Archiv für den Monat: Dezember 2011

Bilder zu Musik. Jetzt neu: Soodlepoodle auch in Japan erhältlich/sichtbar

Heute mal wieder: Ora et labora und die Nachwirkungen der vielen fotografischen Exkursionen zum Ziele der Postkartenfindung: Ich habe, gelinde gesagt, mehr Bilder, als ich jemals als Postkarte veröffentlichen werde.

Logischerweise, denn die “Zugangsbedingungen” in meinen Postkartenhimmel sind äußerst streng. Fast schon gewagt streng, denn sie unterliegen etwas, das ich nicht so recht beschreiben kann, beziehungsweise etwas, dessen Auflistung im Laufe der Zeit immer länger wird:

Natürlich ist es zuerst mein Geschmack und meine Ansicht darüber, was genau ein Bild ausmacht, das als Einzelnes wert wäre, ebenso einzeln auf ein Stück Karton gedruckt in den Kartenständern der Stadt zur Verfügung zu stehen. Geschweige denn – und einen Schritt weiter gedacht: seine Reise um die Welt anzutreten und an Hunderten von Kühlschränken, Schlafzimmerspiegeln und in der aktuellen Lektüre als Lesezeichen rund um den Globus ein würdiges Plätzchen zu finden. Dann kommt natürlich die Wucht des schon Geschaffenen dazu.

Als persönliche Meßlatte und Mahnung zur Wiederholungsvermeidung. Ebenso eine persönliche Weiterentwicklung. Mit ihr die Lust, etwas Neues auszuprobieren, trotz aller Verkäuflichkeitsbedenken meiner Neigung zum Experiment Futter zu geben. Zum Beispiel der neueste Plan, zur Stadt noch das pittoreske Land mit in den postalisch/fotografischen Fokus zu rücken. Und im Schwarzwald Nord Motive der natürlichen Schönheit zu entdecken und für den dort bedeutenden Tourismus sichtbar zu machen. Ermutigende Ergebnisse gelangen im November, deren Erstling man ab Januar hier als Prototyp entdecken mag.

Alle Nichtgewinner im Postkartenrennen haben trotzdem eine Chance. Zum Beispiel zur Veröffentlichung in Japan ;-) Wie im vorliegenden Fall, den ich schon im August mal kurz erwähnt habe: der bestandenen Tauglichkeitsprüfung als musikalisches Cover. Durch im Wortsinne weitreichende Bemühungen des Mannheimer Labelchefs Thomas Siffling kann man ab sofort auf der japanischen Amazon.co.jp Seite folgende Bilder plus zugehörige jazzig-loungige Musik hören und sehen:

..und hier hören: Electric Jazz, Groove Jazz

Das freut. Nicht nur: Bilder von mir anderswo im Netz ;-(. Sondern: gar angefragt und bezahlt- wow (Ihr wißt, was ich meine, nicht wahr, Johannes?!) Als altgedienter Tonträgerhändler kann ich darüberhinaus meine überaus kritische, in diesem Fall jedoch wohlwollende Meinung dazu kundtun: Sehr geglückt, diese Zusammenstellungen aus dem Hause Jazz’n'Arts. Kompliment, Thomas!

Postskriptum: Wer, neugierig geworden, auf die dazugehörige hiesige Seite surft, wird noch folgende drei Download-Alben finden:

Wobei das besoffen-blaue Balladencover noch eine ExtraStory birgt. Dazu in einem späteren Artikel mehr.. __________________________________________________________________________ Musik beim Schreiben heute:

various: “Groove Jazz- The Highway Edition” 2011, Jazz’n'arts

Adventskalender der Vorfreude

Hey- Freude an der Vorfreude! Vom Prinzip Adventskalender kann man es lernen: er zeigt auf eins der wichtigen Dinge im Leben. Und: als analoger Fotograf kann man diese emotionale Technik sehr einfach in sein Leben mit hineinnehmen, ja, das Fotografieren mit überkommenen gerollten Filmempfindlichkeiten impliziert die Vorfreude geradezu.

Noch erfreulicher, wenn man dabei wie ich zum ersten Mal das Prinzip der kritischen Masse durchführt: durch einen fotografisch überergiebigen Herbst, in dem ein fotografischer Ausflug dem anderen folgte, ergab sich ob der Menge der belichteten Filme, die ich anfing zu horten, nun endlich im Dezember die Möglichkeit für das große Entwickeln.

Denn: Zeit vergehen zu lassen zwischen dem Fotografieren und dem nachfolgenden ersten Anschauen fand ich schon immer optimal für den künstlerischen Prozeß, die Qualitätssicherung oder ein geschärftes Urteilsvermögen, wie auch immer man diesen Vorgang kategorisieren will. Poetischer finde ich: ein Wiedersehen mit dem eigenen Blick aus der Vergangenheit. Bei einer größeren Menge, so ab 300 würde ich bei mir sagen, zu sichtender/wieder zu sehender Bilder schwingt natürlich die Erfahrung mit, damit auch eine Arbeit vor sich zu haben.

Zu lange auf zu viele Bilder zu starren mit dem Plan, Gutes vom Versuchten zu trennen macht blind. Und läßt den fotografischen Plan scheitern, denn die falsche Auswahl kann alles kaputtmachen. Darum muß darauf ebensolche Sorgfalt und Ernsthaftigkeit verwendet werden wie auf den Fotografiervorgang selber.

