Kategorie-Archiv: Mode schauen

3x Schneiden, Heften, Legen, bitte!

Zurück zur Mode – meine Handtaschen stehen vor dem nächsten Level – und dem zugehörigen Hintergrundwissen. Heute gibts als Video-Trio drei mal Making-Of Haute Couture. Bitte beachten Sie nicht nur die gezeigten Details (Zuschnitt, Messen, Heften, Steppen, Falten, Plissieren, Besticken, Verstärken, Bügeln, Färben, etc.), sondern auch, wie das im Clip filmisch zurechtgezupft wird: Beleuchtungsstärke, Farbigkeit, Close-Up-Strategien, der durchgängig klassisch repetitiven Musik aus ebenfalls sehr gerne – nach Durchsicht einiger Clips – mit Streichern plus Piano besetzt (1Zufall?) sollte ebenfalls Beachtung geschenkt werden, erst dann hat man die geballte Unterrichts/Edutainment Packung!

p1040280Die drei Video-Buttons hier unten verbergen.. à gauche Monsieur Dior, mittig wird Altmeister Balenciaga rückwärts engineert und á droite Bilder aus dem maison Chanel.

Dior   youtube-embedding-memorial-   Chanel

Für Interessierte: ich hab haute+couture+making+of gegoogelt. Und dann ausgesucht! Google hat unterwegs natürlich “mitgeholfen”

Beim Gucken darüberhinaus gefunden: das Victoria and Albert Museum, in dem die Balenciaga-Werke unter die Lupe genommen werden, den very down-to-earth sieben-Minuten-”Werkstatt”-Clip Handtaschenmachen in Kenia – (“Beauty is Beauty”). Dazu im Vergleich Hi-End-Dior, weiß behandschuht und mit allen technischen Rafinessen angefertigt – wow- ein dreiteiliges hölzern klickbares Model! …während ich unterdessen mit Draht-, Schraub- und Plastikschlauch-model  Zwischenstation mache:moviepoodle_1070256scsh03

Aus dem Nähkästchen… geclippt

Hey, ein Buddelschiff! Frisch aus meiner “Requisite” aufgetaucht, “macht” es mir das neue Deckblatt des Soodlepoodle. Erstaunlicher Effekt dazu: mit ein wenig transparenter Hilfe kann man es artgerecht gar fast an den Horizont nach oben ins(!) Bild/Meer hieven – eine sehr spezielle Anmutung, die mich, bestimmt durch den Anblick von Segel und Masten, an Gemälde erinnert. Nein: an Seascape-Bilder von Gustave Le Ray (1820- 1884):

Und wie immer als gestalterische Fortführung des Motives zur Menübebilderung eine zweite Version: herunter vom monumentalen Sockel damit, näher ran & direkt an Land und Strand und “Muschelbank” – Moment mal, das sind doch…:

Knöpfe! Riesige Knöpfe wie gigantisch rostende Bauteile einer Werft! Da klingeln mir jetzt AbwrackBilder von Edward Burtynsky (*1955): welch Assoziationsgemengelage! Glaubt man nicht, bis man eine unscheinbare kupferfarbene Blechdose aus einem Kellerkarton öffnet – wie Ihr wißt, ich bin auf FlohmarktFundusEntdeckungsreise als FilmKamerafutter. Im heutigen Fall stammen die Darsteller aus persönlich-familiärer Quelle und wurden nicht irgendwann an einem Samstagmorgen auf einem Tapeziertisch im geschäftigen OutDoorTrubel entdeckt. Et voilà zum eigentlichen Thema: Omas Nähfundus.

