welt erreichbaren Perfektion?

Sehr poetisch ausgedrückt- genau das! Zur Gesamtwirkung beitragen müssen natürlich auch die anderen Bildelemente: die Verteilung der Gewichte: das große Dunkle oben, dazu das “Gegengewicht” der hellen Mitte plus die angeschnittenen Gebäude- und Lampenzipfel unten. Ich finde darüberhinaus, daß sich die beiden Masten in ihrer “senkrechten Wirkung” perfekt ergänzen. Der eingefügte Schriftzug verschiebt das Feld des Interesses nach links, die Gesamtwirkung aber bleibt ausgeglichen- hab ich ausprobiert. Die beiden Worte komplettieren das Bild für mich, ohne sie würde mir etwas fehlen. Mir wäre das Bild dann zu langweilig.

Es kommt also auf ein Zusammenspiel an? Von schrägen Einzelteilen?

Genau! Sich einen Sinn wachsen lassen fürs entstehende Ganze, das auf anregende Weise harmonisch, das heißt: unlangweilig wirkt. Je “schräger” die Komponenten, desto interessanter, klischvermeidender, finde ich, und versuche mich an diesem Thema stets aufs Neue, sobald ich eine Kamera in Händen halte. Das ist für mich das Kriterium für ein gutes Bild.

Aber ein Bild besteht doch aus mehr als nur der Lage der Teile!

Natürlich, für mich ist die aber irgendwie die wichtigste Komponente. In meiner 2. Abteilung der Bildelemente, die der Farben sind es im Bild hier: das Goldgelb gegen das komplementäre Abendblaugrau, ebenso wie das Fehlen der Lichtquelle im Bild selber, die meinen Blick hier festhalten. Farben sollten ebenso wie die Formen eine Art Reibung beim Betrachten erzeugen. Das muß keine unangenehme Reibung sein. Gerne schau ich auf etwas Anregendes, wie olivgrün gegen orange zum Beispiel. Ein gutes Bild sollte mich beleben wie eine Tasse Kaffee, ein gutes Buch mit Ideen, die mir neu sind, oder der Anblick, die Begegnung mit einem schönen Menschen.

A propos Menschen auf Deinen Bildern- davon gibts bei Dir ja nichts außer den Musikerporträts bei der Arbeit.

Und die Making-Of Bilder, die sind ja auch mit Leuten (lacht). Aber das kommt ja vielleicht noch, mal sehen. Liegt zu einem Teil daran, daß mich Porträtfotografie, ebenso wie Street Photography nicht besonders herausfordert, vor allem kann ich beim Inszenieren der erstgenannten so gar kein Kribbeln verspüren. Das überlasse ich gerne anderen. Beim Thema Strasse solchen Größen wie etwa Constantine Manos, Joel Meyerowitz, Martin Kollar, Vivian Maier oder Alex Webb. Bin aber mit der Kamera gerne dabei, die flüchtigen Augenblicke eines Porträt-Shootings festzuhalten. Da kommt noch eine mich sehr reizende Spannung beim Schnellsein dazu, kommende Konstellationen zu erkennen wie hier:
Aminis Crima beim Videodreh

Das sind die Aminis beim Videodreh zu “Allein”. Das fertige youtube-Video ist leider verschwunden… Wer sich für meine gesamte Making-Of Bilderstrecke interessiert, klicke hier.

Für mich gehört so eine Making-Of Fotografie eher zum fotografischen Sport..

(lacht)- Jep! Da bin ich immer gerne dabei, vor allem, wenn ich mich 360-Grad-mäßig im Geschehen bewegen kann. Dieses sollte- und wird- durch mich natürlich nicht gestört werden, aber so kann ich aus allen Richtungen entdecken..

Dann gibts noch die Unschärfe im Bild, die, wie ich höre, eine Art Dauerkomponente Deiner fotografischen Arbeit ist.

Stimmt- der ein starkes räumliches Gefühl erzeugende Kontrast zwischen scharfgestellten und unscharfen Bildstellen kann durchaus ebenso dramatisierend und lebendig wirken. Durchgehend scharfe Aufnahme empfinde ich oft als langweilig, wenn sie nicht gut komponiert sind. Unschärfe läßt die Formen verschwimmen, die Proportionen treten noch deutlicher hervor. Das dürfte der Grund für diese Vorliebe sein- das Emotionale, das sich deutlicher zeigt bei “verschwommenen” Bildern.

blurred musicians

Wenn ich dann mal zusammenfassen darf: Ausgewogenheit ist bei Dir mehr Qualität als Harmonie, die die klassischen Regeln zwar sehr wohl kennt, aber sich damit nicht zufrieden gibt aus Gründen der Klischeevermeidung?!

