Kategorie-Archiv: Allgemein

Hallo auf meinem Blog


Ich renoviere bzw. ziehe gerade auf einen anderen Server um. Deshalb gibts hier kurzfristig etwas Leere und unausgepackte Kisten.. Etwas Geduld bitte, bis ich alles wieder am Platz habe- zwanzig (von hundertdreißig) alten Beiträgen plus einen neuen gibts schon wieder zu lesen/anzuschauen. Die “Texte”-Seite wird noch überarbeitet, damit sie nicht ins Leere führt, die Info-Links auf der Postkartenübersichtsseite sind aktualisiert. And ebenso my English version came back…

Euer Soodlepoodle

Weiterskriptum: Überhaupt bietet so ein Umzug- wie im offline/echten Leben DIE Gelegenheit, klar Schiff zu machen. Zu entschlacken, auszusortieren. Zu entscheiden, was vielleicht besser in den Umzugskisten bleibt (und in den Keller namens backup-Archiv wandert) oder wieder “oben in der Wohnung” in die Vitrine kommt oder gar: durchs Wiedersehen gar Anreiz gibt zur Weiterentwicklung. Eine Neubewertung des Geschriebenen liegt ebenso auf der Hand. Oder: die Beschäftigung mit der Technik, die es bei WordPress Blogs erlaubt, die in langen Monaten und Stunden erarbeitete virtuelle Arbeit komplett per xml-Datei umzuziehen..

Zu diesem Zweck hab ich mir mal die Links zu Themen wie MySQL, php, Hex-Editoren, Zugriffsrechten und Datenbanken zurechtgelegt. Man kann ja mal gaanz sacht da reingucken. Denn: “Wer den Code schreibt, hat die Macht.”

Grad gefunden beim Tippen: das Office Eye Syndrom – könnte ein Kunstprojekt oder ein Bandname sein, oder?!

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Zum Foto oben: diese drei Nixen in Wartestellung sind übrigens Puppen von Suse Wächter. Ich fotografierte sie – auch später in Aktion- 2007 anläßlich des “400er” Mannheimer Stadtjubiläums im Whirlpool der lange stillgelegten “Kurpfalztherme” kurz vorm Beginn der “Helden”-Revue.

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Musik beim Schreiben heute:

Nuspirit Helsinki: “Nuspirit Helsinki”, 2002, Guidance Recordings

das Camera-O-Prinzip

Genug Gehörn gepostet, denke ich gestern abend- was Neues möcht ich aufs Deckblatt. Also browsen durch.. und finden: ein buntes, fleckiges Interieur mit hochgehängten Textilien. Vor allem diese Kombination war es, die mich es wählen ließ – die mir richtige Mischung aus Erkennbar und Rätselhaft:

Vor allem diese erstaunlichen Farben des eigentlich grauen Putzes haben es mir angetan und ich hab mich gefragt, wie diese denn “aufs Grau” kommen. Die Lösung ist jedem konzentrierten Fotografen bekannt: es ist die Lichtreflektion, die aufs zu Fotografierende plötzlich die oft unerwünschten Farben des Reflektors wirft. So auch hier- man muß sich
nur alle Farbflächen auf die gegenüberliegende Seite des Bildmittelpunktes denken, dann kann man quasi den Ausblick aus diesem Zimmer rekonstruieren:

Sehr erstaunlich, daß hier zusätzlich das Camera Obskura- Prinzip zur Augenfälligkeit kommt: die Fensteröffnung wirkt wie eine grobe Linse und bildet zwar ob ihrer Größe die Details zwar total unkenntlich=unscharf ab, das neutrale Putzgrau des Motivs, das diese
Farben dann wiederum der Kamera zurückwirft,  gibt diese aber farbgenauest wieder. Ein starker Impuls, diese Farbpalette mal mit der Pipette daneben “anzuträufeln” war Auslöser für den Bildrand & zieht das Ganze in Richtung Musterkatalog, verdeutlicht sehr schön die
kolossale Farbvarianz..