Hab ich irgendwie geerbt, diese Faszination mit Mercerie sprich Kurzwaren – Abteilung: Knöpfe. Nenn’ ich doch selber ne mittelgroße Sammlung (die kommt hier vielleicht später mal) aus meiner Zeit des (ersten) aktiven Nähens (zweite Hälfte der Achtziger Jahre) mein Eigen. (Und eine umfangreiche Klammer-auf-Klammer-zu-Sammlung ;-) )

Seht Euch diese Prachtstücke aus den 50er/60er/70ern an:moviepoodle_1040446 moviepoodle_1040426 moviepoodle_1040423 moviepoodle_1040415

Da macht das Kameraschwenken, Zoomen und Neigen richtig Spaß: ganz nah dran an diesen historischen Formen voller Reminiszenzen, diesem eingegossenen Glitzer, dieser Drahtglasoptik, diesem echten und falschen Perlmuttschimmer! Knöpfe wie edle, ähem,  Salamischeiben mit Lackschäden…Bei den silbernen Lilien aus JugendstilPlastik “gelang” gar so was wie ein Dolly Zoom – nur schon wieder ohne Dolly. Und kommt noch die Sonne um die Häuserecke und macht mir den Top-Beleuchter… fan tas tique!

Und überhaupt: wann hatte ich zuletzt so nen deutlichen DamenMantelknopf in den Fingern? “Super keine Ahnung” spricht der ReißverschlußJackenGewohnte. Da bricht doch glatt eine Sehnsucht nach etwas mehr modischen Styling in den Strassen der Stadt aus..

Wie Ihr ebenfalls sehen könnt, sind da einige helle Gebrauchsgegenstände der im Film unüblichen Art zu fantastischen Requisiten “aufgestiegen”; nicht nur ein schnöd aufgehäuftsprichvorsortierter Wäscheberg für den nächsten Waschgang (der eigentlich im cinematografischen Weg war), sondern vor allem ein aufgerollter Streifen Negativhüllen mit diesen schmuck-nüchtern-aparten schwarzen Markierungsbalken tut hier in allerfeinster Rosenblattmanier das seinige, um aus diesen KnopfClips a G’dicht zu machen – n’est-ce pas?! Und als Präsentationspodest-über-Wäsche taugt das Ding ebenfalls perfekt.

Etwas anders die beiden Kandidaten unten: drei grüne Science Fiction UFOs, die auf einem kanariegelben schwebenden Plateau aus ebenfalls drei.. ähem Kartoffelsalatdosenplastikdeckelunterseiten “gelandet” sind. Schwer zu leugnen denn kaum zu übersehen: die beiden Recycling-Pfeile am Fuße des rechten “Fliegers”. Jetzt schnell auf meinem LieblingsRetroStyleBlog iso50 nachgucken, in welchem Weltraum-Abenteuer die Dinger wohl vorkommen ;-) Hey gefunden: es sind “Children of Tomorrow” des Malers Bruce Pennington! Auf dessen Seite steht: 1972 gemalt.. hey, da könnten diese Knöpfe gar Modell gestanden haben ;-)

Tja, unerwartet, wa?  Convenience Umverpackung goes props. Und das ist erst der Anfang…

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Und dann dieser riesige Mattgelbe! Pütschama ahoi! Oder wars doch etwas für draußen und in schick? Muß ich doch grad mal n paar Clips checken!

Was ich an diesen durchweg um die sechs Sekunden langen Schnipsel faszinierend finde, ist das sehr exakt umrissene räumliche Bild, das diese Schwenks in der Vorstellung von den Gegenständen erzeugen. Das eigentlich stereoskopische Sehen wird vom bewegten Bild  auf dem Bildschirm – ersetzt? Erschummelt? Oder ist das alles (nur) Sozialisation der Kinogänger und Serienglotzer? Schalten Sia auch nächste Woche wieder ein..

Und à propos Clipper @ home in steifer Brise & handhingeschaukelten Wellengang:

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Musik zum Knöpfebetrachten:

Georges Bizet: 4. Satz “Sinfonie C-Dur”, Orpheus Chamber Orchestra

Locust: “Morning Light”, Apollo, 1997

Musica Sequenza: “Baroque Sampling Händel”, Dhm, 2016

Massiv Attack: “Protection”, circa records, 1994

Makro Mode Schauen – jaa, das gibts!

Wenn man diese filmischen Nahaufnahmen von Chanel-Kreationen erst mal entdeckt hat, fällt wie Schuppen von den Dächern auf, was die ganze Zeit gefehlt hat beim medialen ModeSchauen: dieser nahe Blick auf nicht nur näherische Details wie meisterlich gearbeitete Säume, Krägen, Perlen und Pailletten, sondern auch diese wunderbar knisternde Nähe zur Menschlichen Schönheit – dieser durch Kameratechnik und -führung mögliche “Zauber der kleinen Geste”, der durch Bild und Ton festgehalten, ja: übertragbar eingefangen werden kann.

