Kategorie-Archiv: Mode schauen

Ich brauch nen Clip!

Es gibt da eine große Lust. Kein Zucken, Umgucken, keinen nervös flackernden Augen-auf-Statistik-schlag, keine OnlineRechereche: nichts  fesselt (m)ein modernes Auge mehr als bewegte Bilder. Und,  je mehr faszinierende Mode|Werbe|Kurzclips gar unter 1 Minute Länge mir da so unter besagtes kommen und mich erstaunt, was man mittlerweile ohne Hollywoodbudget ( schaut mal hier und hier und hier und hier) so machen kann, desto weniger Wunder löst sich da irgendwann der innerliche Ruf:  Ich brauch’ nen Clip!

Für mich immer  wieder LieblingsHerausforderung: etwas Cooles hinbekommen mit vorhandenen Mitteln. In meinem Fall: archivierte (!) oder neue Ideen. Und ein “Lager” an Collectionen. Damit meine ich meine, äh, “Charakteristika” der Requisitenhortung. Genau die ist jetzt nämlich reif.

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Das Dolle an diesen Haushaltsüblichen™ ist der visuelle Verfremdungseffekt, den man durch deren schiere Wiederholung (Stückzahl=Menge) im Bild und bloßes Fotografieren hinbekommt. Natürlich brauchts da im Vorfeld viel Zeit, konsequente Hartnäckigkeit und etwas schrulligen Geschmack, der sich lang angeleint allzeit bereit auf das Sammeln kaprizieren darf.

Hier zum Beispiel und à propos 1. Advent seht Ihr meine über die Jahre erworbene komplettkompakte Weihnachtsdeko: aus drei Teilen. Die steht das ganze Jahr über so in einer Ecke meines Schlafzimmers. Zum Fototermin hab ich sie erst auf ein Brett und dann in die Sonne gestellt – und der linke “Baum” mit den Wendepailletten hat den Schnee auf die Hintergrundpappe gezaubert..62850028Und – falls ich je zu Erwähnen vergaß – da sich der Clip natürlich auf die Handtaschen zubewegen soll, “dürfen” auch PinXoGraphien:nnn-scanp-171201-560e-r5vr2nnn-scanp-171201-560-recollvrlfscreen-160403-320-re2v3nnn-scanp-171130-559b-rec3nnn-scanp-171201-560d-r3vkhbk-nnn-scanp-171130-559-re

..verrührt das mal im Kopf!!

start--560h-meets-310e..und vom frischen Dezember-Einrichterpoodle-des-Monats kommen noch weitere Versatzstücke für dieses Moodboard/ Inspirationen aus dem echten Leben mit HandtaschenHandwerk:

http://theselby.com/galleries/collaborations/the-loewe-workshop-and-senor-loewe-at-home-in-madrid/

http://theselby.com/galleries/kimberly-and-nancy-wu-owners-and-product-designers-of-building-block-at-their-studio-in-los-angeles/

http://theselby.com/galleries/jason-jones-and-mike-feldman-at-their-studio-in-los-angeles/

..drei Links mit erwärmenden Inspirationen: nicht nur feine Waren und ihre Schöpfer, also explizite moderne Produktplatzierung in Bild und Text und Me-Placement, sondern auch – mir spannender – Werkzeuge im Gebrauch, “lehrreiche” Werkstattinterieurs, unerreichbare Sammlerobjekte @ home im Regal, die auch uns nonetheless Genuß bringen und die “richtige” Benennung der URLs ;-)

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Musik beim Nachschneiden am Morgen und Abend danach:

Dinah Washington: “Destination Moon” zum “unter 1 Minute”-Clip oben ;-)

Ital Tek: “Nebula Dance”, Planet Mu, 2012

Fever Ray: “Fever Ray”, V2 Records, 2009

Michael Haydn: “Sinfonie Nr. 23 F-Dur”, Deutsche Kammerakademie Neuss / Johannes Goritzki

WerbeClips als Rachenputzer

Sechzig Sekunden. Das wäre mein Limit, würde ich in einem Interview gefragt, wie lange ich Filme ertragen kann, ohne mich zu langweilen. Werbefilme, versteht sich.  Solche mit Story halt’ ich länger aus – man will ja wissen, wie’s ausgeht nach neun Minuten fünfundzwanzig  ;-) MusikClips? Gerne ein Stück länger! Spannende Spielfilme Making-Ofs am längsten (dazu demnächst mehr in der Kategorie The Making Of The Making-Of).