Könnte man so sagen- eine Art sinnliche Wohltemperiertheit, die mich, einfach beim Betrachten, emotional und sinnlich erfaßt. Und das ist heutzutage ob des Bilderoverkills und der Trashästhetik, die alles zu überschwemmen droht, schon eine Leistung (lacht).

__________________________________________________________________________ L-Musik beim Schreiben heute:

David LeMaitre: “Valediction”

lemongrass: “lumiere obscure”, Mole Listening Pearls 1999

Slop Shop: “Makrodelia 2″, Poets Club Records 2005 (Pausenmusik..)

Luz Azul:”Luz Azul”, Mas Que Nada Music, 2005

Donna Lewis: “Donna Lewis”, Atlantic1996

Zum Nachschneiden:

The Sushi Club:”Neo Sashimi”, Elektrolux 2000

Mitlicht vs. Gegenlicht als Sieger bei Siegerinnenturm

Da habe ich aber jetzt echt gestaunt. Daß am Ende nun diese spezielle Aufnahme der Gewinner des nächsten Postkartenplatzes geworden ist. Irgendwie so entgegen allen augenscheinlich grundsätzlichen fotografischen How-To-Shoot-Regeln. gegenlicht Die zielen generell auf Ausgewogenheit und Dramatik als Anforderungen an ein gelungenes, “starkes” Foto. Die angestrebte Wirkung hängt zu einem wichtigen Anteil von der Konstellation ab, unter der Lichteinfall, Motiv und Kamerablickrichtung zueinander positioniert sind: direkt gegen das Licht fotografiert beschert diese Regel zwar Aufnahmen mit der angestrebten “dramatischen” Wirkung, dasselbe Licht droht aber im Gegenzug, Farbe und Details auszulöschen, ja, die gesamte Identität des Dargestellten zu verwischen. Wie hier rechts: da wird aus einem ansehnlichen Motiv durch übermäßige Lichteinstrahlung ein blasses Viereck, das man nur unter Zurateziehen der übrigen Bildteile als Hochhaus in der Nähe einer Wasserfläche deuten kann.  alt= Ganz anders das Mitlicht. Mit der Sonne, diversen Leuchten oder dem Blitz im Rücken können mit der Kamera alle Details genau aufgezeichnet werden. Dafür gaanz schlecht: ohne Schatten hat es der Betrachter mitunter schwer, die Dreidimensionalität des fotografisch Dargestellten zu dechiffrieren, die ja hauptsächlich vom Hell-Dunkel, den beschatteten Partien abhängt. Mitlicht mag demnach gut für Landschaft und einen Detailreichtum sein, der sich an Farbe oder Form festmacht.

Dreidimensionale Oberflächenstrukturen im Bild darzustellen, dafür ist Mitlicht ungeeignet, arbeitet man nicht mit anderen Symbolen für Tiefen wie Schärfe/Unschärfe. Durch Mitlicht mag ein Foto gar äußerst befremdlich, schwer zu fassen oder gar unecht und künstlich wirken. Außerdem- weiteres banales Phänomen- kommt einem dabei im Freien oft der eigene Schatten in die Quere, der entweder umgangen oder – bitte als absichtlich erkenntlich- in die Gesamtkomposition eingefügt werden will.

Mitlicht Richtung Mannheim Neckarstadt

Mischung aus Gegenlicht und Mitlicht Bei einer Mischung aus verschiedenen Motivarten und Lichtrichtungen gelingen Bilder, auf denen sich beide Vorteile ergänzen können wie hier links: die schwarzen Shilhouetten, die das Gegenlicht erzeugt und die Weite, die das dahinterliegende Mitlicht zusammen mit der partiellen Unschärfe erzeugen hilft. Diese ganze Theorie verliert aber ihre Gültigkeit, hat man es als Motiv mit durchsichtigen oder stark reflektierenden Kandidaten zu tun. In meinem Fall wäre das der Mannheimer Viktoriaturm, eins der neueren Wahrzeichen-ob-schierer-Größe, der sich direkt am Hauptbahnhof in den Himmel reckt.