Und diese Bilder gehen soo! weit weg von klassisch-bewegten Catwalkaufnahmen mit versteinerten Models(gesichtern), die sich, bemüht ums Geradeausgucken&Nichtstolpern, ums einen-Weg-zwischen-den-HandyFackelzügen-finden!

So sehen meine Vorstellungen von erstklassigen ModeClips aus!

Eine bewegte Mischung aus Atmosphäre, Porträtfotografie & Handwerkskunst-aus-nächster-Nähe – alles unter der Ägide cinematografischer Grandezza! Obige Fotos-to-Do’s kann man ab sofort den Influencern und Bloggern überlassen (die erreichen die interessierten Massen und leiten sie (hoffentlich) auf diese Kleinode an die Freude weiter).

Wunderbar auch die erfrischende Vielfalt der Soundtracks! Da kommt alles Feine zum Zug, geht nur selten einmal in den klassisch pulsierenden Catwalk-Beat über, bleibt immer im verträumt-Schwelgerischen oder modern-Forschen, ohne jeden Hauch von Kitsch oder Ausgelutscht. Und man kann wie ich gestern abend eineinhalb Stunden träumen, ohne den kleinesten Anflug von Deja Vu! Schaut Euch mal das an! Da macht doch SommerRegenGucken Spaß!

Und, “blättert” man auf youtube ein Stück weiter zu den “Stories”, empfangen einen wunderbare Making-Of Bilder. Nicht nur Modeschau-Vorbereitungen hinter den ulissen, sondern auch Makros von geübten Händen, die das Wunder erzeugen helfen: Tausende von Pailletten, Strass, Schleifchen oder Bänder, in tagelanger Handarbeit appliziert..

Mein Favorit hier: Mood of the Tokyo Paris Cosmopolite Métiers d’Art

Und das Dolle: alles gibts unter 4 Minuten, die “Details” gar alle um die knappen 2. Ein perfekt(lang)er Augenschmauß!

Vorbild für mich! Denn HEY: ich kann ab sofort filmen!

(wird auch Zeit, denn ich brauch nen Clip!)

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So Up wie Kristian, so knallig wie Txema, so geheimnisvoll wie Elizaveta

..sollen “meine” künftigen Handtaschenmodefotos sein. Doch doch: darüber mach ich mir viele Gedanken. Noch bevor es die Täschchen überhaupt gibt. Denn was auf Fotos mondän, exzellent, schmuck, chic und modern aussieht, m.u.s.s. doch in echt eines Tages genauso sein: wie erträumt ;-) hbk-hbe-scanp-180324-620g-rUnd Träumen fiel noch nie so leicht wie heute: wann bitte hat man in der Menschheitsgeschichte von zuhause aus eine solche Chance zur Inspiration gehabt wie dieser Tage:

Googelt  allein schon Sölve Sundsbö oder Nick Knight, da bekommt Ihr  das Experimentellste zu Gesicht, was sich bislang in meiner Liste findet. Und die ist surely schon ordentlich angewachsen, ob das nun Fotografen, Models, Posen, Settings oder allgemein: Ideen sind, die man ins Bild setzen kann. Und alles darf mit, von digitalen Retro Collagen, Kirlian Fotografien, Anime-Styling bis zu Nixieröhren-Steampunkretrokonstruktionen und Luftblasenanimationen aus VideoGames.

Beim vielen (Mode)Schauen finden sich natürlich auch (Werke von) aktive(n) FotografInnen, die mich begeistern. Denn schließlich sollen meine künftigen Handtaschen artgerecht ins Bild ;-) Und da müssen schon Visionäre ran, wenn ich mir zum Beispiel solch neusten Entwürfe (die nämlich von gestern abend) angucke:

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Da brauchts Arsenal&Imagination, in welch fantastischer/urbaner/märchenhafter Umgebung diese Taschen passend vor der Kamera platziert werden möchten.

