Kategorie-Archiv: KuratorPoodle

Aus Fremdwerken faszinierendes zusammenstellen

Der Poodle als Betriebsblindenhund

“Wieso machst Du das denn nicht mit Deinen Bildern?”

Das ist die häufigst gestellteste Frage, wenn ich in diesen Frühlingstagen begeistert von meinem neuen FotoProjekt “Der Soodlepoodle als Kurator” erzähle. Ich hab da nämlich im dschungelartigen Archiv eines langjährigen guten Bekannten einen fotografischen Schatz entdeckt, den es “nur” zu sichten und herunterzudampfen gilt, um ein kleines Mannheim Foto Juwel (nach einigen vermailten, schnell gelayouteten Teasern ist das nicht mehr nur meine persönliche feste Überzeugung) in Buchform zu erhalten.

Tja: warum “Bücher für andere?” Provozierende Frage, die aber, ich muß das mal enttarnen, nur in Richtung Egodeklaration, Selbstausbeutungsrechtfertigung oder weitere (auch für diese Diskussion) negative Richtungen zielt.  Denn wahrheitsgemäß (und konstruktiv im Sinne einer echten Kulturkritik) müßte sie lauten: “Warum Bücher mit anderen?” So gestellt führte diese Frage dann auch auf die richtige Spur:

Fremdwerke sichten und gruppieren ist nicht nur eine sehr erfrischende alternative Beschäftigung mit der bildenden Kunst: ich kann mich damit in eine andere Sicht aufs mir Vertraute hineinversetzt sehen. PLUS: einen anderen, ungewohnten Aspekt meiner jahrzehntelangen Beschäftigung mit Bildern hervorkehren, verwirklichen, ausprobieren.

Und damit ganz nonchalant der Gefahr der Eigenermüdung entgehen, denn: ich (und mein Bekannter!) wüßte echt nicht, was wir in ein Buch mit eigenen Bildern reinfüllen würden (no kidding !) Zu lange sichte ich die schon und – ich kann es gerne sagen: ich habe Lust auf Neues. Nicht nur neue (eigene) Bilder, sondern auf inspirierenden Umgang mit Fremdwerken, die ich auswählen und auf den aufgeschlagenen Buchseiten nebeneinander zu neuen Anmutungen kombinieren mag.

Und, um auf die Frage am Eingang zurückzukehren: beim Thema Bücher machen konzentriere ich mich aufs reingretchen – da ist (großer sexy Vorteil) nur “katalogiges” Auflisten angesagt, keine Auswahl aus vielen, kein Kombinieren, kein director´s cut - der ist ja mit der hochkantigen Buchformatvorlage und lose gehaltenem Corporate Design schon “erledigt”. Und: meine eigene Betriebsblindheit würde da nur zu Schmerzen bei plötzlichen unwillkürlichen Kreisbewegungen führen ;-)

Es geht weiterhin auch um Teamwork, um ein selbstgesetztes größeres Ziel (Auswahl, LayOut, inspirierende Betextung, die den Bildern nicht nur gerecht wird, sondern vielmehr ihre Wirkung vergrößert,  Produktion, Kostenermittlung, Beteiligtencasting und -begeisterung, Vertrieb- und Marketingüberlegungen, crowd funding. Angesteckt hat mich damit unter anderem das frisch entdeckte Kölner Karnevalsfotoprojekt elfuhrelf.

Und Bilder für ein Buchprojekt aussuchen ist etwas völlig anderes als “Einzelkämpfer” für den Postkartenständer zu gewinnen: da nämlich gilt es, den Gesamteindruck beim Durchblättern zu koordinieren, einen erzählerischen, ja: dramaturgischen Bogen zu schlagen, nen schlüssigen Gesamteindruck aller Bilder zu kreieren.

Nach dieser Vorgabe habe ich bislang aus den mir vorliegenden 280 vorausgesuchten (!) Bildern mal gut die Hälfte herausgedeutet und mich gefreut, daß dabei keine als Postkarte (mein Thema der letzten sieben Jahre) “funktionieren” muß. Es kommt also Sehen-in-anderer-”Betrachtungsfunktion” noch zur Liste der Erfreulichkeiten dazu, vom freien Laufenlassen der Begeisterung für diese Bilder mal gaaanz abgesehen ;-)

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Musik beim Schreiben heute:

Annie Lennox: “Diva” BMG, 1992

Earl Zinger´s “Put Your Phazers On Stun Throw Your Health Food Skyward”, !K7, 2002

deadmau5: “random album title”, Ministry Of Sound, 2008

XTC: “Skylarking”, Nonesuch, 1986

Frank Zappas Inca Roads mit unglaublichen Knetmännchenpsychedelicanimationen:youtube-embedding-memorial-