Anbahnung der Elemente.. Obwohl in Mannheim eher Gegenstand recht kontroverser Diskussionen, gehört er ob seiner bloßen Sichtbar- und Unvermeidbarkeit beim Blick über Mannheim einfach dazu, ebenso wie seine fotogene urbane Anmutung durch die riesige Glasfläche zur Agenda meines Postkartenprojektes. Daß es aber fast vier Jahre dauern würde, bis ich ein als Postkartenmotiv taugliches Bild dieses Bauwerkes würde erstellen können, hätte ich jedoch nicht gedacht. Wie man an der kleinen Collage unten sehen kann, ist er in fotografischer Hinsicht sehr vielgestaltig darstellbar. Einmal als fremdartiges, türkises Viereck, in einer meiner ersten Postkarten als Beiwerk gewissermaßen schon einmal verwirklicht, wie man in der Mitte sehen kann. Dann von aufstrebend stromlinienförmig dynamisch bis klotzig sichtverspeerend fremdkörperlich- alles ist möglich. Doch die Herausforderung bestand in einem Einzelporträt.

Victoria-Turm Mannheim Alle Arten von Licht und Betrachtungswinkel, die man auf dieses Bauwerk haben kann, bergen ästhetisch-urbanes Potential. Es kommt also mal wie fast immer auf die persönliche Sichtweise an, was man daraus macht. Welche Art von Bildsprache und Symbolismen man anwenden will, um welche bestimmte Wirkung zu erzielen. Nicht zuletzt ist es das Wetter, präziser gesagt: die Atmosphäre im geologischen Sinne, Himmel und Dunstigkeit ums Motiv oder gar zwischen Motiv und Kamera, die helfen kann, solch dramatische Anblicke zu erzeugen wie diese hier:

the most dramatic version of Victoria Tower Mannheim.. Als Grußkarte finde ich dieses Bild allerdings pretty ungeeignet. Filmplakat, Buchdeckel, als Außen”requisite” an einem Filmset oder ein ähnlicher Einsatz als Dramatikverstärker wären ok, aber nicht im Postkartenständer.

Noch eine kleine Anmerkung für Interessierte: die für die Bildwirkung nicht unerhebliche Vignettierung ergab sich auf klassischem Wege durch die Physis des verwendeten Teleobjektives.

Wie man an der Vielgestaltigkeit dieser Aufnahmen sehen kann, habe ich ein zähsanftes Ringen um ein geeignetes Bild hinter mich gebracht. Eine durchaus sportlich zu nennende Aufgabe, die ich gespannt anging, als das Postkartenprojekt deutlich spürbaren Einzug in mein Leben hielt und die ich alsbald als zeitaufwendig akzeptieren lernte. Sehr wohl sammelte sich da recht zügig Brauchbares an: gleich zu Anfang zum Beispiel war das Bild hier unten links mein Kandidat für diese Postkarte: die Außenwand des Turmes scheint sich durch die Totalreflexion der Wolken förmlich aufzulösen. In der “realen” Version als Print gar schien sich bei längerer Betrachtung Himmel gegen diese Schneide, die der Turm von seinem spitzen Winkel her gesehen darstellt zu bewegen. Aber irgend etwas fehlte mir noch.. Bis vergangenen September.

Da versetzte mich der Blick auf tiefblauen Himmel und wie von Künstlerhand geformte Wolkenformationen in Aufregung und ich trat mit Kamera ins Freie..