Hier also meine Wahl so far:

Wenn auch mit eigentlich übertriebenem ordentlich Prop-Aufwand begeistern mich diese wundersamen Bilder von Kristian Schuller. Dessen Leidenschaft für den Zirkus und die Weite des Himmels bringt Gegenstände und Szenerien ins Bild, die man sonst nicht so opulent auf Modefotos sehen kann. Und die Fotos wirken uplifting, voller unbekümmert-eleganter Energie wie die (gerne) ans Frivole grenzenden von Ellen von Unwerth (als weiblicher Gegenpart). Und sind (mir) nicht so exaltiert=übertrieben austaffiert wie Tim Walker- (cooles Video-Porträt hier) oder David LaChapelle-Werke, die in dieser Opulenz ja auch schon der Vergangenheit angehören. Dann, mein hombre Numero eins: Txema Yeste. Es muß an der gleissende Helle seines Herkunftslandes Spanien liegen, daß diese Bilder eine dunkel knisternde mystriöse Erotik ausstrahlen – all dieses Rot und Yves-Klein?Blau in den Bildern! Lest das Interview! Und hier meine fotografische femme Numero eins: Elizaveta Porodina. Da gibts nen interessanten Artist Statement Film ‘zu. Der ist leider nicht auf ihrer Homepage. Ebensowenig wie das Interview mit Txema auf seiner….das alte Leid mit den Kreativen..

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Also: (Mode)fotografen der Gegend! Ist da jemand? Der /die /das auch will?

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Musik beim Schreiben heute:

Moby: “Hotel”, Bonus CD (!), Virgin, 2005

The Quiet Boys: “Can’t Hold the Vibe“,  Acid Jazz, 1992

St. Germain: “Boulevard”, F Communication, 1995

zugelaufen V 3.0: “atelier digitale” zum Selbermoodboarden

Hey wow: mitten im kalt-fröstelnden too-late-Wintereinfall gefunden: drei grandiose Videos (=Triptychon)

Handbags and models in 1 Go...

LA BOMBA – da sind auch Handtaschen im Video! Ich schwör!

MAking-Of Fotografie mit Stefan Milev

Stefan Milev: Die Fotografen-Challenge c/o Vogue

Artist Statement Elizaveta Porodina

Elizaveta Porodina: Die Fotografen-Challenge c/o Vogue

und die leichtfertig in “Raum ist wichtig”-übersetzte Moodboard-zum-Selber-hin-und-herschieben space-matters.com. Claim:

«A digital atelier where inspirational women in fashion share their ideas«

Ich brauch nen Clip!

Es gibt da eine große Lust. Kein Zucken, Umgucken, keinen nervös flackernden Augen-auf-Statistik-schlag, keine OnlineRechereche: nichts  fesselt (m)ein modernes Auge mehr als bewegte Bilder. Und,  je mehr faszinierende Mode|Werbe|Kurzclips gar unter 1 Minute Länge mir da so unter besagtes kommen und mich erstaunt, was man mittlerweile ohne Hollywoodbudget ( schaut mal hier und hier und hier und hier) so machen kann, desto weniger Wunder löst sich da irgendwann der innerliche Ruf:  Ich brauch’ nen Clip!

Für mich immer  wieder LieblingsHerausforderung: etwas Cooles hinbekommen mit vorhandenen Mitteln. In meinem Fall: archivierte (!) oder neue Ideen. Und ein “Lager” an Collectionen. Damit meine ich meine, äh, “Charakteristika” der Requisitenhortung. Genau die ist jetzt nämlich reif.

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Das Dolle an diesen Haushaltsüblichen™ ist der visuelle Verfremdungseffekt, den man durch deren schiere Wiederholung (Stückzahl=Menge) im Bild und bloßes Fotografieren hinbekommt. Natürlich brauchts da im Vorfeld viel Zeit, konsequente Hartnäckigkeit und etwas schrulligen Geschmack, der sich lang angeleint allzeit bereit auf das Sammeln kaprizieren darf.

