Archiv für den Monat: August 2011

Mannheim Souvenirs – going historic zwei Wochen später

Tja, ich war selbst bass erstaunt, wie schnell fotografische Aufnahmen der Stadt, in der man lebt, ruckzuck historisch werden. Nicht mehr noch mal gemacht werden können. Weil urplötzlich da ein frisch aufgeschlagener Zaun die fotogene Durchsicht versperrt, Äste aus der ersten Bild-Reihe abgesägt wurden oder einfach der Schnee ausbleibt.

Nix mehr Häuserzeilenblick

Oder sich die Zeiten Richtung Containerbahnhof ändern und Löschkräne dafür weichen müssen, von kompletten, nietengestützten Eisenbahnbrücken , deren Nachfolger einfach so mal an einem Ufer in einer provisorischen Halle geschweißt und bis fertig ist nachgeschoben werden. Ganze Gebäude hochziehen, die dann die Sicht verstellen- auch ne Lösung. Mit dieser Aufzählung meine ich NICHT die Postkartenmotive, die sich durch besondere Lichtstimmung oder Wetterverhältnisse auszeichnen, sondern rein diejenigen, die durch von Menschenhand veränderten baulichen Verhältnissen verschwinden. Für erstgenannte Kategorie sammle ich, nachdem die Idee geboren wurde, so nach und nach Beispiele in einer “Wrong Time Gallery“.

Ich bin also durchs Postkartenmachen ganz vorne mit dabei, mitzuerleben, wie sich die Zeiten ändern. Von Industriestadt in modernes Dienstleistungs-sprawl. Einfach durch den Umstand, daß ich davon Fotos mache. So hilft mir die Fotografie, Zeit gewissermassen optisch zu erleben. Und nicht auf den klassischen Moment zu warten, an dem man im Leben plötzlich aufblickt, und alle Veränderungen im eigenen Leben erschrocken simultan wahrnimmt. Die Postkartenfotografie bekommt so einen bislang unerwarteten -oder auch übersehenen/unterschätzten- dokumentarischen Charakter. Und das ausgerechnet an einer Stelle der persönlichen fotografischen Bewegungen, die man nie erwartet hätte, weil es eben so schnell geht.

Auch hilft mir diese Erfahrung, nicht nur fotografische Exkursionen wertiger zu erleben, als sie gemeinhin den Anschein haben. Zeit per se wird durch den Vorgang des Fotografierens als bedeutungsvoller erlebt, das Leben auf eine bewußtere Art wahrgenommen. Ne Art technisch gestützte Meditation, falls es sowas geben mag.. Postskriptum: hier noch im Nachtrag das bislang einzige verschwundene Motiv im Hochformat.

Kran off, oder wie das heißt

Mir schwant da schon: diese Reihe wird wohl sehr bald fortgesetzt werden können.. __________________________________________________________________________ Musik beim Schreiben heute:

Siriusmo “Mosaik”, Monkeytown Records, 2011

Massive Attack: “100th Window”, Virgin Records, 2003

Das Cover Projekt – wie alles begann

Alles geschah aus einem Überschwang an Kreativität.

Wie so oft, wenn lange nix passiert an kreativer Interaktivität, dann jemand ne Idee anbringt oder gar ne Anfrage hat, schießt aus reiner Gestaltungslust der Soodlepoodle übers angemessene Pitching-Ziel hinaus und macht und macht, einfach aus reiner Lust am Machen. Obwohl es beim Entwerfen und Präsentieren im branchenüblichen Psychogeschleiche naturgemäß um effektiv demonstrierte Stundenbezahlung= wenige Entwürfe geht anstatt um angemessene Honorierung herausragender Ideen (die man zugegebenermaßen kundenseitig schwer als solche erkennen kann im Vorfeld, dazu noch aus einer wie auch immer gearteten Menge) und man zu diesem Zwecke sparsam mit seinen vorgetragenen Ideen ist, war mir diese “Technik” schon immer ziemlich schnurz.

Aus überschüssigen Ideen, das heißt solchen ohne Verwendung kann man später immer noch Kaninchen zaubern, die künftigen Hüten entspringen mögen. In diesem Punkt steh ich auf Vorratsanschaffung und -haltung, denn kreatives Gebremse aus strategischen Gründen nervt mich.

Außerdem bin ich – vielleicht sogar aus diesem Grunde- kein Designer im Beruf, kann diese Überlebens-Strategie somit links liegen lassen. So erstand unlängst eine Idee, die meine Erfahrung als Tonträgerhändler und Fotografierender zu etwas Neuem vereint: Start machte die Anfrage des Mannheimer Trompeters und Labelchefs Thomas Siffling nach 5 neu zu gestaltenden Covers für die Download-Section seines JAZZ´n´ARTS Labels. Da der Juli des Jahres zwar wettertechnisch arg enttäuschte, bislang aber von keinem mir bekannten Sommer an Fotogenität und fotografischem Output geschlagen wird, konnte ich mit einer Vielzahl von Bildern und flugs zusammengezimmerten Vorschlägen aufwarten.

Wie oben erwähnt eigentlich viel zu viel, nämlich genau vierundzwanzig. Aus denen wurden von Thomas ebenso fix fünf herausgedeutet. Und ich hatte nun 19 obskure Entwürfe übrig, die der reinen Experimentierlust und jahrzehntelangen Erfahrung mit der Kenntnis und Gestaltung von Covers für musikalische Werke entsprangen. Manche derart merkwürdig in der Anmutung, der Kombination von Titel und Bild, daß ich, kurz nachdem die Sache abgeschlossen war, anfing, mir diese wiederholt zu betrachten und auf die Frage (zurück)fiel, die es in meinem Charakterschutz Projekt I (2005-2009) in einem Interview schon vor Jahren gab, damals “das Gesamtwerk” von zehn CDs betrachtend:

Kenntest Du jetzt Deine eigene Musik (noch) nicht, was hieltest Du als Händler von Deinen Covers beziehungsweise was würdest Du dahinter vermuten?

Also hab ich aus den “restlichen” Covers folgende drei ausgewählt, die mir genügend Klischee-Ferne besitzen, um interessante musikalische Vorstellung über ihren Inhalt gebären zu helfen. Denn ein gutes Cover, das weiß nicht nur der Händler, läßt die Art der Musik vorausahnen, ja verstärkt im besten Falle die Rezeption, mit der die Musik dann gehört wird. Gibt den Klängen inside ein Gesicht, ja: erweitert gar das musikalische Werk per se:

european blips Eclipsis The Quietude

Bevor ich in einem künftigen Artikel hier auf die einzelnen Bilder eingehe und sie so mit einem beschreibenden Text verkomplettiere, mag ich sie erstmal einfach nur kommentarlos hier präsentieren und obige Frage an Sie/Euch weitergeben. Denn das ist das neue Projekt: Cover plus kurze Textbeschreibung ergibt eine Vision von neuer, ungehörter Musik. Ein neuer Impuls also ganz im Sinne der ersten Charakterschutz-Version. __________________________________________________________________________ Musik beim Schreiben heute:

Nightmares On Wax “A Word Of Science”, Warp Records, 1991

Yukio Yokoyama plays Beethoven “Bagatellen”, Sony BMG, 2007