Archiv für den Monat: Februar 2012

Mit Licht 2012

Faschingssonntag. Umzugssonntag. Dieses Jahr war Ludwigshafen dran mit dem gemeinsamen Ahoi aller versammelter Narren des Rhein-Neckar-Dreiecks. Das wechselt hier jedes Jahr, schön fair, zwischen den Städten. Wäre ja auch blöd: zwei nur durch den Rhein getrennte Städte machen sich beim Fasching Konkurrenz. Mit zwei halb so langen Zügen.. Ich packe natürlich die Kamera ein, um mit einiger Erwartung, obschon etwas unmutig, mit dabei zu sein- ich bin halt nicht so der Fan vereinter guter Laune exakt drei Tage vor Aschernmittwoch. Doch ich denke: vielleicht ergibt sich ja ein interessantes Motiv, so wie es am Wochenende zuvor im Schwarzwald spürbar war, da startete ich, inspiriert vom Fotoprojekt Axel Hoedts los, um ähnliche Faszination, vielleicht en detail im dichten Menschengewühl zu finden: Doch vergebens: angekommen werfe ich nur reichlich desinteressiert einen Blick auf den Umzug, die säumenden Faschingspilger, druckse lustlos an der Randlage herum und drehe dann wieder ab: eigentlich, sprech´ ich mir vor, bin ich gerade fotomüde und nur los, um mir die Beine etwas zu verdrehen. Aber dann fällt mir etwas ein: es gab da eine fotogene Baugrube in der prosperierenden Südstadt. Diese eine Fläche der Bauerwartung, an der ich vor vier Jahren Teile meiner Serie “Wartende” aufgenommen hab. Also flugs wieder aufs Rad und los und rheinaufwärts ein Stück. Dort angekommen sehe ich: tatsächlich haben zwar einige neue Gebäude die Landschaft verändert, aber nicht auf einem randlagigen Platz, der bislang immer noch in einem Aggregatzustand zwischen holprigem Wild-Parkplatz und Abrißgelände ehemaliger Hafengebäude verharrt. Dort herrscht Achtlosigkeit und Ödnis. Aufstrebendes und niedergetrampeltes Gestrüpp und Anwandlungen einer wilden Müllhalde mischen sich mit bröselnden Bodenasphalt und den Resten einer abgetragenen Hafenhalle. Darüber kämpft die Sonne hinter tristgrauen, langsam ausdünnenden Wolken. Und plötzlich ist sie wieder da: die Faszination am Schauen, dieses jähe Staunen über die monochromen und gedeckten Farben, all diese faszinierenden Schattierungen inmitten all dieses Unkrauts, des achtlos fallengelassenen Mülls und, noch erstaunlicher nach dieser Eiszeit der vergangenen zwei Wochen: die frappante Kraft dieser herbeigewachsenen Fauna, das in der schwach hervorlugenden Sonne plötzlich saftiggrün hervorbricht und fast zu leuchten anfängt. Ich staune über die Zähigkeit, mit der diese Pflanzen sich an irgendeinem verlassenen Fleck, gar am Beton oder ehemaligen Hallenboden, der erst per Bagger zerborsten, jetzt wind- und wettergezaust ist, festkrallen und sowas wie ein Wachstum hinbekommen. Das ist zwar über den Winter natürlich zum Halten gekommen, aber die Anzeichen eines Neubeginns sind deutlich zwischen den Grau- und Brauntönen zu sehen, man muß nur etwas näher heran. Und hat dann die Qual der Ausschnittswahl. Die ist inmitten dieses Gewirrs extrem: kein Hauptgegenstand für ein anständiges Foto ist auf den ersten Blick auszumachen. Man muß sich nähern und Details mit offener Blende herausheben. Oder, noch schwieriger: eine ausgewogen spannende Komposition aus mittlerer Entfernung hinbekommen. Farben, Linien und Flächen im Bildrechteck durch stete Bewegung verändern und sich für einen Winkel entschließen und abdrücken. Eine Art Vor-Ort-Bildgestaltung, für die, so denke ich, locker ein ganzer Tag auf diesen paar Hundert Qudratmetern zugebracht werden kann. Mich überfiel also Begeisterung, ich begann eine Entdeckungsreise auf engstem Raum und belichtete vier (!) Filme. Heute, fünf Tage danach gibts aus meinen augenblicklichen Favoriten ein neues Vorfrühlingsoutfit für den Soodlepoodle.de, zusammengestellt aus den Fotos von nur einer Wand:

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Musik beim Schreiben heute:

Karma: “Thrillseekers” 1999, Spectrum Works

Foo Fighters: “The Colour And The Shape” 1997, Rockwell Records

Blinkenlights: “Rubberneck” 1985, FLOPPY DISC Records

Depeche Mode: “Exciter” 2001 Venusnote Limited

Rca Int. (Sony Music)

der Schwarzwald bekommt eine Postkarte

Nicht, daß ich das Leben mit frischer Luft je irgendwie unpassend gefunden hätte; es zog mich Landei aber mit zunehmendem Alter immer mehr in die Stadt. Trotzdem schätze ich ab und zu eine Fahrt mit der Eisenbahn durch Tunnels, über Viadukte inmitten einer wettergebeutelten, zum Teil schroff-felsigen Natur sehr. Und habe schon immer meine Kamera auf die vielfältigen Phänomene dieser Gegend zu richten geliebt. Aus dieser Zeit weiß ich auch, und das schon viel früher als ich es mit Stadtmotiven entdeckte, um das auch hier lauernde Klischeefallentier.

Nichtsdestotrotz kann man seinem -im Gegensatz zu Klischees- lebendigen Gefühl folgen und entdecken, welche Motive einen ansprechen, welche Anblicke Faszination auszulösen vermögen. Und irgendwann mußte es ja auch so kommen: nach einem Vierteljahrhundert Leben in der Stadt gelingt bei einem Trip in die “erste” Heimat, dem Nördlichen Schwarzwald, (nicht nur) diese Aufnahme: Schwarzwald Zarte Farben und sanfte Übergänge, das Fehlen eines Hauptgegenstandes. Stattdessen: musterhafte Schichtungen, ein Gefühl der Weite, Entrücktheit, gar: Himmelsnähe. Das Wetter spielt(e) hier noch mehr die Hauptrolle als bei den Stadtmotiven. Und, sehr befreiend nach all der ununterbrochenen Stadtleberei: ein fast völliges Fehlenlassenkönnen zivilisatorischer Spuren, eine wahre Wohltat für mein fotografisch manchmal auf Urbanes allzu festgefressenes Auge.

An diesem Bild schätze ich, daß nach all den Bildern von Mannheim und Ludwigshafen, auf denen ich immer bemüht war, Stadt-typisches unterzubringen, es jetzt beim neuen Thema Schwarzwald um reine Naturerscheinungen gehen darf, deren Lokalisierbarkeit, dessen Zuordnungspotenzial weiter gefaßt sein darf. Es zählt weniger das einzelne, klar erkennbare Landmark, eher liegt die Betonung auf dem Wesen der Gegend als solche, das ins Bild gesetzte Gefühl, das diese auslösen kann. Nach dem kleinen Ausflug in die Landschaftsfotografie, der letzten Sommer mit dem ersten Motiv der achten Mannheim Serie seinen Niederschlag als Postkarte fand, geriet diese Art der der Malerei des 18. Jahrhunderts verwandten Darstellung von Natur in das Gesichtsfeld meines fotografischen Interesses. Und ich fragte mich, ob ein Ähnliches wieder gelingen könnte.

Es gelang. Rund tausend Meter über Normalnull an einem galaktisch zu nennenden Novembernachmittag noch über der Schwarzwaldhochstrasse. Jetzt bleibt abzuwarten, entsprechende Promo-Bewegungen zur Bekanntheitsgewinnung vorausgesetzt, ob sich vorort jemand finden läßt, dem diese Aufnahme(n) ein willkommenes Neues sein können. Das Internet und der klassische Postweg könnten es möglich machen- ich bin schon sehr gespannt. Ein neues Kapitel ist somit aufgeschlagen- tja: so weit wirkt das Zustandekommen eines einzelnen Bildes.