Cooler Effekt, denke ich und stelle mir vor, man könne sich mit so einem Zimmer frei positionieren, das Fenster etwas kleiner machen, so daß man den Effekt etwas konturierter kriegt. Wie ein Blattflimmern, wenn durch einen benachbarten windbewegten Baum ein Sonnenlichtflirren im Zimmer liegt. Dann fände ich Wohnen mit blauweiß flimmernden Segeln einer Regatta im Gegenlicht super. Oder auf Höhe eines Ballonstarts am frühen Morgen. Mit all den bunten Bubbles wie unscharfe Seifenblasen all over den Wänden ;-)

Weniger das übliche “Nachschneiden”, diesmal eher ein zum Einstieg geratener Nachtrag am Tag danach:

Eigentlich bin ich mit der augenblicklichen Gestaltung genau dieser 3 neuen Startbilder unzufrieden, hätte also die Veröffentlichung noch etwas zugunsten einer “besseren” verzögern sollen. Aber ich will genau diesen Zwischenmoment hier als kleinen Einblick in meine Werkstattgedanken mal festhalten:

Zwar (noch) nicht perfekt, aber mit genau der Strahlkraft der Inspiration, die dieses endgültige Abschließen eines Werks in einem weiteren kleinen Schritt erreichen läßt: das ist das Stadium eines neuen Designs, Bildes, Aufbaus, das mir am Wertvollsten am Schaffensprozeß an sich erscheint. Es ist eine neue Anmutung, ein neuer Geschmack geglückt, dessen Erscheinungsform “nur” noch mit etwas ästhetischer Erfahrung in ein rundes Bild verwandelt werden will.

Als Übergangsversion, nachdem die Idee mit den Farbpipettenproben-am-Rand geboren ward, erreichte ich diese Version, die mir aber schnell zu statisch und langweilig erschien:

Auch die anfänglich hineingerechneten Blendenfleckenundid” ich wieder, da mir das Originalfoto nach der Themenfindung der Farbverteilung wieder völlig ausreichte als solches. Dafür sieht man hier oben gut, wie ich auf der “Suche” nach zwei verwandten
Darstellungsarten fürs Deckblatt und das Menuebild die Einzelteile dieser Darstellung splittete, indem ich eine unscharfe Version sowohl der Farbflecken als auch des Bildes einführte.

Ebenso verwarf ich das unentschieden unscharf wirkende Logo an allzu “braver” Stelle wieder und versteckte es in der Startseite unten beziehungsweise ließ auf der Menueseite wenigstens die Überstrahlungskomponente der rückgängig gemachten Blendenflecken “überleben”. Mein Ziel ist: ich will mich von den eigenen Sachen angeregt fühlen. Beim Wiederanschauen erst recht!!

Im Schreiben begriffen fällt mir hier&jetzt auf, wie gut sich dieses neue Titelbild-Trio eignet, den zugehörigen Findungsprozeß textlich nachzuzeichnen:

zuerst fiel mir die Farbenvielfalt des Fotos auf, ich machte sie am Rand sichtbar und rang dann um eine sowohl inhaltlich wie ästhetisch schlüssige Darstellung. Mit der 940 x 198 Pixel großen Header-Version bin ich bislang am meisten zufrieden:

Sie durchbricht das Gestaltungsprinzip der beiden Großen auf wie ich finde anregende neue Art, schmeckt ein wenig nach unaufgeräumten Design-Lehrbuch und verdeutlicht ohne Worte die Spektrumsweite der Wand hinter den Farb-Musterquadraten. Bei deren Ansicht mir wiederum ein “Einrichtungsphänomen” in den Sinn kommt, das mich unlängst bei einem Besuch auf seenby.com erstaunte: alle dort angebotenen Bilder kommen mit einer statistisch ermittelten Durchschnittsfarbskala zur Anzeige, so daß wie beim Wandfarbtonwählen beim Maler/im Baumarkt mit vorhandenem Inventar abgeglichen werden kann. Motto auch nach über dreissig Jahren: colour me beautiful*

Vielleicht mach ich ja auch nen Geschenkkarton draus und laß das Bild ganz weg:

Ok. Just kidding..

