Archiv für den Monat: Mai 2011

Zu unscharf. Nicht mittig. Oder: das Rechteck, das die Welt bedeutet

Yeah! Mal wieder ein neues Startbild aufm Soodlepoodle! Freut mich aus mehreren Gründen: a) I like it! Mucho! b) ein für meine Verhältnisse sehr seltenes Bild= mit Morgenlicht. Eigentlich nicht so mein, äh, style. c) und- tata! ein am Tag nach der Aufnahme schon wieder historisches: der Blick auf die Architektur ist nun von großen schwarzen Planenflächen verstellt- wirkt somit für mich banal und wäre auch nie wert näherer Betrachtungen geworden, aufs “Cover” zu kommen. Ich war extra nochmal dort, um das nachzuprüfen. d) das hier hat ein Geheimnis intus. Irgendwie. Can you feel it??!

Das Online-Startbild der KW 19, 2011

Vor allem das Schneiden dieses Bildes erfüllte mit diebischer Freude. Nicht nur, weil es mal wieder ein aus den Fugen geratenes Symmetrisches ist. Und besagtes Mysterium eben darin liegt für mich.. A propos: Symmetrie ist ja a) Ästhetik, die mit dem Lineal zu bewerkstelligen ist. Im vorliegenden Fall zum Beispiele ist die Bildmitte exakt da, wo der mittlere (!) Draht (quasi senkrecht, mittig) das blaue Trapez mittendurch (!) schneidet. Rustikaler ausgedrückt also: b) Schönheit für Doofe. Wirkt immer, aber je exakter sich rechte und linke oder obere und untere Bildhälfte ähneln, umso langweiliger, da steriler. Damit will ich der ästhetischen Qualität der Symmetrie keinen Abbruch reden oder sie gar vorsätzlich dissen- ich gehöre auch zu den doofen Fans ihrer. Allerdings steigt mein Spaß-am-Bild-Faktor, wenn sich da noch mehr tut, gewisse Spannungen im Bild diese Symmetrie, äh, stören würde ich nicht sagen. Eher: würzen. Oder: in einem als positiv erfahrbaren Sinne an ihr zerren. Und dadurch der ästhetisch-harmonisierenden Ausgewogenheit noch den Spritzer Tabasco und Leben beibringen. Außerdem verspüre ich besagte Freude, mit diesen angeschnittenen, von den Bildrändern sich ins Bildinnere biegenden Drahtstücken die Ordnungsfetischisten unter Bilderguckern mal wieder im Pawlovschen Sinne zu vorhersagbaren Beiträgen zu stimulieren.. Zum Beispiel zu solcherart Urteilen, aus denen der Artikeltitel besteht. Ist mir NATÜRLICH schon mal in echt passiert. Und zwar zu diesen beiden Bildern:

nicht mittigzu unscharf

Da kann ich nur sagen: Korrekt! Und: Sie haben wirklich den Blick aufs Unverstellte.. __________________________________________________________________________ Musik beim Schreiben heute:

The Don Ellis Orchestra “Electric Bath”, Columbia, 1967

Joni Mitchell “Court And Spark”, Asylum Records, 1974

Les Ritas Mitsouko “The No Comprendo”, Virgin, 1986

Das eigene Bild im (eigenen) Remix

Mit den Fotos aus heimischer Produktion ist das nun mal so: man macht und macht, experimentiert und probiert, sichtet, schneidet und entscheidet; und irgendwann ist dann das Werk als Werk im eigenen, kopfinternen Entscheidungszentrum anerkannt. Und man selber bereit, es mit anderen zu teilen.

Sprich: herumzeigen, posten, veröffentlichen. Das waren vor kaum zehn Jahren noch drei getrennte Welten, by the way. Und so bleibt es wohl für alle Zeiten: ein Kind, das man in die Welt geschickt hat.