Hier zum Beispiel und à propos 1. Advent seht Ihr meine über die Jahre erworbene komplettkompakte Weihnachtsdeko: aus drei Teilen. Die steht das ganze Jahr über so in einer Ecke meines Schlafzimmers. Zum Fototermin hab ich sie erst auf ein Brett und dann in die Sonne gestellt – und der linke “Baum” mit den Wendepailletten hat den Schnee auf die Hintergrundpappe gezaubert..62850028Und – falls ich je zu Erwähnen vergaß – da sich der Clip natürlich auf die Handtaschen zubewegen soll, “dürfen” auch PinXoGraphien:nnn-scanp-171201-560e-r5vr2nnn-scanp-171201-560-recollvrlfscreen-160403-320-re2v3nnn-scanp-171130-559b-rec3nnn-scanp-171201-560d-r3vkhbk-nnn-scanp-171130-559-re

..verrührt das mal im Kopf!!

start--560h-meets-310e..und vom frischen Dezember-Einrichterpoodle-des-Monats kommen noch weitere Versatzstücke für dieses Moodboard/ Inspirationen aus dem echten Leben mit HandtaschenHandwerk:

http://theselby.com/galleries/collaborations/the-loewe-workshop-and-senor-loewe-at-home-in-madrid/

http://theselby.com/galleries/kimberly-and-nancy-wu-owners-and-product-designers-of-building-block-at-their-studio-in-los-angeles/

http://theselby.com/galleries/jason-jones-and-mike-feldman-at-their-studio-in-los-angeles/

..drei Links mit erwärmenden Inspirationen: nicht nur feine Waren und ihre Schöpfer, also explizite moderne Produktplatzierung in Bild und Text und Me-Placement, sondern auch – mir spannender – Werkzeuge im Gebrauch, “lehrreiche” Werkstattinterieurs, unerreichbare Sammlerobjekte @ home im Regal, die auch uns nonetheless Genuß bringen und die “richtige” Benennung der URLs ;-)

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Musik beim Nachschneiden am Morgen und Abend danach:

Dinah Washington: “Destination Moon” zum “unter 1 Minute”-Clip oben ;-)

Ital Tek: “Nebula Dance”, Planet Mu, 2012

Fever Ray: “Fever Ray”, V2 Records, 2009

Michael Haydn: “Sinfonie Nr. 23 F-Dur”, Deutsche Kammerakademie Neuss / Johannes Goritzki

WerbeClips als Rachenputzer

Sechzig Sekunden. Das wäre mein Limit, würde ich in einem Interview gefragt, wie lange ich Filme ertragen kann, ohne mich zu langweilen. Werbefilme, versteht sich.  Solche mit Story halt’ ich länger aus – man will ja wissen, wie’s ausgeht nach neun Minuten fünfundzwanzig  ;-) MusikClips? Gerne ein Stück länger! Spannende Spielfilme Making-Ofs am längsten (dazu demnächst mehr in der Kategorie The Making Of The Making-Of).

Heute drei plus1 Clips in dieser kategorischen und irgendwie auch wörtlich chronologischen Reihenfolge:

1. Werbung: RankinFilm gibt sich die Ehre in aller Kürze (30 Sekunden)

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Dazu der Artikel: How Does Hunger Magazine See JIL SANDER? auf designscene.net

2. Find-ich-auch-youtube Kommentar:” i just cant believe the luxury brand has a funny commercial”
(Lanvin Fall 2011 Campaign Movie) (60 Sekunden inkl. Vorhang)youtube-embedding-memorial-

- Zur Auflockerung in 3:59 mein favorite MusikClip derzeit. Angesichts dessen man sich fragt, was fünfzig Jahre (elektro-)technische Entwicklung denn so bewirkt haben , wenns doch auch so geht: New Order‘s Hit aus dem Jahr 1983, auf 30er Jahre Instrumentarium gespielt:

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Abschluß: der längste Clip des Tages. Mit  kompakter Handlung, Dramaturgie, dem  fürs Genre klassischen Spiel mit der Vorstellung des Zuschauers- ein kompletter Kinoabend in klein.. ein Thriller in schmalen 9 Minuten 25 . Plus FluchtAuto -  ebenfalls: mini..

