Archiv für den Monat: Januar 2012

die Februarerwartung

Ein grauer Sonntag, im Januar daheim. Das windstille Wetter und der weiß bezogene Himmel schlagen vor, wie der Tag zu begehen ist: ausgeglichen, ruhig und kontemplativ. Ich sichte Fotos und bleibe an denen der letzten, unerwartet ertragreichen Serie vom letzten Mittwoch hängen: Nachmittagslicht an und um meine Lieblingsgroßbaustelle, strahlend blauer Himmel in all seiner grandiosen Winterblässe, Wolkenskulpturen aus den Schornsteinen, blattlose Baumsilhouetten, die erstarrten Schrebergärten. winter am großkraftwerk Dann, immer weiter auf die hohen Schornsteine mit ihren noch höheren Wolkeneruptionen zu. Bis an den Rand des Geländes, dessen Bauten vor Monumentalität nur so strotzen. Alles in diesem gelblich-weichen Nachmittagslicht einer tiefstehenden Sonne, das allem einen Flair von malerisch, Retro, aber auch Dramatik verleiht. Ich umrunde das Gelände bis ans Rheinufer, das das Werk nach Westen hin begrenzt und blicke hinüber, wo, völlig unerwartet, eine idyllische Baumreihe die benachbarte Pfalz modelliert. großbaustelle Aus dieser Serie habe ich heute das neue Februar-Outfit des Soodlepoodle entwickelt. Wie immer reizt(e) mich das Rätselhafte, das die Fotografie gerade wegen ihres “realen” Charakters umso stärker zu illustrieren vermag. Die besondere Stimmung, die für mich dazugehört, das spezielle Licht und die ungesehene Kombination von Gegenständen, Personen oder Einzelteilen in der Landschaft: Startscreen Portfolio 2012, Februar Dann, plötzlich der Wetterwechsel: das Heranfließen eines dicken Nebelbreis, der die Sicht und die Stimmung dramatisch ändert, verstärkt durch den ebenfalls heranziehenden Tag/Nachtwechsel. Es gelangen diese Bilder, eine bislang ungekannte Mischung aus klar und trüb mit allem Fotogenen, was das Fotografenherz höher schlagen läßt: Formen, Farbübergänge und Abstrakt-Organisches.

Dazu, durch den Schnitt bedingt: die Anspielung an die vorhandene Monumentalität am rechten Bildrand.. winter am großkraftwerk Solche ätherische Augenblicke reizen mich natürlich sehr, das Flüchtige ist für mich wie ein Imperativ, es festzuhalten. Und die Fotografie DAS Medium dazu. Nichtsdestotrotz muß man natürlich immer auch auf die Bildgestaltung achten, sie muß des Events würdig sein. Darum fotografiere ich, wenn es fix gehen muß, auch gerne immer etwas mehr und zur Not auch aus der Hüfte, denn diese Gelegenheit kommt nicht wieder. Aber, und das finde ich auch sehr wichtig, muß es auch ruhige Momente des Abwägens geben, ein Innehalten vor der Grandezza des Motivs, um es wirklich zu erkennen. Denn nur dann fallen auch Details auf, die ein ganzes Bild ergeben. Und das ist fast noch spannender, als es eine Gesamtansicht sein kann.. Komposition mit Wolken und Röhren Ich versuchte mehrere Ausschnitte und Einstellungen. Das Licht änderte sich dabei ständig, in der Hauptsache wurde es trüber, kälter und weniger. Auf dem Rückweg, schon wieder einen Kilometer weg vom Schauplatz des Geschehens mischten sich Nebeldunst und Sonne, und es gelang dieser unwirkliche Anblick: Sonne im Industriland am späten Winternachmittag

Ein wenig Werkstatt-Statistik zum Abschluß:

  • an jenem Nachmittag habe ich 161 mal auf den Auslöser gedrückt,
  • das geschah innerhalb von etwa anderthalb Stunden und zirka
  • 18 Radkilometer waren zur Erreichung notwendig.
  • Die Arbeit an den Bildern, den Texten und der Aufbereitung für diesen Blog und das Portfolio begann gegen halb drei und endete mit den letzten Änderungen gegen halb sechs.

Sehr wichtig zu wissen ist darüberhinaus, daß mir das Motiv, das wie immer in drei verschiedenen Ausschnitten (als Startbildschirm, Portfolio-Bild- siehe oben- und Blogheader) Verwendung findet, beim ersten Sichten vorgestern ins Auge stach. Die entscheidende Wahl stand also schon fest, bevor ich heute loslegte.