Doch da gibt es noch etwas Unerwartetes: Durch die anfängliche Idee, die Umgebung der Verkaufsstellen meiner Postkarten mit in die online Galerie zu integrieren, geriet ich immer näher an die Möglichkeit, erst durch besagte Bild-im-Bild Methode, meine Bilder als etwas sich Weiterentwickelndes zu begreifen. Und das, obwohl ein Foto eigentlich ja ein Foto ja ein Foto ist.

Bild einfügen

Wie man aber hier drüber sieht, reicht manchmal schon ein Stück Blisterfolie, das zum Verpacken auf der Ladentheke für demnächst bereitliegt und das man flugs für 1 Minute zweckentfremden kann. Und nicht nur die Farben des Originals bleiben übrig, vielmehr addet die Glanzoberfläche der Folie einen ganz unerwartet neuen Geschmack. Macht aus dem Bild, das ich in meinem Fall kaum mehr unvoreingenommen sehen kann- es ist mir schon zu bekannt- etwas WowNeues!

Von dieser zufällig zu nennenden Entdeckung beflügelt, betrat ich den neuen Raum called Remix der eigenen Bilder. Das geht los beim Fotografieren von Zusammenstellungen der Bilder, wie sie, oft zufällig, im Kartenständer übereinander stehen. Dann folgenden die Reflexionen- oft sind meine Karten hochglanzlackiert und reflektieren Lichtquellen, die aus dem gedruckten Bild ein anderes machen. Oder eben Drüberliegendes wie Folie, Glas oder Folienflächen, die eine ganz einfache Überblendung verschiedener Ebenen ergeben:

Ebenen mit Hilfe von Fensterscheiben

Noch spannender, da ein dritter Teil namens Text/Typografie hinzukommen kann, wird es, in unregelmäßigen Abständen, die Wochen ziemlich ähnlich sehen, ein neues “Deckblatt” für die Seiten soodlepoodle.de und mannheim-auf-postkarten.de zu erarbeiten. Meistens beim Sichten der neusten Galeriebilder, wo ich eine Übersicht der gemachten Aufnahmen vor dem Auge habe, geraten mehrere Bilder über- oder nebeneinander, kämpfen mit Schriftstilen, Abständen zu Rand und anderen Bildelementen und ringen um Farbe, Durchsichtigkeit und Lage im Bild als Ganzes.

Eine großartige Übung also wieder mal, sein Proportionalsehen zu üben. Um dann, gegen Ende der Session mit einem frischgestrichnen Onlineauftritt aufwarten zu können.

Zwei Stile, die sich hier aufs Fotogenste verbinden lassen: Meine Postkartenauswahl in gedeckt und die Papierobjekte von Zeljka Lucic. Doch das Ganze geht noch weiterzudenken: Stellt euch mal folgende Waghalsigkeit vor: MEHRERE, sprich 2 Fotografen lassen sich mal an einem (1!) Bild kreativ aus.

Es muss nicht gleich der mon dieu! SuperGAU sein, daß einer fotografiert, der andere schneidet- mon dieu! Allein schon aus einem großen Archiv, es kann ruhig das gesamte Lebenswerk wie unten sein, was zum Publizieren im Namen des Urhebers auszuwählen ist schon ganz schön Verantwortungsgefecht, aber kann auch Ehrerweisung und show-Your-Respect-aktion sein..

Ich hab das zum ersten Mal gesehen in dem sehr empfehlenswerten Bildband “Magnum” , der “großformatigen Festschrift zum 60. Geburtstag der legendären Photoagentur” von Brigitte Lardinois, wo ich fasziniert war von der Vorgehensweise: daß sich nämlich die Kollegen die zu publizierenden Bilder gegenseitig aussuchen. Und, noch interessanter: dazu noch ein Vorwort verfassen. Sprich: sich mal zu Wort und nicht immer nur zu Bild melden. Vor kurzem ist mir das in meiner persönlichen Umgebung passiert, als die Jungs von Grotesk Royal die erste Ausstellung vom Bildermacher zusammengestellt haben. Ein Bild von der anschließenden Hängung folgt, sollten die Jungs einverstanden sein..