Archiv für den Monat: Juli 2011

The Postkarten Casting Show

Die Zielsetzung, eine Stadt zu fotografieren, gebiert erwartungsgemäß eine Agenda: Kenntnis ihrer gewinnen, Kenntnis der schon vorhandenen, veröffentlichten Bilder, und, davon ausgehend: Entwicklung einer persönlichen Motivgewinnung, der fotografischen Annäherung und anschließende erfolgreiche Entscheidungsfindung. Mit dem Plan, Postkarten der Stadt, in der man lebt, zu machen, hat man oh Schreck das selbstgewählte Los an der Backe, daß jedes Bild für sich Einzelkämpfer sein muß.

Ganz im Gegensatz zu Serien in Galerien oder gar Fotos in gleichnamigen Büchern. Denn: verkaufen sollen sie sich, und niemand gibt auch nur 10 Cent für ein Bild aus, das nicht anspricht, also: nix taugt. Beide, Motivgewinnung und Entscheidungsfindung haben einen gemeinsamen Berührungspunkt: den Übergang zwischen Tat und Idee. Damit die fotografische Tat Sinn macht für mich, muß, als Vorbereitung gewissermaßen, Geschmack und Erfahrung vorhanden sein- das ist die meiste und unterschätzteste “Arbeit”, bevor man zur Kamera greifen und die Wohnung verlassen sollte. Also gilt: viele, viele, viele Bilder anschauen. Die müssen auch nicht mal direkt mit dem gewählten Thema zu tun haben.

Es geht darum, Gutes selbst erkennen zu lernen.

Das Internet ist hierfür ideal geeignet. Jedweder Idee, Künstlernamen oder Stilrichtung kann augenblicklich nachgegangen und Anschauung hergestellt werden. Ich zum Beispiel bin momentan fasziniert von den Bildern in einem kürzlich erworbenen Buch namens “Orientalismus”. Da gibts Gemälde von Ingres, Prosper Marilhat oder Alberto Pasini drin, die mich ob ihrer Qualität, was Lichtführung, Realitätstreue oder Bildaufbau angeht – alles natürlich auch fotografisch anzustreben- völlig begeistern. Doch zurück zur Motivgewinnung/Entscheidungsfindung. Nachdem man lange genug um zum Beispiel das Wahrzeichen der Stadt (als Einsteiger zum Warmwerden) herumgesnoopt hat, mag man die zwei unten abgebildeten geometrischen Antipoden gefunden haben und nun, da die Motivgewinnung im ersten Schritt erledigt ist, sich nun mit Probeaufnahmen um die Verwirklichung des angestrebten Kartenmotivs kümmern. Wir hätten da heute drei exemplarische Kandidaten und versetzen uns zum Zwecke der Entscheidungsfindung an die Jury-Position Abteilung gnadenlos, aber gerecht. Nummer eins auf der C-Couch:

Ein dreifarbiger Abendhimmel, Gegenlicht, griffige Silhouetten- wunderbare Bauteile! Nur ist das Bildgleichgewicht leider nicht vorhanden- zugunsten der winzigen Figur, die nur Einheimische einordnen können unten links, wird auf die essentielle Balance im Gesamten- ob ausgewogen oder unter Spannung- komplett verzichtet. Solch eine Himmelsfärbung ist, obwohl fotogen, leider schon zu sehr in die Klischeefalle eingebettet, so daß sie nur in extrem gut (wolken-)gestylten Fällen Verwendung finden sollte. Zudem ist der Helligkeitsübergang von links- hell nach rechts-dämmerig ebenso wie die Lage der Protagonisten geeignet, das grafische Ungleichgewicht zu verstärken: der Kreis, eigentlich ein Rad von Künstlerhand, und das Stadtwahrzeichen Mannheims, der Turm, stehen im Bildrahmen unglücklich/unentschieden weit auseinander und zu weit rechts, wirken dadurch beziehungslos und etwas verloren, obwohl sich ihre Umrisse eigentlich sehr gut ergänzen. Aber: unregelmäßiger=störender Rad”stand”, überflüssige, das heißt, die Silhouetten störende Bäume und ein im Dunklen versinkender, halber Turm- ein völliges No-Go. Also: out! Nächster Kandidat: Andere Größenverhältnisse: das “kleinere” Rad wird nun durch perspektivische Verzerrung “aufgeblasen”- ein guter, da verwirrender Effekt- die realen Dimensionen beginnen, sich aufzulösen, dem Betrachter nicht mehr fassbar zu sein. Pluspunkt weiterhin: beide Umrisse ergänzen sich nun mehr, erzeugen die angestrebte Balance, da sie auch vom optischen Gewicht und ihrer Lage zueinander in einer fotogeneren Beziehung stehen: der in der Luft schweben zu scheinende Turm in seiner Lage zum Rad auf seinem Sockel: ok. Auch sehr gut, da dramatisierend: die Lichtüberstrahlungen im Innenkreis, ebenso das leuchtende Wasser der Fontäne. Das Pärchen addiert eine romantische Note, setzt (allerdings) auch den menschlichen Größenmaßstab ins Bild. Nun sind aber leider zu viele Elemente auf dem Rechteck des Bildes versammelt. Zudem gibt es einige störende Details, die auch dieses Bild wieder ausscheiden lassen: Die Fontäne müßte vollständig lichtdurchflutet sein, die Wolkenzeichung könnte das Motiv besser unterstützen umrahmen, betonen. Was sie leider nicht macht. Schade, schade, aber: weg damit. Immerhin kann man, wenn man sich der “Lösung” schon recht nahe fühlt, diese Konstellation im Hinterkopf behalten. Vielleicht ergibt sich eines Tages die optimale Zusammenstellung: der Himmel spielt mit, das Gegenlicht vergoldet zum Beispiel auch noch das Pärchen, oder gar unerwartete Blendenflecke eliminieren alles bislang Störende. Ja, ich weiß: Zeit für Regisseure, Beleuchter und die computergestütze Bilderzeugung. Und ade Postkartenfotografie, die ja per se realitätsnah sein muß.. Also wieder nix. Schlußendlich öffnete sich dank Klischeeüberdruß und daraus sich ergebender Experimentierfreude noch unverhofft die Tür mit der Aufschrift “out of focus”- eine also schon im Augenblick der fotografischen Aufzeichnung absichtlich unscharf gestellte Optik und brachte das Gewünschte: Zufriedenheit UND Rätselhaftigkeit auf einem Bild: Turm und Rad sind wieder auseinandergerückt, beherrschen mit Himmelhell oben und ErdDunkel unten aber komplett das Bild in ausgewogener Beziehung. Details sind größenordnungs- oder helligkeitsmäßig zur Bedeutungslosigkeit geschrumpft oder fügen sich unmerklich suggerierend in den Untergrund. Ein paar dunkle Wolkenschleier dazu- unsere Protagonisten wirken nun plötzlich, als seien sie in freier Natur, nur umgeben von Wald, Wetter und Feld, vielleicht in einem abgelegenen Skulpturengarten aufgestellt. Und nicht an einem der zentralen Plätze mitten in dieser 300.000 Einwohner Stadt, der für seine Jugendstilausführung bekannt ist. Postskriptum: wie man an der Wetterlage erkennen kann, sind zur Motivgewinnung fast immer mehrere, zeitlich oft weit auseinanderliegende Aufnahmen vonnöten. Dieser Aufgabe sieht man sich IMMER gegenüber, wenn man ein bestimmtes Motiv in der Sammlung haben will. Aber es gibt natürlich auch Zufallsfunde. Darauf komme ich später zurück.

__________________________________________________________________________ Musik beim Schreiben heute:

Savvas Ysatis “select”, Tresor (EFA), 2001

Yukio Yokoyama: “Beethoven Bagatellen” Sony/BMG 2007

Jetzt und hier im GESAMTEN Buch blättern…

Herumadrenalieren im Internet am Vormittag. Ich stoße auf c/o Berlin. Dort auf das Interview-Video mit Peter Lindbergh. Nachdem meine Neugierde- ich besitze “10 Women”-, wie der wohl in persona aussieht, befriedigt ist, entdecke ich gleichzeitig wikipedia zu Herr Lindbergh, von dort auf seine Seite. Hier das Erstaunen: Er hat ALLE seine Bücher online. Von Seite A-Z. (Nachtrag 27. August 2017: offiziell ausgeblendet, kann man aber peterlindbergh.com/books/ erraten. Die kriegt man heute “vorgeblättert”..)

Mehrere Gedankenstränge: a) Wow. All for free. Mm, der hats anscheinend nicht nötig, noch damit Geld zu verdienen. Na, in so einer Lage würde ich das vielleicht auch so machen- alles das online stellen, mit dem ich einst (genug) Geld verdient habe. b) wenn man öfters im Netz herumsurft, gewinnt man irgendwann den Eindruck, daß Beeindruckendes jedweder Couleur oder Geschmacksrichtung irgendwann im Internet an allen Ecken und Enden auftaucht.