Heute drei plus1 Clips in dieser kategorischen und irgendwie auch wörtlich chronologischen Reihenfolge:

1. Werbung: Schade:  RankinFilm gibt gab sich die Ehre in aller Kürze (32 Sekunden) ist ab sofort offline. Die über doppelt so lange und dagegen echt langatmig wirkende 1:15 Version als Trost hier:

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Dazu der Artikel: How Does Hunger Magazine See JIL SANDER? auf designscene.net

2. Find-ich-auch-youtube Kommentar:” i just cant believe the luxury brand has a funny commercial”
(Lanvin Fall 2011 Campaign Movie) (60 Sekunden inkl. Vorhang)youtube-embedding-memorial-

- Zur Auflockerung in 3:59 mein favorite MusikClip derzeit. Angesichts dessen man sich fragt, was fünfzig Jahre (elektro-)technische Entwicklung denn so bewirkt haben , wenns doch auch so geht: New Order‘s Hit aus dem Jahr 1983, auf 30er Jahre Instrumentarium gespielt:

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Abschluß: der längste Clip des Tages. Mit  kompakter Handlung, Dramaturgie, dem  fürs Genre klassischen Spiel mit der Vorstellung des Zuschauers- ein kompletter Kinoabend in klein.. ein Thriller in schmalen 9 Minuten 25 . Plus FluchtAuto -  ebenfalls: mini..

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Parallele in der Literatur: wie schreibt doch ein Herr Kerr (1867-1941) so schön: «Aus einem Gedanken macht der Stückmacher ein Stück. Der Schriftsteller einen Aufsatz. Ich einen Satz.»

PS.: wer sich für die “Geschichte” dieser youtube-Einbettungs-Ersatzbilder interessiert, hier die Story dazu.

Handtaschenräuber, Handtaschenräuber, überall, überall Handtaschenräuber!

Daß man Diversestes in meinen pinxographischen Bildern entdeckt – das ist Programm und seit nun fast exakt zwei Jahren kaltblütig ausgeführter VorgehensPlan.

Daß ich aber nun den zweck’gebundenen Haushalt’s üblichen G’brauch zugetragen kriege..

..Überraschung!

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Den Einwurf in einer vor-Ort-Bildbesprechung «Dieses da will ich als Bettwäsche für meine (künftigen) Kinder!» erstaunte mich schon, aber der Hammer ist, war und bleibt wohl

«Mach doch Handtaschen draus!»

Meine Spontan-Reaktion: dasselbe ungläubige «Hä?» wie seinerzeit zum Vorschlag:

«Ooch, mach doch mal Postkarten

Solch ubergriffige Verwertungsmentalität muß man als aufs Zweckfreie geeichte, sensible Kreativseele™ erst mal verdauen ;-) Also setz ich mich, nachdem nun schon drei, vier Wochen vergangen abgeklungen sind, gestern morgen halt hin und mach spaßeshalber eine digitale Stanze. Namens HandBagKit:HandBagKit2Das sind, ebenso wie die kürzlich schnell zusammengeklickte Inneneinrichtung, drei simple Grundbausteine aus dem  werkseitigen Formenkanon des Photoshop:

  • zwei Ellipsen, konzentrisch übereinander geschoben, dazu
  • ein perspektivisch verzerrtes Rechteck mit abgerundeten Ecken.

Zack. Handtaschenbausatztutorial. Die entstandene Form definier’ ich mir um, entferne das Grau & mach so eine Maske draus, die man wie nen schön geschnittenen Karton über die Bilder vor alles halten kann, um die Handbagtauglichkeit zu testen: hbk-nnn-scanp-170530-483bDAS ist der allererste Schnellschuß mit dieser Methode. Ich hab ein erst bestes farben frohes Blatt dieser Woche ausgesucht, etwas verkleinert und mit  Steuerung V die Handtaschenstanze automatisch in die Mitte des Blattes reingepastet. Hey Voilà! Don’t touch it! It’s perfect!

Gleich weiter. Nächstes Opfer, neuer Anlauf: unterseeisch diesmal

hbk-nnn-scanp-170529-482c-rhbk-nnn-scanp-170529-482c-sHier ein Entwurf mit “Testumgebung”, also dem zugrunde liegenden Pinxographischen Bild im und als Hintergrund. Wie ne Tapete zur Tasche. Ganz so wie in American Beauty, wo die Stimme des  Off-Erzählers gleich anfangs-szenisch raunt: “Sehen Sie, wie gut die Farbe der Heckenschere zur Farbe der Schuhe meiner Frau paßt? Das ist kein Zufall.” ;-)

Und gleich noch eins – hey, das macht Spaß!

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jetzt back 2: Handtaschenstanzen!

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Aber jetzt sofort diesen herrlichen ersten Elan ausnutzen!

Und irgendwann vielleicht um eine HandBagApp, die dem Dilemma der Frau da neulich an der Kasse vor mir sacht entgegensteuert: “In dieser Tasche fehlt nur eines:  …. Ordnung!”