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Musik beim Schreiben heute:

Tarwater “Inside The Ships” 2011, Bureau B

Sven Van Hees “Calypso” 2002, Life Enhancing Audio various artists,

DJ Pippi “Undiscovered Ibiza” Vol. 1

des Postkartenfotografen Psychotest: Motivauswahl

Im nächsten Artikel, der sich um die Feststellung meiner veränderten Sichtweise auf das Phänomen Postkarten drehen wird, schneide ich folgende Fragen an, die dort exemplarisch/rhetorisch wirken. Aber eigentlich sehr wohl wert sind, auch beantwortet zu werden. Na dann:

Was fotografiert man? Nun, immer das, was gut aussieht. Was es auch sei: Hoch aufragende Türme. Gestrüpp auf Beton. Schatten auf Verkehrsschildern. Das Linienspiel der Drähte. Sonnenkleckse auf Pflastersteinen. Wolken der grandiosen Sorte. Und vor allem: mehr, als man eigentlich wollte. Wie oft ist mir, meistens einige Wochen (!) hinterher das beste Motiv in meiner Sammlung erstmalig aufgefallen, während ich beim ersten Sichten ob der schieren Masse immer auf diese Mußte-das-denn-wieder-so-viel-sein!-Denke verfalle.

Und wie? Na, daß es gut aussieht (eine längere Geschichte ;-) ) . Nein, Sprüche beiseite: ich meine die benutzten Stilmittel. Mit ihrer Hilfe kann man (fast) aus jedem Motiv alles machen. Ein Vergleich mit Gerhard Vormwalds “Mannheim Revisited” lohnt sich hier sehr zur Veranschaulichung. Froschperspektive, erzwungener Blitz, vorgefundene ungeschminkte Menschenmassen und Unschärfe. Auch so kann man Mannheim aussehen lassen.. Gibts als Paperback zur Zeit (Achtung: Auslaufmodell) zum Einfach-Mitnehmen im Mannheim Tourist Information Bureau, Willy Brandt Platz 3 (der Bahnhofsvorplatz) , Mannheim

Was soll es als Postkarte geben? Was viele Menschen in der Stadt als dieser Stadt eigen erkennen können. Und einen neuen, erfrischenden Blick auf allzu Bekanntes bieten kann. Das kann dann gerne eine Beimischung von Humor, Kritik oder Emotion, gar nen Anflug von Pathos haben.

Welches Motiv hält man für Wert, in die Sammlung aufgenommen zu werden? Ein solches, das mich über die Stadt, in der ich seit einem Vierteljahrhundert lebe, in Erstaunen versetzt.

Wo will ich damit hin? Erstmal weiter, bis ein Sättigungspunkt erreicht ist. Das simple Thema Postkarten zeigt meiner bisherigen Erfahrung gemäß weit über sich hinaus: künstlerisch, konzeptionell als auch vom sozialen Aspekt, der durch den Eigenvertrieb bedingt ist. Da ist noch viel mehr drin, als es den Anschein hat und ich bin schon sehr gespannt!

Welches Motiv steht für die Stadt? Unendlich viele! Selbst die abgenutztesten, zu Tode fotografierten Wahrzeichen bergen Überraschungen. Ebenso bislang unbeachtet gebliebene Über- oder Unterführungen, Häuserecken oder Blumenrabatten, immer mit Lokalkolorit, bitte! Alles eine Frage des Lichts, der Beleuchtung und des Vorhandenseins einer Kamera in genau diesem Moment. Welchen Standpunkt der Stadt oder einzelnen lokalen Erscheinungen gegenüber nehme ich ein? Erstmal einen ästhetischen, schließlich geht es hier um Bilder in Postkartenständern. Dann kann man an Bildsymbolik und Sehgewohnheiten anfangen herumzuspielen, falls das vorgefundene Motiv das zu provozieren vermag.

Muß man einen solchen überhaupt haben, um durch eine dadurch gefärbte Sichtweise zu neuen Motiven zu gelangen? Reichen tut schon ein rein ästhetischer Ansatz, die Fotogenität zur Königsdisziplin macht. Man kann aber innerhalb dieser zugegebenermaßen engen Grenzen auch kommentierend wirken.

Denkt man an die Souvenir- und Grußfunktion von Postkarten per se? Schon, aber im Rahmen von: jedes (gute) Foto kann ein Souvenir sein. Und daran, daß Mannheimer ihre Stadt so gut kennen, daß eine Zuordnung vom Motiv zur Lokation erfolgen kann. Schließlich will man etwas Neues zustande bringen und kann deshalb nicht andauernd auf Herkömmliches schielen.