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Parallele in der Literatur: wie schreibt doch ein Herr Kerr (1867-1941) so schön: «Aus einem Gedanken macht der Stückmacher ein Stück. Der Schriftsteller einen Aufsatz. Ich einen Satz.»

PS.: wer sich für die “Geschichte” dieser youtube-Einbettungs-Ersatzbilder interessiert, hier die Story dazu.

Handtaschenräuber, Handtaschenräuber, überall, überall Handtaschenräuber!

Daß man Diversestes in meinen pinxographischen Bildern entdeckt – das ist Programm und seit nun fast exakt zwei Jahren kaltblütig ausgeführter VorgehensPlan.

Daß ich aber nun den zweck’gebundenen Haushalt’s üblichen G’brauch zugetragen kriege..

..Überraschung!

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Den Einwurf in einer vor-Ort-Bildbesprechung «Dieses da will ich als Bettwäsche für meine (künftigen) Kinder!» erstaunte mich schon, aber der Hammer ist, war und bleibt wohl

«Mach doch Handtaschen draus!»

Meine Spontan-Reaktion: dasselbe ungläubige «Hä?» wie seinerzeit zum Vorschlag:

«Ooch, mach doch mal Postkarten

Solch ubergriffige Verwertungsmentalität muß man als aufs Zweckfreie geeichte, sensible Kreativseele™ erst mal verdauen ;-) Also setz ich mich, nachdem nun schon drei, vier Wochen vergangen abgeklungen sind, gestern morgen halt hin und mach spaßeshalber eine digitale Stanze. Namens HandBagKit:HandBagKit2Das sind, ebenso wie die kürzlich schnell zusammengeklickte Inneneinrichtung, drei simple Grundbausteine aus dem  werkseitigen Formenkanon des Photoshop:

  • zwei Ellipsen, konzentrisch übereinander geschoben, dazu
  • ein perspektivisch verzerrtes Rechteck mit abgerundeten Ecken.

Zack. Handtaschenbausatztutorial. Die entstandene Form definier’ ich mir um, entferne das Grau & mach so eine Maske draus, die man wie nen schön geschnittenen Karton über die Bilder vor alles halten kann, um die Handbagtauglichkeit zu testen: hbk-nnn-scanp-170530-483bDAS ist der allererste Schnellschuß mit dieser Methode. Ich hab ein erst bestes farben frohes Blatt dieser Woche ausgesucht, etwas verkleinert und mit  Steuerung V die Handtaschenstanze automatisch in die Mitte des Blattes reingepastet. Hey Voilà! Don’t touch it! It’s perfect!

Gleich weiter. Nächstes Opfer, neuer Anlauf: unterseeisch diesmal

hbk-nnn-scanp-170529-482c-rhbk-nnn-scanp-170529-482c-sHier ein Entwurf mit “Testumgebung”, also dem zugrunde liegenden Pinxographischen Bild im und als Hintergrund. Wie ne Tapete zur Tasche. Ganz so wie in American Beauty, wo die Stimme des  Off-Erzählers gleich anfangs-szenisch raunt: “Sehen Sie, wie gut die Farbe der Heckenschere zur Farbe der Schuhe meiner Frau paßt? Das ist kein Zufall.” ;-)

Und gleich noch eins – hey, das macht Spaß!

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jetzt back 2: Handtaschenstanzen!

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Aber jetzt sofort diesen herrlichen ersten Elan ausnutzen!

Und irgendwann vielleicht um eine HandBagApp, die dem Dilemma der Frau da neulich an der Kasse vor mir sacht entgegensteuert: “In dieser Tasche fehlt nur eines:  …. Ordnung!”

Hier gleich noch ein paar aus der “Nachmittagsschicht”:

 

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PS.: zum Titel, dem etwas länglichen heute: Der kann auch von Millennials schnell als launige Zeile eines 82er Foyer des Arts-Textes ergoogelt werden. Den gibts auch – wenig Wunder – als youtube – Anhörbeispiel. (..) So altes sperriges Zeuch liefe bei mir schon fast unter historisches Unterrichtsmaterial aus einer Zeit, als noch mehr  grobe/feine Ironie in der Öffentlichkeit verwendet wurde/ankam..