Also breite ich “meinen” Adventskalender nun langsam vor mir aus. Über tausend Aufnahmen! Sortiere erstmal vor. Staune. Oder bin enttäuscht, wenn ein Bild nicht an die optische Sensation vor Ort herankommt- naja, denk ich dann: die Begeisterung mal wieder, die einfach wild drauflos schießt. Und kann mit diesen Bildern den grandiosen Herbst wieder erleben- dieses ultrascharfe, klare Licht, das es nur zu dieser Jahreszeit gibt. Erntezeit für Fotografierende, tatsächlich.

Wie man hier gut sehen kann, nehme ich pro Motiv immer gerne Serien auf: Verschiedene Blickwinkel, Ausschnitte und Schärfevariationen. Oft entdecke ich durchs Fotografieren, das heißt durch das Konzentrieren aufs Ersterfasste und spielerisches “Ausprobieren” verschiedener Möglichkeiten weitere, oft fotografisch weitaus lohnendere Ansichten. Mal abgesehen davon, daß sich Serien auch gut als Serien präsentieren lassen, einfach der Muster wegen.

Da punkten auch Nichteinzelkämpfer.

Und: bislang sind drei neue Postkarten in der Menge gesichtet ;- ) __________________________________________________________________________ Musik beim Schreiben heute:

Stereolab: “Dots And Loops” 1997, Elektra

Gonzales: “Soft Power” 2008, Mercury (France)

Paul Gonsalves: “Gettin´Together” 1960, Mercury (France)

Frank Runhof´s High Voltage “Play The Music Of Hank Mobley” 2007, Hot `n`Cool

Alles ist real. Nothing is real..

Ich kauf mir, erst vorgestern, ein Buch über Museumsarchitektur. Eins mit vielen Fotos. Ich freu mich: dieser ganze großartige Bilderschatz – ab sofort und daheim jederzeit zu meiner Verfügung!

Aber auch: eine neue Portion State of the Art in meine Hütte. Und ein dicker Nachschlager, um eine von Menschen gestaltete Plätze und Innenräume enzyklopädisch wirkende Gedächtnisstütze im Regal zu haben. Das Verschwindenlassenkönnen der baulichen Stadtlangeweile an bestimmten Tagen, die sich quälend meiner Aufmerksamkeit bemächtigt, on demand gewissermassen.

Wow, denke ich die ersten 150 Seiten lang- was kann man alles machen, wenn der “Repräsentationsgedanke” den ökonomischen mal überholen darf. Dann fische ich mit den Augen nach Angaben des Architekten, dann nach Baudatum.

Noch mehr wow: da stehen Baudaten, drin, die in der Zukunft liegen (!) Ich blättere also in einem Buch, das ich (auch) als potentiellen Reiseführer zu “interessanten” Plätzen der Welt erstanden habe und muß lernen, daß es diese Plätze de facto noch gar nicht gibt.

Und tatsächlich erhasche ich, munter geworden, ab und an einen fotografischen Blick auf Baustellenzustände als winzige Randbilder, während das Große, Prächtige die eigentlichen Seiten füllt. Bei genauerem Hinsehen und jahrelanger Erfahrung als Photoshop-Betreiber fällt mir das Collagenhafte dieser Bilder erst irritierend, dann immer stärker ins Auge. Die Frage taucht auf, ob ich mir mit so einem Buch nicht genarrt vorkommen mag. Aber: Museumsarchitektur als Buch muß ja keineswegs Beispiele in der offline-welt aufweisen können.

Es geht hier, das ist eindeutig, um Ideen. Die Darreichungsform Print und die gerenderten Ergebnisse darin passen für mich nur konzeptionell nicht so recht zusammen. Unwillkürlich muß ich an komplett virtuelle Welten denken, an die Games World, an Achitektur Simulations Software, aber auch an solch faszinierende künstlerische (Gedanken)Weiterentwicklungen wie die des Fotografen Robert Overweg. Der klickt oder scrollt oder hackt sich in seinen Spielewelten bis zum “Rand” und macht dann ein Erinnerungsfoto..

Von noch mehr Bildern dieser realen Welt, die diese langsam zu überwuchern drohen, so erfahre ich von einem Artikel bei frieze d/e, werden per Rechnerleistung, Mustererkennungsalgorithmen und Geodaten, die mittlerweile automatisch per Kamera zum Bild dazugespeichert werden, zusammengefügt.

Das Resultat ist eine (noch) einzigartige neue Visualisierung der Welt, die von miteinander unbekannten Fotografen, Amateuren und Handyknipsern durch Freigabe als etwas neues Ganzes kreiert wird. Bei dieser vormittäglichen Lektüre erwacht meine Faszination mit der Vorstellung, wie diese Welt wohl in der Zukunft erfahren werden wird.

Und ich kann als Anregung mal wieder aus meinem Charakterschutz zitieren, da, wo er sich mit Kindern, ihrer Assimilation der virtuellen Welt (der GAMES) und ihrer (möglichen künftigen) Erfahrung der Welt beschäftigt: “Auch hier spielt sich das wahre Leben ab, es sieht nur künstlich aus. Dabei ist es nur ein Schritt näher an der Verwirklichung uralter Menschheitsträume, und die sind rather konstant, würde ich mal so behaupten. Beispiel: Rapper virtualisieren sich. Werden den Kindern zu fernsteuerbaren Gutewichten. Und somit unsterblich, leben ihre digitalen Abdrücke doch das Leben der Kinder mit, werden zu Spielkumpanen.

Zwar in ihrem Leben jetzt virtuell, dafür in deren zukünftigen Memoiren real.” __________________________________________________________________________ Musik beim Schreiben heute:

Thomas Fehlmann: “Gute Luft” 2010, Kompakt

_______________________________________________________________________ Wortfindung (auf wikipedia) heute:

“Das Sichtbarkeitsproblem war eines der ersten wichtigen Probleme der Computergrafik.”