Durchs Schreiben-über kommen immer neue Einsichten und Facetten hinzu. Allein das Verlinken halbwegs bekannter Fremdwörter (dies hier mag ja auch gerne ein Bildungsblog sein wollen;-) ) führt mich stets mindestens einen Schritt weiter- vor allem auf den Wikipedia-Seiten und ich finde heute als Plus:

Also werde ich mich in den nächsten Tagen nochmals hinsetzen und weiterforschen. Vorerst laßt Euch mit mir “vom bislang Erreichten” anregen! Es fehlen nur noch zwei Prisen Gewürze ;-)

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Musik beim Schreiben heute:

Soul II Soul: “Club Classics Vol. 1″, 10 Records, 1989

Avner Dorman/ Metropolis Ensemble, Andrew Cyr: “Concertos for
Mandolin, Piccolo, Piano and Concerto Grosso”, Naxos American Classics,
2010

Antonin Dvorak/Janacek Philharmonic Orchestra, Theodore Kuchar: “Czech Suite op. 39″ Brilliant Classics

Chicane: “Behind The Sun”, XtraVaganza Recordings, 2000

A Fine Frenzy: “Bomb In A Birdcage”, Fastcrowd Entertainment, 2009

Karten Pause und gespannte Erwartung

Na, liebe Leute- ist DAS eine neue Mannheim-Postkarte? Ihr werdet kaum staunen: genau diese Frage stelle ich mir beim Anblick auffällig gelungener Fotos auch. Und komme recht schnell zum Schluß: . Zu abstrakt (im Erkennungspotential), zu längsformatig (für DIN A6), zu unharmonisch (in der Verteilung der Proportionen). Die optische Erscheinung als solche finde ich -gerade auch im Ausschnitt-sehr anregend, aber etwas fehlt oder sitzt falsch, und das ist leider nicht (nur) die Schrift in der Bildmitte. Es bleibt also schwierig.

Fünf Jahre ist es nun her, daß ich begann, Mannheim “kartografisch” aufs Korn zu nehmen. Neununddreissig Motive sind nun geschafft, das heißt: fotografiert, druckfertig gemacht, finanziert, produziert, herangekarrt und finden sich nach einigem Gerenne in den Regalen & Aufstellern der Stadt. Das benachbarte Ludwigshafen kam erst mehr zufällig, dann immer deutlicher anvisiert dazu. Vergangenes Frühjahr gesellte sich gar noch das erste Schwarzwaldmotiv hinzu. Und nun halte ich inne. Seit fast sechs Monaten. Denn: ein solches Projekt bringt den Ausführenden zwar schon hinaus in die Umgebung. Die gezielte Suche nach Motiven zeitigt mit den entstehenden Bildern die frohe Erkenntnis, daß sich selbst innerhalb des überschaubaren Rahmens einer Stadt die Motive NICHT erschöpfen- immer reist man in der alles verändernden Zeit und im stetig sich wandelnden Licht hin zu neuen fotografischen Erscheinungen. Aber ebenso zahlreich sind die Funde, die darüber hinausweisen. Neue Anregungen und damit Ideen entstehen und lenken die Faszination um. Nicht weiter erstaunlich überdies: daß sich nach diesen Jahren etwas auftut, das ich mal die “individuell erarbeitete Postkarten-Klischeefalle” nennen will. Wie die aussieht? Nun: ich schaue mir die bestehenden Motive an, dann die neuen, infragekommenden. Und bin etwas ratlos. Durch meine ausgeprägte Alarm-Antennen für klischierte Darstellungen liegt, so will ich mal sagen, meine persönliche Schwierigkeit darin, als “mehrheitsfähig” identifizierbare Bilder aus den bestehenden Anwärtern, die immer experimenteller geraten wollen herauszusuchen. Das alles mit wachsender Freude und Faszination gemäß des wunderbaren bonmots: der Künstler ist die Quelle des Unbekannten. Oder, wie ich Ende Mai im betreffenden Wiki-Artikel sehr inspiriert zur Kenntnis nahm: “Nach Baselitz entstehen seine Bilder nicht durch Interpretation eines Gegenstandes. Jeder Künstler muss die vorhergehenden Bilder verwerfen. Baselitz beginnt seine Bilder mit Disharmonie (Chaos, Handicaps, Tabubruch, Radikalität). Überraschenderweise stellt sich dann dennoch Harmonie in seinen Werken ein. Das Bild muss enthalten, was bisher noch nicht gesehen wurde.” Solche Gedanken machen für mich die Faszination des kreativen, suchenden Umgangs mit einer Kamera aus. Doch bei der Zielsetzung “Postkartenproduktion” sind sie irgendwann immer schwerer zu erfüllen. Und führen mich unaufhaltsam in einen Zwischenbereich hinein, der weder Fisch noch Fleisch ist.