Und ich finde mich damit wieder in einer neuen, emotional durchwachsenen Situation zwischen fotografisch-kreativen Ansporn, dem Ruf der Herausforderung der anschließenden Distribution, so etwas wie Prüfungsangst und, oh Wunder- der Findung zweier neuer völlig anders gelagerter, befreiender Themen: Dreht es sich nämlich um a) die Entdeckung des Spiegelbildes des gegenüberliegenden Ausblickes in der S Bahn, ein fotografisches Action Painting Abenteuer der eben nur schier unvorhersagbaren Art und b) um ein schon sich langsam abzeichnendes neues faszinierendes Fotothema: Makroaufzeichnungen innerstädtischer Architektur und Städtebaus.

Details des zeitgenössischen Gestaltens der unmittelbaren Lebensumgebung, direkt vor und mit der eigenen Haustür. Gefühlt eine Mission zwischen den Bilderserien der Bechers und dem Bildband von Jan Weiler und Rainer Sülflow. Bei dieser Kombination aus Pflicht und Kür fällt mir das Zustandekommen eines meiner Lieblingsfilme ein, des wunderbaren “Chungking Express´” von Wong Kar-Wai, der ursprünglich als befreiende “Pausengestaltung” inmitten des wahrhaft martialischen Monumentalwerkes Ashes Of Time mehr oder weniger improvisiert wurde. Und wahrscheinlich genau durch diese komplementäre Art der Kreation seine unvergleichliche Leichtigkeit gewann.

Wie indes diese frisch begonnene Wiederaufnahme der Naturfotografiererei weitergeht- ich weiß es nicht. Und bin selbst gespannt. Vergangenes Wochenende bei Tiefsttemperaturen auf Glitzerschnee gelangen vor Ort weitere, schon beim Aufnehmen faszinierende Bilder, die noch zu entwickeln und postkardial zu gewichten sind. Ob da die Farbübergänge im Bokeh von Makroaufnahmen der Flora als Entscheidungskriterium überwiegen oder ob es eine Rückkehr zu den Wahrzeichen-im-umgenähten-Gewand geben wird- wir werden es sehen. So bleibt mir vorerst keine schnelle Antwort auf die jüngst an mich gerichtete Frage, die ich eher als Ermutigung sehe denn als Anforderung einer Selbstverortung: “Bist Du jetzt Landschaftsmaler?”

__________________________________________________________________________ Musik beim Schreiben heute: Daniel Stelter: “Homebrew Songs” 2009, Herzog Records Daniel Stelter: “Krikel Krakel” 2012, Herzog Records various artists: “Pulp Fusion- Return To The Tough Side” 1998 Harmless Recordings

Taking A Look Back On 2011

Of course a soodlepoodlian one! I´m trying to do a mix of comments on my pictures and a sort of creative résumé. Where do you find yourself as a photographer at the end of the first decade of the millennium? The internet and the carelessness of its users virtually made copyright disappear. As a result all kinds of creative professions have suffered a terrible loss of “reason-to-be” while almost every one in the industrialised world holds a camera and is able to publish their own “works” in a split-second on a worldwide base. I am writing a new line to stress on this last statement. For it is simply this – the new life of creative people.

Soodlepoodle Startbild 2011- Jansplash screen 2011- January Soodlepoodle Startbild 2011- Märzsplash screen 2011- March

Just look at the difference: between the antipodes such as Jeff Wall, who didn´t publish more than 100 pictures in his whole career, Anseln Adams (“Twelve significant photographs in any one year is a good crop“) and the opposing modern agencies who throw out more than thirty thousand pics a month for online catalogues, or (status mid `11) the 79.000 pics , which every single of your then average 345 facebook friends can look at or as a novelty these days: can easily print. All sorts of approach towards that new world of pictures are possible: The disappointing feeling of being a mere drop in the ocean. The freedom to dispose over who you want to be. The big ol´ dream of fame and money. Needless to say: all of this takes place apart from the amateur shooting and uploading fury. Coming up strong and being well-received by big industries to acquire, ahem, free content trading with big exposure. In Germany for example it is stern.view, elsewhere there are sites such as panoramio or blog-platforms like mighty upcoming tumblr, not to mention facebook.