__________________________________________________________________________ Musik beim Schreiben heute:

various artists: “Gute Laune Klassik Vol. 4″ Sony Classical, 2002

Lets Try A Jahresrückblick

Natürlich einen soodlepoodligen! Ich versuche da mal ne Verschmelzung zwischen meinen Bildern des Jahres und einem kreativen Fazit. Wo bewegt man sich als Fotografierender nach dem ersten Jahrzehnt des 3. Jahrtausends? Das Internet und die Unbekümmertheit seiner Nutzer haben die Grundlage (das Urheberrecht) für die Existenz des Gros der kreativen Berufe de facto historisch werden lassen. Die Produktionsmittel für Fotos ist Standardausrüstung jedes (!) modernen Menschen der Industrieländer geworden, ebenso wie die für Jedermann mögliche technische Voraussetzung der weltweiten Verbreitung. Ich ertippe hier absichtlich einen Absatz, weil das schon alles ist, um diese Welt zu verändern: die technischen Fortschritte der Kommunikationstechnologie revolutionieren die Art, mit Bildern und Informationen umzugehen. Alles ist anders geworden. Für immer. Denn das daraus entspringende Bewußtsein ihrer notorischen Verfügbarkeit und die daraus folgenden Umgangsformen sind die Ursachen für einen massiven Umbruch der globalen Kultur.

Soodlepoodle Startbild 2011- JanStartbild 2011- Januar Soodlepoodle Startbild 2011- MärzStartbild 2011- März

Zwischen den Polen Jeff Wall, der in seinem Leben keine 100 Bilder veröffentlicht hat, Anseln Adams (“Zwölf gute Bilder pro Jahr ist ne ganz gute Ausbeute.”) und, auf der anderen Seite, modernen Bildagenturen, die pro Monat 30 Tausend hochqualitative Bilder für online-Kataloge “raushauen”, oder die (Stand Mitte `11) 79.000 Bilder , die mittlerweile jeder bei seinen durchschnittlich 345 facebook Freunden angucken und ausdrucken kann, steht gewiß ein Plätzchen für jeden bereit, der sich mit Fotografie beschäftigt. Alle Sichten aufs Thema sind möglich: A drop in the ocean. Die Freiheit, sich selbst zu bestimmen. Der große Traum von Ruhm und Geld. Dazu erwähnen muß ich noch: das alles geschieht abseits der so genannten Amateurknipserei. Die ist schwer im Vormarsch, taugt mittlerweile durch oben genannte kulturell/technische Revolution ausgezeichnet, es Großbetrieben zu ermöglichen, im großen Stil quasi kostenlosen, äh: content zu akquirieren. Was dem einen sein soziales Netzwerken, ist dem anderen seine Bonanza. stern.view, panoramio oder gerne auch blog-Plattformen wie tumblr seien hier mal exemplarisch genannt, von facebook natürlich ganz zu schweigen.

Soodlepoodle Startbild 2011- JanStartbild 2011- Mai Soodlepoodle Startbild 2011- MärzStartbild 2011- September

Ich für meine Person habe, was die Beschäftigung mit (eigenen) Fotos angeht, das Jahr 2011 hauptsächlich damit verbracht, den Vertrieb meiner Postkarten aufrecht zu erhalten bzw. ihn sachte auszudehnen, effektiver zu machen. Ein wahrer Sport per se. Sogar einer, der mir Spßa macht. Sogenannte “Verkaufshilfen” zu ersinnen -ein netter Fachausdruck aus dem Einzelhandel- und auszuprobieren. Ergebnis: mehr Promobewegungen als Touren mit Kamera. Weitaus mehr.

Soodlepoodle Startbild 2011- OktoberStartbild 2011- Oktober Soodlepoodle Startbild 2011- JuniStartbild 2011- Juni

Was ich aber nicht wirklich schlimm finde. Mir fällt beim Thema Sich-in-Vollzeit-aufs Künstlerische-Konzentrieren-können ein sehr beeindruckender Nebensatz in einem Interview mit Sebastião Ribeiro Salgado ein, der offenbarte, daß dieser weltberühmte Mann ein ständig entzündetes Auge vom vielen Zudrücken=Fotoshooten mit sich herumtrüge. Mal wieder Details aus dem Leben, die ein völlig neues Licht aufs Klischee Ruhm werfen. Da ich mich sehr bewußt entschieden habe, meine Lebensunterhalt nicht zu prekären Teilen mit der Fotografiererei zu bestreiten, kann ich mir erlauben, von diesen Aspirationen zurückzutreten. Das ist mir der wichtigste Satz zu 2011. Und ich habe vor, mir genau dieses Sich-erlauben-können auch zu meiner Hauptbeschäftigung 2012 zu machen.