Zum Beispiel hab ich von Ellen von Unwerth, für mich das weibliche Pendant zu Herr L., noch keine official Website entdeckt, auf der Bilder zu sehen wären. Dafür liefert Google Material in Hülle und Fülle. Was garantiert der Urheberin nicht zugute kommt, außer dem notorisch deklamierten “Werbeeffekt”. Auf ähnliche Weise finden auch Bilder prä-digitaler Künstler ihren Weg ins Netz, wie zum Beispiel die Saul Leiters, Baujahr 1923. Ein zwar hilfreiches, doch urheberrechtlich mehr als fragwürdiges Anschauungstool für die doch insbesondere bei Fotografen spürbar trockene Textseitenversion auf Wikipedia.

Der Urheber kann also nicht verhindern. Oder gar stoppen, daß seine Werke in einen unkontrollierten Umlauf kommen. Das hat Herr Lindbergh sicher auch schon bemerkt. Tut mit der Veröffentlichung seiner Bücher ergo nichts anderes, als sich als (Gesamt-, Original-) Quelle der Bilder zu outen, mehr noch: ein Gesamtbild bereitzustellen.

Ein Gesamtbild, das nicht von illegalen Verklapperschlangen oder Unbewußtfänlingen verzerrt ist. Unter diesem Gesichtspunkt nur konsequent und realitätsnah, diese Aktion. c) Durch das Online-Stellen wird auch das krasse Mißverhältnis zwischen Inhalten von Büchern und den flüchtigen Bildschirmanzeigen thematisiert. Lindbergh macht damit darauf aufmerksam, welchen Wertunterschied die Darreichungsart macht. Und stellt die Frage nach einer adäquaten Präsentation für Bilder solchen ästhetischen Wertes. d) Hauptsächlich aber schenkt er den Einblick in sein Werk an alle, die sich dafür interessieren.

Durch die Vollständigkeit- Deckblätter, Schmutztitel, Introseiten, zum Teil leer, dafür mit beigefügten, angemarkerten Kontaktbögen- ein Hinweis auf den künstlerischen, nicht (mehr) kommerziellen Standpunkt. Sehr schön!

Danke, Herr Lindbergh, wir haben etwas von Ihnen gelernt!

Nachtrag vom 27. Juno 2012:  Noch mehr Interessantes erfahren über Herr Brodbeck (sein Geburtsname) im Interview über seine ersten Jahre auf der Zeit online.

__________________________________________________________________________ Musik beim Schreiben heute:

Steely Dan: “Gaucho” MCA, 1980

Steely Dan: “Pretzel Logic” ABC, 1974

Steely Dan: “The Royal Scam” MCA, 1976

Steely Dan: “Alive In America” Giant, 1995

Ach laß heute mal, ich guck mir Euer Konzert lieber auf youtube an

Wann eigentlich geht dieser bewußtlose Veröffentlichungswahn (endlich) mal nach hinten los? Das hab ich mich gefragt, als ich mal wieder tatenlos den Newsletter alter Bekannter zum Thema “Konzert am Mittwoch” erhalten habe. Denn da kamen zusätzlich zu den Terminen/Anfahrtsmöglichkeiten nämlich auch gleich noch drei Links auf youtube mit.

Die waren kurioserweise erst seit vier Tagen welche, denn darauf war das Vorgängerkonzert “dokumentiert”- ganz frisch, mit derselben Personage wie der, die in besagtem Newsletter annoncierte.

Ich also: klick zu: youtube.  Dort auf das Dreieck.  Und los gehts:

handgeschüttelt wackelig aus dritter Reihe aufgenommen- aha: ein FanVideo. Der Sänger insofern unglücklich von der Seite, da während aller acht Minuten ein links vor ihm stehenden Mikroständer mitten durchs Bild und quer überm Gesicht verläuft. Der Sound wie erwartet: State Of the Bootlegger Art. Mehrere Gedankenstränge nehmen ihren Lauf:

AHier wird geistiges Fremdeigentum verklappt. Dann noch von jemand, der sich selbst garantiert 100%ig als Fan bezeichnen würde. Kurioserweise geschieht dies aber nicht unbedingt illegal, sonst würden Bandmitglieder höchstselbst diesen Link nicht in den Newsletter packen sondern die Nummer ihres Rechtsanwaltes wählen und Geld mit ihm zusammen verdienen. Dumm dabei: man hat anschließend wieder (mindestens) einen Fan weniger.. Es könnte im Detail aber auch so aussehen: der Sänger, der die vorgetragenen Songs garselbst geschrieben hat, weiß das mit dem Video und dem Newsletterlink drauf überhaupt nicht- ob der das dann auch so als “Info” oder “Werbung” sieht: fraglich. Mir jedenfalls berichteten mehrere im Klassischen beheimatete Musiker voneinander unabhängig, daß sie schon ab und zu mal unvorbereitet einen filmischen Blick auf die eigene Person erhaschen auf irgendeinem Video-Upload-Kanal. Man beachte: z.u.f.ä.l.l.i.g! Ich kann mir auch vorstellen, daß es da eine professionelle Laxheit, Mutlosigkeit oder ein tiefsitzendes, über Jahre gewachsenes Gefühl der Kapitulation geben mag, da man als Einzelner niemals alle Veröffentlichungen kontrollieren kann in diesen Zeiten, da jeder dahergelaufene Begeisterte a) zählt und drum b) kaum vom Mitschneiden per Handy abgehalten werden kann. Bester und bezeichnendster Kommentar zu solcherart Privatdokumentation: “Der ist IMMER da (dazu ein augenrollendes “oh mein Gott!”), aber er kauft ALLES, was wir je rausbringen.”

bDie Darreichungsform, der “Serviervorschlag”, kurz: die Aufmachung des Videos “hat diesen Fan-Charme” würden die einen sagen, ich finde diese Art von Werbung für Musik, Bands, Konzertbesuche oder gar CD Erwerbungen, vom Gewinnen neuer Fanschichten mal zu schweigen schlicht als, äh: optimal kontraproduktiv. Vielleicht bin da auch zu a) anspruchsvoll, hab b) den allgemeinen Niedergang des Wertes von Qualität verpennt oder bin c) einfach schlicht nicht mehr up to date..

cWenn die beteiligten Musiker diese Links selbst in ihren Newsletter verschicken, kann das nur als Bestätigung für diese Art “Dokumentation” verstanden werden. Könnte man meinen. Bemerkenswerterweise kenne ich sehr wenige Musiker, die diese Art von unterirdischer Präsentation bei ihren Lieblings-Musikern dulden würden. Und nicht für gräßlich unter Niveau und als Schlag ins Gesicht der musikalischen Qualität und die Gesichter der Fans sehen würden. Kann aber auch nur der nicht mehr verstandesmäßig kontrollierbare Wunsch nach Beachtung, Fantum, Aufmerksamkeit sein, der alle anderen wirtschaftlichen Faktoren, die mit dem Produzieren von Musik zu tun haben, vernachlässigt. So was gibts tatsächlich!!

d

Solche Videos gibts oft zahlenmäßig weitaus mehr als offizielle, von Band oder gar Label produzierte Dokumente zur Promotion. Bei semi-bekannten lokalen oder Bands, die Nischenmusik machen sind solche Videos gar die einzigen bewegten Bilder. Daß sich Musiker eine dermaßen negative Werbung- schlechter Sound, schlechte oder gar keine Bühnenbeleuchtung, unvorteilhafte “Zustände” der Protagonisten wie verschwitzte, übermüdete, überanstrengte Gesichter, durch stage action schlecht sitzende Kleidung, fatale Blickwinkel im fotografischen Sinne siehe oben, alienhafte Bewegungen, Verspieler, peinliche Ansagen- von ausgerechnet ihren “Fans” gefallen lassen- Wahnsinn!

eHab ich Lust, zu einem Konzert zu gehen, bei dem Teile des Publikums Aufnahmen machen, gerne auch mal kurz übers zahlreiche Publikum schwenken, um die massenhafte Begeisterung nach den Stücken mit aufzunehmen plus die dadurch plötzlich für den öffentlichen Gebrauch bestimmten Zurufe oder Kommunikation mit oder aus dem Publikum? Mmh.

fwie Fazit: Ach laß heute mal, ….

 

English, please!

Hello everybody. Since my postcards reach numerous destinations outside the little German speaking world- my customers tell me so- here´s a little more information about Soodlepoodle doing photographic and other things..

I was born in 1964 in the northern part of Germany´s Black Forest and photographically I´m self-taught. It started 1980 with a first SLR camera, so that by 2012 I have a more than 30 year-experience, mainly in looking and while clicking improving my aesthetical senses. I work mainly free, much more as an artist than a custom photographer.

So read more about the postcard project starting in 2007, see some very good musicians live on stage here (micro picture series with some informations) or here (selected single shots from eight years concentrating on live oics), many from the region around Mannheim where I live now for more than 25 years on local stages or simply take a tour through my pictures and thoughts from last year, 2010, 2009 or the year before that ,which sadly is without any English comments but very self-explanatory. Enjoy!