Soodlepoodle Startbild 2011- Jansplash screen 2011- May Soodlepoodle Startbild 2011- Märzsplash screen 2011- September

So back to my little slice of photographic turf: most of the time in 2011 I concentrated on maintaining or gently expanding the distribution of my postcards, always trying to make it more effective. A real sport indeed, this self-marketing thing. For me even a fun thing- inventing some “Verkaufshilfen” -a german word for “sales tools” from the world of retail- and simply trying out some new ideas from that field. Result: more promotional movements than tours with camera. Much more.

Soodlepoodle Startbild 2011- Oktobersplash screen 2011- October Soodlepoodle Startbild 2011- Junisplash screen 2011- June

As gruesome as this sounds for a guy holding a camera, its not bad with me. By the way a significant thought comes to my mind here, thinking of an interview I read about/with Sebastião Ribeiro Salgado, which revealed a permanently injured eye from too much clicking. Once again a sobering glimpse of the downside of being famous.. Deliberately having decided NOT to generate my main income from photography I´m free to do (or not) what I like. This is my point for 2011. And exactly my plans for the future.

Soodlepoodle Startbild 2011- Novembersplash screen 2011- October II Soodlepoodle Startbild 2011- Novembersplash screen 2011- November

This freedom comprises mainly research- who´d have thought that- surfing the internet, discover new pics, people, stories or artists and pursuing my new poison: blogging. The internet is an inexhaustible well of inspiration, education, flea-market-joys of discovering or simply growing, on themes of the personal improvements in life. So I´d like to conclude that writing became my second strongest occupation of the year 2011. You´re just looking at it ;-) But back to Soodlepoodle Photography: As you can easily see from the pictures on this page it is always the experimentation that thrills me the most. So nothing has changed since the last year. Be it the combining of text with photos/picture or the endless possibilities of digital picture processing. Even thoughts about doing a book or not. And, last but not least some thrilling projects with some other people leading to who knows..

Soodlepoodle Startbild 2011- Augustsplash screen 2011- August Soodlepoodle Startbild 2011- Dezembersplash screen 2011- Dezember

Another source of joy is talking to photographic colleagues, be it about artistic or personal topics. It is always very inspiring for me to discover each time anew how directly the character of the person causes his or her creative output. Then 2011 there was some world wide communication. For example with 500photographers.com inventing Dutch photographer Pieter Wisse and South Africa based wedding photographer Nikki Meyer. They both enhance and inspire my life- as I hopefully effect theirs in return- Thanks to all of You!

Soodlepoodle Startbild 2011- Julisplash screen 2011- July

In closing for this little résumé I´d like to post my immediate comment on a likewise high-flying question to my “aesthetical concept”, sort of vernissage-like small talk, asked for ask sake, not being too interested: “I simply avoid the cliche.”   (Read the the original article in German here. ) __________________________________________________________________________ music playing while writing:

Air: “Pocket Symphony” 2007, Virgin

ABC: “The Lexicon Of Love” 1981,Virgin

various artists: “Best Of 2Tone“, 1993 Chrysalis

Moby: “Hotel” (Ambient CD), 2005 Mute

and a funky self-stirred mix of bands and artists like:

Liquid Lounge, Rae & Christian feat The Pharcyte, d´Angelo, Megashira, Project 2000, Dzihan & Kamien, Q-tip, J-Live, Charles, Brand New Heavies feat. Main Source, MJ Cole, Jaffa , Llorca, Angie Stone, The Quiet Boys and the Underwolves and a heavily good-natured guitar-ska-emo mix with: Dr. Ring-Ding & The Senior Allstars , the Specials , Box Car Racer, Toasters, Kosho, The Toy Dollz, Bananafishbones, The Police, Fenix*TX, Uncle Kracker, Sugababes, New Order, Southern Culture On The Skids, Crosby, Stills & Nash, Elvis, Paul McCartney, Montana Chromeboy, The Toy Dollz/ W.A. Mozart, France Gall, Rea & Christian, Neu!, Laika and Rickie Lee Jones