Kategorie-Archiv: Desktopkiste

Jagen, Sammeln und dann zuhause Verlieren

Alle machen das. Schaffen sich immer mehr und billigeren Platz an, den man per Steckverbindung an sein Universum andocken kann. Erhöhen dann vertraglich die Geschwindigkeit, mit der das (Ein)Sammeln geht. Und finden sich folgerichtig einem stetig wachsenden, immer unübersichtlicher werdenden Kosmos auf der Festplatten (das ist wienerisch, gell?) gegenüber. Und bei jedem neuen Runterlad wird -wenn überhaupt- fahrig in schnell benannte Ordner hineingewinkt- die Suchfunktion wirds schon richten, denn

EINES Tages guck ich mir diese Filme BESTIMMT an und hör diese 10.000 Songs!! Hat man bei den Großeltern zwar gern&kollektiv belächelt: diese zwangsgesteuerte Vorratshaltung - unser “digitales Verhalten” hat somit eine lange Tradition-  doch DAS HIER ist ja was VÖLLIG anderes!
Zum Glück und gegen das nach Messie riechende Unaufgeräumte, chaotisch Archivierte, das zum Glück unsichtbar im Rechner existiert und nicht auf die Wohnungseinrichtung abfärbt, taucht als Rettungschimäre  ja langsam die Cloud auf. Und als zweites, noch praktischeres Neues das Streamen: das Leben mit digital unterstütztem Bewußtseinsstrom wird technisch real: dank technischen Fortschreiten und steigenden Anbieteraufkommen kann ich dem Partnergerät nun nach Laune zurufen: “Hast Du was von den Montana Chromboys?” und nach wenigen Sekunden startet ein automatisierter MixderHits.

So wandelt sich über die Zeit und die Generationen der klassische, doch leicht anrüchige digitale Hamsterkauf zur lockerflockigen modernen Inanspruchnahme des Streamanbieters, so ändern sich die Zeiten: Wir speichern für Euch. Auf Zuruf rücken wir raus (falls Ihr schön die laufenden Raten bezahlt habt). Interessant, sich so eine Art Service für Lebensmittel, Atemluft, Wasser und Lebensentwürfe vorzustellen.

Soweit die Vorrede. Nun zum Thema: ich sammle natürlich auch. Und weiter: das schon immer und daher lange vor Beginn meiner persönlichen PC-Ära. Irgendwie hab ich es hingekriegt, nicht ohne Aussicht auf zeitnahen Werksgenuß einfach drauflos Daten zu saugen, sondern alles nach und nach anzuschaffen und zu genießen. Was kulturelle Werke (heute: Bilder) angeht, hab ich da eine spezielle “Diät” entwickelt: meine “Desktopkiste“.

Das ist ein spezieller Bilderordner, in den aus dem Internet Aufseheneregendes reingespeichert wird. Ich schau grad mal nach und kann sagen: in den vergangenen vier Monaten hab ich je 160 Bilder durchschnittlich da reingezogen. Handverlesen und passend benannt. Ob das viel oder wenig ist…

Diese Bilder horte ich nicht nur, weil ich dolle Bilder gucken will, sondern um ihrer Inspirationskraft, ihres Ideen- und Informationsgehaltes wegen. Fünf Kategorien sind auf Anhieb deutlich auszumachen:

  • interessante Fotos (ja, ja, das gaanz Offensichtliche ;-) )
  • Porträts, meistens von historischen Persönlichkeiten und Örtlichkeiten
  • Schemata und Grafiken, meistens wissenschaftlich
  • Scans historischer Landkarten und Ansichten
  • Screenshots von Google Earth oder Panoramio.com
  • Gemälde

Da ich es für erwähnenswert halte, über diese Bilder, ihre persönliche Verwendung, Menge und erkannten Informationsgehalt  zu kommunizieren, werde ich in Zukunft die Kategorie Desktopkiste einführen. Da ich aus urheberrechtlichen Gründen diese Bilder hier nicht zeigen will, ist mir im Laufe der Internetbenutzung ein sehr interessanter “Trick” zugewachsen, wie ich das umgehen kann: ich werde .. nein, nicht wie üblich einfach alles auf pinterest, iheartirgendwas, tumblr, flickr et al hochladen, also weit weg und dem juristischen Zugriff entrückt, sondern klassisch: verlinken. ABER:

Da man sich außerhalb der eigenen vier Internet-wände nicht darauf verlassen kann, daß das dauerhaft und in zwei Jahren zu einem Ergebnis führt und nicht zu ner 404er Meldung übermorgen, gibts da folgenden Trick:

Ich verlinke das Suchergebnis nach diesem von mir zur Suche hochgeladenen Bild. Es bleibt unsichtbar, nur sein Aufkommen im Netz, das von der Suchmaschine indiziert ist, wird sichtbar. Hört sich verspult an, geht aber ganz einfach. Probiert mal:

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als Postskriptum die WortFunde des Tages:

die Wertbeimessungsstörung,

die Mona Lisa als Modell des “Eigenwertproblems

die Sandbox

Tierhortung (“Being John Malkovich” läßt schön grüßen..)

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Musik beim Schreiben heute:

Gene Ammons: “Bad! Bossa Nova”, Prestige, 1962

Amp Fiddler: “Afro Strut” , PIAS, 2006

Laurie Anderson: “Mister Heartbreak″, Warner, 1984  (2 mal bitte, wegen des Synklavierklangs ;-) )