Denn: die deutliche Abarbeit am Thema läßt meine Bildersprache sich fortentwickeln, verschiebt die persönliche Auffassung von Fotografie. Meine Wahrnehmung der Region und ihren motivlichen Möglichkeiten (ver)schärft sich. Typusmerkmale der Gegend, Ländlichkeiten oder Urbanes nicht nur als Modell und Quelle für Ansichtskarten, sondern darüberhinaus als Erscheinungen persönlichen, kulturellen und biologischen Lebensraums per se in einem Kontext zu erkennen, der über die fotografische Ausformung als Ansichtskarte weit hinausgeht. Mit anderen Worten: es fallen nicht nur die offensichtlichen Zutaten der Zivilisation auf, deren fotografische Darstellung für den common tourist anwendbar scheint, sondern immer stärker einstig als Nebensächlichkeiten bei der Jagd übersehene Dinge und skurrile Kombinationen.

Die Stadt als Wundertüte gewissermassen, immer aufs beste geeignet, den eigenen Standpunkt zum Leben zu reflektieren. So finde ich bei meinen Touren immer neue Sichten auf dieselben Dinge. Die ich schon lange zu kennen glaubte oder als erkannt=abgehakt weiteren Untersuchungen entzog. Das heißt nun beileibe nicht, daß dies das Ende meiner Postkartenzeit bedeuten würde- ein gutes Dutzend Entscheidungen für künftige Karten sind in den letzten Jahren schon gefallen. Gar ihr Platz in der Kartografie ist schon bestimmt. Auch schon beschlossen: die “verflixte siebte” Serie soll die Motive der ersten aufnehmen und bei gleichbleibender ästhetischer Qualität je eine neue Version liefern. Ganz frisch greift nun eine weitere, eher zufällig “entdeckte” Strategie: das Prinzip Latenz: ich fotografiere auf unentwickelte Halde. Dadurch erlebe ich einen neuen Zugang zu den eigenen Bildern: sie sind gemacht, voller Faszination des mittels Kamera erfaßten Augenblicks, bleiben aber erstmal durch das Aufbewahren im lediglich belichteten Zustand nur Erinnerungsabdrücke in meinem Kopf. Das habe ich noch nie gemacht: zirka siebenhundert Bilder stapeln sich und ich erlebe: Vorfreude, Stolz, aber auch ein gewisses Gefühl der Bremsung beim Anblick neuer Motive. Ich verarbeite und repetiere diese nur ein Mal gesehene Bilder, wie die Ahnung eines deutlichen, aber verblassenden Traumes. Erlebtes bekommt dadurch einen völlig neuen Touch!

Das ist ein sehr interessantes, auch emotional faszinierendes Experiment, gerade auch im Hinblick auf mein Bestreben, ein Gefühl für den BilderOverkill der Gegenwart zu bekommen. Es führt zwar (erstmal) nicht zu neuen Postkarten, beunruhigt mich aber auch nicht wirklich, denn ich kann mir kein Geschäft vorstellen, das zum Beispiel sechzig oder mehr Karten nur von Soodlepoodle in ein -dann wohl wandfüllendes- Regal stellen mag… ______________________________________________________________

Musik beim Schreiben heute:

Estelle Montenegro “Waterfalls”, Elektrolux, 2001

Frank Sinatra “Come Fly With Me”, Capitol Records 1958