Victoria-Turm Mannheim by Soodlepoodle

Da war es, besagtes Mitlicht. Stark satte Farben, die ebenso kräftigen Kontraste und diese märchenhaften Wolken. Der Turm rechts spiegelt zwar auch teilweise den Himmel, die Sonne – direkt hinter/über mir in gleicher Blick-Richtung – zeichnet perfekt das dreidimensionale Innere des Treppenhauses. Wie mit einer medizinischen Stirnbeleuchtung oder Grubenlampe sieht man alle Details erhellt. Mitlicht gewinnt übers Gegenlicht. Die durchaus dramatisch zu nennende Wirkung entsteht meiner Ansicht nach allein von den Formen, ihrer Konstellation zueinander und dem scharfen Gegensatz mathematisch-tehnisches Menschenwerk und galaktisch gezeichneter Himmel. Ebenso gebrochen habe ich mit einer anderen gestalterischen Regel: ich vermied jegliche Symmetrie, die im vorliegenden Falle allzu nahe gelegen hätte: hoch aufstrebende Gebäude erhalten erst durch sie ihre sichtbare Majestät und Denkmalstärke. Doch diese höchst unwahrscheinlichen Wolken, die sich während der ganzen Aufnahmeprozedur, die sich gerne über eine Viertelstunde hinzog, ständig zu neuen Mustern gruppierten, stellten die ungemein inspirierende Herausforderung, sie würdig ins Bild mit einzubeziehen. Von der kompositorischen Anordnung (in diesem Artikel) ganz zu schweigen: Geometriestunde mit Soodlepoodle PS.: Weitere gefundene interessante Betrachtungen städtebaulicher Art auf jovis.de weitere Details zum Bauwerk selbst auf akbw.de

__________________________________________________________________________ Musik beim Schreiben heute – ich browse durch den Buchstaben “F“:

The Fratellis: “Costello Music” Universal Island Music, 2006

Felix Da Housecat: “Kittenz And Thee Glitz” CityRockers, 2001

Victor Feldman: “Suite Seven- The Music Of Victor Feldman”, Contemporary, 1958

Toufic Farroukh: “Ali On Broadway”, Skydog 1994

Donald Fagen: “Morph The Cat”, reprise 2006

beim Nachschneiden am Ostermontag:

David LeMaitre: “Valediction” AdP Records, 2010

musikalische Retrospektive durch Frühjahrsputz

Die Art des Anlasses ist eigentlich Nebensache, im augenblicklichen Falle ist es das Erwachen des Putzwillens zur Frühjahrszeit: überfliege ich doch mal wieder mein fotografisches Musikerarchiv und picke hier einige gefällige Aufnahmen heraus, um sie dem Vergessen zu entreissen:Farbgewitter mit Lorenzo aufgenommen am 9. März vor schon wieder drei Jahren sieht man hier Jens Loh im Farbgewitter ;-) des Theatercafés. Tatsächlich versteckt sich hier noch Musiker #2 zwischen Farbflecken und Drumset, nämlich Patrick Manzecchi. Noch mehr Farbgewitter gibt hier im Mannheimer Jungbusch, als Spaniol4 die kunterbunt fleckig beleuchteten Bretter betritt. 8. Februar 2008 hier das Datum.. Jazz im Busch mit Spaniol4 Von draußen sieht das Ganze, diesmal am Abend des Gigs mit Christopher Dells DRA So aus, Besetzungsliste, Uhrzeit, Datum, Aufführungsort etc. inklusive: Jazz im Busch mit DRA David Anlauff bei Jam im Café der alten Feuerwache Bei diesem, etwas bearbeiteten Bild dürfen wir dem Schlagzeuger David Anlauff beim Jammen im Café der Alten Feuerwache Mannheim zusehen. Im höchsten Maße konzentriert, obwohl er eher abwesend wirkt.           Durch die Scheiben des oben erwähnten Cafés aufgenommen, das folgende “moody” Bild. Für mich eine perfekte Darstellungsidee von Late Night und Jazz. Könnte ein Cover mit entsprechender Musik zieren.. In der Durchführung noch verbesserungswürdig, die Atmosphäre stimmt aber:Jazz im Busch mit Spaniol4Zum Schluß der ersten Putzaktion noch ein eigentlich unmögliches Bild: 11 (!!) Musiker plus Instrumentarium auf der dafür eigentlich nicht geeigneten (da zu kleinen) Bühne der Mannheimer Klapsmühl. Wie ein conferencierender Geist davor mit Mikro: Bandleader und Kompositionsquelle Rainer Tempel. Wir schreiben den 11. April 2006 Rainer tempels Eleven live in der Klapsmühl Das Ganze wird im Zuge des anhaltenden Frühjahrsputzes fortgesetzt. Mehr bislang “offiziell” erwählte Musikerbilder auf meiner anderen Seite.

__________________________________________________________________________ Musik zum Putzen und Mitsingen heute:

Della Reese: “Della Della Cha Cha” RCA (BMG) 1960

various artists: “luxury house for an exciting vacation on san andrés islands” mixtrax 2001 Eva Mayerhofer “Lofty Ground”, Personality Records 2012 Logo by Soodlepoodle

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