Soodlepoodle Startbild 2011- NovemberStartbild 2011- Oktober II Soodlepoodle Startbild 2011- NovemberStartbild 2011- November

Dazu gehört zu einem Löwenanteil, wer hätte das gedacht- das Internetsurfen mit dem Entdecken (neuer Bilder, Künstler, Geschichten, Menschen) und das Darüber-bloggen. Für mich eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration, Weiterbildung, der flohmarkt-ähnlichen Entdeckerfreuden und Themen, die man in bezug zum persönlichen Leben positiv umsetzen kann. So würde ich sagen, wurde das Schreiben zu meiner zweitstärksten Beschäftigung des Jahres 2011. Ihr guckt ja genau drauf ;-) Doch zurück zu Soodlepoodle Photography: Wie man an den hier nochmal geposteten Bildern des soodlepoodligen Jahres 2011 sehen kann, freut mich weiterhin das stete Ausprobieren. Da ist seit 2010 alles genau gleich geblieben. Ob das jetzt das Kombinieren von Text mit Fotos/Bild ist, die unendlich kreativen Möglichkeiten der digitalen Bildverarbeitung, das stete Hirnen an der Vorstellung, sich eine Buchproduktion vorstellen zu können oder doch nicht oder spannende Projekte mit Dritten, die wer weiß wohin führen..

Soodlepoodle Startbild 2011- AugustStartbild 2011- August Soodlepoodle Startbild 2011- DezemberStartbild 2011- Dezember

Ebenfalls freue ich mich über den Austausch mit fotografischen Kollegen, sei es künstlerischer oder persönlicher Art, was immer sehr anregend ist und mir immer wieder aufs Neues zeigt, daß die Persönlichkeit immer direkt mit der Herangehensweise an den Traum vom Fotografen abhängt, erfreuliche Begegnungen oder Korrespondenz weltweit, zum Beispiel Post vom 500photographers.com Initiator/Macher Pieter Wisse, der südafrikanischen Hochzeitsfotografin Nikki Meyer sowie über den steten offline Dialog mit einem guten Dutzend fotografisch professionell Tätigen der Stadt. Alle bereichern mein Leben -wie ich hoffentlich das ihre!- und haben hier meinen besten Dank!

Soodlepoodle Startbild 2011- JuliStartbild 2011- Juli

Als Schlußwort zu diesem kleinen Jahresrückblick und bezeichnende Art, zu neuen Ergebnissen zu gelangen, die fast durchweg geeignet sind, meine Begeisterung über den geheimnisvollen kreativen Prozeß zu schüren- hier die Antwort, die mir unlängst herausrutschte als Reaktion auf eine im Galleristen/Vernissagen-Ansprachenton gehaltene, ankumpelig-weihräuchernde Anspielung auf mein “ästhetisches Konzept”: “Ich vermeide lediglich das Klischee.” Diesen Artikel auf Englisch lesen. __________________________________________________________________________

Musik beim Schreiben heute:

mal wieder: Thomas Fehlmann: “Gute Luft” 2010, Kompakt

Amp Fiddler: “Afro Strut” 2006, PIAS/Wall Of Sound

beim Nachschneiden:

Earth Nation: “Thoughts In Past Future” 1994, Eye Q

Neujahrswerksschau

Wozu ist die Erfindung des Neujahrs gut, wenn nicht dazu, ein mächtig ärmelhochkrempelndes Gefühl für einen neuen Start zu kriegen? Noch dazu, wenn die Nachwehen des Silvesterabends gaaanz brav sich noch im Morgengrauen vom Acker gemacht haben?!

Ich jedenfalls fühl´ mich ermutigt, einfach durch sowas Profanes wie ein Datumswechsel frisch ans Eingemachte = Fotografierte zu gehen und mal zu sehen, welche Bilder mich anlachen, um dann als Ausgangsmaterial für ein neues Seiten-Design herhalten zu dürfen.

Da ich mich gerade mit der Auswahl der nächsten Postkartenmotive herumschlage, hab ich als Start in dieses kleine “Abenteur Neudesign am Neujahrsmorgen” aus einer fraglichen Serie mal ne Aufnahme des hiesigen Viktoriaturms genommen. Und diese mit einer sehr stark perspektivisch aufgenommenen Baustellenfront der Stadt erst zur Überblendung, dann, nach einigem Gepixel zur Verschmelzung gebracht.