Hier gleich noch ein paar aus der “Nachmittagsschicht”:

 

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PS.: zum Titel, dem etwas länglichen heute: Der kann auch von Millennials schnell als launige Zeile eines 82er Foyer des Arts-Textes ergoogelt werden. Den gibts auch – wenig Wunder – als youtube – Anhörbeispiel. (..) So altes sperriges Zeuch liefe bei mir schon fast unter historisches Unterrichtsmaterial aus einer Zeit, als noch mehr  grobe/feine Ironie in der Öffentlichkeit verwendet wurde/ankam..

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Musik beim Schreiben und Stanzen heute:

Original Motion Picture Score: “American Beauty”, Dream Works, 1999

Marcel: “viginti etduo”, Mole Listening Pearls, 1999

Quazar: “21 hours”, Superstition, 1999

Mode schauen

Wieder mal lange herumgetrieben im Netz. Geguckt und gelesen, was andere so machen mit ner Kamera. Gelernt dabei: Fotografen, die am Puls der Zeit sind, sind auch am Puls von fashion. So schlingert man mäuslings irgendwann auch um Modemacher und -schauen. Entdeckung der Saison für mich : der Fotograf Nick Knight mit seinem showstudio.com:
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Interessant an dieser “Führung” finde ich die Erwähnung (3:20) , wie sich Mode und ihre faszinierende Entstehung mithilfe der Internet-Technologie und dem damit easily kommunizierbar gewordenen Medium Film völlig neue Wege zu den Fashionistas bahnt. Daß der Begriff des Mode Machens, des Teamworks mit der bewegten Komponente, die halt Fotos nicht, dafür Filmclips liefern, auf eine völlig neue Stufe der realitätsnahen, spannenden Darstellungsebene gehoben wird. Bewegte Bilder den Prozeß Mode viel besser veranschaulichen können als die klassische Modefotografie. Wie kann ich es noch ausdrücken?! Extrem informativ darum, als ich dieses Video entdeckte, in dem der angesagte Designer Gareth Pug höchstpersönlich und höchst unglamourös selbst auf den Knien herumrutscht, klebt, glattstreicht, ankreidet, im Hintergrund als Beschallung ein Who´s Who des klassischen 80er Elektro-New-Wave-Romantik Universums und ein gutes Maß Soul Hits der Siebziger (ok- Roisin Murphy ist auch mit im Mix ;-) Solche und sehr ähnliche Aktionen kenne ich auch beim Fotoshooting-Vorbereiten, das ich ab und an- viel zu selten!- bei befreundeten Kollegen miterleben darf: Daß ich auf diesem Blog scheinbar plötzlich aufs Thema Mode komme, hier eben aus der fotografischen Richtung, braucht Euch aber nicht allzu sehr verwundern: als Sprössling einer Damenoberbekleidungsschneiderin war das Thema Nähen eigentlich schon immer in meinem Gesichtskreis: die gute alte, fuß-getriebene Pfaff 230 begleitete mich mit ihrem elegant-sanften Geratter, mit dem Schwungrad unten, das mit Lederriemens´ Hilfe die Nähmechanik oben bewegte durch meine gesamte Kindheit. Erst viel später begann ich mich dafür zu interessieren, wie das denn so en detail geht: man den Ober- und Unterfaden einfädelt, spult, die Nadel wechselt, die Fadenspannung einstellt und dann: Stepp- und Zickzack-Stich setzt oder Knopflochränder kurbelt. Auch wenn dieser erste Artikel zum Thema Anziehsachen und wie darin aussehen nach Introduktion in ein neues Tätigkeitsfeld klingen mag: Modefotografie selber machen interessiert mich nur wenig- ungleich faszinierender finde ich das Fotografieren des Making-Of. Aber Großes Aber: Kleider machen Leute- das gilt immer noch, auch, wenn sich in unserem Zeitalter des Trash und Stilmix-Urwaldes, an dem sich keiner mehr stört, diese menschliche Grundwahrheit etwas unsichtbar geworden ist. Nicht, daß ich der Wiederkehr eines Styles oder gar der Rückkehr der 80er-Zwänge das Wort reden will- aber das beliebig Scheinende, Unauffällig-Erkennungsmerkmalarme der aktuellen Mode finde ich oft schade- mit etwas Willen zum Stil oder auch Geschmack könnte alles viel mehr Spaß beim Hingucken machen!

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Nachtrag: Eine kurze, knackige Einführung in DIE Modefotografen des Planeten “Angesagt” fand ich auf styleite.com

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Passende Musik beim Nachschneiden:

Roisin Murphy: “Overpowered”, EMI, 2007

Estelle Montenegro: “Waterfalls”, Elektrolux, 2001