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Musik beim Schreiben und Stanzen heute:

Original Motion Picture Score: “American Beauty”, Dream Works, 1999

Marcel: “viginti etduo”, Mole Listening Pearls, 1999

Quazar: “21 hours”, Superstition, 1999

Mode schauen

Wieder mal lange herumgetrieben im Netz. Geguckt und gelesen, was andere so machen mit ner Kamera. Gelernt dabei: Fotografen, die am Puls der Zeit sind, sind auch am Puls von fashion. So schlingert man mäuslings irgendwann auch um Modemacher und -schauen. Entdeckung der Saison für mich : der Fotograf Nick Knight mit seinem showstudio.com:
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Interessant an dieser “Führung” finde ich die Erwähnung (3:20) , wie sich Mode und ihre faszinierende Entstehung mithilfe der Internet-Technologie und dem damit easily kommunizierbar gewordenen Medium Film völlig neue Wege zu den Fashionistas bahnt. Daß der Begriff des Mode Machens, des Teamworks mit der bewegten Komponente, die halt Fotos nicht, dafür Filmclips liefern, auf eine völlig neue Stufe der realitätsnahen, spannenden Darstellungsebene gehoben wird. Bewegte Bilder den Prozeß Mode viel besser veranschaulichen können als die klassische Modefotografie. Wie kann ich es noch ausdrücken?! Extrem informativ darum, als ich dieses Video entdeckte, in dem der angesagte Designer Gareth Pug höchstpersönlich und höchst unglamourös selbst auf den Knien herumrutscht, klebt, glattstreicht, ankreidet, im Hintergrund als Beschallung ein Who´s Who des klassischen 80er Elektro-New-Wave-Romantik Universums und ein gutes Maß Soul Hits der Siebziger (ok- Roisin Murphy ist auch mit im Mix ;-) Solche und sehr ähnliche Aktionen kenne ich auch beim Fotoshooting-Vorbereiten, das ich ab und an- viel zu selten!- bei befreundeten Kollegen miterleben darf: Daß ich auf diesem Blog scheinbar plötzlich aufs Thema Mode komme, hier eben aus der fotografischen Richtung, braucht Euch aber nicht allzu sehr verwundern: als Sprössling einer Damenoberbekleidungsschneiderin war das Thema Nähen eigentlich schon immer in meinem Gesichtskreis: die gute alte, fuß-getriebene Pfaff 230 begleitete mich mit ihrem elegant-sanften Geratter, mit dem Schwungrad unten, das mit Lederriemens´ Hilfe die Nähmechanik oben bewegte durch meine gesamte Kindheit. Erst viel später begann ich mich dafür zu interessieren, wie das denn so en detail geht: man den Ober- und Unterfaden einfädelt, spult, die Nadel wechselt, die Fadenspannung einstellt und dann: Stepp- und Zickzack-Stich setzt oder Knopflochränder kurbelt. Auch wenn dieser erste Artikel zum Thema Anziehsachen und wie darin aussehen nach Introduktion in ein neues Tätigkeitsfeld klingen mag: Modefotografie selber machen interessiert mich nur wenig- ungleich faszinierender finde ich das Fotografieren des Making-Of. Aber Großes Aber: Kleider machen Leute- das gilt immer noch, auch, wenn sich in unserem Zeitalter des Trash und Stilmix-Urwaldes, an dem sich keiner mehr stört, diese menschliche Grundwahrheit etwas unsichtbar geworden ist. Nicht, daß ich der Wiederkehr eines Styles oder gar der Rückkehr der 80er-Zwänge das Wort reden will- aber das beliebig Scheinende, Unauffällig-Erkennungsmerkmalarme der aktuellen Mode finde ich oft schade- mit etwas Willen zum Stil oder auch Geschmack könnte alles viel mehr Spaß beim Hingucken machen!

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Nachtrag: Eine kurze, knackige Einführung in DIE Modefotografen des Planeten “Angesagt” fand ich auf styleite.com

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Passende Musik beim Nachschneiden:

Roisin Murphy: “Overpowered”, EMI, 2007

Estelle Montenegro: “Waterfalls”, Elektrolux, 2001