Da dieser Turm eins der neueren Wahrzeichen der Stadt Mannheims ist- auch, wenn er nicht als solches gehandelt wird bislang (groß genug ist er ja schonmal), steht der, natürlich auch wegen a) seiner schnittigen Form, der b) spiegelnden Aussenfläche und c) der schieren Wucht der Masse auf meiner Postkartenagenda.

Da ich bei Objekten, die von sich aus schon recht fotogen sind, meine ästhetischen Ansprüche gerne noch ein Stück nach oben schiebe, um wirklich etwas Außergewöhnliches zu erreichen, hat es nun vier Jahre gedauert, bis ich grünes Licht für ein (anderes, noch geheimes- Überraschung muß sein) Bild dieses Turms geben werde. Dürfte dann Ende Januar soweit sein, die Produktion.

Dieser Weg von besagtem anfänglichem Grobgepixel zur fertigen Verschmelzung verläuft stetig oszillierend zwischen Inspiration und handwerklicher Ausführung. Mein Photoshop Elements V 2.0 ;-) reicht dazu völlig aus- beim vorliegendem Fall brauchte es die Funktion Ebenen (Lagen übereinander liegender Bilder, die man transparent machen, ausschneiden, einfärben etc. kann), das Linienwerkzeug zur Auswahldefinition, Pipette, Radierer, Einfärbekanne.

Also fast genau dasselbe, was man beim manuellen Collagieren auch mit den Händen, Papier und Schere macht. Ich starte mit der Baustelle, lösche einige Bildteile in der Mitte und laß von diesem scharfkantigen, regelmäßigen Dreieck, ein Parkautomatenschild in drei Richtungen übrigens, grad mal die Kanten stehen. Das samt Himmel entfärbte Turmdreieck wird darübergelegt, hin- und her geschoben, größer und kleiner gezogen, bis sich eine für meinen Geschmack = Proportions-Sehen ansprechende Lage der beiden Bildteile zueinander ergibt.

Die Baustellenbildteile direkt “hinter” dem Turm werden mit einem unscharf eingestellten Radierer, der dazu noch auf halbe Radierstärke eingestellt ist, kontrolliert entfernt. Da die Originalfarben zwar fast durchweg entsättigt waren, mich aber einige rote Flecken der Baustellenmarkierungen, die sich durch die Abspannung abzeichneten, doch reichlich gestört haben, gab diese farbliche Irritation es in diesem Fall Anlaß zur plumpsten Lösung, einfach ein bunte Folie (Ebene) über alles zu legen.

Und damit diese optischen Störenfriede zum Verstummen zu bewegen. Als Abschluß die alles ins Undeutliche/alles Vollendete zerrende Schrift. Versuchsweise in Netzhaut-reizendem Feuerwehrrot und- voilà nix mehr hinzuzufügen!

Ergebnis: düster? Dachte ich auch erst. Dann fiel mir das Cover von “The Royal Scam” ein, das wirkt so ähnlich in seiner extremen Froschperspektive. Nur Farben in graublau unterstützen diesen unwirtlichen Eindruck. Wer die Werke der modernen Filmwelt gesehen hat, dem schwirren Einstellungen aus der Herr der Ringe-Triologie, Matrix, The Crow, Sin City etc. durchs Hirn. Aber beim genaueren Betrachten fallen die graphischen Unstimmigkeiten im zentralen Dreieck und Unlogik der Schärfeverteilung in einem Maße ins Auge, daß durch diese Irritation die Düsternessanklänge verschwinden. Ein schneller Entwurf, gewiß.

Einer, der von den Meisterwerken der Postproduktion Welten entfernt ist, unbenommen.

Aber das ist ja auch gar nicht mein Ziel. Viel interessanter finde ich eine Bildgestaltung, die die beiden (!) Einzelteile noch stark erahnen läßt, und den damit einhergehenden Eindruck, dennoch etwas Neues zu erblicken nicht trübt, sondern durch diesen Durschaubarkeits-Appeal verstärkt.

Der Kick des Unerwarteten, gestern noch Ungekannten, thats it.

Direkt aus den eigenen Bildern! __________________________________________________________________________ Musik beim Schreiben heute:

Steely Dan: “The Royal Scam” MCA, 1976

Squarepusher: “Hard Normal Daddy” MCA, 2001 Frank Sinatra: “Come Fly With Me” Capitol, 1958